„Gleichstrom" – Versionsunterschied
Version vom 6. Januar 2010, 13:51 Uhr
Als Gleichstrom wird ein elektrischer Strom bezeichnet, dessen Stärke und Richtung sich nicht ändert (DIN 40 110-1). In der Elektrotechnik wird jedoch auch Mischstrom mit überwiegendem Gleichanteil als Gleichstrom bezeichnet, wenn die Schwankungen des Stroms für die beabsichtigte Wirkung unwesentlich sind oder wenn die Schwankungen durch Belastungsschwankungen entstehen (DIN 5483-1). Dann ist der Gleichstrom der arithmetische Mittelwert des Stromes. Die englische Bezeichnung ist direct current mit dem Kürzel DC.
oben: reiner Gleichstrom
darunter pulsierender Gleichstrom
In der Umgangssprache findet oftmals eine Verwechslung bzw. Gleichsetzung zwischen Gleichspannung und den von Gleichspannungen verursachten Gleichströmen statt.
Erzeugung
Unmittelbare Gleichstromquellen sind z. B. chemische Elemente wie Galvanische Zellen, Akkumulatoren und Brennstoffzellen wie auch auf dem photoelektrischen Effekt beruhende Solarzellen und spezielle elektrische Generatoren welche auf der Unipolarinduktion basieren.
Ein elektrischer Generator erzeugt immer Wechselspannung. Um daraus Gleichstrom herzustellen, sorgte früher ein Kommutator für die Einhaltung der gleichen Stromrichtung. Da der Kommutator Funkenstörungen verursacht und sich abnutzt, wird er in heute in Gleichstromgeneratoren wie der Lichtmaschine im Auto durch Gleichrichterdioden mit gesteigter Zuverlässigkeit ersetzt.[1]
Bedeutung
Technische Bedeutung hat der Gleichstrom u. a. in der Elektronik, Galvanotechnik und teilweise in der Bahnenergieversorgung.
Praktisch alle elektronischen Schaltungen (beispielsweise in Computern) müssen mit Gleichspannung/Gleichstrom betrieben werden. Wenn elektronische Geräte nicht aus Batterien oder Akkumulatoren sondern aus Netzteilen mit Energie versorgt werden, erzeugt ein Gleichrichter im Netzgerät diesen Gleichstrom.
Solarzellen können ebenfalls nur Gleichstrom erzeugen. Deshalb verwenden viele von ihnen mit elektrischer Energie versorgte Geräte, Fahrzeuge etc. nur Gleichstrom. Wenn Fotovoltaikanlagen die von ihnen produzierte elektrische Energie ins normale Stromnetz einleiten sollen, muss ein Wechselrichter dazwischengeschaltet werden.
Muss elektrische Energie über große Entfernungen übertragen werden, wird aus historischen Gründen Wechselstrom eingesetzt, weil dieser sich einfach auf sehr hohe Spannungen transformieren lässt. Gleichstrom wird erst in den letzten Jahren zu diesem Zweck auf besonders langen Strecken in sogenannten HGÜ-Leitungen eingesetzt, weil die erforderlichen Bauelemente der Leistungselektronik erst seit einigen Jahren zur Verfügung stehen. Für die Einspeisung bei Kraftwerken sind Gleichrichteranlagen, beim Verbraucher am anderen Ende der Übertragungsstrecke sind groß dimensionierte Hochspannungswechselrichter, die in geeigneten Gebäuden bei großen Umspann- und Schaltanlagen angeordnet sind, erforderlich (hohe Anlagenkosten). Hier wird der mittels 2 (1) Leitungsseilen übertragene Gleichstrom in Dreiphasenwechselstrom mit der dort üblichen Frequenz umgewandelt (z. B. 50 Hz in Europa). Die Gleichstromübertragung über mehrere 1000 km ist die einzig wirtschaftliche Lösung bei der Energieübertragung.
Geschichte
Hauptartikel: Stromkrieg, Thomas Alva Edison.
Gleichstrom muss in Kraftwerken mit der relativ niedrigen „Steckdosen-"Spannung von beispielsweise 230 V erzeugt werden, die die Verbraucher erwarten. Bei einigen angeschlossenen Verbrauchern addiert sich der Gesamtstrom zu sehr hohen Werten. Dann sind für die Überbrückung größerer Entfernungen dicke und teure Kabel erforderlich, um die Übertragungsverluste in Grenzen zu halten. Im Gegensatz zu Gleichstrom lässt sich Wechselstrom leicht auf hohe Spannungen transformieren. Dadurch sinkt der zu übertragende Strom und die erzeugte elektrische Leistung kann relativ verlustarm über größere Entfernungen transportiert werden. Damit begann der Siegeszug der Wechselspannungsstromnetze.
Erst seit etwa 1980 kann Drehstrom hoher Spannung gleichgerichtet und dann wieder in Drehstrom zurückgewandelt werden. Seitdem wird auch Gleichstrom zum Transport über große Distanzen verwendet.
Umwandlung von Wechselstrom in Gleichstrom
Die von Netztransformatoren und Wechselstrom-Generatoren gelieferten Wechselspannungen/Wechselströme können durch Gleichrichter umgewandelt werden. Es entsteht elektrische Spannung, die zwar noch im Betrag, nicht aber in der Richtung variiert.
Durch Parallelschalten eines ausreichend großen Glättungskondensators kann der Wechselanteil der Spannung verringert werden, so dass nur noch eine kleine Restwelligkeit bleibt. Je größer die Kapazität des Kondensators ist, desto kleiner ist der Spitze-Tal-Wert der überlagerten Wechselspannung. Der zugehörige an einen Verbraucher abgegebene Strom kann nun als Gleichstrom betrachtet werden. Insbesondere bei der Anwendung in kommunikationstechnischen Anlagen ist nur ein sehr kleiner Riffelfaktor erlaubt, um die empfindliche Elektronik nicht zu stören.
Quelle
- ↑ Hans Reichardt, Jerome J. Notkin und Sidney Gulkin: WAS IST WAS Band 24, Elektrizität Tessloff Verlag, Hamburg, 1981, ISBN 3-7886-2880-4, S. 19