„Himbeere" – Versionsunterschied

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Versionsgeschichte interaktiv durchsuchen
[gesichtete Version] [ungesichtete Version]
← Zum vorherigen Versionsunterschied Zum nächsten Versionsunterschied →
Inhalt gelöscht Inhalt hinzugefügt
Zeile 41: Zeile 41:


== Standort ==
== Standort ==
Die Himbeere tritt als Waldpionier auf Kahlflächen auf und ist ein Nitratzeiger. Sie bevorzugt [[Halbschatten|halbschattige]] Lagen, zum Beispiel [[Waldlichtung]]en oder [[Waldrand|Waldränder]] mit hoher Luftfeuchtigkeit und kühlen Sommertemperaturen. Himbeeren mögen keine Staunässe, da sie empfindlich gegenüber Wurzelkrankheiten sind.<ref name="Weiß">Helmut Weiß, Christian Gosch, Andreas Fischerauer: ''Beerenobst. Sorten, Pflanzung, Pflege, Verarbeitung.'' Stocker, Graz 2001, ISBN 3-7020-0906-X.</ref>
Die Himbeere tritt als Waldpionier auf Kahlflächen auf und ist ein (追記) [[ (追記ここまで)Nitratzeiger(追記) ]] (追記ここまで). Sie bevorzugt [[Halbschatten|halbschattige]] Lagen, zum Beispiel [[Waldlichtung]]en oder [[Waldrand|Waldränder]] mit hoher Luftfeuchtigkeit und kühlen Sommertemperaturen. Himbeeren mögen keine Staunässe, da sie empfindlich gegenüber Wurzelkrankheiten sind.<ref name="Weiß">Helmut Weiß, Christian Gosch, Andreas Fischerauer: ''Beerenobst. Sorten, Pflanzung, Pflege, Verarbeitung.'' Stocker, Graz 2001, ISBN 3-7020-0906-X.</ref>


== Systematik ==
== Systematik ==

Version vom 27. August 2011, 21:59 Uhr

Himbeere

Himbeere (Rubus idaeus)

Systematik
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Art: Himbeere
Wissenschaftlicher Name
Rubus idaeus
L.

Die Himbeere (Rubus idaeus) ist eine Pflanzen art der Gattung Rubus aus der Untergattung Idaeobatus.

Die Himbeere ist bereits seit dem Altertum als Heilpflanze bekannt. Im Mittelalter wurde sie vor allem in Klöstern kultiviert. Bereits im Jahre 1601 hat Clusius zwischen roten und gelben Arten unterschieden.[1]

Beschreibung

Der Himbeerstrauch wird bis zu zwei Meter groß, die Ruten sind mit feinen Stacheln besetzt. An den Trieben, die die Pflanze ausbildet, sitzen wechselständig drei-, fünf- und siebenzählige gezähnte und gefiederte Blätter.

Zwischen Mai und August bildet die Pflanze von den einzelnen Trieben abgehend rispenförmige Blütenstände mit weißen Blüten aus. Jede Blüte hat jeweils fünf Kelch- und Kronblätter und über zwanzig Staub- und Fruchtblätter. Der Boden der Blüte ist dabei stark vorgewölbt.

Die roten, bei Zuchtformen auch gelben oder schwarzen, weichen Früchte sind, anders als der Name der Pflanze suggeriert, botanisch gesehen keine Beeren, sondern Sammelsteinfrüchte, die sich aus den einzelnen Fruchtblättern bilden. Anders als bei der Brombeere ist die Frucht nur lose an den Blütenboden gebunden und kann leicht abgezogen werden. Je nach Sorte können Himbeeren von Juni an bis zu den ersten Frösten im Spätherbst geerntet werden. Ihre Hauptgeruchskomponente ist das Himbeerketon.

Verbreitungsgebiet

Himbeeren
Blüte der Himbeere
Der Fruchtstand der Himbeere im Werden
Die Blüten und reifenden Früchte werden von verschiedenen Insekten besucht

Die wilde Himbeere ist im gemäßigten bis borealen Europa und Westsibirien weit verbreitet. In der mediterranen Zone wird sie nach Süden hin zunehmend seltener und ist an die montanen bis subalpinen Lagen der Gebirge gebunden. In den Alpen steigt sie bis in eine Höhe von etwa 2000 Metern. Eingebürgerte Vorkommen gibt es im östlichen Nordamerika, in Grönland und in Neuseeland.

