Lösungsmenge
Als Lösungsmenge bezeichnet die Mathematik die Menge der Lösungen einer Gleichung, einer Ungleichung, eines Systems von Gleichungen und Ungleichungen oder allgemein Menge von (logischen) Aussagen.
Lösungsmenge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Allgemein betrachtet man eine Menge von Aussagen mit Parametern, die Variablen oder Unbekannte genannt werden, zum Beispiel eine Gleichung, ein Gleichungssystem oder eine Ungleichung. Als Lösungsmenge {\displaystyle L} bezeichnet man nun die Menge der Belegungen dieser Variablen, sodass alle Aussagen der Menge wahr sind. Lösungsmengen können nach ihrer Größe wie folgt klassifiziert werden:
- {\displaystyle |L|=0}: es gibt keine Lösung (die Aussagen sind unerfüllbar; die Lösungsmenge ist leer)
- {\displaystyle |L|=1}: es gibt genau eine Lösung (die Aussagen sind eindeutig erfüllbar; die Lösungsmenge besteht aus genau einem Element)
- {\displaystyle |L|>1}: es gibt mehrere, möglicherweise unendlich viele, Lösungen (die Aussagen sind erfüllbar, aber nicht eindeutig; die Lösungsmenge besteht aus mehr als einem Element)
Dabei hängt die Lösungsmenge auch von den Randbedingungen ab. So hat beispielsweise die Gleichung {\displaystyle x^{2}=-1} für {\displaystyle x\in \mathbb {R} } (reelle Zahlen) keine Lösung, hingegen für {\displaystyle x\in \mathbb {C} } (komplexe Zahlen) zwei Lösungen.
Im Fall mehrerer Lösungen kann eine Lösung speziell ausgezeichnet sein, sodass eine gewisse Eindeutigkeit gewährleistet ist. Die Gleichung {\displaystyle x^{2}=a} hat für gegebenes {\displaystyle a\in \mathbb {R} ^{+}} immer zwei verschiedene Lösungen {\displaystyle x_{1},x_{2}\in \mathbb {R} } also {\displaystyle L=\{x_{1},x_{2}\}}, von denen immer eine positiv und eine negativ ist. Somit ist die positive (als auch die negative) als solche eindeutig; man definiert so die Wurzel von {\displaystyle a} als die eindeutige positive Lösung der angegebenen Gleichung. Somit wird Eindeutigkeit, also der Fall {\displaystyle |L|=1} durch zusätzliche Randbedingungen (im Beispiel {\displaystyle x>0}) erzwungen. Das ist aber nicht bei allen Problemstellungen (sinnvoll) möglich.
Lösungsraum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Die Lösungsmenge eines homogenen, beziehungsweise inhomogenen linearen Gleichungssystems ist immer ein Vektorraum, beziehungsweise ein affiner Raum. Hat die Lösungsmenge eine solche Struktur, so spricht man auch von einem Lösungsraum. Ist {\displaystyle Ax=b} ein inhomogenes lineares Gleichungssystem, ist also {\displaystyle A} die Abbildungsmatrix der Abbildung {\displaystyle \Phi \colon V\to W} und {\displaystyle \Phi } eine lineare Abbildung zwischen zwei Vektorräumen {\displaystyle V} und {\displaystyle W} und ist {\displaystyle 0\neq b\in W}, dann gibt es drei Möglichkeiten:
- Die Lösungsmenge ist leer. Dies ist genau dann der Fall, wenn die rechte Seite {\displaystyle b} nicht im Bild der Abbildung liegt.
- Es existiert genau eine Lösung {\displaystyle x}, nämlich wenn der Kern {\displaystyle K} der Abbildung nur aus dem Nullvektor besteht.
- Es gibt unendlich viele Lösungen, wobei sich alle Lösungen aus einer beliebigen Lösung {\displaystyle x_{0}} durch Superposition mit den Lösungen der zugehörigen homogenen Gleichung {\displaystyle Ax=0} ergeben. Man nennt {\displaystyle x_{0}} in diesem Zusammenhang eine Partikularlösung. Die Lösungsmenge ist also der affine Raum {\displaystyle x_{0}+K}.
Beispiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Es ist jeweils eine Gleichung und ihre Lösungsmenge für {\displaystyle x,y\in \mathbb {R} } angegeben:
- {\displaystyle x=1\qquad \;,円L=\left\{1\right\}}
- {\displaystyle x+2=5\;\;,円L=\left\{3\right\}}
- {\displaystyle {\frac {1}{x^{2}}}=9\qquad L=\{-{\tfrac {1}{3}};{\tfrac {1}{3}}\}}
- {\displaystyle x^{2}\leq 4\qquad L=[-2;2]}, die Lösungsmenge ist ein Intervall
- {\displaystyle xy=1\qquad L=\left\{\left(x;{\tfrac {1}{x}}\right)\mid x\neq 0\right\}}, die Lösungsmenge ist eine Menge von Paaren.
- Ein lineares Gleichungssystem:
- {\displaystyle {\begin{matrix}x&+&2y&=&8\2円x&+&y&=&7\\\end{matrix}}\qquad L=\{(2;3)\}}
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- Gerd Fischer: Lineare Algebra. 14. Auflage. Vieweg-Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-528-03217-0.