Raphia

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Raphia (Begriffsklärung) aufgeführt.
Raphia

Raphia australis , Habitus

Systematik
Ordnung: Palmenartige (Arecales)
Familie: Palmengewächse (Arecaceae)
Untertribus: Raphiinae
Gattung: Raphia
Wissenschaftlicher Name der Untertribus
Raphiinae
H.Wendl.
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Raphia
P.Beauv.

Raphia ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Palmengewächse (Arecaceae). Die etwa 22 Arten kommen überwiegend im tropischen Afrika vor. Die Blätter von Raphia regalis gelten mit bis zu 25 Meter Länge als die größten im Pflanzenreich.

Habitus von Raphia taedigera

Erscheinungsbild

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Raphia-Arten sind mächtige, stammlose oder baumförmige Palmen. Die Stämme stehen einzeln oder in Gruppen und sind bewehrt.

Die Blätter sind sehr groß, gefiedert und verbleiben nach dem Absterben an der Pflanze. Die unbewehrte Blattscheide zerfällt mit der Zeit in schmale Streifen oder teils in schwarze Fasern (Piassava genannt). Der Blattstiel ist kurz bis sehr lang, unbewehrt und meist an der Oberseite nahe der Basis tief gefurcht. Die Fiederblättchen sind einfach gefaltet, linealisch, zahlreich und stehen derart, dass sie dem Blatt ein fiederiges Aussehen verleihen. Am Blattrand und an der Mittelrippe sind sie mit kurzen Stacheln versehen.

Blütenstände

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Raphia-Arten blühen nur einmal (hapaxanth). Raphia-Arten sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Die Blütenstände sind zweifach verzweigt. Mehrere entstehen gleichzeitig in den Achseln der obersten wenigen Blätter. Sie stehen entweder zwischen den Blättern (intrafoliar) und sind hängend, oder sie stehen oberhalb der Blätter (suprafoliar) und bilden eine aufrechte, massive zusammengesetzte Infloreszenz. Der Blütenstandsschaft ist kurz. Das Vorblatt ist röhrig, zweikielig und hat eine enge bis aufgeblasene Scheide. Es gibt mehrere Hochblätter am Blütenstandsschaft. Die Blütenstandsachse ist wesentlich länger als der -schaft. Die Hochblätter stehen an der Achse in zwei oder vier Reihen, sind röhrig und tragen meist einen Seitenzweig erster Ordnung. Diese sind zurückgebogen oder abstehend und tragen ein zweikieliges, röhriges Vorblatt und in zwei oder vier Reihen röhrige Hochblätter, von denen jedes, außer dem Vorblatt und einem bis wenigen untersten Hochblättern, eine blütentragende Achse (Rachilla) trägt.

Die Hochblätter der Rachilla stehen ebenfalls in zwei oder vier Reihen. Im unteren Viertel bis zwei Dritteln der Länge stehen in den Hochblättern eine weibliche Blüte und zwei Brakteolen. Im oberen Bereich tragen sie eine männliche Blüte mit einer einzelnen Brakteole.

Frucht von Raphia taedigera
Fruchtstand von Raphia farinifera

Die männlichen Blüten haben einen röhrigen Kelch mit drei flachen Lappen. Die Krone reicht weit über den Kelch hinaus, glänzt leicht und ist an der Basis verwachsen. Die drei Lappen sind lange, dreieckig und leicht stachelartig. Die sechs bis 30 Staubblätter haben schmale Staubfäden, die getrennt stehen oder zu einer Röhre vereint sind. Die Staubbeutel sind lang und pfeilförmig.

Der Pollen ist ellipsoidisch und bisymmetrisch. Die Keimöffnung ist ein distaler Sulcus, meist deutlich kürzer als die lange Achse. Ihre längste Achse misst 17 bis 35 Mikrometer.

