„Odin" – Versionsunterschied
Version vom 27. März 2006, 17:38 Uhr
Odin (aisl. Óðinn, ags. Wóden, as. Uuoden, ahd. Uuodan, Wuotan, urgerm. *Wôðanaz ) ist der Hauptgott in der nordischen Mythologie. Seine Gattin ist Frigg (aisl. Frigg).
Wodan in der frühmittelalterlichen Überlieferung
Wodan ist der bestbezeugte Gott bei den Kontinentalgermanen.
Langobarden: Der Gelehrte Paulus Diaconus erzählt eine Sage, wie Frea ihren Mann Wodan / Godan überlistete.
Alemannen: Die Runenfibel von Nordendorf (Anf. 7. Jh.) nennt die Götter Wodan und Wigiþonar . Dagegen ist umstritten, ob logaþore einen Gott bezeichnet. Ein weiteres Zeugnis berichtet von den Missionaren Columban und Gallus (um 600), die bei Bregenz eine Gruppe Leute antrafen, die dabei waren, dem Wodan ein Bieropfer darzubringen. Als der heilige Columban in das Opfergefäß pustete, zerbarst dieses und der Teufel kam zum Vorschein.
Franken: Im zweiten Merseburger Zauberspruch erscheint Uuodan als geschickter Magier, der das verletzte Pferd des Gottes Phol heilte.
Sachsen: Das sächsische Taufgelöbnis nennt die Götter Thunaer, Uuoden und Saxnote.
Schweden: Adam von Bremen berichtet von einem Tempel in Uppsala, wo die drei Götter Wodan, Thoro und Fricco verehrt wurden. Zur Deutung des Namens von Wodan schreibt er: „Wodan id est Furor"
Odin in der nordischen Mythologie
Odin ist eine der komplexesten Gestalten in der nordischen Mythologie. Er ist das Oberhaupt der Asen, die mit den Wanen zusammen die nordischen Götter darstellen und beherrscht Asgard von seiner Himmelsburg Gladsheim mit Walhalla aus. Ebenso ist er der Gott der Schlachten, der Weisheit und der Magie, aber auch der Poesie. Sein Name hat im altnordischen Wort óðr seine Wurzeln, was „Inspiration, Wut" bedeutet.
Er ist verheiratet mit der Göttin Frigg, die im Mythos um Balder als dessen besorgte Mutter erscheint. Odin hatte zahlreiche Liebschaften und entsprechen viele Kinder: Von Jörd: Thor, von Grid: Vidar, von Rinda: Vali.
Er selbst ist der Sohn von Bestla und Bör sowie Bruder von Ve und Vili (oder Hoenir und Lodur), mit denen er die Menschen schuf (siehe auch Ask und Embla).
Er sendet Walküren aus, um nach einer Schlacht die gefallenen Krieger (Einherjar) zu sich zu nehmen, die in der Endzeitschlacht Ragnarök gebraucht werden, um an seiner Seite zu kämpfen. Dennoch werden die Götter und mit ihnen die bestehende Welt vernichtet und Odin wird vom Fenriswolf verschlungen.
Odins Selbstopfer
Odin ist beharrlich auf der Suche nach Weisheit. Er gibt ein Auge als Pfand gegen einen Schluck aus Mimirs Brunnen, um seherische Kräfte zu bekommen. Er raubt von der Riesin Gunnlöd den Dichtermet Odrörir und bringt ihn in Adlergestalt zu den Göttern. Als Opfer für die Menschen hängt er im Weltenbaum Yggdrasil, verwundet von seinem eigenen Speer. Er hängt dort während neun Tagen und Nächten („Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, mir selber ich selbst, am Ast des Baums, dem man nicht ansehen kann, aus welcher Wurzel er spross"; aus Odins Runenlied 138), wobei er die Runen ersinnt (Odins Runenlied im Havamal der älteren Edda).
Magische Artefakte und Begleiter
Odin reitet jeden Morgen auf seinem achtbeinigen Ross Sleipnir und mit seinen beiden treuen Raben Hugin und Munin („Gedanke" und "Erinnerung") über den Morgenhimmel und erkundet die Welt. Seine Wölfe Geri und Freki („Gierig" und „Gefräßig") helfen ihm bei der Jagd. Er besitzt den goldenen Zwergen-Ring Draupnir und den Speer Gungnir, mit dem er den ersten Krieg in die Welten (Asgard, Midgard und Utgard, Wanaheim, Schwarzalbenheim, Lichtelfenheim, Helheim, Niflheim, Muspelheim) brachte, als er ihn ins Heer der Wanen warf. Weiterhin hat er den abgetrennten Kopf des Riesen Mimir, der die Zukunft vorhersagen kann. Von seinem Thron Hlidskjalf aus (er steht in Valaskjalf; siehe auch: Sökkvabekk oder Gladsheim) kann Odin alles sehen, was sich in der Welt ereignet.
Odin trägt einen Wunschmantel, der ihn an die Orte bringt, an denen er sich aufhalten will.
