Geschossenergie
Geschossenergie ist ein Begriff der Ballistik und bezeichnet die kinetische Energie des Projektils. Die höchste Energie hat das Geschoss im Allgemeinen beim Verlassen der Mündung.
Berechnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Die kinetische Energie errechnet sich als {\displaystyle {\frac {1}{2}}\cdot m_{\rm {G}}\cdot v_{\rm {G}}^{2}}, mit der Geschossmasse mG (kg) und der Geschossgeschwindigkeit vG (m/s). Sie wird in Joule (J) angegeben.
Eine alte Einheit ist mt (Meter · Tonne) im Sinne von (Meter · 1000 kp). Im angelsächsischen Raum wird für die Geschossenergie anstatt Joule die Einheit foot-pound verwendet.
Mündungsenergie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Mündungsenergie (auch als Mündungswucht oder E0[1] ) bezeichnet die kinetische Energie des Projektils beim Verlassen des Laufes einer Waffe.
Schießstände sind stets für Waffen einer bestimmten maximalen Mündungsenergie zugelassen.
Schusswaffen, deren Geschosse durch kalte Gase (Luftdruck- und CO2-Waffen) also ohne NC oder Schwarzpulver angetrieben werden, mit einer Mündungsenergie, die kleiner als 7,5 Joule ist, können in Deutschland frei ab 18 Jahren erworben werden.
Auftreffenergie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Auftreffenergie bezeichnet die kinetische Energie des Projektils beim Auftreffen auf das Ziel. Aufgrund des Luftwiderstands ist sie geringer als die Mündungsenergie. Eine alte Bezeichnung ist Auftreffwucht.
Beispiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- Das Gewehr Fortek 2001 verschießt Munition vom Kaliber .50 BMG, das heißt 0,5 inch = 12,7 mm im Durchmesser und einer Geschossmasse von 42 g mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 823 m/s. Die Mündungsenergie beträgt damit 14.224 J. Die maximale Schussweite von 6200 m wird mit dieser Munition bei einem Schusswinkel von 37 Grad erreicht. Das Geschoss trifft mit einer Geschwindigkeit von 175 m/s auf und hat damit eine Auftreffenergie von 643 J.
- Die Dicke Bertha , ein großer Mörser aus dem Ersten Weltkrieg, verschoss Sprenggranaten von bis zu 1200 kg mit einer maximalen Mündungsgeschwindigkeit von 435 m/s und erreichte damit eine Mündungsenergie von 114 MJ. Die Granate traf nach rund 9 km mit 310 m/s auf und hatte damit eine Auftreffenergie von 58 MJ. Das entspricht also der kinetischen Energie einer Masse von 1200 kg, die aus einer Höhe von 5000 m ohne Abbremsung durch den Luftwiderstand auf die Erde fällt, oder von 4 Eisenbahnwagen zu je 50 t bei einer Geschwindigkeit von 86 km/h oder eines dieser Wagen bei 172 km/h, die er nach einem Fall aus 120 m Höhe erreichen würde.
- Das 18,1"(~46,1 cm)-Hauptkaliber der japanischen Schlachtschiffe der Yamato-Klasse, als bisher größte schiffsgestützte Rohrartillerie, verschoss Granaten mit einer Masse von 1458 kg bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 780 m/s. Die dabei in 0,035 s bis 0,040 s auf das Geschoss übertragene Mündungsenergie von rund 440 MJ (~122 kWh) entspricht etwa dem monatlichen Elektroenergiebedarf eines durchschnittlichen Singlehaushalts.
Tabelle ausgewählter Geschosse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Projektils Mündungs-
geschwindigkeit Mündungs-
energie
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- ↑ Geschossenergie (E). Abgerufen am 1. Mai 2023.
- ↑ Die Munition der deutschen Panzerkanone 120 mm von Rheinmetall. Stefan Kotsch, abgerufen am 17. April 2009. (Gewicht des Penetrators)
- ↑ Paul-Werner Krapke: Leopard 2 – sein Werden und seine Leistung. BoD - Books on Demand, 2004, ISBN 3-8334-1425-1, S. 8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 17. April 2009]).
- ↑ Tony DiGiulian: Japan 40 cm/45 (15.7") Type 94. navweaps.com, 30. April 2020; abgerufen am 17. September 2022 (offiziell gab Japan ein Kaliber von 15.7" (~39,9 cm) an, um Art. VI des Washingtoner Flottenabkommens von 1922 nicht zu verletzen, tatsächlich betrug das Kaliber jedoch 18,11" (~46,0 cm)).