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'''Prävention''' ({{laS|(削除) '' (削除ここまで)praevenire(削除) '' (削除ここまで)}} „zuvorkommen", „verhüten") bezeichnet Maßnahmen, die darauf abzielen, [[Risiko|Risiken]] zu verringern oder die schädlichen Folgen von Krankheiten, Katastrophen oder anderen unerwünschten Situationen abzuschwächen. Der Begriff der '''Vorbeugung''' wird [[synonym]] verwendet. '''Vorsorge''' bezeichnet das Maß an Bereitschaft und an Fähigkeit personeller und materieller Mittel sowie von Strukturen, Gemeinschaften und Organisationen zu einer wirksamen und raschen Katastrophenbewältigung, erzielt durch vorab durchgeführte Maßnahmen.<ref>Artikel 4 Nummer 3 und 4 des Beschlusses Nr. 1313/2013/EU vom 17. Dezember 2013 über ein Katastrophenschutzverfahren der Union</ref>
'''Prävention''' ({{laS|praevenire}} „zuvorkommen", „verhüten") bezeichnet Maßnahmen, die darauf abzielen, [[Risiko|Risiken]] zu verringern oder die schädlichen Folgen von Krankheiten, Katastrophen oder anderen unerwünschten Situationen abzuschwächen. Der Begriff der '''Vorbeugung''' wird [[synonym]] verwendet. '''Vorsorge''' bezeichnet das Maß an Bereitschaft und an Fähigkeit personeller und materieller Mittel sowie von Strukturen, Gemeinschaften und Organisationen zu einer wirksamen und raschen Katastrophenbewältigung, erzielt durch vorab durchgeführte Maßnahmen.<ref>Artikel 4 Nummer 3 und 4 des Beschlusses Nr. 1313/2013/EU vom 17. Dezember 2013 über ein Katastrophenschutzverfahren der Union</ref>
Vorbeugende Maßnahmen trifft man z. B. in folgenden Bereichen: bei der [[Drogenprävention]] (z. B. [[Nichtraucherschutz]]), [[Gewaltprävention]] und [[Kriminalprävention]], als Unfallverhütung unter anderem in den Bereichen der [[Arbeitssicherheit|Arbeits-]] und der [[Verkehrssicherheit]], im [[Kinderschutz]] (z. B. Prävention von Vernachlässigung, Gewalt und Missbrauch an Kindern in Familien),<ref>{{Internetquelle |autor=Klaus Neumann |url=https://www.familienhandbuch.de/familie-leben/recht/kinder-jugendliche/beginnenbevoresbeginntprimaerepraevention.php |titel=Beginnen bevor es beginnt – Primäre Prävention im Kinderschutz |werk=familienhandbuch.de |datum=2014年05月09日 |abruf=2022年11月05日}}</ref> im Bereich der Pädagogik (siehe [[Prävention (Lernförderung)|Prävention in der Pädagogik]]), als [[vorbeugender Brandschutz]] und als [[Krisenprävention]] in der Politik und Wissenschaft (z. B. [[Pandemieprävention]]).
Vorbeugende Maßnahmen trifft man z. B. in folgenden Bereichen: bei der [[Drogenprävention]] (z. B. [[Nichtraucherschutz]]), [[Gewaltprävention]] und [[Kriminalprävention]], als Unfallverhütung unter anderem in den Bereichen der [[Arbeitssicherheit|Arbeits-]] und der [[Verkehrssicherheit]], im [[Kinderschutz]] (z. B. Prävention von Vernachlässigung, Gewalt und Missbrauch an Kindern in Familien),<ref>{{Internetquelle |autor=Klaus Neumann |url=https://www.familienhandbuch.de/familie-leben/recht/kinder-jugendliche/beginnenbevoresbeginntprimaerepraevention.php |titel=Beginnen bevor es beginnt – Primäre Prävention im Kinderschutz |werk=familienhandbuch.de |datum=2014年05月09日 |abruf=2022年11月05日}}</ref> im Bereich der Pädagogik (siehe [[Prävention (Lernförderung)|Prävention in der Pädagogik]]), als [[vorbeugender Brandschutz]] und als [[Krisenprävention]] in der Politik und Wissenschaft (z. B. [[Pandemieprävention]]).
