Prohibition in den Vereinigten Staaten
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Die Prohibition in den Vereinigten Staaten war das landesweite Verbot der Herstellung, des Transports und des Verkaufs von Alkohol durch den 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von 1920 bis 1933. Diese Prohibition wurde auch als The Noble Experiment (englisch für „Das ehrenhafte Experiment") bezeichnet. Unter dem erheblichen Druck der Enthaltungsbewegung schlug der Senat der Vereinigten Staaten den 18. Zusatzartikel am 18. Dezember 1917 vor. Nachdem er von 36 Staaten angenommen worden war, wurde er am 16. Januar 1919 ratifiziert und trat ein Jahr später in Kraft. Einige Staaten hatten bereits zuvor Prohibitionen durchgesetzt.
Der National Prohibition Act, auch Volstead Act nach Andrew Volstead, dem damaligen Vorsitzenden des Rechtsausschusses des US-Repräsentantenhauses, passierte den Kongress trotz des Vetos von Präsident Woodrow Wilson am 28. Oktober 1919. Das Gesetz definierte die berauschenden alkoholischen Getränke.[1]
Obwohl Alkohol nun verboten war, wurde wenig getan, um das Gesetz durchzusetzen. Die illegale Produktion und Verbreitung von Alkohol breitete sich rasch aus, und die Regierung hatte nicht die Mittel und den Willen, jede Grenze, jeden Fluss oder See und jedes Speakeasy (englisch „Flüsterkneipe") in Amerika zu überwachen. Allein in New York City stieg die Anzahl dieser Flüsterkneipen von 1922 bis 1927 von rund 5.000 auf 30.000.[2] Andere Schätzungen für 1927 gehen sogar von 30.000 bis 100.000 Speakeasy-Clubs aus.[3] Insgesamt hat die Prohibition jedoch zu einem Rückgang des Alkoholkonsums sowie der alkoholbedingten Krankheiten und Todesfälle geführt.
Die Prohibition wurde während der Großen Depression zunehmend unpopulär, insbesondere in großen Städten. Am 23. März 1933 unterzeichnete Präsident Franklin D. Roosevelt ein als Cullen-Harrison Act bekannt gewordenes Gesetz, um den Volstead Act aufzuheben und Herstellung und Verkauf bestimmter alkoholischer Getränke zu erlauben. Am 5. Dezember 1933 hob die Unterzeichnung des 21. Verfassungszusatzes den 18. Zusatzartikel auf.
Vorgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Schon lange hatte es gesellschaftliche Kämpfe um das Alkoholverbot gegeben: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts richteten sie sich vor allem gegen den Konsum von Branntwein, v. a. Whiskey, der extreme Ausmaße angenommen hatte, bis er um die Mitte des Jahrhunderts wieder zurückging. Saloonbesitzer versuchten, ihren Gewinn durch Glücksspiel und Prostitution zu vergrößern und versuchten zudem mit neuartigen Werbemethoden, Kunden zum Alkoholkonsum zu bewegen.
Verschiedene Gruppierungen bekämpften zunächst auf der Ebene von Gemeinden und Bundesstaaten den Alkoholkonsum. Seit 1869 existierte im politischen Bereich die Prohibition Party. Sehr aktiv war auch der „Christliche Frauenbund für Abstinenz" (Woman’s Christian Temperance Union ) und dann schließlich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert die Anti-Saloon League , also etwa das „Bündnis gegen die Kneipen". Die Anti-Saloon League wurde 1893 in Oberlin (Ohio) gegründet. Sie fand so schnell neue Anhänger, dass vermehrt lokale Prohibitionen ausgesprochen wurden, und verbreitete sich schnell über das ganze Land. Diese Bewegung steht im Zusammenhang mit anderen gesellschaftlichen Bewegungen jener Zeit: Anhänger der Prohibition waren fast ausschließlich evangelikale Protestanten und stammten aus dem ländlichen oder kleinstädtischen Amerika im Süden und Mittleren Westen. Sie betrachteten den Alkoholkonsum als Wurzel allen Übels, die durch Industrialisierung, das Anwachsen der Arbeiterklasse, durch Einwanderung und das Leben in Großstädten die traditionellen gesellschaftlichen Werte bedrohte: Alkohol wurde mit Gewalt, organisierter Kriminalität und politischer Korruption in Verbindung gebracht, die gemäß dem Zeitgeist der Progressive Era und ihrem Willen zur Reform der Gesellschaft bekämpft wurde. Politisch waren die Anhänger der Prohibition zumeist in der Republikanischen Partei beheimatet. Außerdem befanden sich unter ihnen auch Unternehmer, so etwa Henry Ford, die sich mit einem Verbot des Alkoholkonsums eine bessere Disziplinierung und höhere Leistungsfähigkeit ihrer Arbeiter erhofften. Vielfach wurden die Bewegungen für die Einführung der Alkoholprohibition von Frauen getragen, da viele Ehefrauen und Mütter unter trinkenden und gewalttätigen Ehemännern litten und das Leben von Familien zerstört wurde. Es bestanden auch Überschneidungen zur Frauenbewegung: Nicht zufällig wurde zur fast gleichen Zeit auch ein Verfassungszusatz zum Frauenwahlrecht verabschiedet. Die politische Elite der USA stellte sich nur zögerlich auf die Seite der Befürworter der Prohibition, da sie von den Brauereien und Destillerien, die ein hohes Steuereinkommen generierten, finanziell abhängig war. Dies änderte sich erst mit der Einführung der Einkommensteuer auf Bundesebene 1913. Das Bild, auch in der öffentlichen Wahrnehmung, änderte sich erst während des Ersten Weltkriegs, als die USA auf der Seite der Entente in den Krieg gegen das Deutsche Kaiserreich und seine Verbündeten eintraten. Der Verfassungszusatz zur Einführung der Prohibition wurde nur wenige Monate nach Kriegsende verabschiedet. Da fast alle großen Brauereien in deutscher Hand waren und der Bierkonsum mit der Kultur der Deutschamerikaner assoziiert wurde, galt Alkoholkonsum von nun an als unpatriotisch und „unamerikanisch".