Verehrung Odins
Menschenopfer
Es war ein seltener Brauch, Gefangene vor einer Schlacht Odin zu weihen oder nach einer Schlacht zu opfern. Möglicherweise war der „Tollund Mann" solch ein Gefangener: Er wurde erhängt und nackt mit vielen anderen in Jütland gefunden. Speziell bei Opfern für Odin wurden Praktiken wie Erhängen, Aufspießen auf Speeren und Verbrennung angewandt. Die Orkneyinga saga erwähnt noch ein weiteres (und ungewöhnliches) Ritual, das man Blutaar nennt. Hierbei wurde dem Opfer der Brustkorb aufgebrochen und weit aufgeklappt. Die Lungenflügel wurden herausgenommen und auf dem geöffneten Brustkorb ausgebreitet. So ergab sich das Bild von blutigen Adlerschwingen.
Ächtung durch die christliche Kirche
Im Verlauf der Christianisierung wurde der Glaube an die germanischen Götter und mit ihnen an Odin nicht vollkommen ausgelöscht. Vielmehr existierten sie als Vorlagen für Teufels- oder Spukgestalten weiter. Eine weitere Strategie war die Ersetzung heidnischer Götter durch christliche Gestalten.
Doch abseits der Verfolgung durch die Kirche hielt sich die Erinnerung an Odin in Legenden und Märchen. Noch heute finden sich zahlreiche Ortsbezeichnungen, die auf Odin verweisen: unter anderem Wodenesberg, Wuodenesberg, Godesberg, Gudensberg, Wodensbolt oder das Odinsthal in Wachenheim an der Weinstraße.
Ein weiteres Indiz für die Nachwirkung germanischer Mythologie sind die Merseburger Zaubersprüche, in denen unter anderem Woutan vorkommt.
Odins Namen
- Alföðr
- Allvater (Gylfaginning 14 , Völuspa 1)
- Aldafaðir
- Vater der Menschen (Vm 5 u. 53 sowie bei Bragi gamlis Ragnarsdrápa 14)
- Atriðr
- Angreifer (Grímnismál 48)
- Báleygr
- der mit dem flammenden Augen (Grímnismál 47)
- Bileygr
- der schlecht sehende (Grímnismál 47)
- Biflindi
- der mit dem bemalten Schild (Grímnismál 49)
- Bifliði
- der die Heere zittern macht (Gylfaginning 2)
- Bölverkr
- der Übelstifter (Grímnismál 47)
- Farmatýr
- Gott der Last (Grm 48)
- Fimbulþulr
- mächtiger Redner/mächtiger Weiser (Hav. 80 und 142)
- Fimbultýr
- gewaltiger Gott (Vsp 60)
- Fjölnir
- der viel Wissende (Grm 47, Reginsmál 18, Gylf 2 und 19)
- Fjölsviðr
- der sehr Weise (Grm 47)
- Gangleri
- der vom gehen Müde (Grm 46)
- Gagnráðr
- der Entgegen-Rater (in der Vafdrudnismál 8 und Folgende)
- Gautatýr
- Göten-Gott (Eyvindr Finnson: Hákonarmál 1 um 960 entstanden)
- Gautr
- Götländer (Grm 54)
- Glapsviðr
- der geübte Verführer (Grm 47)
- Grimnir
- der Maskierte (bezieht sich auf seine Verkleidung in der Grímnismál; Grm 47 und 49)
- Grímr
- (siehe oben, kommt in der Grm 46 und 47 vor )
- Göndlir
- der Zauberer (Grm 49)
- Hangatýr
- Hänge-Gott (Reflexion auf Háv 138, und bei den Skalden und bezieht sich auf sein Selbstopfer in Odins Runenlied)
- Hár
- der Graue (Grm 46; könnte aber auch der Große, der Ruhmreiche bedeuten)
- Hárbarðr
- Graubart (Grm 49; von hárr = grauhaarig)
- Hárr
- der Hohe (Háv 109, 111, 164)
- Herblindi „nicht Helblindi"
- der das feindliche Heer Blendende (Grm 46)
- Herföðr
- Heervater (Vsp 29; häufiger allerdings Herjaföðr in der Vsp 43, Grm 19, 25, 26 Vm 2, Hyndluljóð 2)
- Herjann
- Herrscher, genauer: Führer des wütenden Heeres bzw. Heerführer (Vsp 30, Grm 46, Guðrúnarkviða I 19)
- Herteitr
- der Heer-Frohe (Grm 47)
- Hjálmberi
- Helmträger (Grm 46; Odin mit dem Goldhelm: Gylf 51, Skaldsk 17)
- Hjarrandi
- von hjarri, was bewegen, springen, aufhängen bedeuten kann, Bedeutung allerdings nicht klar und gesichert (bei Bragi gamli Boddasons Ragnarrsdrápa 11)
- Hnikar(r)