Die Prävention (削除) rückt (削除ここまで) immer mehr in den Mittelpunkt von [[Gesundheitspolitik|Gesundheits-]] und [[Sozialpolitik]](削除) . (削除ここまで) (削除) Prävention (削除ここまで) (削除) ist (削除ここまで) in (削除) den (削除ここまで) Bereichen der Medizin (siehe [[Krankheitsprävention]]) und der Zahnmedizin (siehe [[Prophylaxe (Zahnmedizin)|Prophylaxe in der Zahnmedizin]]) (削除) ein (削除ここまで) (削除) zentrales (削除ここまで) Handlungsfeld.
Die Prävention (追記) ist in den letzten Jahrzehnten (追記ここまで) immer mehr in den Mittelpunkt von [[Gesundheitspolitik|Gesundheits-]] und [[Sozialpolitik]] (追記) gerückt (追記ここまで) (追記) und (追記ここまで) in (追記) verschiedenen (追記ここまで) Bereichen der Medizin (siehe [[Krankheitsprävention]]) und der Zahnmedizin (siehe [[Prophylaxe (Zahnmedizin)|Prophylaxe in der Zahnmedizin]]) (追記) zu (追記ここまで) (追記) einem zentralen (追記ここまで) Handlungsfeld(追記) geworden (追記ここまで).
== Abgrenzungen ==
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Der Begriff wird außerdem weiter untergliedert nach dem Ansatzpunkt innerhalb des zeitlichen Verlaufs und der Form der Ausrichtung. 1957 führte die Commission on Chronic Illness eine Unterteilung in Primär- und Sekundärprävention ein, der bald darauf Tertiär-, Quartär- und Primordialprävention folgten. Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird daneben auch in Programme zur universellen, selektiven und indizierten Prävention unterschieden. Dabei richtet sich Primärprävention ungezielt und noch vor Eintritt einer konkreten Gefährdung an alle potentiell betroffenen Personen, Primordialprävention insbesondere auf gesellschaftliche Risikofaktoren. Sekundärprävention bezeichnet speziell auf bereits als gefährdet angesehene Personengruppen ausgerichtete Programme, Tertiärprävention bezieht sich auf Intervention nach Eintritt des Ereignisses, die einer weiteren Verschlechterung des jeweiligen Zustandes entgegenwirken sollen. [[Quartäre Prävention|Quartärprävention]] bezeichnet Maßnahmen zur [[Drogenprävention|Rückfallprophylaxe]] oder auch Strategien zur Vermeidung unnötiger medizinischer Maßnahmen.
Der Begriff wird außerdem weiter untergliedert nach dem Ansatzpunkt innerhalb des zeitlichen Verlaufs und der Form der Ausrichtung. 1957 führte die Commission on Chronic Illness eine Unterteilung in Primär- und Sekundärprävention ein, der bald darauf Tertiär-, Quartär- und Primordialprävention folgten. Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird daneben auch in Programme zur universellen, selektiven und indizierten Prävention unterschieden. Dabei richtet sich Primärprävention ungezielt und noch vor Eintritt einer konkreten Gefährdung an alle potentiell betroffenen Personen, Primordialprävention insbesondere auf gesellschaftliche Risikofaktoren. Sekundärprävention bezeichnet speziell auf bereits als gefährdet angesehene Personengruppen ausgerichtete Programme, Tertiärprävention bezieht sich auf Intervention nach Eintritt des Ereignisses, die einer weiteren Verschlechterung des jeweiligen Zustandes entgegenwirken sollen. [[Quartäre Prävention|Quartärprävention]] bezeichnet Maßnahmen zur [[Drogenprävention|Rückfallprophylaxe]] oder auch Strategien zur Vermeidung unnötiger medizinischer Maßnahmen.
