Dorrit Dekk
Dorrit Dekk (* 18. Mai 1917 in Brünn, Österreich-Ungarn; † 29. Dezember 2014 in London, Vereinigtes Königreich) war eine tschechisch-britische Grafikdesignerin, Druckgrafikerin und Malerin.[1] [2]
Leben und Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Dekk wurde als Dorothea Karoline Fuhrmann in Mähren geboren. Sie entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie von Textilfabrikanten.[3] Ihr Vater war Hans Fuhrmann, ihre Mutter Wally geb. Türkl; die beiden hatten im August 1913 geheiratet.[4]
Im Alter von vier Jahren zog sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Österreich, während ihr Vater in Brünn blieb. In der NS-Zeit wurden er und seine zweite Frau Erna 1941 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet.[5]
Dorothea Fuhrmann litt an Tuberkulose und verbrachte vier Jahre in einem Schweizer Sanatorium.[6] 1926 war sie als Kind zur Kur in Baden bei Wien.[7]
Ab 1936 studierte sie bei Otto Niedermoser an der Kunstgewerbeschule in Wien. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 organisierte Niedermoser für sie ein Stipendium für die Reimann School and Studios, die im Vorjahr von Berlin nach London umgezogen war. Da sie noch ihren tschechischen Pass besaß, benötigte sie für die Ausreise keine Erlaubnis der Nationalsozialisten.
In London studierte sie bis 1939. Sie heiratete 1940 den südafrikanischen Physiker Leonard Klatzow, der maßgeblich an der Weiterentwicklung der Kathodenstrahlröhre und des Infrarot-Nachtsichtgeräts für die Marine beteiligt war. Klatzow starb zwei Jahre später nach einem Flugzeugabsturz[8] – laut einem Nachruf in Nature an einem Herzfehler.[9] Sie fand während des Weltkriegs eine Anstellung beim Women’s Royal Naval Service – wegen ihrer Sprachkenntnisse wurde sie Funkaufklärungsoffizierin beim geheimen Y-Dienst. Sie fing die verschlüsselten Nachrichten des deutschen Militärs an seine im Ärmelkanal patrouillierenden U-Boote ab.[10]
Plakatgestalterin und Bühnengestalterin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Nach dem Krieg nahm sie den Berufsnamen Dekk an. Sie begann als Plakatgestalterin beim Central Office of Information unter Reginald Mount und Eileen Evans, die sie aus der Reimann School kannte.[11] Ihr Arbeitsschwerpunkt lag auf öffentlichen Informationskampagnen. 1948 verließ sie das Unternehmen, um ein Jahr als Bühnenbildnerin und Illustratorin in Kapstadt (Südafrika) zu arbeiten. Im gleichen Jahr lernte sie den Ausstellungsdesigner Richard Levin kennen, der sie zur Arbeit an der Land Travelling Exhibition einlud, die 1951 Teil des Festival of Britain war.[12]
Eigenständige Künstlerin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]1950 gründete Dekk ihr eigenes Designbüro in London. Beeinflusst von dem Fotomontagekünstler John Heartfield verwendete sie häufig Collagen in ihren Entwürfen für Kunden wie London Transport, British Rail, Post Office Savings Bank, Penguin Books und das Tatler -Magazin. Ihre Air-France-Plakatentwürfe und die lange Beziehung zur Reederei Peninsular and Oriental Steam Navigation Company brachte ihr den Spitznamen „Reisekönigin" ein.[13] Sie schuf 1951 das Wandbild British Sports and Games für die Nationalausstellung Festival of Britain, gestaltete Titelbilder für das Monatsmagazin The Highway der Workers Educational Association und wurde 1956 Mitglied der Society of Industrial Artists.[14] [15] [16] [17] [18]
1968 heiratete Dekk Kurt Epstein, der 1990 starb. Nachdem sie sich 1982 aus ihrer Designpraxis zurückgezogen hatte, war sie als freie Künstlerin tätig[8] und konzentrierte sich auf Malerei, Druckgrafik und Collage. Sie hatte vier Einzelausstellungen, darunter 1984 und 1986 in der Clarendon Gallery in London und 2007 bei Duncan Campbell Fine Art in London. Darüber hinaus nahm sie an mehreren Gruppenausstellungen teil, darunter 1988 an dem Whitechapel Open. 2014 starb sie im Alter von 97 Jahren in London.