Standort

Die Himbeere tritt als Waldpionier auf Kahlflächen auf und ist ein Nitratzeiger. Sie bevorzugt halbschattige Lagen, zum Beispiel Waldlichtungen oder Waldränder mit hoher Luftfeuchtigkeit und kühlen Sommertemperaturen. Himbeeren mögen keine Staunässe, da sie empfindlich gegenüber Wurzelkrankheiten sind.[2]

Systematik

Himbeeren zählen systematisch zur Sektion Idaeobatus . Verwandte Arten kommen im östlichen Nordasien (Rubus nipponicus ) und in Nordamerika (Rubus strigosus , Rubus melanolasius ) vor.[3]

Ökologie

Die Himbeere ist ein sommergrüner Scheinstrauch. Die aufrechten Triebe werden alljährlich aus dem überwinternden Rhizom neu gebildet. Sie blühen und fruchten im 2. Jahr (selten bei einigen Kultursorten schon im ersten Jahr) und sterben nach der Fruchtreife ab. Im Gegensatz zu Brombeeren bewurzeln sich die Triebe nicht an der Spitze. Die dünnen, weichen Stacheln dienen nicht dem Klettern.

Die Blüten sind homogame „Glockenblumen mit klebrigem Pollen". Die duftlosen Blüten bieten reichlich Pollen und Nektar an; sie werden daher gerne von Bienen aller Art (Bienenweide) sowie von Schmetterlingen besucht. Der Nektar hat 46% Zucker. Blütezeit ist von Mai bis August. Es findet normale sexuelle Vermehrung statt.

Daneben ist vegetative Vermehrung durch unterirdische Kriechsprosse (Wurzelsprosse) möglich. Dadurch ist die Himbeere eine typische Kahlschlagpflanze, die sich auch in Gärten sehr invasiv ausbreiten und so zum „Unkraut" werden kann.

Die Sammelsteinfrüchte lösen sich im Unterschied zu anderen Arten der Gattung Rubus leicht vom Blütenboden ab. So ist eine Verdauungsverbreitung durch größere und kleinere Säugetiere und durch Vögel möglich. Als Gartenpflanze wird die Himbeere auch durch den Menschen verbreitet. Fruchtreife ist von Juni bis September.

Die Himbeere beherbergt wie Schlehe und Brombeere 54 Arten von Schmetterlingsraupen.[4]

Namensherkunft

Der deutsche Name der Himbeere (durch Lautangleichung hervorgegangen aus der althochdeutschen Bezeichnung Hintperi) leitet sich aus der altnordischen und angelsächsischen Vokabel hind (Hirschkuh) ab, bedeutet also Beere der Hirschkuh.[1]

Der von Carl von Linné 1753 erstveröffentlichte [5] wissenschaftliche Name Rubus idaeus lässt sich bis zum Werk De materia medica[6] (entstanden ca. 50 bis 68 n. Chr.) von Dioscurides zurückverfolgen, geht aber wahrscheinlich auf den griechischen Arzt Krateuas (um 100 v. Chr.) zurück.[7] Plinius der Ältere nennt den Namen in seinem Werk Naturalis historia (ca. 77 n. Chr.) an zwei Stellen und schreibt, dass die Griechen die Pflanze „Idaeus rubus" nannten,[8] weil sie nur im Ida wachsen würde.[9] Wahrscheinlich ist die Art nach dem Ida-Gebirge in der Troas benannt, weil nur dieses Gebirge im Verbreitungsgebiet der Himbeere liegt, während die Art im weiten Umkreis des auch „Ida" genannten Psiloritis-Gebirges Kretas fehlt.[3]

Vermehrung

Die vegetative Vermehrung geschieht in der Regel durch Wurzelausläufer. Selten vermehrt sich die Himbeere auch über Absenker. Die Vermehrung über Samen ist ebenfalls möglich. Da eine Keimung nicht innerhalb einer festgelegten Periode erfolgt, wird im Gartenbau eine Keimbeschleunigung angewandt.

