Vertrag über die Energiecharta

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Der Energiecharta-Vertrag (englisch Energy Charter Treaty, ECT) ist ein internationaler Vertrag, der nach dem Ende des Kalten Kriegs ursprünglich die Integration der Energiesektoren der Nachfolgestaaten der Sowjetunion und Osteuropas in die europäischen und globalen Märkte zur Aufgabe hatte.

Die zu Grunde liegende Energiecharta wurde am 17. Dezember 1991 in Den Haag unterzeichnet. Dabei handelte es sich um eine politische Erklärung der Prinzipien der internationalen Energiebeziehungen, darunter Handel, Transit und Investitionen. Die Absicht, einen rechtsverbindlichen Vertrag zu verhandeln, wurde darin ebenfalls zum Ausdruck gebracht.

Der rechtsverbindliche Vertrag selbst wurde im Dezember 1994 in Lissabon unterzeichnet, gemeinsam mit einem Protokoll zur Energieeffizienz und zu verwandten Umweltaspekten (PEEREA).[1] Der Vertrag und das Protokoll traten im April 1998 in Kraft.

Die Klage des Energiekonzerns Vattenfall gegen die Bundesrepublik Deutschland wegen des Atomausstiegs 2011 berief sich auf den Energiecharta-Vertrag.[2]

Der EuGH (Europäischer Gerichtshof) erklärte am 2. September 2021 die Energiecharta für Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern der Europäischen Union für unwirksam. Damit entzog er formal vielen der 55 anhängigen ECT-Verfahren die Grundlage.[3] [4] Diese Verfahren werden jedoch derzeit weitergeführt, und nur wenige Schiedsgerichte sind bereit, sich der Rechtsprechung des EuGH zu beugen.[5]

Nachdem einzelne EU-Staaten bereits aus dem Vertrag ausgetreten waren, beschlossen die Mitgliedsländer der EU 2024 ihren gemeinsamen Austritt. Kritisiert wurde unter anderem, dass große Energiekonzerne sie durch den Vertrag zu leicht oft verklagen können.

Der Vertrag deckt vier Hauptbereiche ab:

  • den Schutz von Auslandsinvestitionen, nach dem Prinzip der Anwendung nationaler Behandlung oder der Meistbegünstigung (je nachdem, welches vorteilhafter ist), und den Schutz gegen die wichtigsten nicht-kommerziellen Risiken;
  • nicht diskriminierende Bedingungen für den Handel mit Energiematerialien, -produkten und energiebezogener Ausrüstung auf der Grundlage von Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) sowie von Regelungen zur Gewährleistung von verlässlichem grenzüberschreitenden Energietransit durch Pipelines, Netze und andere Arten des Transports; der Vertrag sieht jedoch keinen Zwang der Vertragsparteien vor, Dritten Zugang zur Infrastruktur zu gewähren;
  • die Lösung von Streitfällen zwischen Teilnehmerstaaten und, im Fall von Investitionen, zwischen den Investoren und den Gastländern (Investor-state dispute settlement);
  • die Förderung der Energieeffizienz sowie Ansätze zur Minimierung der Umweltauswirkungen von Energieproduktion und -verbrauch.

Während die Energiecharta auf der Idee aufbaut, dass internationale Investitions- und Technologietransfers im Energiesektor gegenseitigen Nutzen bringen, bleibt die nationale Souveränität über die Energieressourcen ein Kernprinzip des Vertrags (Art. 18 ECT). Jedes Mitgliedsland kann frei entscheiden, wann und wie seine nationalen Energieressourcen entwickelt werden sollen und in welchem Maß sein Energiesektor offen für ausländische Investoren sein soll.

Ein Ziel des Vertrags ist die Förderung der Transparenz und Effizienz von Energiemärkten, doch bleibt es Sache der Regierungen, die Struktur des nationalen Energiesektors festzulegen. Es gibt keine Verpflichtung zur Privatisierung von Energieunternehmen im Staatsbesitz oder zur Zerschlagung vertikal integrierter Energieunternehmen.