Losgelöst von der zeitlichen Dimension allein auf die Zielgruppe bezogen richtet sich universelle Prävention an die gesamte Bevölkerung, selektive Prävention an besonders gefährdete Personen und indizierte Prävention an bereits betroffene. Bei universell ausgerichteten Maßnahmen ist auch von Förderung die Rede – etwa im Gesundheitswesen, wo unterschieden wird zwischen Gesundheitsförderung einerseits und (Krankheits-)Prävention andererseits.<ref>{{Internetquelle |autor=Susanne Johansson |url=https://www.vielfalt-mediathek.de/wp-content/uploads/2020/12/susanne_johannson_reprvention_demokratiefrderung.pdf |titel=Rechtsextremismusprävention und Demokratieförderung in den Feldern der Pädagogik, der Beratung und Vernetzung: eine kurze Begriffseinordnung und -abgrenzung |hrsg=Kontaktstelle BIKnetz – Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus, gsub-Projektegesellschaft mbH |datum=2012 |abruf=2022年10月30日}}(削除) S. 2. (削除ここまで)</ref>
Losgelöst von der zeitlichen Dimension allein auf die Zielgruppe bezogen richtet sich universelle Prävention an die gesamte Bevölkerung, selektive Prävention an besonders gefährdete Personen und indizierte Prävention an bereits betroffene. Bei universell ausgerichteten Maßnahmen ist auch von Förderung die Rede – etwa im Gesundheitswesen, wo unterschieden wird zwischen Gesundheitsförderung einerseits und (Krankheits-)Prävention andererseits.<ref>{{Internetquelle |autor=Susanne Johansson |url=https://www.vielfalt-mediathek.de/wp-content/uploads/2020/12/susanne_johannson_reprvention_demokratiefrderung.pdf |titel=Rechtsextremismusprävention und Demokratieförderung in den Feldern der Pädagogik, der Beratung und Vernetzung: eine kurze Begriffseinordnung und -abgrenzung |hrsg=Kontaktstelle BIKnetz – Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus, gsub-Projektegesellschaft mbH |datum=2012(追記) |seiten=2 |format=PDF (追記ここまで) |abruf=2022年10月30日}}</ref>
In den [[Straftheorien]] wird gesondert davon unterschieden in Generalprävention, die alle Mitglieder der Gesellschaft gleichermaßen betrifft, wie etwa die grundsätzliche [[Strafbarkeit]] einer Handlung, und Spezialprävention, die sich auf Einzelpersonen richtet, wie etwa das konkrete Verhängen einer [[Strafe]].
In den [[Straftheorien]] wird gesondert davon unterschieden in Generalprävention, die alle Mitglieder der Gesellschaft gleichermaßen betrifft, wie etwa die grundsätzliche [[Strafbarkeit]] einer Handlung, und Spezialprävention, die sich auf Einzelpersonen richtet, wie etwa das konkrete Verhängen einer [[Strafe]].
== Weiterbildung ==
== Weiterbildung ==
Angehörige unterschiedlicher Gesundheits-, Sozial- und Pädagogikberufe können sich über eine Weiterbildung zum [[Präventologe]]n qualifizieren. Seit 2003 ist eine Ausbildung möglich, die aus einem einjährigen modularisierten Fernstudium mit Präsenzseminaren besteht, welches von der Bundesagentur für Arbeit zertifiziert ist. 2014 wurde der Berufsverband der Präventologen e.V. gegründet.<ref>[http://www.praeventologe.de/studium Berufsverband der Präventologen Studium]. Abgerufen am 14. Januar 2024.</ref>
Angehörige unterschiedlicher Gesundheits-, Sozial- und Pädagogikberufe können sich über eine Weiterbildung zum [[Präventologe]]n qualifizieren. Seit 2003 ist eine Ausbildung möglich, die aus einem einjährigen modularisierten Fernstudium mit Präsenzseminaren besteht, welches von der Bundesagentur für Arbeit zertifiziert ist. 2014 wurde der Berufsverband der Präventologen e.(追記) (追記ここまで)V. gegründet.<ref>[http://www.praeventologe.de/studium Berufsverband der Präventologen Studium]. Abgerufen am 14. Januar 2024.</ref>
== Kritik ==
== Kritik ==
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Das Präventionsparadoxon wurde erstmals 1981 vom Epidemiologen [[Geoffrey Rose]] beschrieben.<ref>Geoffrey Rose: ''Strategy of prevention: lessons from cardiovascular disease.'' Br. Med. J., Band 282 (1981), S. 1847–1851.</ref> Es beschreibt einen Grundsatz der Prävention, dass der ''individuelle'' Gesundheitsgewinn durch präventive Interventionen für Menschen mit hohem Gesundheitsrisiko groß ist, jedoch dadurch nur ein geringer Effekt für die Gesamtpopulation entsteht und – umgekehrt – der individuelle Gewinn für Menschen mit geringem Risiko klein ist trotz eines erheblichen Gesamteffekts durch präventive Maßnahmen für große Teile der Allgemeinbevölkerung.<ref name="pschyrembel">{{Internetquelle |autor=Silke Kramer |url=https://www.pschyrembel.de/pr%C3%A4ventionsparadox/S02VS/doc/ |titel=Präventionsparadoxon |werk=Pschyrembel online – pschyrembel.de |hrsg=Walter de Gruyter GmbH |datum=2016-04 |abruf=2020年06月09日}}</ref> Es besteht eine Analogie zum [[Amdahlsches Gesetz|Amdahlschen Gesetz]].
