Quecksilber(I)-chlorid
Strukturformel | |
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Struktur von Quecksilber(I)-chlorid | |
Allgemeines | |
Name | Quecksilber(I)-chlorid |
Andere Namen |
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Summenformel | Hg2Cl2 |
Kurzbeschreibung |
farblose geruchlose Kristalle[1] |
Externe Identifikatoren/Datenbanken | |
ECHA-InfoCard
100.030.266
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Eigenschaften | |
Molare Masse | 472,09 g·mol −1 |
Aggregatzustand |
fest |
Dichte |
7,15 g·cm−3[1] |
Sublimationspunkt | |
Dampfdruck | |
Löslichkeit |
sehr schlecht in Wasser (2,3 mg·l−1 bei 20 °C)[2] |
Sicherheitshinweise | |
H- und P-Sätze | H: 301‐312‐315‐319‐335‐410 |
P: 280‐301+310‐302+352‐304+340‐332+313‐337+313 [3] |
0,1 mg·m−3[1]
Quecksilber(I)-chlorid (Kalomel, von altgriech. καλός kalos ‚schön‘ und μέλας melas ‚schwarz‘, also „schönes Schwarz"; früher auch süßes Quecksilber, Quecksilberchlorür oder Quecksilberhornerz) ist ein farbloser Feststoff, der sich in Wasser nur sehr wenig löst und bei ca. 380 °C sublimiert. Die Summenformel lautet Hg2Cl2.
Im Licht verfärbt es sich allmählich dunkel bis schwarz (daher der Name Kalomel), weil es unter Disproportionierung zu elementarem Quecksilber und Quecksilber(II)-chlorid zerfällt.
Vorkommen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Quecksilber(I)-chlorid kommt in der Natur als seltenes Mineral Kalomel vor, ein dunkelgraues Mineral, das bei höheren Quecksilber(I)-chlorid-Anteilen auch graugelb bis hellgelb sein kann. Noch seltener findet man sehr kleine reine Quecksilber(I)-chlorid-Kristalle in Drusen.
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Quecksilber(I)-chlorid wird in Kalomelelektroden zur Potentiometrie, zur Schädlingsbekämpfung, in der Pyrotechnik für grünleuchtende Fackeln, in der Porzellanmalerei zum Auftrag von Gold und als Katalysator verwendet.
Medizin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Da es wegen seiner äußerst geringen Wasserlöslichkeit vom Körper kaum resorbiert wird, fand es vielfältige Anwendung in der Medizin (als Kalomel, auch Calomel): gegen Entzündungen in Nase und Rachen, als Abführmittel, zur Anregung der Gallenfunktion, gegen Brechdurchfall, bei Wassersucht, Milz-, Leber-, Lungenleiden und gegen Syphilis,[5] sowie äußerlich gegen Hornhautflecken, Windpocken, Geschwüre, und Feigwarzen.
Außerdem wurde es bis in die 1990er-Jahre als Spermizid in chemischen Verhütungsmitteln eingesetzt.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- ↑ a b c d e f Datenblatt Quecksilber(I)-chlorid bei Alfa Aesar, abgerufen am 9. Februar 2010 (Seite nicht mehr abrufbar).
- ↑ a b Datenblatt Quecksilber(I)-chlorid bei Merck, abgerufen am 9. Februar 2010.
- ↑ a b Eintrag zu Quecksilber(I)-chlorid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. Januar 2017. (JavaScript erforderlich)
- ↑ Eintrag zu Dimercury dichloride im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
- ↑ Emil Stern: Ueber das Quecksilberchlorid-Chlornatrium und seine subcutane Anwendung. In: Berliner klinische Wochenschrift. Band 15, 1878, S. 59–64.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 91.–100., verbesserte und stark erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1985, ISBN 3-11-007511-3, S. 1046.
- Fachlexikon ABC Chemie, Band 2, 3. Auflage, Harri Deutsch Frankfurt 1987, S. 957, ISBN 3-87144-899-0.
- J. G. Krünitz: Oeconomischen Encyclopädie . Berlin : Pauli, S. 1773–1858.
- Gefährlicher Stoff mit harmonisierter Einstufung (CLP-Verordnung)
- Giftiger Stoff bei Verschlucken
- Gesundheitsschädlicher Stoff bei Hautkontakt
- Hautreizender Stoff
- Augenreizender Stoff
- Atemwegsreizender Stoff
- Umweltgefährlicher Stoff (chronisch wassergefährdend)
- Quecksilberverbindung
- Chlorid
- Beschränkter Stoff nach REACH-Anhang XVII, Eintrag 18(a)