Als Gegenbewegung formierten sich die Anti-Temperance-Societies, die beispielsweise unter den Baptisten eine starke Fraktion hatten. Sie hielten den Alkohol weiterhin für eine Gabe Gottes.[4]
Auf bestimmten amerikanischen Landkarten erschienen die „trockengelegten Zonen" – zunächst vor allem auf dem Land. 1851 wurde in einem ersten amerikanischen Bundesstaat, in Maine, die Prohibition eingeführt. Bis 1916 war die Prohibition in 23 Staaten eingeführt, in 17 davon durch Volksabstimmung.
Einführung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Bewegungen gegen den Alkoholkonsum, primär religiös motiviert, hatte es in den USA seit langem gegeben. Der erhöhte Lebensmittelbedarf während des Krieges leistete dieser Bewegung weiteren Vorschub, so dass ab 1917 die Befürworter eines Verbots im Kongress in der Mehrheit waren. Im Dezember 1917 beschlossen die beiden Häuser des Kongresses mit den notwendigen Zweidrittelmehrheiten eine Verfassungsänderung, für deren Inkrafttreten zudem die Zustimmung von drei Vierteln der einzelnen Bundesstaaten notwendig war. Der Weg über eine Verfassungsänderung anstatt über ein einfaches Gesetz des Kongresses war nötig, da laut Verfassung solche Handelsbestimmungen den einzelnen Bundesstaaten vorbehalten waren und der Kongress somit auf dem Wege der normalen Gesetzgebung kein bundesweites Handelsverbot erlassen konnte. Die Dreiviertelmehrheit unter den Bundesstaaten wurde im Januar 1919 erreicht, so dass die Verfassungsänderung als 18. Zusatzartikel ("Amendment") in Kraft treten konnte. Gegen das im Text des Zusatzartikels vorgesehene Umsetzungsgesetz (offiziell National Prohibition Act, gemeinhin aber Volstead Act genannt) legte zunächst Präsident Woodrow Wilson sein Veto ein, welches aber vom Kongress überstimmt wurde; es trat letztlich am 16. Januar 1920 in Kraft.
AMENDMENT XVIII
Section 1.
After one year from the ratification of this article the manufacture, sale, or transportation of intoxicating liquors within, the importation thereof into, or the exportation thereof from the United States and all territory subject to the jurisdiction thereof for beverage purposes is hereby prohibited.
Section 2.
The Congress and the several States shall have concurrent power to enforce this article by appropriate legislation.
Section 3.
This article shall be inoperative unless it shall have been ratified as an amendment to the Constitution by the legislatures of the several States, as provided in the Constitution, within seven years from the date of the submission hereof to the States by the Congress.
„18. Zusatz
- Abschnitt 1. Nach Ablauf eines Jahres nach der Ratifikation dieses Artikels sind Erzeugung, Verkauf oder Transport berauschender alkoholischer Getränke innerhalb des Gebietes der Vereinigten Staaten sowie Ein- und Ausfuhr aus den Vereinigten Staaten sowie allen Gebieten, die deren Zuständigkeit unterstehen, hiermit verboten.
- Abschnitt 2. Der Kongress und die einzelnen Bundesstaaten werden gleichzeitig befugt, diesen Artikel durch entsprechende Gesetze durchzusetzen.