Im Dezember 2007 bekräftigte die Energiechartakonferenz ihre Unterstützung für einen Abschluss der Verhandlungen und die Beschließung des Transitprotokolls zum Energiechartavertrag, um die bestehenden Regelungen des Vertrags zu erweitern. Die Arbeitsgruppe Handel und Transit der Energiecharta wurde beauftragt, 2008 zu den multilateralen Konsultationen zum Entwurf des Transitprotokolls zurückzukehren.

Mitgliedschaft

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Der Energiechartavertrag und das Protokoll zur Energieeffizienz und Verwandten Umweltaspekten wurden im Dezember 1994 unterzeichnet und traten im April 1998 in Kraft. Derzeit haben 51 Länder, die Europäische Gemeinschaft und EURATOM den Vertrag unterzeichnet oder sind ihm beigetreten. Damit liegt die Gesamtzahl seiner Mitglieder nunmehr bei 53.

Alle Mitglieder haben den Vertrag ratifiziert, mit Ausnahme Australiens, Belarus’, Islands, Norwegens und Russlands. Belarus und Russland haben erklärt, die Regelungen des Vertrags bis zur Ratifizierung provisorisch anzuwenden, soweit er im Einklang mit ihren nationalen Verfassungen, Gesetzen und Verordnungen steht.

Russland hat die Ratifizierung des ECT von Verhandlungen eines Transitprotokolls abhängig gemacht. Dieses Protokoll würde die Regelungen des ECT im Bereich Energietransit verstärken, um so einige spezifische operative Risiken zu mindern, die den Energietransit beeinträchtigen. Verhandlungen über den Text eines Transitprotokolls begannen Anfang 2000. Ein Kompromissvorschlag, der die Diskussionen zwischen der Europäischen Union und Russlands widerspiegelte, wurde der Energiechartakonferenz (dem leitenden und beschlussfassenden Organ der Organisation) am 10. Dezember 2003 vorgelegt.

Eine einvernehmliche Entscheidung wurde auf der Grundlage des Kompromissvorschlags nicht erzielt. Energiefragen, auch des Transits, waren auch Gegenstand bilateraler Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und Russland im Kontext des Beitrittsprozesses Russlands zur WTO. Die Verhandlungen zum Transitprotokoll wurden vorübergehend ausgesetzt. Die Suspendierung wurde 2004 aufgehoben, als Russland und die EU sich auf die Bedingungen des russischen WTO-Beitritts geeinigt hatten. Weitere bilaterale Verhandlungen zwischen der EU und Russland fanden seit Herbst 2004 statt.

Im Dezember 2006 deutete Russland an, dass eine Ratifizierung des ECT angesichts seiner Regelungen zum Zugang Dritter zu Pipelines unwahrscheinlich sei. Mitglieder des auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments forderten Anfang September 2007, die EU solle die Mitgliedschaft Russlands in der WTO nur unterstützen, wenn Russland am ECT festhalte.

Italien erklärte im Frühjahr 2015 den Austritt aus dem Vertrag, offiziell um die Mitgliedschaftsgebühr von 370.000 Euro pro Jahr einzusparen.[6] Die Kündigung wird nach einem Jahr wirksam, allerdings können Investoren noch bis 2036 die Verletzung ihrer Rechte durch Italien vor Schiedsgerichten geltend machen, wenn ihre Investition vor Wirksamwerden der Kündigung getätigt wurde.[6]

Mit Stand Oktober 2022 kündigten auch Spanien, die Niederlande, Polen, Frankreich[7] und Slowenien[8] den Austritt an, während Belgien die Möglichkeit eines Ausstiegs noch prüft.[9]

Im November 2022 verständigten sich die Ampelfraktionen im Bundestag darauf, dass Deutschland ebenfalls aussteigen werde.[10] Am 18. November 2022 schloss sich auch Luxemburg den Aussteigern an.[11]

Am 24. November 2022 stimmte das EU-Parlament für eine Resolution, die die EU-Kommission auffordert, aus dem Vertrag auszusteigen. Zuvor war im Europäischen Rat keine Zustimmung für die als unzureichend kritisierte Reform zustande gekommen.[12]

Im Juli 2023 kündigte die portugiesische Regierung an aus dem Vertrag auszutreten.[13]

Energiechartakonferenz

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Die Energiechartakonferenz ist das leitende und beschlussfassende Organ der Organisation. Der Vorsitzende der Energiechartakonferenz ist Selim Kuneralp, Türkei, und die stellvertretenden Vorsitzenden Anatolij Janowskij, Russische Föderation, und Odd Sverre Haraldsen, Norwegen. Die Energiechartakonferenz hat die folgenden untergeordneten Organe:

  • Ad-hoc-Strategiegruppe,
  • Investitionsgruppe,
  • Handel- und Transitgruppe,
  • Arbeitsgruppe Energieeffizienz und verwandte Umweltaspekte,
  • Haushaltskomitee,
  • Rechtsberatendes Komitee.

