Auslandsdienst Österreichs

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1. September 1992: Erster Gedenkdiener im Museum Auschwitz-Birkenau

Auslandsdienst bezeichnet einen im Ausland abzuleistenden Ersatz des österreichischen Zivildienstes als Gedenkdienst, Sozialdienst oder Friedensdienst. Der Innsbrucker Politikwissenschaftler Andreas Maislinger hatte die Idee von der deutschen Aktion Sühnezeichen Friedensdienste übernommen.

Allgemeines

Der Begriff Auslandsdienst oder Auslandszivildienst ist jedoch der österreichischen Rechtsordnung fremd. Da der Zivildienst als hoheitlicher, staatlicher Dienst nur auf dem Gebiet der Republik Österreich geleistet werden kann, stellt der Auslandsdienst gemäß der Regelung des § 12b des Zivildienstgesetzes im rechtlichen Sinn keine besondere Form des ordentlichen Zivildienstes dar. Der Auslandsdiener wird nur nach Ableistung seines Dienstes von seiner Zivildienstpflicht befreit.

Der Auslandsdienst entspricht in etwa dem deutschen Anderen Dienst im Ausland.

Geschichte

Vorgeschichte

Andreas Maislinger als ASF-Freiwilliger in Polen (1981)

Andreas Maislinger setzte sich ab dem Ende der 1970er Jahre[1] für die gesetzliche Verankerung dieser Art des Militärersatzdienstes ein, die die Aufklärung über den Holocaust zum Ziel hatte.[2] Am 10. Oktober 1980 hatte er auf Einladung von Anton Pelinka die Möglichkeit in der von Dolores Bauer geleiteten ORF-Sendung „Kreuzverhör" seinen „Zivildienst in Auschwitz"[3] vorzustellen. Bundespräsident Rudolf Kirchschläger hatte sein Konzept jedoch mit der Begründung „ein Österreicher hat in Auschwitz nichts zu sühnen" abgelehnt. Später anerkannte Kirchschläger „das positive Ergebnis" des von Maislinger „durchgesetzten Gedenkdienstes"[4] .

1980/81 war Maislinger mit Joachim Schlör Freiwilliger im von Volker von Törne und Christoph Heubner geleiteten Polenreferat der deutschen Aktion Sühnezeichen Friedensdienste tätig.[5] Im Museum Auschwitz-Birkenau betreute er deutsche Jugendgruppen. Nach seiner Rückkehr war er noch stärker davon überzeugt ein ähnliches Programm auch in Österreich zu verwirklichen.[6] Unterstützt wurde er dabei vor allem von Simon Wiesenthal, Teddy Kollek [7] , Ari Rath, Herbert Rosenkranz, Gerhard Röthler und Karl Pfeifer. Einer der Söhne Röthlers hat später Gedenkdienst geleistet und Pfeifer veröffentlichte ein Interview in der IKG-Zeitschrift „Die GEMEINDE".[8]

Realisierung

Im Mai 1991 wurde Andreas Maislinger schließlich in einem Brief[9] von Innenminister Franz Löschnak darüber informiert, dass der Gedenkdienst von der österreichischen Regierung als Alternative zum Zivildienst zugelassen wird und die dafür notwendigen Mittel bis zu einem festgelegten Rahmen vom Bundesministerium für Inneres getragen werden.

Am 1. September 1992 konnte der erste Gedenkdiener seinen Dienst im Museum Auschwitz-Birkenau antreten.[10]

Sozialdienst bei der Casa Hogar Estudiantil ASOL in Guatemala

Entwicklung

Im November 1997 wurde eine gesetzliche Neuregelung des Auslandsdienstes beschlossen, die ab diesem Zeitpunkt auch Sozial- und Friedensdienste außerhalb von Österreich ermöglichte.

2001 wurde unter Innenminister Ernst Strasser ein Auslandsdienst-Förderverein[11] eingerichtet, der die Mittel an unabhängige Trägerorganisationen, wie zum Beispiel den Österreichischen Auslandsdienst, weiterverteilt.