- Abschnitt 3. Dieser Artikel wird unwirksam, falls er nicht innerhalb von sieben Jahren vom Zeitpunkt seiner Unterbreitung durch den Kongress an die Bundesstaaten durch die Gesetzgeber der einzelnen Bundesstaaten als Zusatzartikel der Verfassung bestätigt wird."[5]
Die Prohibition fand zu einer Zeit statt, in der sich durch die Einführung des Frauenwahlrechts Frauen dieses Recht erst erkämpfen mussten. Um 1900 hatten erst elf Staaten Frauen ein Wahlrecht eingeräumt. Am 28. August 1920 wurde das Frauenwahlrecht schließlich in die Verfassung aufgenommen. Sigmund Freud schrieb in diesem Zusammenhang 1927 in „Die Zukunft einer Illusion":
„Wer durch Dezennien Schlafmittel genommen hat, kann natürlich nicht schlafen, wenn man ihm das Mittel entzieht. Dass die Wirkung der religiösen Tröstungen der eines Narkotikums gleichgesetzt werden darf, wird durch einen Vorgang in Amerika hübsch erläutert. Dort will man jetzt den Menschen – offenbar unter dem Einfluss der Frauenherrschaft – alle Reiz-, Rausch- und Genussmittel entziehen und übersättigt sie zur Entschädigung mit Gottesfurcht. Auch auf den Ausgang dieses Experiments braucht man nicht neugierig zu sein"
Gesundheitliche Vorteile
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Die signifikante Senkung des Alkoholkonsums, welche die Prohibition hervorbrachte,[7] zeigte auch positive Auswirkungen, und zwar auf die kollektive Gesundheit jener Zeit. Ein Risiko übermäßigen Alkoholkonsums ist Leberzirrhose, die tödlich verlaufen kann. So erreichte die Zahl der alkoholbedingten Todesfälle und Krankheiten nicht deren Ausmaß wie zu Zeiten des legalen Alkoholkonsums.[7]
Negative Auswirkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Das Ziel, die Kriminalität zu senken, wurde nicht erreicht. Die landesweit rund 2.300 nur gering entlohnten Prohibitionsagenten waren nicht in der Lage, das Verbot vollständig durchzusetzen. In den Folgejahren entwickelte sich das illegale Geschäft sehr zügig, da die Nachfrage nach Alkohol nicht endete. Als Straftat wurde nur der Verkauf gewertet, nicht der bloße Konsum. Allein von 1920 bis 1921 stieg die Kriminalität um 24 % an. Auch über die ganzen 1920er Jahre nahm die Kriminalität stark zu, die organisierte Kriminalität gedieh, Mafiabanden wie denen von Al Capone und Johnny Torrio gelang es, eine regelrechte „firmeneigene" Alkohol-Industrie aufzubauen, in der sie das Verbot durch überhöhte Preise auszunutzen verstanden. Die Prohibition brachte hervor:
- 13 % mehr schwere Verbrechen
- 81 % mehr Fälle der Trunkenheit am Steuer (wobei hier allerdings der gleichzeitige Anstieg der Zahl der vorhandenen Autos berücksichtigt werden muss)
- 9 % mehr andere Delikte
In der organisierten Kriminalität gab es folgende Entwicklungen:
- Produktion: auch „Moonshining" – Brauen und Destillieren in häufig von Einzelpersonen aus der Unterschicht unterhaltenen illegalen Kleinstbetrieben.
- Einfuhr: Mit dem Begriff Pipeline bezeichnete man in den USA der Prohibitionszeit ein von Schmugglerbanden betriebenes Transportnetz. Dieses bestand unter anderem aus Tunneln und präparierten Lastwagen (für den Schmuggel aus Mexiko und Kanada) sowie einer ganzen Flotte von Schmuggelschiffen. Eine Villa im kubanischen Varadero diente Al Capone als Schnapsdepot; heute befindet sich dort das Restaurant Casa de Al. Von Kuba wurde der Alkohol auf Yachten nach Florida transportiert. Die Fahrtrouten dieser Schiffe hießen im Volksmund „Schnapsstraße" (engl. Rum Row).
- Vertrieb: Verkauft wurde vor allem in illegalen Kneipen (Speakeasys).
Im Verlauf der Prohibition kam es nach Schätzung des Gerichtsmediziners Charles Norris [8] zu etwa 10.000 Todesfällen durch Vergiftung. Allein zu Weihnachten 1926 starben daran 31 Personen in New York. Während der Prohibition stand immer weniger ordentlich gebrannter Alkohol zur Verfügung. Bei unsauberem Brand wurde das giftige Methanol aus dem Vorlauf nicht immer korrekt vom Destillat getrennt und befand sich somit oft in toxischer Konzentration im fertigen Getränk. Alkohol für medizinische oder industrielle Zwecke wurde immer stärker vergällt und mit giftigen Zusatzstoffen versetzt, um Missbrauch zu verhindern. Dennoch wurde dieser Alkohol getrunken und führte so zu tödlichen Vergiftungen.