Zusätzlich bringt die Runde mit der Industrie als beratendes Gremium die Sichtweisen der Privatindustrie auf Fragen der Investitionen in den Energiesektor, grenzüberschreitenden Handel und Energieeffizienz in die Konferenz und ihre Gruppen ein.

Die Rechtsberatende Task Force wurde durch das Sekretariat der Energiecharta 2001 eingerichtet um die Ausarbeitung von Modellverträgen für grenzüberschreitende Öl- und Gaspipelines zu unterstützen.

Die Energiechartakonferenz wird durch ein Sekretariat mit Sitz in Brüssel unterstützt. Die Aufgaben des Sekretariats sind:

  • Überwachung der Implementierung des ECT und des PEEREA
  • Organisation und Unterstützung der Sitzungen der Konferenz und ihrer untergeordneten Gremien
  • Analysetätigkeit und Beratung für die Konferenz und ihrer untergeordneten Gremien
  • Vertretung der Konferenz in den Beziehungen mit Nicht-Mitgliedsstaaten, Organisationen und Institutionen
  • Unterstützung von Verhandlungen zu neuen Instrumenten im Auftrag der Konferenz.

Seit dem 1. Januar 2012 ist Urban Rusnák Generalsekretär. Wladimir Rachmanin wurde im Juli 2008 stellvertretender Generalsekretär. Alle Mitglieder sind in der Energiechartakonferenz (dem leitenden und beschlussfassenden Organ der Organisation) und den untergeordneten Gremien vertreten. Die Konferenz tritt regelmäßig zusammen, um über Angelegenheiten zu diskutieren, die einen Einfluss auf die Zusammenarbeit der Vertragsmitglieder im Energiebereich haben, und um die Implementierung des ECT und des PEEREA zu überprüfen und um neue Instrumente und gemeinsame Aktivitäten im Rahmen der Energiecharta zu erwägen.