Das Präventionsparadoxon wurde erstmals 1981 vom Epidemiologen [[Geoffrey Rose]] beschrieben.<ref>Geoffrey Rose: ''Strategy of prevention: lessons from cardiovascular disease.'' Br. Med. J., Band 282 (1981), S. 1847–1851.</ref> Es beschreibt einen Grundsatz der Prävention, dass der ''individuelle'' Gesundheitsgewinn durch präventive Interventionen für Menschen mit hohem Gesundheitsrisiko groß ist, jedoch dadurch nur ein geringer Effekt für die Gesamtpopulation entsteht und – umgekehrt – der individuelle Gewinn für Menschen mit geringem Risiko klein ist trotz eines erheblichen Gesamteffekts durch präventive Maßnahmen für große Teile der Allgemeinbevölkerung.<ref name="pschyrembel">{{Internetquelle |autor=Silke Kramer |url=https://www.pschyrembel.de/pr%C3%A4ventionsparadox/S02VS/doc/ |titel=Präventionsparadoxon |werk=Pschyrembel online – pschyrembel.de |hrsg=Walter de Gruyter GmbH |datum=2016-04 |abruf=2020年06月09日}}</ref> Es besteht eine Analogie zum [[Amdahlsches Gesetz|Amdahlschen Gesetz]].
Beispielsweise kann bei der Durchführung einer Präventionsmaßnahme für viele Personen mit leicht erhöhtem Blutdruck – was ein geringes Krankheitsrisiko darstellt – die Sterblichkeit durch kardiovaskuläre Erkrankungen der Gesamtbevölkerung gesenkt werden, auch wenn Einzelpersonen nur geringfügige Verbesserungen ihrer Gesundheit erfahren (Bevölkerungsstrategie). Umgekehrt bringt die Präventionsmaßnahme bei einer kleinen Hochrisikogruppe mit stark erhöhtem Blutdruck, die durch die Intervention stark profitiert, keinen vergleichbar großen Effekt für die Gesamtbevölkerung (Hochrisikostrategie).<ref name="pschyrembel" /><ref name="who">[[Weltgesundheitsorganisation|WHO]]: ''[https://www.who.int/whr/2002/chapter6/en/index1.html Choosing priority strategies for risk prevention.]'' The world health report. Chapter 6.</ref> Strategien, deren Maßnahmen auf die gesamte Bevölkerung zielen, führen zu hoher [[Interferenz (Ökologie)|Interferenz]] mit Nicht-Betroffenen, während Hochrisikostrategien zumeist starke Einschränkungen für besonders betroffene Gruppen bedeuten, aber eine höhere Akzeptanz erzielen.<ref name="bzga"/> [[Kathrine Frohlich|Frohlich]] und [[Louise Potvin|Potvin]] kritisieren in diesem Zusammenhang, dass bevölkerungsbasierte Strategien zu einem "inequality paradox" führen können, da sie für benachteiligte Gruppen soziale und gesundheitliche Ungleichheiten verstärken und verschlimmern können, anstatt positiv zu wirken.<ref>(削除) Frohlich, (削除ここまで)K.(削除) ; (削除ここまで) (削除) Potivin (削除ここまで), L.: ''The Inequality Paradox The Population Approach and Vulnerable Populations''(削除) . (削除ここまで) In: American Journal of Public Health 98(2), S. 216–221(削除) , 3/2008 (削除ここまで).</ref>
Beispielsweise kann bei der Durchführung einer Präventionsmaßnahme für viele Personen mit leicht erhöhtem Blutdruck – was ein geringes Krankheitsrisiko darstellt – die Sterblichkeit durch kardiovaskuläre Erkrankungen der Gesamtbevölkerung gesenkt werden, auch wenn Einzelpersonen nur geringfügige Verbesserungen ihrer Gesundheit erfahren (Bevölkerungsstrategie). Umgekehrt bringt die Präventionsmaßnahme bei einer kleinen Hochrisikogruppe mit stark erhöhtem Blutdruck, die durch die Intervention stark profitiert, keinen vergleichbar großen Effekt für die Gesamtbevölkerung (Hochrisikostrategie).<ref name="pschyrembel" /><ref name="who">[[Weltgesundheitsorganisation|WHO]]: ''[https://www.who.int/whr/2002/chapter6/en/index1.html Choosing priority strategies for risk prevention.]'' The world health report. Chapter 6.</ref> Strategien, deren Maßnahmen auf die gesamte Bevölkerung zielen, führen zu hoher [[Interferenz (Ökologie)|Interferenz]] mit Nicht-Betroffenen, während Hochrisikostrategien zumeist starke Einschränkungen für besonders betroffene Gruppen bedeuten, aber eine höhere Akzeptanz erzielen.