Inzwischen haben mehr als 1.000 junge Österreicher ihre Zivildienstpflicht im Ausland abgeleistet. Heute ist der Verein Österreichischer Auslandsdienst die einzige Trägerorganisation, die Gedenk-, Sozial- und Friedensdienst anbietet und auf allen fünf Kontinenten aktiv ist.

Finanzierung

Die Republik Österreich stellt jedem Auslandsdienst-Trägerverein über den Verein zur Förderung der Auslandsdienste im Sinne des § 12b Zivildienstgesetz – Auslandsdienst Förderverein ein gewisses Budget zur Verfügung. Jeder finanzierte Auslandsdiener wird mit maximal 9.000 Euro gefördert. Die Trägerorganisation kann aber Umschichtungen vornehmen, damit eine größere Anzahl von Auslandsdienern unterstützt werden kann, wobei allerdings der Betrag von 4.500 Euro pro Zivildienstpflichtigen nicht unterschritten werden darf. Durch diese beschränkten Geldmittel ist es daher nicht jedem Interessierten möglich, einen geförderten Auslandsdienst zu leisten.[12]

Trägerorganisationen gemäß § 12b ZDG

Gedenkdienst

→ Hauptartikel: Gedenkdienst

  • Verein Gedenkdienst
  • Verein Niemals Vergessen
  • Verein Österreichischer Auslandsdienst

Friedensdienst

  • Verein Österreichische Friedensdienste
  • Verein Österreichischer Auslandsdienst

Sozialdienst

  • Allianz für Kinder
  • Bund Evangelikaler Gemeinden in Österreich
  • Concordia Austria, Verein für Sozialprojekte P. Georg Sporschill SJ
  • Eine Welt – Oberösterreichische Landlerhilfe
  • Gesellschaft für Österreichisch – Arabische Beziehungen
  • Guatemala Initiative
  • Horizont 3000
  • Informationsgruppe Lateinamerika
  • Intersol – Verein zur Förderung internationaler Solidarität
  • Jugend Eine Welt – Don Bosco Aktion Austria
  • Verein Österreichischer Auslandsdienst
  • Verein Österreichische Friedensdienste
  • Österreichische Jungarbeiterbewegung
  • Pfarre Frastanz [13]
  • Provinz Österreich der Gemeinschaft der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut
  • Unsere kleinen Brüder und Schwestern, Verein zur Unterstützung von Waisenkindern
  • Vides Austria
  • Waldorfbund Österreich

Auslandsdienst-Einsatzstellen

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Momentan gibt es unter anderem folgende Einsatzstellen:

Jewish Holocaust Museum and Research Centre in Melbourne, Australien
Tropenstation La Gamba, Costa Rica
Jüdisches Museum Berlin, Deutschland
Gedenkstätte Oradour-sur-Glane, Frankreich
Befreiung des KZ Mauthausen, Österreich (1945)
Yad Vashem, Israel: Halle der Namen
Datei:Museo della Deportazione.JPG
Museo della Deportazione, Prato, Italien
Friedensmuseum Hiroshima, Japan
Von Dietmar Schönherr gegründete Casa de los tres mundos, Nicaragua
Österreichische Gedenkdiener Auschwitz Jewish Center, Polen (2009)
Forum för levande historia, Stockholm, Schweden
Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, USA
Museum of Jewish Heritage, New York, USA
Virginia Holocaust Museum in Richmond, USA

Argentinien  Argentinien

  • Buenos Aires – Centro de Atención Integral a la Niñez y Adolescencia

Australien  Australien

Belgien  Belgien

Bosnien und Herzegowina  Bosnien und Herzegowina

Brasilien  Brasilien

Bulgarien  Bulgarien

China Volksrepublik  Volksrepublik China

Chile  Chile

Costa Rica  Costa Rica

Deutschland  Deutschland

England  England

Frankreich  Frankreich

Gabun  Gabun

Guatemala  Guatemala

Indien  Indien

Israel  Israel

Italien  Italien

Japan  Japan

Kanada  Kanada

Kenia  Kenia

  • Nairobi – Kenia Water for Health Organisation

Kroatien  Kroatien

Madagaskar  Madagaskar

Mexiko  Mexiko

Nepal  Nepal

  • Bandipur – Himalayan Welfare Service Centre of Helpless Children

Nicaragua  Nicaragua

Niederlande  Niederlande

Norwegen  Norwegen

  • Oslo – Jodisk Aldersbolig

Pakistan  Pakistan

  • Lahore – SOS children villages Pakistan
  • Lahore – proLoka Pakistan

Peru  Peru

  • Huancayo – Teilorganisation des peruanischen Gesundheitsministerium
  • Lima – Centro de Información y Educación para la Prevención del Abuso de Drogas (CEDRO)