Sorten

Grundsätzlich wird bei der Himbeere zwischen zwei Arten unterschieden: Sommerhimbeeren und Herbsthimbeeren (remontierende Sorten). Remontierende Sorten fruchten mehrmals jährlich, meist werden -aus betriebstechnischen Gründen - nach der Ernte alle Triebe abgeschnitten, was im Folgejahr zu Neutrieben und zu einer einmaligen Ernte im Herbst führt. Bei Sommerhimbeeren werden die Neutriebe belassen und so eine Ernte Ende Juni/Anfang August herbeigeführt. Wichtige Himbeersorten sind:[10] [11]

  • Tulameen: sehr aromatische Sorte, groß, nach unten hin spitz zulaufend, Probleme mit Neutriebbildung, anfällig für Phytophtora.
  • Glen Ample: früh, groß.
  • Himbotop: Herbsthimbeere, Schweizer Züchtung, groß, feste Früchte, sehr stark wachsend.
  • Autumn Bliss: Herbsthimbeere, Reife Anfang August, Anfällig für viröse Bröselfruchtigkeit, aromatisch, resistent gegen Wurzelkrankheiten.
  • Polka: Herbsthimbeere, aromatisch, groß, Reife Mitte August.
  • Schönemann: spät reifende deutsche Sorte mit länglichen, festen, etwas sauren Früchten.
  • Zefa: Herbsternte, feste Früchte

Anbau

Pflückreife Himbeeren an Himbeerstrauch

Einmaltragende Himbeeren (Sommerhimbeeren) werden meist entlang eines Drahtrahmens gezogen. Dabei werden etwa zehn Fruchtruten pro Laufmeter belassen und am Draht angebunden. Während und nach der Fruchtreife wachsen aus den Wurzeln neue Ruten nach. Der Schnitt von Sommerhimbeerkulturen erfolgt direkt nach der Ernte. Dabei werden die abgetragenen Ruten bodeneben abgeschnitten und die Neutriebe aufgebunden. Remontierende Himbeeren (Herbsthimbeeren) werden nach der Ernte (November) bodeneben abgeschnitten. Im Frühjahr bilden sich neue Fruchtruten, welche wiederum im Herbst fruchten. Werden die abgetragenen Ruten über den Winter belassen, ist auch ein kleiner Frühertrag (Juni) möglich. Dieser sollte jedoch drei Wochen nach Erntebeginn abgebrochen werden, um den Spätertrag nicht zu gefährden.[2] Himbeeren benötigen gleichmäßige Nährstoffversorgung bei ausreichender Wasserversorgung. Es wird empfohlen, die Pflanzreihe mit Mulchmaterial wie Stroh oder Rindenkompost abzudecken.[12]

Krankheiten und Schädlinge

Die wichtigste Krankheit bei Himbeeren ist Phytophtora (Rote Wurzelfäule), welche zu verringerter Neutriebbildung und langfristig zum Absterben des Stockes führt. Eine weitere wichtige Krankheit ist die Rutenkrankheit, welche auf mehrere Erreger zurückzuführen ist. Während Phytophtora nur durch ein optimales Bodengefüge verhindert werden kann, kann die Rutenkrankheit mit Fungiziden bekämpft werden. Schädlinge an der Himbeere sind Blattläuse, Himbeergallmücken, Himbeerrutengallmücken, Himbeerkäfer und Spinnmilben. Viruskrankheiten, die Zwergwuchs hervorrufen können oder zwergfrüchtige Ernten produzieren, sind ein weiteres Risiko im kommerziellen Anbau.[13]

Nutzung

Die Pflanze ist eine wegen ihrer Früchte beliebte Gartenpflanze. Die durch ihren hohen Vitamingehalt äußerst gesunden Früchte werden häufig roh verzehrt oder beispielsweise als Marmelade, Gelee, Kompott oder Saft vielfältig in der Küche verwendet. In der Imkerei sind Himbeeren aufgrund des hohen Zuckergehalts (36–70 %) ihres Nektars und dessen hohen Zuckerwerts (0,18–3,80 mg Zucker/Tag je Blüte) eine geschätzte Nebentracht.[14] Die Beerenfrucht findet auch zum Aromatisieren von reinem Alkohol Verwendung. Die dabei entstehende Spirituose trägt die Bezeichnung Himbeergeist. Die Beeren reifen nach der Ernte nicht nach. Sie zählen damit zu den nichtklimakterischen Früchten.