<ref name="bzga"(追記) (追記ここまで)/> [[Kathrine Frohlich|Frohlich]] und [[Louise Potvin|Potvin]] kritisieren in diesem Zusammenhang, dass bevölkerungsbasierte Strategien zu einem "inequality paradox" führen können, da sie für benachteiligte Gruppen soziale und gesundheitliche Ungleichheiten verstärken und verschlimmern können, anstatt positiv zu wirken.<ref>K. (追記) Frohlich (追記ここまで), L.(追記) Potivin (追記ここまで): ''The Inequality Paradox The Population Approach and Vulnerable Populations(追記) . (追記ここまで)'' In: American Journal of Public Health 98(2)(追記) , 3/2008 (追記ここまで), S. 216–221.</ref>
Als Lösung des Präventionsparadoxons wird in der [[Sozialmedizin]] die Austarierung der Prävention zwischen Bevölkerungsstrategie und Hochrisikostrategie angesehen.<ref name="pschyrembel" /> Auch die [[World Health Organization]] weist auf eine notwendige Balance zwischen Bevölkerungs- und Teilpopulationsstrategie (BS) und Hoch-Risiko-Strategie (HRS) hin.<ref name="bzga"/><ref name="who"/>
Als Lösung des Präventionsparadoxons wird in der [[Sozialmedizin]] die Austarierung der Prävention zwischen Bevölkerungsstrategie und Hochrisikostrategie angesehen.<ref name="pschyrembel" /> Auch die [[World Health Organization]] weist auf eine notwendige Balance zwischen Bevölkerungs- und Teilpopulationsstrategie (BS) und Hoch-Risiko-Strategie (HRS) hin.<ref name="bzga"(追記) (追記ここまで)/><ref name="who"(追記) (追記ここまで)/>
Ein anderes Verständnis des Präventionsparadoxons ist die sinkende Akzeptanz von Impfungen, bis hin zur offenen Feindschaft gegenüber Impfungen, bei gleichzeitig geringen bis gar keinen Ausbrüchen der Krankheit, gegen die vorsorglich geimpft werden soll. Das Gesundheitsrisiko der Erkrankung ist dabei, durch seine fehlende klinische Erscheinung, nicht im Bewusstsein der Bevölkerung. Dadurch kann es paradoxerweise, trotz Erfolg der Präventionsmaßnahme, zu fehlender Akzeptanz derselben kommen.<ref name="bzga">{{Literatur |Autor=Peter Franzkowiak(削除) |Titel=Präventionsparadox (削除ここまで) |Hrsg=Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung |Sammelwerk=bzga.de |Datum=2018年04月18日(削除) |DOI=10.17623/BZGA:224-i094-2.0 (削除ここまで) |Online=https://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/praeventionsparadox/ |Abruf=2020年05月13日}}</ref>
Ein anderes Verständnis des Präventionsparadoxons ist die sinkende Akzeptanz von Impfungen, bis hin zur offenen Feindschaft gegenüber Impfungen, bei gleichzeitig geringen bis gar keinen Ausbrüchen der Krankheit, gegen die vorsorglich geimpft werden soll. Das Gesundheitsrisiko der Erkrankung ist dabei, durch seine fehlende klinische Erscheinung, nicht im Bewusstsein der Bevölkerung. Dadurch kann es paradoxerweise, trotz Erfolg der Präventionsmaßnahme, zu fehlender Akzeptanz derselben kommen.<ref name="bzga">{{Literatur |Autor=Peter Franzkowiak |Hrsg=Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung(追記) |Titel=Präventionsparadox (追記ここまで) |Sammelwerk=bzga.de |Datum=2018年04月18日 |Online=https://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/praeventionsparadox/ |Abruf=2020年05月13日(追記) |DOI=10.17623/BZGA:224-i094-2.0 (追記ここまで)}}</ref>
Während der [[COVID-19-Pandemie]] wurde der Begriff „Präventions-Paradox" von [[Christian Drosten]] und anderen verwendet, um die Situation zu beschreiben, dass ein Teil der Bevölkerung den Nutzen von Maßnahmen anzweifelt, die von Regierungen zur Verhinderung der Ausbreitung der Pandemie getroffen wurden, mit der Begründung, eine prophezeite Ausbreitung des Virus habe nicht stattgefunden (siehe auch [[selbstzerstörende Prophezeiung]]). Das Paradox bestehe in der unzutreffenden Auffassung, dass die ergriffenen Präventionsmaßnahmen keine wesentliche Ursache für die Nicht-Ausbreitung jenes Virus seien, obwohl „nur so ein zu steiler Anstieg in Deutschland" verhindert werden konnte.