Polen  Polen

Rumänien  Rumänien

Russland Russland

Slowenien  Slowenien

  • Laibach – Nationalmuseum der Zeitgeschichte

Schweden  Schweden

Tschechien  Tschechien

  • Prag – Jüdische Gemeinde

Turkei  Türkei

Uganda  Uganda

Ukraine Ukraine

  • Deutsch-Mokra – Oberösterreichische Landlerhilfe
  • Königsfeld – Oberösterreichische Landlerhilfe
  • Kiew – The Jewish Foundation of Ukraine

Ungarn  Ungarn

Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten

Belarus  Belarus

  • Minsk – Belarussian Children's Hospice
  • Minsk – Dietski dom no. 6 – Kinderheim no. 6
  • Minsk – Kindergarten for Children with Special Needs

Bekannte ehemalige Auslandsdiener

  • Heinz Chen (Musikpädagoge)
  • Tim Cupal (ORF Korrespondent)
  • Ralph Gabriel (Architekt)
  • Christian Klösch (Historiker)
  • René J. Laglstorfer (Journalist, OÖNachrichten)
  • Gebi Mair (Tiroler Landtagsabgeordneter)
  • Andreas Th. Müller (Völkerrechtler)
  • Florian Niederndorfer (Journalist, Der Standard)
  • Gregor Sieböck (Autor & Weltenwanderer)

Literatur

Einzelnachweise

  1. Pressearchiv und Briefarchiv (Memento vom 21. Mai 2011 im Internet Archive ) dokumentieren das erwähnte Engagement für den Gedenkdienst seit 1977.
  2. „Zivildienst in Holocaust Gedenkstätten", Dr. Peter Huemer und Dr. Andreas Maislinger, ORF Moment – Leben Heute, 9. März 1988
  3. Andreas Maislinger: „ZIVILDIENST" in Auschwitz (Memento vom 9. März 2001 im Internet Archive ), Stattblatt – Linzer Programm- und Belangzeitschrift 22/1980
  4. Brief von Dr. Rudolf Kirchschläger an Dr. Andreas Maislinger, Wien 3. Februar 1995
  5. Einsam unter Friedensengeln: Wehrdienstverweigerer Andreas Maislinger lebt alternativen Friedensdienst vor, PROFIL, 12. Juli 1982
  6. „Zivildienst in Holocaust Gedenkstätten", Dr. Peter Huemer und Dr. Andreas Maislinger, ORF „Moment – leben heute", 9. März 1988
  7. Teddy Kollek zum Projekt Gedenkdienst, Tiroler Tageszeitung, 12. Jänner 1993
  8. Interview mit Dr. Andreas Maislinger (Memento vom 9. März 2001 im Internet Archive ), Die GEMEINDE, 22. Dezember 1982
  9. Brief von Innenminister Franz Löschnak an Andreas Maislinger, Die GEMEINDE, 22. Juli 1991
  10. Positives Echo auf Österreichs ersten Zivildiener, der in ehemaligem KZ Auschwitz dient (Memento vom 9. März 2001 im Internet Archive ), Tiroler Tageszeitung, 12./13. September 1992
  11. Zivildiener: Neuer Verein für Auslandsdienste – „Verein zur Förderung des Auslandsdienstes", Der Standard, 5. März 2001
  12. Der Standard Gerald John: Harter Schnitt bei Gedenkdienst, Der Standard 10. November 2010
  13. Pfarre Frastanz siehe: Auslandsdienst: Südamerika, Asien, Afrika, Abgerufen am 22. Dezember 2010
  14. Heimweh nach der Welt. 20 Jahre Auslandsdienst (Memento vom 6. Januar 2013 im Internet Archive )
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