Newsnational Dienstag, 21.04.2026 | Drucken

„Neuanfang" für Syrien

Syrische Initiativen - von deutschen Ministerien gefördert - rücken in den Mittelpunkt des Wiederaufbaus. Wie macht die Deutsch-Syrische Commnunity?

Berlin. Mit einer ersten großen Fach- und Netzwerkveranstaltung hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Berlin das einjährige Bestehen der Plattform „Neuanfang für Syrien" heute (21.04.2026) in Berlin gewürdigt. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Rolle der syrischen Diaspora beim Wiederaufbau des Landes nach dem Ende des Assad-Regimes. Mehr als ein Jahr nach dem politischen Umbruch in Syrien bleibt die Lage im Land angespannt. Der Wiederaufbau von Städten, Schulen, Krankenhäusern und gesellschaftlichen Strukturen gilt als eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre. Nach Einschätzung des BMZ kann dabei insbesondere die syrische Gemeinschaft im Ausland eine entscheidende Rolle spielen. Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan betonte in ihrer Rede die Bedeutung dieses Engagements. Viele Syrerinnen und Syrer in Deutschland übernähmen Verantwortung für ihr Herkunftsland und unterstützten den Aufbau demokratischer und friedlicher Strukturen. Die Plattform „Neuanfang für Syrien" solle diese Initiativen bündeln und gezielt fördern. „Der Wiederaufbau Syriens braucht starke Stimmen und engagierte Brückenbauerinnen und Brückenbauer, die Verantwortung übernehmen und Verbindungen schaffen", sagte die Ministerin. Die Erfahrungen der Menschen in Deutschland könnten helfen, neue Perspektiven für ein friedliches Syrien zu entwickeln. Die Plattform war im Februar 2025 vom BMZ ins Leben gerufen worden. Sie dient als Netzwerk für die syrische Diaspora sowie für Vertreter aus Wissenschaft, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Nach Angaben des Ministeriums sind inzwischen mehr als 1500 Menschen Teil des Netzwerks. Zur Jubiläumsveranstaltung kamen rund 300 Gäste aus Politik und Gesellschaft nach Berlin. Auf dem Programm standen Podiumsdiskussionen, Workshops, eine Fotoausstellung sowie ein „Marktplatz des Engagements", auf dem Projekte und Initiativen vorgestellt wurden. Auch die syrische Ministerin für Soziales und Arbeit, Hind Kabawat, war in ihrer Rede sichtlich beeindruckt von dem Engagement und appelliert mehrfach an die syrische community, alte Seilschaften beiseitezulassen und gemeinsam nach vorzuschauen. An der Veranstaltung beteiligten sich auch der frühere Vorsitzende des Zentralrats, Aiman Mazyek und der amtierende Generalsekretär des ZMD, Aladdin Beiersdorf-El Schallah, die beide syrischen Migrationshintergrund haben.

Der Begriff „Diaspora" für einen Teil der Dt-Syrischen Menschen zu kurz

Mit der Veranstaltung wollte das BMZ nicht nur Bilanz ziehen, sondern auch ein Signal senden: Der Wiederaufbau Syriens soll nicht ohne jene erfolgen, die trotz Flucht und Exil weiterhin Verantwortung für ihr Heimatland übernehmen.

Positiv hervorzugehoben wist t die gelungene Organisation der Veranstaltung durch das BMZ, das mit dem Jubiläum einen wichtigen Raum für Austausch, Begegnung und neue Vernetzung geschaffen hat. Die zahlreichen Gespräche machten deutlich, wie groß das Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Syrien ist.

Dennoch hätte ein zentraler Gedanke noch stärker in den Vordergrund rücken können, welches beide Ministerinnen auch betonten, nämlich dass nicht nur Syrien vom Wissen, von den Kontakten und vom Engagement der Menschen profitiert, sondern auch Deutschland selbst. Gerade in Zeiten, in denen die öffentliche Wahrnehmung syrischer Migration häufig von problemorientierter Berichterstattung geprägt ist, ist es wichtig, den gegenseitigen Nutzen dieser Zusammenarbeit deutlicher sichtbar zu machen. Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der auf der Veranstaltung nur am Rande anklingte: Viele Menschen mit syrischen Wurzeln sind längst hierzulande geboren, haben hier Familien gegründet, arbeiten in Unternehmen, Behörden oder sozialen Einrichtungen und sind längst Teil dieser Gesellschaft. Für viele von ihnen ist Deutschland nicht mehr nur ein Aufenthaltsort, sondern Heimat. Der Begriff „Diaspora" greift deshalb für einen Teil dieser Dt-Syrischen Menschen zu kurz – doch diese Gruppe hatten kaum eine Stimme in der Tagung.

Dennoch vorgestellten Initiativen zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial bereits vorhanden ist. Umso wichtiger erscheint die Frage, wie dieses Engagement künftig stärker unterstützt werden kann. Viele Teilnehmende wünschen sich, dass deutsch-syrische Fachkräfte noch gezielter in Projekte eingebunden werden und vorhandene Initiativen nicht nur ideell, sondern auch strukturell und langfristig gefördert werden. Gerade darin könnte ein entscheidender Schlüssel für eine tragfähige Partnerschaft zwischen beiden Ländern liegen (AM).





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