<ref>Paula Schneider: [https://www.focus.de/gesundheit/news/leute-behaupten-wir-haetten-ueberreagiert-praeventions-paradox-christian-drosten-schickt-warnung-an-lockdown-kritiker_id_11933151.html ''„Präventions-Paradox": Drosten schickt Warnung an alle Lockdown-Kritiker.''] Focus online, 2. Mai 2020.</ref><ref>{{(削除) Cite news (削除ここまで) |(削除) last=Spinney |first (削除ここまで)=Laura (削除) |date=2020年04月26日 (削除ここまで) |(削除) title (削除ここまで)=Germany’s Covid-19 expert: ‘For many, I’m the evil guy crippling the economy’| (削除) language (削除ここまで)=(削除) en (削除ここまで)-(削除) GB (削除ここまで) |(削除) work (削除ここまで)=(削除) The (削除ここまで) (削除) Guardian (削除ここまで) |(削除) url (削除ここまで)=https://www.theguardian.com/world/2020/apr/26/virologist-christian-drosten-germany-coronavirus-expert-interview|(削除) accessdate (削除ここまで)=2020年05月06日(削除) |issn=0261-3077 (削除ここまで)}}</ref> Da es keine Vergleichsgruppe mit einem „natürlichen Verlauf" der Epidemie ohne Präventionsmaßnahmen gäbe, bliebe deren Bewertung teilweise spekulativ und ermögliche keinen direkten Nachweis der [[Kausalität]] zwischen Prävention und Ausbleiben eines prophezeiten Geschehens.<ref name="EbM">[https://www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/nachrichten/risikokommunikation-covid19 ''Risikokommunikation zu COVID-19 in den Medien'']. Stellungnahmen des [[Netzwerk Evidenzbasierte Medizin]] vom 20. August 2020</ref>
Während der [[COVID-19-Pandemie]] wurde der Begriff „Präventions-Paradox" von [[Christian Drosten]] und anderen verwendet, um die Situation zu beschreiben, dass ein Teil der Bevölkerung den Nutzen von Maßnahmen anzweifelt, die von Regierungen zur Verhinderung der Ausbreitung der Pandemie getroffen wurden, mit der Begründung, eine prophezeite Ausbreitung des Virus habe nicht stattgefunden (siehe auch [[selbstzerstörende Prophezeiung]]). Das Paradox bestehe in der unzutreffenden Auffassung, dass die ergriffenen Präventionsmaßnahmen keine wesentliche Ursache für die Nicht-Ausbreitung jenes Virus seien, obwohl „nur so ein zu steiler Anstieg in Deutschland" verhindert werden konnte.<ref>Paula Schneider: [https://www.focus.de/gesundheit/news/leute-behaupten-wir-haetten-ueberreagiert-praeventions-paradox-christian-drosten-schickt-warnung-an-lockdown-kritiker_id_11933151.html ''„Präventions-Paradox": Drosten schickt Warnung an alle Lockdown-Kritiker.''] Focus online, 2. Mai 2020.</ref><ref>{{(追記) Literatur (追記ここまで) |(追記) Autor (追記ここまで)=Laura (追記) Spinney (追記ここまで) |(追記) Titel (追記ここまで)=Germany’s Covid-19 expert: ‘For many, I’m the evil guy crippling the economy’(追記) (追記ここまで)|(追記) Sammelwerk=The (追記ここまで) (追記) Guardian |Datum (追記ここまで)=(追記) 2020 (追記ここまで)-(追記) 04-26 (追記ここまで) |(追記) ISSN (追記ここまで)=(追記) 0261-3077 (追記ここまで) (追記) |Sprache=en-GB (追記ここまで) |(追記) Online (追記ここまで)=https://www.theguardian.com/world/2020/apr/26/virologist-christian-drosten-germany-coronavirus-expert-interview(追記) (追記ここまで)|(追記) Abruf (追記ここまで)=2020年05月06日}}</ref> Da es keine Vergleichsgruppe mit einem „natürlichen Verlauf" der Epidemie ohne Präventionsmaßnahmen gäbe, bliebe deren Bewertung teilweise spekulativ und ermögliche keinen direkten Nachweis der [[Kausalität]] zwischen Prävention und Ausbleiben eines prophezeiten Geschehens.<ref name="EbM">[https://www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/nachrichten/risikokommunikation-covid19 ''Risikokommunikation zu COVID-19 in den Medien'']. Stellungnahmen des [[Netzwerk Evidenzbasierte Medizin]] vom 20. August 2020(追記) . (追記ここまで)</ref>
== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
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* [[Präventionsgesetz]]
* [[Präventionsgesetz]]
== (削除) Quellen (削除ここまで) ==
== (追記) Literatur (追記ここまで) ==
* Lotte Habermann-Horstmeier: '' Gesundheitsförderung und Prävention.'' Hogrefe Verlag, Bern 2017, ISBN 978-3-456-85707-7.