2018 wurden Dekks Arbeiten in der Ausstellung Designs on Britain im Jüdischen Museum London mit Arbeiten mehrerer wegweisender jüdischer Emigrantendesigner, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus Kontinentaleuropa nach England kamen, gezeigt. 2019 wurde ihre Arbeit in die Ausstellung Czech Routes to Britain in der Ben Uri Gallery aufgenommen. Ihre Arbeiten befinden sich in britischen öffentlichen Sammlungen, darunter die Ben Uri Collection, das Imperial War Museum, das Jewish Museum London, das Transport Museum und das Victoria and Albert Museum.[19] [20] [21]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- Elizabeth Resnick: Women Graphic Designers. Bloomsbury, 2025, ISBN 978-1-350-34921-6.
- Naomi Games: Obituary: Dorrit Dekk. The Guardian, 7. Januar 2015.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- Poster Girls exhibition showcases forgotten design heroines (englisch)
- Youtube Video: FESTIVAL OF BRITAIN 2011: Dorrit Dekk and the Land Traveller (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- ↑ Dorrit Dekk – Breaking the Mould | University of Brighton Design Archives. Abgerufen am 12. Januar 2025.
- ↑ Kate McNab, 5-10-17 Post: The 20th century Jewish émigrés who shaped modern British design. 12. Juni 2022, abgerufen am 13. Januar 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Jakub Pernes: Tři generace rodiny Fuhrmannů (Drei Generationen der Familie Fuhrmann). In: Sborník Muzea Brněnska 2018, S. 50–64 (tschechisch)
- ↑ Familiennachricht. In: Der Morgen. Wiener Montagblatt, 25. August 1913, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dmo
- ↑ Ing. Jan Fuhrmann und Erna Fuhrmannová auf holocaust.cz
- ↑ Dorrit Dekk - Overview. Abgerufen am 12. Januar 2025 (englisch).
- ↑ Angekommen am 1. Juli. In: Amtliche Kurliste Kurort Baden bei Wien, 5. Juli 1926, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bad
- ↑ a b Naomi Games: Dorrit Dekk obituary. In: The Guardian. 7. Januar 2015, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 12. Januar 2025]).
- ↑ CROWTHER, B. Dr. Leonard Klatzow. Nature 150, 456 (1942). doi:10.1038/150456a0
- ↑ Dorrit Dekk | Artist | New Hall Art Collection Website. Abgerufen am 12. Januar 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Dorrit Dekk Archive - Archives Hub. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. November 2022; abgerufen am 12. Januar 2025.
- ↑ Christian Maryška: Dorrit Dekk – ein verspäteter Nachruf – Austrian Posters. Abgerufen am 12. Januar 2025.
- ↑ Poster Girls exhibition showcases forgotten design heroines. 12. Oktober 2017 (bbc.com [abgerufen am 12. Januar 2025]).
- ↑ Dorrit Dekk | Artists | Collection | British Council − Visual Arts. Abgerufen am 12. Januar 2025.
- ↑ Dorrit Dekk - Overview. Abgerufen am 12. Januar 2025 (englisch).
- ↑ Dorrit Dekk, 1917-2014. Abgerufen am 12. Januar 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Dekk, Dorrit, 1917–2014 | Art UK. Abgerufen am 12. Januar 2025 (englisch).
- ↑ Dorrit Dekk • Diseñadoras Gráficas. In: Diseñadoras Gráficas. Abgerufen am 12. Januar 2025 (spanisch).
- ↑ Gabriela: 'Designs on Britain': focus on Dorrit Dekk. In: Gabriela Szulman Art. 9. Januar 2018, abgerufen am 12. Januar 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Discovering the forgotten female designers from history. 24. Oktober 2017, abgerufen am 12. Januar 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Dorrit Dekk - Overview. Abgerufen am 12. Januar 2025 (englisch).
Personendaten | |
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NAME | Dekk, Dorrit |
ALTERNATIVNAMEN | Fuhrmann, Dorothy Karoline |
KURZBESCHREIBUNG | tschechisch-britische Grafikdesignerin, Druckgrafikerin und Malerin |
GEBURTSDATUM | 18. Mai 1917 |
GEBURTSORT | Brünn, Österreich-Ungarn |
STERBEDATUM | 29. Dezember 2014 |
STERBEORT | London, Vereinigtes Königreich |
- Grafikdesigner (Vereinigtes Königreich)
- Illustrator
- Maler (Vereinigtes Königreich)
- Absolvent der Universität Wien
- Tschechoslowakischer Emigrant im Vereinigten Königreich
- Wrens
- Y-Dienst
- Nachrichtendienstliche Person (Vereinigtes Königreich)
- Person (Cisleithanien)
- Tschechoslowake
- Brite
- Geboren 1917
- Gestorben 2014
- Frau