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Hanns Reinholz

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Johannes „Hanns" Florenz Reinholz, nach Namensänderung John Reynolds (Deckname „Hans Holz") (* 22. Juli 1904 in Charlottenburg; † 20. Januar 1962 in London) war ein deutscher Journalist, Nachrichtenmann und Schriftsteller.

Johannes Reinholz wurde im Juli 1904 als unehelicher Sohn der Schauspielerin und Sängerin Katharina Reinholz in Charlottenburg geboren.[1] Seine Mutter, die sich inzwischen den Künstlernamen Käthe Erlholz zugelegt hatte, heiratete im Dezember 1909 den jüdischen Kabarettisten und Theaterdirektor Rudolf Nelson.[2] Im Oktober 1910 wurde sein Halbbruder Herbert Nelson geboren.[3] Nach dem Schulbesuch begann Hanns Reinholz als Journalist zu arbeiten. Er arbeitete nacheinander als Redakteur für das Berliner Journal , die Großberliner Nachrichten und die Deutsche Allgemeine Zeitung .

Ende 1931 rief Reinholz das nach ihm benannte „Pressebüro Reinholz" ins Leben, das eine als Berlin Express betitelte Pressekorrespondenz herausgab. 1935 verkaufte er die Korrespondenz, die zwei- bis dreimal pro Woche erschien und ihren Titel am 23. April 1932 in Politische Korrespondenz geändert hatte, an den Korrespondenzverleger Schmidt-Eichwalde.[4]

1934 übernahm Reinholz die Hauptschriftleitung der Pommerschen Tagespost, die er bis zum Ende desselben Jahres beibehielt. Während der Röhm-Affäre vom 30. Juni 1934 hielt Reinholz sich, da er sich als Informant des ermordeten Herbert von Bose bedroht fühlte, auf dem Land verborgen.[5]

1936 wurde Reinholz der Korrespondent des Horn-Verlages. Zur selben Zeit begann er, sich verstärkt schriftstellerisch zu betätigen.

1939 ging Reinholz, angeblich aufgrund der Beziehung zu einer jüdischen Frau, die er vor dem Regime schützen wollte, nach Großbritannien.[6] Bei Kriegsbeginn wurde er dort zeitweise interniert, um sich als NS-Gegner schließlich dem von der britischen Regierung ins Leben gerufenen Gustav Siegfried 1 zur Verfügung zu stellen, einem deutschsprachigen Propagandasender, der als deutscher Wehrmachts-Radiosender getarnt der subtilen Beeinflussung der deutschen Bevölkerung im Sinne der Alliierten diente.[7] Der englische Journalist Sefton Delmer, der den Sender leitete, wählte Reinholz als einen von zwei Hauptsprechern aus, die sich als Wehrmachtsoffiziere tarnten: Während der Berliner Paul Sanders die Rolle des „Chefs" übernahm, eines Offiziers alter preußischer Schule, der vermeintlich über den Sender seine Meinung an Angehörige einer nicht-genannten militärischen Organisation weitergab, spielte Reinholz den Hacken zusammenklappenden Adjutanten des Chefs und Ansager von dessen Auftritten. Daneben war Reinholz auch als Autor für das Programm tätig.[8]

Hanns Reinholz bzw. John Reynolds starb am 20. Januar 1962 im Alter von 57 Jahren im Londoner Stadtbezirk Willesden. Er hinterließ eine Ehefrau namens Gerda.[9] [10]

  • Der Fall Stinnes: Vom Industriekapitän zum Finanzpiraten! 1928. (mit Jo Tordy)
  • Gloria stürmt den Himmel. 1937.
  • Weißer Wolf kämpft um Brigitte. 1937.
  • Junges Herz in Aufruhr. 1938. (1953 als Junges Herz in Aufruhr. Ein Roman seltsamer Schicksale. 1953)
  • Visitenkarten aus dem Jenseits. 1939.
  • Wie der Himmel im Mai. 1940.
  • Mahnung aus der Vergangenheit. 1947.
  • Blondes Glück am Senegal. Roman eines erregenden Geheimnisses. 1954.
  • Rainer Orth: „Der Amtssitz der Opposition"?: Politik und Staatsumbaupläne im Büro des Stellvertreters des Reichskanzlers in den Jahren 1933–1934. Böhlau, Köln 2016, S. 630. ISBN 3-412-50555-2.

Einzelnachweise

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  1. Standesamt Charlottenburg I, Geburtsregister 1904, Nr. 629.
  2. Standesamt Charlottenburg I, Heiratsregister 1909, Nr. 726.
  3. Herbert Nelson. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band II,2. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 850; Artikel zum Halbbruder.
  4. Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, Sign. Gb 06.12.
  5. Kyra T. Inachin: Von Selbstbehauptung zum Widerstand. 2004, S. 134.
  6. Ronald Seth: The Truth-Benders. Psychological Warfare in the Second World War. 1969, S. 64.
  7. Ellic Howe: Die schwarze Propaganda. 1983, S. 125.
  8. Sefton Delmer: Die Deutschen und ich. 1962, S. 456.
  9. Eintrag „Reynolds, Johannes F." In: Sterbeindex England & Wales, 1916–2007, 1962, eingesehen am 24. Februar 2022 auf ancestry.de.
  10. Eintrag „Reynolds, John Florenz." In: England und Wales, nationaler Nachlasskalender (Index von Testamenten und Verwaltungen), 1858–1995, 1962, eingesehen am 24. Februar 2022 auf ancestry.de.
Normdaten (Person): Wikipedia-Personensuche  | Kein GND-Personendatensatz. Letzte Überprüfung: 27. April 2020. GND-Namenseintrag: 10706197X (AKS)
Personendaten
NAME Reinholz, Hanns
ALTERNATIVNAMEN Reinholz, Johannes Florenz; Reinholz, Hanns (Spitzname); Reynolds, John
KURZBESCHREIBUNG deutscher Journalist, Nachrichtenmann und Schriftsteller
GEBURTSDATUM 22. Juli 1904
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 20. Januar 1962
STERBEORT London

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