Die weiblichen Blüten reichen manchmal nicht vollständig aus ihren Tragblättern heraus. Der Kelch ist röhrig, die Krone nicht immer länger als der Kelch. Sie ist etwa zur Hälfte röhrig und hat drei dreieckige Lappen. Die Staminodien bilden einen epipetalen Ring mit 6 bis 16 Zähnen, auf denen die flachen, kurzen, leeren Antheren stehen. Der Fruchtknoten ist dreifächrig mit drei Samenanlagen. Es ist eiförmig bis konisch, der Griffel ist kurz und trägt eine dreilappige Narbe. Die Fächertrennung ist unvollständig, die Samenanlagen sitzen basal und sind anatrop.

Früchte und Samen

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Die Frucht ist meist groß, elliptisch und enthält einen Samen. Das Exokarp trägt senkrechte Reihen von großen, nach hinten weisenden Schuppen. Das Mesokarp ist dick, mehlig und ölreich. Das Endokarp ist nicht ausdifferenziert. Der Samen hat eine trockene Samenschale, das Endosperm weist wenige tiefe Furchen auf.

Habitus von Raphia farinifera

Chromosomensätze

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Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.

Die meisten Arten sind in Afrika beheimatet, wo sie in den feuchteren Gebieten von Äquatorialafrika und Madagaskar vorkommen. Die eine Art auf Madagaskar wurde möglicherweise vom Menschen eingeführt. Eine Art, Raphia taedigera, kommt in der Neotropis vor ist dort aber wohl ein Neophyt.

Die meisten Arten wachsen in Sumpfland und bilden zum Teil Moorwälder. Raphia regalis wächst an Hängen in feuchtem tropischem Regenwald.

Illustration von Raphia farinifera
Illustration von Raphia taedigera

Die Gattung Raphia wurde 1806 durch Ambroise Marie François Joseph Palisot de Beauvois in Flore d'Oware et de Bénin, en Afrique, Band 1, Seite 75 aufgestellt. Der Gattungsname Raphia leitet sich vom madagassischen Vernakularnamen rofia ab.

Raphia ist die einzige Gattung der Subtribus Raphiinae der Tribus Lepidocaryeae in der Unterfamilie Calamoideae innerhalb der Familie Arecaceae. Die Subtribus Raphiinae ist die Schwestergruppe der Subtribus Mauritiinae. Die Monophylie der Gattung Raphia wurde nicht untersucht (Stand 2008).

Es gibt seit 2018 etwa 22 Arten:[1]

Herstellung von Seilen aus Raffiafasern

Einige Arten haben in Afrika einige wirtschaftliche Bedeutung. Aus den Fiederblättchen werden Raffiafasern gewonnen, die lokal für eine Fülle von Gegenständen verarbeitet werden, wie Körben und Seilen. Sie werden auch als Gartenschnüre und als Webmaterial exportiert.

Die Blattstiele einiger Arten werden wie Bambus im Haus- und Möbelbau verwendet (daher auch die Bezeichnung Bambuspalme). Die Blattspreiten dienen zum Dachdecken. Wegen ihrer Festigkeit und Elastizität werden im zentralen Afrika aus den Blattstielen Lamellen für Lamellophone wie das Timbrh in Kamerun hergestellt.

Durch Anzapfen der Sprossspitze wird Palmwein gewonnen. Aus dem Mesokarp einiger Arten wird Öl zum Kochen gewonnen. Samen und Stamm-Apex werden manchmal gegessen. Die Früchte einiger Arten werden als Fischgift verwendet.

  • John Dransfield, Natalie W. Uhl, Conny B. Asmussen, William J. Baker, Madeline M. Harley, Carl E. Lewis: Genera Palmarum. The Evolution and Classification of Palms. Zweite Auflage, Royal Botanic Gardens, Kew 2008, ISBN 978-1-84246-182-2, S. 155 ff.

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v Raphia. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science
  2. a b expand article infoSuzanne Mogue Kamga, Raoul Niangadouma, Fred W. Stauffer, Bonaventure Sonké, Thomas L.P. Couvreur: Two new species of Raphia (Palmae/Arecaceae) from Cameroon and Gabon. In: PhytoKeys , Volume 111, 2018, S. 17-30. doi: 10.3897/phytokeys.111.27175
Commons: Raphia  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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