- Aufhetzer (Grm 47, Reginsmál 18 und 19)
- Hnikuðr
- siehe oben, in der Grm 48 belegt
- Hrafnaguð
- Rabengott (nur in der Gylf 37 belegt)
- Hroptatýr
- nicht eindeutig geklärt, könnte aber vom altnord. hróp abstammen was Verleumdung, Gerücht, Ruf, Schrei bedeutet, was eine Anspielung auf Odin als Rabengott bedeuten kann, oder auch auf ihn als Kriegs- und Schlachtengott, also ein Schlachtruf, beziehungsweise auch eine Anspielung auf seine Stimme sein könnte. (Grm 54, Háv 160)
- Jafnhárr
- der ebenso Hohe (Grm 48)
- Jalkr
- Wallach (Grm 49 und 54)
- Kjalarr
- Schlittenfahrer (Grm 49)
- Miðvitnis
- Konjunktion der Wörter mið, was Mitte oder einfach mit bedeutet und vit(i) was Verstand/Wissen bedeutet, also der Mittwisser Simek schreibt in dem „Lexikon der germanischen Mythologie", dass der Name Meerwolf oder auch Wolf der Mitte bedeutet, dem ich nicht zustimmen kann, wenn man die Sprachwurzeln beachtet. (laut Grm 50 ein Name Odins, nicht eines Riesen)
- Ófnir
- der Aufhetzer ? von ófa was Streitbarkeit ? bedeutet (Grm 54)
- Ómi
- der Lärmer (Grm 49)
- Óskí
- der Wunsch-Erfüller (Grm 49)
- Saðr
- der Wahre (Grm 47)
- Sanngetall
- der die Wahrheit Erratende (Grm 47)
- Síðskeggr
- Langbart (Grm 47)
- Síðhöttr
- Lang-Hut (Grm 47)
- Sígtýr
- Kampf- oder Sieggott (Pl. von sigtívar in der Grm 45, Vsp 44 und 49)
- Sigvaðir
- Kampfvater oder wahrscheinlicher Siegvater (Vsp 55, Ls 58)
- Sigföðr
- siehe oben (Grm 48)
- Skilfingr
- der auf einem Berg oder Felsen Wohnende (Grm 54)
- Sváfnir
- der in den Schlaf, Tod? versetzt (Grm 54)
- Sviðrir
- von sviða, was Speer bedeutet, möglicherweise Speergott, sviða kann aber auch erhitzen oder sieden bedeuten, was bei Odin wiederum auf die schamanische Praxis hindeuten könnte (Grm 50, auch Gylf 2 und 19)
- Sviðr oder Sviðurr
- siehe oben (Grm 50)
- Svipall
- veränderlich (Grm 47, bezieht sich auf seine Vielgestallt, bzw. auch auf die häufig wechselnden Namen)
- Þekkr
- der Beliebte (Grm 46)
- Þriði
- der Dritte (Grm 46 und der Gylfaginning, wo Odin zusammen mit Hárr und Jafnhárr als Göttertrias gedeutet werden kann)
- Þror
- Angreifer, eher aber der Gedeihliche (Grm 49)
- Þuðr
- der Mächtige ? Bedeutung nicht gesichert! (Grm 21, 46, 54)
- Þundr
- siehe oben
- Uður oder Uðr
- der Gönner (Grm 46)
- Vakur Vakr
- der Tüchtige (Grm 54)
- Valföðr
- Vater der Erschlagenen dt. Walvater (Grm 48 und Vsp 1)
- Váfuðr
- Wind (Grm 54)
- Viður
- Bedeutung nicht klar, Töter ? (Grm 49)
- Yggr oder Yggir
- der Schreckliche (Háv 3, Grm 53 u. 54, Vm 5, Hym 2, Fm 43)
Zusätzliche Namen in den Kenningr
- Viðrimnir
- der weit Umzäunde Gollor
- der Goldene, der Glänzende
- Dresvarpr
- ?
- Fjallgeiguðr
- ? Fjall bedeutet Fels/Berg, oder auch Fell/Haut
- Gapþrosnir
- ?
- Geiguðr
- am Galgen Baumelnder
- Gollnir
- wie Gollor
- Hleifruðr
- ?
- Hrami
- Reißer
- Hrjóðr
- Vernichter
- Hvatmóðr
- der zur Aufhetzung strebt
- Hléfreyr
- Herr des Schutzes
- Rọgnir
- der Zänkerer, der Streiter
- Skollvaldr
- Mächtiger Sonnenwolf
- Sigðir
- Schwert/Sense; Schwertträger oder Sensenmann
- Ennibrattr
- schroffe Stirn
- Lọndungr
- ?
- Jolfuðr
- Bär
- Yjungr?
- Yggjungr? Nachkomme des Gottes Yggr (König oder Fürst)
Folklore
Es heißt, dass Wotan sich zur Zeit der Herbststürme in der wilden Jagd (skand.: Odensjakt) mit dem Heer der Verstorbenen durch den Himmel bewegt. Die wilde Jagd heißt im Nordischen auch Asgardareid. Odin und Frigg nehmen dort gemeinsam teil.
Literatur
- Horst Obleser: Odin, 1993, ISBN 392678914X
- Kris Kershaw: Odin, 2004, ISBN 3935581386