Land Energy Charter Treaty European Energy Charter unterzeichnet International Energy Charter unterzeichnet Quelle
Unterzeichnet Ratifiziert
Afghanistan Afghanistan 19. January 2013 4. August 2006 20. Mai 2015 Link
Albanien Albanien 17. December 1994 15. December 1997 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Armenien Armenien 17. December 1994 18. December 1997 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
OsterreichÖsterreich Österreich 17. December 1994 12. August 1997 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Aserbaidschan Aserbaidschan 17. December 1994 2. December 1997 19. December 1991 15. March 2018 Link
Belarus Belarus 17. December 1994 Vorläufige Anwendung (ausgesetzt ab 24.06.2022) 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Belgien Belgien 17. December 1994 16. April 1998 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Bosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina 14. June 1995 10. January 2001 6. April 1995 1. March 2016 Link
Bulgarien Bulgarien 17 December 1994 31 July 1996 17 December 1991 20. Mai 2015 Link
Kroatien Kroatien 17. December 1994 31. October 1997 5. February 1993 20. Mai 2015 Link
Zypern Republik Republik Zypern 17. December 1994 2. January 1998 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Tschechien Tschechien 8. June 1995 29. March 1996 5. February 1993 20. Mai 2015 Link
Danemark Dänemark 17. December 1994 22. August 1997 (Austritt 4 September 2025) 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Estland Estland 17. December 1994 9. April 1998 18. May 1992 20. Mai 2015 Link
Europa Europäische Union und EURATOM 17. December 1994 1998 (Austritt 28 June 2025) 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Finnland Finnland 17. December 1994 11. July 1997 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Georgien Georgien 17. December 1994 22. February 1995 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Griechenland Griechenland 17. December 1994 16. July 1997 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Ungarn Ungarn 27. February 1995 1. April 1998 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Island Island 17. December 1994 7. July 2015 17. December 1991 N/A Link
Irland Irland 17. December 1994 30. March 1999 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
JapanJapan Japan 16. June 1995 23. July 2002 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Jordanien Jordanien 12. August 2018 7. December 2007 20. Mai 2015 Link
Kasachstan Kasachstan 17. December 1994 18. October 1995 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Kirgisistan Kirgisistan 17. December 1994 8. April 1997 13. February 1992 19. October 2015 Link
Lettland Lettland 17. December 1994 18. December 1995 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Liechtenstein Liechtenstein 17. December 1994 3. December 1997 17. December 1991 19. October 2015 Link
Litauen Litauen 5. April 1995 29. July 1998 3. April 1992 20. Mai 2015 Link
Malta Malta 17. December 1994 21. May 2001 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Moldau Republik Republik Moldau 17. December 1994 10. June 1996 12. February 1992 20. Mai 2015 Link
Mongolei Mongolei 21. July 1999 25. April 1997 20. Mai 2015 Link
Montenegro Montenegro 16. July 2015 27. November 2012 19. October 2015 Link
NiederlandeNiederlande Niederlande 17. December 1994 11. December 1997 (Austritt 28 June 2025) 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Nordmazedonien Nordmazedonien 26. March 1998 3. April 1996 20. Mai 2015 Link
Rumänien Rumänien 17. December 1994 10. March 1996 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Slowakei Slowakei 17. December 1994 7. September 1995 5. February 1993 20. Mai 2015 Link
SpanienSpanien Spanien 17. December 1994 11. December 1997 (Austritt 17 April 2025) 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
SchwedenSchweden Schweden 17. December 1994 13. November 1997 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Schweiz Schweiz 17. December 1994 28. May 1996 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Tadschikistan Tadschikistan 17. December 1994 17. June 1997 17. December 1991 N/A Link
Turkei Türkei 17. December 1994 13. February 2001 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Turkmenistan Turkmenistan 17. December 1994 10. July 1997 9. June 1994 20. Mai 2015 Link
UkraineUkraine Ukraine 17. December 1994 6. February 1998 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 17. December 1994 13. December 1996 (Austritt 27 April 2025) 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Usbekistan Usbekistan 5. April 1995 22. December 1995 17. December 1991 20. Mai 2015 Link
Jemen Jemen 19. July 2018 3. November 2014 20. Mai 2015 Link

Stand: 15. Februar 2025

Beobachter sind berechtigt, an allen Sitzungen der Charta und den Debatten auf Arbeitsebene teilzunehmen und haben Zugriff auf alle einschlägigen Dokumente, Berichte und Analysen. Dies soll den jeweiligen Ländern die Möglichkeit geben, sich mit der Charta und ihrer Funktionen vertraut zu machen, um ggf. später dem ECT beizutreten.