Nährwert/Inhaltsstoffe

Himbeeren
100 Gramm Himbeeren enthalten:[15]
34 142 84 g 0,3 g 170 mg 40 mg 30 mg 25 mg


Tagesbedarf eines Erwachsenen:[15] [16]
9 % 5 % 10 % 33 %

Einzelnachweise

  1. a b Konrad Keipert: Beerenobst. Angebaute Arten und Wildfrüchte. Ulmer, Stuttgart 1981, ISBN 3-8001-5517-6.
  2. a b Helmut Weiß, Christian Gosch, Andreas Fischerauer: Beerenobst. Sorten, Pflanzung, Pflege, Verarbeitung. Stocker, Graz 2001, ISBN 3-7020-0906-X.
  3. a b Heinrich E. Weber: Rubus. In Heinrich Egon Weber (Hrsg.): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Begründet von Gustav Hegi. 3., völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Band IV, Teil 2A: Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2 (2) (Hamamelidaceae – Rosaceae 1. Teil). Blackwell, Berlin u. a. 1995, ISBN 3-8263-3016-1, S. 309–315. 
  4. Helmut Hintermeier: Der Liguster und seine Gäste. In: Allgemeine Deutsche Imkerzeitung. November 2008, Seiten 30, 31.
  5. Carl von Linné: Species Plantarum 1, 1753, S. 492 (online).
  6. Dioscurides: De materia medica, übersetzte Textstelle
  7. K. E. Hummer, J. Janick: Rubus Iconography: Antiquity to the Renaissance. In: Acta Horticulturae 759, 2007, S. 89–106 (PDF).
  8. Plinius: Naturalis Historia, Textstelle 1
  9. Plinius: Naturalis Historia, Textstelle 2
  10. Reto Neuweiler: Beeren und besondere Obstarten. Landwirtschaftliche Lehrmittelzentrale, Zollikofen 2000, ISBN 3-906679-75-6.
  11. Thomas Rühmer: Obstsorten: praktische Porträts marktrelevanter Sorten. Österreichischer Agrarverlag, Wien 2006, ISBN 3-7040-2162-8.
  12. Georg W. Kröger (Hrsg), Gustav Engel u. a.: BdB Handbuch Teil VI, Obstgehölze. Fördergesellschaft "Grün ist Leben" Baumschulen mbH, Pinneberg 1985
  13. G. Baumann: Elimination of a heat-stabel raspberry virus by combining heat treatment an meristem culture. In: Acta Horticulturae Band 129, 1982: S. 11–12, Abstract.
  14. Helmut Horn, Cord Lüllmann: Das große Honigbuch, Kosmos, Stuttgart 3. Aufl. 2006, ISBN 3-440-10838-4, S. 30
  15. a b EU Nährwertkennzeichnungsrichtlinie (EU NWKRL 90/496/EWG) und Rewe-Nährwerttabelle
  16. Southwest School of Botanical Medicine: Gesamtanalyse der Inhaltsstoffe, abgerufen am 1. Juli 2011 (englisch)

Weitere Quellen

  • Peter Schütt, Hans Joachim Schuck, Bernd Stimm (Hrsg.): Lexikon der Baum- und Straucharten. Das Standardwerk der Forstbotanik. Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systematik wichtiger Baum- und Straucharten. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-53-8 (Nachdruck von 1992). 
  • Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollst. überarb. und erw. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996). 
  • W. Scherer: Schäden an Himbeeren und Brombeeren erkennen, bestimmen – richtig handeln. Scherer, Augsburg 1989.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.  (Abschnitt Ökologie).
Wiktionary: Himbeere  – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Rubus idaeus  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Himbeere&oldid=92957591"