Webstandards
Unter Webstandards versteht man in erster Linie die formalen Standards und technischen Spezifikationen des W3C und der WHATWG, die die Regeln und Strukturen von HTML, CSS, SVG und JavaScript definieren und beschreiben.
Während es lange das Ziel war, eine Standardkonformität für alle Browser zu erreichen, hat sich der Begriff Webstandards erweitert. Heute versteht man darunter ein von best practices und allgemeingültigen Grundsätzen bestimmtes Webdesign, das einerseits neue Entwicklungen auch vor ihrer endgültigen Festlegung implementiert, andererseits Webseiten allen Nutzern verfügbar macht.
Vor allem sind damit Barrierefreiheit und Benutzerfreundlichkeit gemeint.
Inhaltsverzeichnis
Vom Entwurf zur Empfehlung
Eine Recommendation (engl. für: Empfehlung) ist ein offizieller Standard, der eine Web-Technologie genau und verbindlich beschreibt, zum Beispiel HTML, CSS oder SVG. Sie erklärt klar, wie diese Technik funktionieren soll.
Diese Dokumente richten sich an zwei Gruppen:
- Web-Autorinnen und -Autoren, die Webseiten erstellen
- Software-Hersteller, vor allem Browser-Entwickler, die die beschriebenen Regeln möglichst vollständig und korrekt umsetzen sollen, damit Webseiten überall gleich funktionieren.
W3C (1995-2018)
Neue Technologien[1] durchliefen ein längeres Verfahren:
- Working Drafts (WD) (Arbeitsentwürfe)
Noch unverbindlich, vieles kann sich ändern. - Candidate Recommendation (CR) (Empfehlungskandidat)
Der Standard gilt als „fertig genug".
Browser und andere Hersteller sollen ihn implementieren und testen. - Proposed Recommendation (Empfehlungsvorschlag).
- Recommendation (REC)
Offizieller W3C-Standard.
Dabei durfte eine CR nur zur PR erhoben werden, wenn mindestens zwei Browser diese bereits implementiert hatten.[2]
Living Standard (2018-heute)
Frustriert vom langsamen Vorgehen des W3C in Bezug auf die Standardisierung und die Ausrichtung auf das XML-basierte XHTML gründeten die drei Browser-Hersteller Apple (Safari), Google (Chrome) und Mozilla (Firefox) 2004 die WHATWG (Web Hypertext Application Technology Working Group), die unter dem Namen HTML5 neue Standards entwickeln sollte. Dabei wurde auch der Standardisierungs-Prozess als living standard vereinfacht und modernisiert:
- Editor’s Draft
darf unvollständig, experimentell, widersprüchlich sein - Working Draft
öffentlich kommuniziert
Feedback wird gesammelt - Interoperabilitätstests
aktiv mit Web Platform Tests [3]
Bugs und Unklarheiten fallen früh auf - Recommendation
wird erst verabschiedet, wenn sich das Feature „gesetzt" hat
Heute werden neue Web-Funktionen oft früh in Browsern ausprobiert, meist hinter Flags. Die Spezifikation läuft dabei parallel zur Implementierung, nicht mehr strikt davor.
Zwei unabhängige Browser-Implementierungen sind weiterhin wichtig, um Interoperabilität sicherzustellen – sie sind aber keine formale Voraussetzung mehr, sondern ein Qualitätsmerkmal, das laufend überprüft wird (z. B. mit Web Platform Tests).
Stand heute
Früher war es sehr wichtig, ob eine CSS- oder HTML-Funktion offiziell vom W3C als Recommendation bestätigt wurde. Nur solche Funktionen galten als sicher, weil Browser-Unterstützung oft uneinheitlich war. Entwickler haben sich an diesen Empfehlungen orientiert, um sicherzustellen, dass ihre Webseiten korrekt funktionieren.
Heute ist die Situation anders: Viele Funktionen werden zuerst in Browsern getestet oder hinter Flags freigegeben, noch bevor sie offiziell empfohlen sind. Empfehlungen sind weiterhin hilfreich für die richtige Nutzung, aber die praktische Interoperabilität entscheidet, ob eine Funktion im echten Web verwendet werden sollte.
Anstatt bis zur offiziellen Zertifizierung durch das W3C zu warten, bieten MDN/Caniuse eine Baseline an, die sich an der tatsächlichen Verbreitung orientiert.[4]
Screenshot, welche Browser ein Feature unterstützen
Praktische Auswirkungen:
- Verwende Can I Use, um zu entscheiden, ob eine Funktion für die Produktion sicher ist.
- Bevorzuge Features mit breiter Unterstützung, aber Funktionen hinter Browser-Flags können mit progressiver Verbesserung verwendet werden.
Siehe auch
- Die BrowserkriegeDer Kampf Netscape gegen Microsoft und die Standardisierung durch das W3C
- Rechtliches
BITV
Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung - WCAG 2.0
Web Content Accessibility Guidelines
Webstandards für Barrierefreiheit
Weblinks
- ↑ /TR/ All Standards and Drafts (w3.org)
Sämtliche Recommendations des W3-Konsortiums - ↑ PROPOSED Web Editing Working Group Charter (w3c.github.io)
In order to advance to Proposed Recommendation, each normative specification is expected to have at least two independent interoperable implementations of every feature defined in the specification, where interoperability can be verified by passing open test suites, and two or more implementations interoperating with each other. - ↑ Web Platform Tests
- ↑ SELFHTML hält sich an Webstandards! SELF-Blog vom 06.01.2026
Abgerufen am 6.01.2026
von "http://wiki.selfhtml.org/wiki/Webstandards"