Land Energy Charter Treaty European Energy Charter unterzeichnet International Energy Charter unterzeichnet Quelle
Unterzeichnet Ratifiziert Austritt *
AustralienAustralien Australien 17 December 1994 17 December 1991 Link
Bangladesch Bangladesch 20. Mai 2015 Link
Benin Benin 20. Mai 2015 Link
Burkina Faso Burkina Faso 16 March 2017 Link
Burundi Burundi 11 August 2015 20. Mai 2015 Link
Kambodscha Kambodscha 19 October 2015 Link
Kanada Kanada 17 December 1991 Link
Tschad Tschad 22 April 2015 20. Mai 2015 Link
Chile Chile 20. Mai 2015 Link
China Volksrepublik Volksrepublik China 20. Mai 2015 Link
Kolumbien Kolumbien 20. Mai 2015 Link
Ostafrikanische Gemeinschaft 25 November 2016 Link
Zentralafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft 25 November 2016 Link
Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft 21 May 2015 Link
Eswatini Eswatini 15 December 2015 Link
FrankreichFrankreich Frankreich 17 December 1994 1 September 1999 8 December 2023 17 December 1991 20. Mai 2015 Link
G5 Sahel 25 November 2016 Link
Gambia Gambia 11 August 2017 Link
Deutschland Deutschland 17 December 1994 14 March 1997 20 December 2023 17 December 1991 20. Mai 2015 Link
Guatemala Guatemala 25 November 2016 Link
Guyana Guyana 21 November 2018 Link
Indonesien Indonesien 18 June 2009 Link
Iran Iran 25 November 2016 Link
Irak Irak 25 November 2016 Link
ItalienItalien Italien 17 December 1994 5 December 1997 1 January 2016 17 December 1991 20. Mai 2015 Link
Kenia Kenia 20 March 2017 Link
Luxemburg Luxemburg 17 December 1994 7 February 1997 17 June 2024 17 December 1991 20. Mai 2015 Link
Mali Mali 12 May 2017 Link
Mauretanien Mauretanien 29 April 2014 20. Mai 2015 Link
Marokko Marokko 20 September 2012 20. Mai 2015 Link
Niger Niger 22 April 2015 20. Mai 2015 Link
Nigeria Nigeria 7 March 2017 Link
Norwegen Norwegen 16 June 1995 17 December 1991 20. Mai 2015 Link
Pakistan Pakistan 9 December 2005 21 May 2015 Link
Palastina Autonomiegebiete Palästinensische Autonomiegebiete 15 September 2014 20. Mai 2015 Link
Panama Panama 26 October 2017 Link
Polen Polen 17 December 1994 24 November 2000 29 December 2023 17 December 1991 20. Mai 2015 Link
Portugal Portugal 17 December 1994 11 December 1997 2 February 2025 17 December 1991 20. Mai 2015 Link
Ruanda Ruanda 21 September 2016 Link
Senegal Senegal 20 September 2016 Link
Serbien Serbien 4 July 2001 20. Mai 2015 Link
Sierra Leone Sierra Leone 13 December 2018 Link
Slowenien Slowenien 17 December 1994 23 July 1997 14 October 2024 15 October 1992 20. Mai 2015 Link
Korea Sud Südkorea 17 November 2015 Link
Sudsudan Südsudan 10 February 2021 Link
Syrien Syrien 28 June 2010 Link
Tansania Tansania 21 May 2015 Link
Vereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate 29 June 2017 Link
Uganda Uganda 6 December 2019 20. Mai 2015 Link
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 17 December 1991 20. Mai 2015 Link
Vietnam Vietnam 13 November 2018 Link
* 
Bezeichnet das Datum des wirksamwerden der Kündigung welche ein Jahr zuvor erfolgte.

Stand: 15. Februar 2025

Internationale Organisationen mit Beobachterstatur auf Beschluss auf der Energiechartakonferenz

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Stand: 15. Februar 2025

Investitionsschiedsverfahren

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Unter dem Vertrag über die Energiecharta wurden und werden eine Reihe von Investitionsschiedsverfahren geführt. So klagte der Energiekonzern Vattenfall gegen die Bundesrepublik Deutschland im April 2009 wegen der Umweltauflagen des Kohlekraftwerks Moorburg [14] und wegen des Atomausstiegs. Spanien und die Tschechische Republik werden wegen der Rücknahme von Förderprogrammen für erneuerbare Energien im Rahmen der sogenannten „Solar Claims" in Anspruch genommen. Auch der bisher höchste Schiedsspruch in der Geschichte im Nachgang der Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos erging unter dem Energiechartavertrag (siehe Yukos-Schiedsverfahren). Wie 2021 bekannt wurde verklagt RWE die Niederlande auf Basis der Charta für den Beschluss „bis 2030 aus der Stromerzeugung aus Kohle auszusteigen".[15]

Ein von Julia Steinberger und Yamina Saheb (Autoren des Sechsten Sachstandsbericht des IPCC)[16] initiierter offener Brief fordert den Austritt aus dem Vertrag über die Energiecharta, da Investitionsschiedsverfahren die Umsetzung des Übereinkommens von Paris und den European Green Deal behindern.[17] Der Brief wurde unter anderem unterzeichnet von: Sandrine Dixson-Declève, Connie Hedegaard, James K. Galbraith, Helga Kromp-Kolb, Rachel Kyte, Thomas Piketty, Olivier de Schutter (UN-Sonderberichterstatter zu extremer Armut) und Jean-Pascal van Ypersele.[18] Der offene Brief führt deutschsprachige,[19] [20] [21] wie internationale Kritik[22] fort. Nach Entscheidung des Bundesgerichtshofs sind die Schiedsgerichtsverfahren weitgehend unzulässig.[23]

