Samuel Knorr von Rosenroth
Samuel Knorr von Rosenroth (* 1. Juli 1657 in Glogau; † 1. September 1720 in Görlitz)[2] [3] war Bürgermeister der Stadt Görlitz in den Jahren 1704, 1708, 1712, 1714–1715, 1717 und 1719,[4] außerdem Dichter, kursächsischer und königlich polnischer Rat, kaiserlicher Hofpfalzgraf [5] (comes palatinus)[3] [6] und Begründer des Görlitzer Waisenhauses.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Herkunft und Heirat
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Samuel Knorr von Rosenroth war ein Sohn des Predigers Kaspar bzw. je nach Quelle Großglogauer Oberpfarrers[7] Knorr von Rosenroth. Dessen Bruder, also Samuels Onkel, war Christian Knorr von Rosenroth, Abraham Benedikt Knorr von Rosenroth Samuels Großvater.[3] Er ging am 6. November 1679 mit Dorothea Sophia Gehler, Tochter Bartholomäus Gehlers, eine Ehe ein.[8]
Ratskarriere in Görlitz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Im Alter von 27, im Jahr 1684 kam Knorr von Rosenroth nach Görlitz und unternahm eine Reise nach Wien. Dort ernannte ihn Kaiser Leopold zum kaiserlichen Pfalzgrafen. Im Jahr 1693 wurde er in Görlitz Ratsherr und im Jahr 1698 Schöffe.[7] Im Jahr 1704 war er erstmals Bürgermeister.[4]
Die Regierung der Stadt Görlitz war zur damaligen Zeit oligarchisch geprägt, einige, oft auch untereinander verwandte Ratsfamilien betrachteten die Stadtverwaltung als ihr Vorrecht. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Knorr von Rosenroth mit einer damals öfters vorkommenden Regelmäßigkeit von vier Jahren Bürgermeister. Zur gleichen Zeit war beispielsweise auch sein Schwager Johann Wilhelm Gehler Bürgermeister, zwar nur zwei Mal, aber im Abstand von vier Jahren. Knorr von Rosenroth bewohnte damals das Haus Obermarkt 27.[9] [4]
Dichterische Tätigkeit und ihm selbst gewidmete Gedichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Benjamin Neukirch nahm ein von ihm verfasstes Hochzeitsgedicht unter dem Titel Der glückselige leid- und freudenwechsel. Bey der Kahl- und Keßlerischen vermählung vorgestellet von S. K. in die Anthologie Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesener und bißher noch nie zusammen-gedruckter Gedichte auf.[10] Die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften verfügt über „eine ganze Reihe" von Gelegenheitsgedichten Knorrs, der seine Gedichte mit „S. K." signierte.[11]
Anlässlich Knorr von Rosenroths erster Bürgermeisterwahl im Jahr 1704, schrieben ihm Christopher Zippel ein lateinisches und Samuel Steulmann ein deutsches, jeweils in Leipzig gedrucktes Gedicht.[12]
Waisenhaus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Am 6. September 1712 schlug Knorr von Rosenroth in Görlitz vor, ein Waisenhaus zu errichten. Unter landesherrlicher Genehmigung wurde eine „Lotterie" ins Leben gerufen. Nach 15 Jahren – Knorr von Rosenroth war bereits verstorben – war der dadurch eingerichtete Fonds allmählich so gestiegen, dass am 23. Juni 1727 der Grundstein für ein Waisenhaus gelegt, unmittelbar neben die Annenkapelle („an die Annenkirche anstoßenden Gebäude").[13] [14]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- Rosenroth. Samuel Knorr v. R. in: Colmar Grünhagen: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens, Band 27. Breslau 1892. S. 345. (Online)
- Erinnerungsdenkmal an Knorr von Rosenroth 1720. In: Richard Jecht: Die Grabsteine, Epitaphien und Gedächtnisfahnen in der Görlitzer Klosterkirche in: Richard Jecht (Hrsg.): Neues Lausitzisches Magazin, Band 86. Görlitz 1910. S. 177. (Online)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- Samuel Knorr von Rosenroth. In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.): Sächsische Biografie .
- Samuel Knorr von Rosenroth: Der glückselige Leid und Freudenwechsel bei Kahl und Keßlerischen Vermählung in: Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesener und bißher ungedruckter Gedichte. Thomas Fritsch (Verlag), Leipzig 1708. S. 192–196.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- ↑ Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler . Sachsen Bd. 1: Regierungsbezirk Dresden. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 1996, ISBN 3-422-03043-3, S. 376.
- ↑ Samuel Knorr von Rosenroth (1657-1720). In: Sächsische Biografie
- ↑ a b c Knorr. In: Allgemeines Historisches Lexicon, Fritsch, Leipzig 1731.
- ↑ a b c C. G. Th. Neumann: Geschichte von Görlitz. Comm. Heyn, Görlitz 1850. S. 637–638.
- ↑ Franz Heiduk: Die Dichter der galanten Lyrik. Studien zur Neukirchschen Sammlung, Bern 1971, S. 84.
- ↑ Paul Fritsch: Alte Görlitzer Geschlechter und die Wappen derselben nebst einem Verzeichnis aller bisherigen Bürgermeister von Görlitz. H. Tzschaschel, Görlitz 1891, S. 60.
- ↑ a b Neues lausitzisches Magazin: unter Mitwirkung der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften. Die Gesellschaft, 1908 (google.de [abgerufen am 8. Februar 2025]).
- ↑ Paul Fritsch: Alte Görlitzer Geschlechter und die Wappen derselben nebst einem Verzeichnis aller bisherigen Bürgermeister von Görlitz. H. Tzschaschel, Görlitz 1891, S. 21.
- ↑ SLUB Dresden: Neues lausitzisches Magazin. Abgerufen am 5. Februar 2025 (deutsch).
- ↑ Angelo George de Capua, Erika A. Metzger (Hrsg.): Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesener und bissher noch nie zusammengedruckter Gedichte. Teil 4. Niemeyer, Tübingen 1975, ISBN 3-484-17037-9, S. 207–211.
- ↑ Franz Heiduk: Die Dichter der galanten Lyrik: Studien zur Neukirchschen Sammlung. München Franeke, 1971, ISBN 978-3-7720-0931-0, S. 84 (google.de [abgerufen am 5. Februar 2025]).
- ↑ Detlef Döring: Katalog der Handschriften der Universitäts-Bibliothek Leipzig. Band I, Teil 2. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2002 (google.de).
- ↑ C. G. Th. Neumann: Geschichte von Görlitz. Comm. Heyn, Görlitz 1850. S. 686.
- ↑ C. Bretschneider: Hat die alte evangelische Kirche Schlesiens auch innere Mission getrieben und in welchem Umfang ist dies geschehen? etc. 1864 (google.de [abgerufen am 17. Januar 2025]).
Personendaten | |
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NAME | Rosenroth, Samuel Knorr von |
KURZBESCHREIBUNG | Bürgermeister der Stadt Görlitz |
GEBURTSDATUM | 1. Juli 1657 |
GEBURTSORT | Glogau |
STERBEDATUM | 1. September 1720 |
STERBEORT | Görlitz |