Venus von Willendorf
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Die Venus von Willendorf ist eine 1908 entdeckte, rund 11 cm große und rund 29.500 Jahre alte Venusfigurine aus dem Gravettien. Sie ist als Österreichs bekanntester archäologischer Fund im Naturhistorischen Museum Wien zu sehen.
Auffindung und Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Die altsteinzeitliche Figurine wurde am 7. August 1908 bei Bauarbeiten zur Donauuferbahn in Willendorf in der Wachau von Johann Veran, einem der Arbeiter, gefunden[1] [2] . Der in der Nähe stehende archäologische Leiter und damalige Kurator des k. k. naturhistorischen Hof-Museums, Josef Szombathy, zeigte die Figur daraufhin seinem Stellvertreter, Josef Bayer[2] (Lage 48.32333333333315.404166666667).[3] Beaufsichtigt wurden die Arbeiten von Hugo Obermaier und Josef Bayer.
Die Figurine befand sich in 25 cm Tiefe unterhalb von Stratum 9, in einem Boden aus Sand und Asche. Schon 1910 galt sie als berühmt.[4] Neuere Ausgrabungsfunde in Willendorf stellten fest, dass schon vor 43.500 Jahren dort gesiedelt worden ist.[5]
Weitere Frauenstatuetten an derselben Fundstelle wurden 1926 entdeckt, nämlich Venus II (Elfenbein, sehr schlechter Erhaltungszustand) und Venus III (Elfenbeinstück mit Bearbeitungsspuren, Einordnung als Venusfigurine umstritten) genannt.[6] Sie werden der Fundschicht 9 zugeordnet, während jüngere Untersuchungen zeigten, dass Venus I 25 cm unterhalb von Schicht 9 lag und mit einer Holzkohleschicht assoziiert war.
Der an der Ausgrabung beteiligte Archäologe Josef Bayer wusch die Figurine am Tage der Auffindung mit Wasser ab, so dass Farbspuren getilgt wurden, wenn auch nicht vollständig. Als 1955 erste chemische Untersuchungen angestellt wurden, war die Figurine bereits mit Schellack überzogen. Trotz dieser Beeinträchtigungen ließ sich nachweisen, dass die Farbpigmentspuren auf der Grundlage einer Eisenoxidverbindung entstanden waren. Ein organisches Bindemittel konnte dabei nicht festgestellt werden. Besonders in der Kopfverzierung ließen sich noch Reste von Rötel nachweisen, die partiell mit bloßem Auge sichtbar sind. Ursprünglich war die Figurine vollständig mit Rötel (rotem Ocker) überzogen. Ob diese Bemalung dauerhaft oder nur zu bestimmten Anlässen vorgenommen wurde, oder gar ausschließlich zur Deponierung, ist unklar.
Die symmetrische Skulptur ist rund elf Zentimeter hoch und stellt eine nackte, dicke Frau dar. Ein Gesicht fehlt. Der Kopf ist groß, trägt eine Frisur oder Kopfbedeckung und sitzt auf schmalen Schultern. Die Frisur oder Kopfbedeckung wurde durch schräg eingeritzte Striche und horizontale, konzentrische Linien erzeugt. Die Arme sind dünn und liegen auf den schweren Brüsten; sie sind auf beiden Seiten von vertieften Linien umgeben, ebenso die Hände, diese erscheinen so deutlicher hervorgehoben. Die Finger der rechten Hand werden durch lange Einschnitte als voneinander getrennt dargestellt. Einschnitte an den Handgelenken deuten gezackte Armreifen an. Die Brüste sind ebenfalls von Linien umgeben.
Die Hüften sind stark, der Bauch steht vor, das Gesäß ist ausgeprägt. Brust, Bauch und Schenkel sind durch tiefe, senkrechte Gravuren modelliert. Den Bauchnabel bildet eine natürliche Vertiefung des Steins, die auf beiden Seiten erweitert wurde. Die Schenkel sind naturnah gestaltet, allerdings verkürzt, die Füße fehlen. Die Grenze zum Gesäß wird durch zwei deutliche Einschnitte gebildet, die nicht geglättet sind. Die Vulva ist dargestellt. Am Oberschenkel ist ein Einschnitt hinterlassen.
Die genaue Herstellungsweise der Venus ist nicht bekannt. Die noch sichtbaren Arbeitsspuren weisen darauf hin, dass zumindest die Endbearbeitung mit einem Stichel erfolgte. Solche Werkzeuge wurden in Schicht 8 und 9, zwischen denen die Venus entdeckt wurde, gefunden.
Datierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Auf Basis der Radiokarbondatierung wurde für die Skulptur lange Zeit eine Entstehungszeit vor etwa 25.000 Jahren angegeben. Nach Messungen von 2014 wird die jüngste Kulturschicht 9, über der die Venus von Willendorf gefunden wurde, auf 24.900 Jahre 14C-Jahre (BP) datiert, was kalibriert 27.150 bis 26.850 Jahren v. Chr. entspricht.[7]
Material
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Der Kalkstein, aus dem die Venus gefertigt wurde, ist ein jurassischer Oolith, auch „Eierstein" genannt. Er ist aus dicht gepackten Ooiden von 0,3 bis 1 mm Größe zusammengesetzt. Der Zwischenraum zwischen den Ooiden besteht aus sparitischem Kalzitzement. Das Gestein ist außerdem reich an Fossilien, so fand man bis zu 2,5 mm große Muschelschalenreste. Da aus Stránská skála (bei Brno in Mähren) ähnliche Oolithe bekannt sind und auch ein Teil der Feuersteine derselben Fundschicht von dort stammt, galt die Herkunft des Gesteins aus dieser Lokalität lange als wahrscheinlich.[8] Eine neue geologische Analyse des Naturhistorischen Museums Wien ergab jedoch, dass die Figurine mit großer Wahrscheinlichkeit aus norditalienischem Gestein hergestellt worden war.[9] [10] Dabei kommt am ehesten das Gebiet um den Gardasee in Frage, genauer gesagt um Sega di Ala, eine Siedlung, die zu Ala im Trentino gehört.[9] Das Rohmaterialvorkommen liegt unweit der Grotta di Fumane, eines berühmten italienischen Gravettien-Fundplatzes. Allerdings kommt, wenn auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit, als Herkunftsort auch der Ort Isjum in der Ostukraine in Frage.[11]