Einzelnachweise

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  1. Energy Efficiency Protocol – Energy Charter. Abgerufen am 12. April 2022. 
  2. fr.de vom 23. März 2013: 15 Juristen gegen die Demokratie
  3. Marcus Jung: Umstrittene Schiedsverfahren: Luxemburg kippt die Energiecharta. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 12. April 2022]). 
  4. 70 neue Verfahren: Rekordbetrieb vor Schiedsgericht. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 12. April 2022]). 
  5. Renewables claim against Germany clears early hurdle. Abgerufen am 22. April 2022 (englisch). 
  6. a b Italy withdraws from Energy Charter Treaty, Globalarbitrationnews.com, 6. Mai 2015.
  7. Le Monde with AP: France to leave disputed Energy Charter Treaty, says Macron. In: lemonde.fr. Le Monde, 21. Oktober 2022, abgerufen am 26. Oktober 2022 (englisch). 
  8. euractiv: Slowenien tritt auch aus Energiecharta-Vertrag aus. In: euractiv.de. euractiv, 26. Oktober 2022, abgerufen am 31. Oktober 2022. 
  9. EU tries to stop energy treaty exit stampede. 20. Oktober 2022, abgerufen am 22. Oktober 2022 (amerikanisches Englisch). 
  10. tagesschau.de: Ampel-Fraktionen: Deutschland soll aus Energiecharta austreten. Abgerufen am 11. November 2022. 
  11. euractiv.de: Brüssel setzt ECT-Reformverhandlungen nach gescheiterter Abstimmung aus. Abgerufen am 26. November 2022. 
  12. Energiecharta: „EU-Kommission sollte Ausstieg jetzt in die Wege leiten". Abgerufen am 25. November 2022. 
  13. Portugal kündigt Austritt aus dem Vertrag über die Energiecharta an. Abgerufen am 29. Juli 2023. 
  14. Nathalie Bernasconi: Background paper on Vattenfall v. Germany arbitration. (PDF, 555 kB) International Institute for Sustainable Development (IISD), Juli 2009, abgerufen am 5. Mai 2016 (englisch). 
  15. Neue Konzernklage gegen die Energiewende – RWE verklagt Niederlande wegen Kohleausstieg. Attac, 4. Februar 2020, abgerufen am 7. Februar 2021 (deutsch). 
  16. Why do we need your support ? EndFossilProtection.org, abgerufen am 12. Dezember 2020 (englisch). 
  17. End Fossil Protection. EndFossilProtection.org, abgerufen am 12. Dezember 2020 (englisch). 
  18. Von Kromp-Kolb bis Piketty: Wissenschaftler*innen fordern Ausstieg aus Energiecharta-Vertrag. Attac Österreich, 9. Dezember 2020, abgerufen am 12. Dezember 2020 (deutsch). 
  19. ECT-Vertrag: Geheim-Prozesse gegen den Klimaschutz. ZDF, 8. September 2020, abgerufen am 12. Dezember 2020. 
  20. David Böcking: Coronakrise: Konzerne könnten die Bundesrepublik wegen Shutdown verklagen. Der Spiegel, 1. Juni 2020, abgerufen am 12. Dezember 2020. 
  21. Jakob Pallinger: Handelsexpertin: „Schiedsgerichte schaffen Paralleljustiz für Reiche". Der Standard, 15. Oktober 2020, abgerufen am 12. Dezember 2020 (österreichisches Deutsch). 
  22. How some international treaties threaten the environment. In: The Economist . 5. Oktober 2020, ISSN 0013-0613 (economist.com [abgerufen am 12. Dezember 2020]). 
  23. Pressemitteilung des BGH vom 27. Juli 2023: Gegen Intra-EU-Investor-Staat-ICSID-Schiedsverfahren auf Grundlage des Energiecharta-Vertrags ist vorgelagerter nationaler Rechtsschutz möglich
Normdaten (Werk): GND: 4517484-2 (lobid, OGND , AKS ) | LCCN: n98066466 | VIAF: 177122967
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