* Lotte Habermann-Horstmeier: '' Gesundheitsförderung und Prävention.'' Hogrefe Verlag, Bern 2017, ISBN 978-3-456-85707-7.
* [[Klaus Hurrelmann]], Theodor Klotz, Jochen Haisch (Hrsg.): ''Lehrbuch Prävention und Gesundheitsförderung.'' 4. Auflage. Huber, Bern.
* [[Klaus Hurrelmann]], Theodor Klotz, Jochen Haisch (Hrsg.): ''Lehrbuch Prävention und Gesundheitsförderung.'' 4. Auflage. Huber, Bern.
* [[Peter Fuchs (Soziologe)|Peter Fuchs]]: [http://www.fen.ch/texte/gast_fuchs_praevention.pdf ''Prävention – Zur Mythologie und Realität einer paradoxen Zuvorkommenheit.''] In: I. Saake, W. Vogd (Hrsg.): ''Mythen der Medizin.'' ISBN 978-3-531-15425-1. PDF; 147 kB
* [[Peter Fuchs (Soziologe)|Peter Fuchs]]: [http://www.fen.ch/texte/gast_fuchs_praevention.pdf ''Prävention – Zur Mythologie und Realität einer paradoxen Zuvorkommenheit.''] In: I. Saake, W. Vogd (Hrsg.): ''Mythen der Medizin.'' ISBN 978-3-531-15425-1. PDF; 147 kB
* [http://www.api.or.at/sp/download/lbidownload/wz%2028_05_3-4%20praeventionsansaetze%20theorien.pdf ''Präventionsansätze und -theorien.''] In: ''Wiener Zeitschrift für Suchtforschung.'' Jahrgang 28, 2005, Nr. 3/4, S. 39–45 (PDF; 130 kB)
* [http://www.api.or.at/sp/download/lbidownload/wz%2028_05_3-4%20praeventionsansaetze%20theorien.pdf ''Präventionsansätze und -theorien.''] In: ''Wiener Zeitschrift für Suchtforschung.'' Jahrgang 28, 2005, Nr. 3/4, S. 39–45 (PDF; 130 kB)
* [http://www.fen.ch/texte/mh_sm_02-1.htm ''Präventionstheorie – Das weite Feld von Prävention und Gesundheitsförderung.''] In: ''SuchtMagazin'' 1/02(削除) . (削除ここまで) S. 34–42
* [http://www.fen.ch/texte/mh_sm_02-1.htm ''Präventionstheorie – Das weite Feld von Prävention und Gesundheitsförderung.''] In: ''SuchtMagazin(追記) . (追記ここまで)'' 1/02(追記) , (追記ここまで) S. 34–42(追記) . (追記ここまで)
* [http://www.krimlex.de/artikel.php?BUCHSTABE=&KL_ID=143 Krim-Lex Artikel zur Prävention]
* [http://www.krimlex.de/artikel.php?BUCHSTABE=&KL_ID=143 Krim-Lex Artikel zur Prävention]
* Thomas Baumann: [https://www.thieme.de/statics/dokumente/thieme/final/de/dokumente/tw_paediatrie/Baumann.pdf ''Quartäre Prävention.''] PDF; 79 kB. Editorial Pädiatrie up2date 2012
* Thomas Baumann: [https://www.thieme.de/statics/dokumente/thieme/final/de/dokumente/tw_paediatrie/Baumann.pdf ''Quartäre Prävention.''] PDF; 79 kB. Editorial Pädiatrie up2date 2012
* Matthias Leanza: ''Die Zeit der Prävention. Eine Genealogie.'' Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2017, ISBN 978-3-95832-131-1
* Matthias Leanza: ''Die Zeit der Prävention. Eine Genealogie.'' Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2017, ISBN 978-3-95832-131-1(追記) . (追記ここまで)
== Weblinks ==
== Weblinks ==
Aktuelle Version vom 17. März 2025, 22:49 Uhr
Prävention (lateinisch praevenire „zuvorkommen", „verhüten") bezeichnet Maßnahmen, die darauf abzielen, Risiken zu verringern oder die schädlichen Folgen von Krankheiten, Katastrophen oder anderen unerwünschten Situationen abzuschwächen. Der Begriff der Vorbeugung wird synonym verwendet. Vorsorge bezeichnet das Maß an Bereitschaft und an Fähigkeit personeller und materieller Mittel sowie von Strukturen, Gemeinschaften und Organisationen zu einer wirksamen und raschen Katastrophenbewältigung, erzielt durch vorab durchgeführte Maßnahmen.[1]
Vorbeugende Maßnahmen trifft man z. B. in folgenden Bereichen: bei der Drogenprävention (z. B. Nichtraucherschutz), Gewaltprävention und Kriminalprävention, als Unfallverhütung unter anderem in den Bereichen der Arbeits- und der Verkehrssicherheit, im Kinderschutz (z. B. Prävention von Vernachlässigung, Gewalt und Missbrauch an Kindern in Familien),[2] im Bereich der Pädagogik (siehe Prävention in der Pädagogik), als vorbeugender Brandschutz und als Krisenprävention in der Politik und Wissenschaft (z. B. Pandemieprävention).
Die Prävention ist in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den Mittelpunkt von Gesundheits- und Sozialpolitik gerückt und in verschiedenen Bereichen der Medizin (siehe Krankheitsprävention) und der Zahnmedizin (siehe Prophylaxe in der Zahnmedizin) zu einem zentralen Handlungsfeld geworden.
Es kann unterschieden werden zwischen Verhaltensprävention, die gezielt auf das Handeln einzelner Personen ausgerichtet ist und Verhältnisprävention, welche auf das Umfeld, die Lebensumstände ausgerichtet wird.
Der Begriff wird außerdem weiter untergliedert nach dem Ansatzpunkt innerhalb des zeitlichen Verlaufs und der Form der Ausrichtung. 1957 führte die Commission on Chronic Illness eine Unterteilung in Primär- und Sekundärprävention ein, der bald darauf Tertiär-, Quartär- und Primordialprävention folgten. Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird daneben auch in Programme zur universellen, selektiven und indizierten Prävention unterschieden. Dabei richtet sich Primärprävention ungezielt und noch vor Eintritt einer konkreten Gefährdung an alle potentiell betroffenen Personen, Primordialprävention insbesondere auf gesellschaftliche Risikofaktoren. Sekundärprävention bezeichnet speziell auf bereits als gefährdet angesehene Personengruppen ausgerichtete Programme, Tertiärprävention bezieht sich auf Intervention nach Eintritt des Ereignisses, die einer weiteren Verschlechterung des jeweiligen Zustandes entgegenwirken sollen. Quartärprävention bezeichnet Maßnahmen zur Rückfallprophylaxe oder auch Strategien zur Vermeidung unnötiger medizinischer Maßnahmen.
Losgelöst von der zeitlichen Dimension allein auf die Zielgruppe bezogen richtet sich universelle Prävention an die gesamte Bevölkerung, selektive Prävention an besonders gefährdete Personen und indizierte Prävention an bereits betroffene. Bei universell ausgerichteten Maßnahmen ist auch von Förderung die Rede – etwa im Gesundheitswesen, wo unterschieden wird zwischen Gesundheitsförderung einerseits und (Krankheits-)Prävention andererseits.[3]
In den Straftheorien wird gesondert davon unterschieden in Generalprävention, die alle Mitglieder der Gesellschaft gleichermaßen betrifft, wie etwa die grundsätzliche Strafbarkeit einer Handlung, und Spezialprävention, die sich auf Einzelpersonen richtet, wie etwa das konkrete Verhängen einer Strafe.
Angehörige unterschiedlicher Gesundheits-, Sozial- und Pädagogikberufe können sich über eine Weiterbildung zum Präventologen qualifizieren. Seit 2003 ist eine Ausbildung möglich, die aus einem einjährigen modularisierten Fernstudium mit Präsenzseminaren besteht, welches von der Bundesagentur für Arbeit zertifiziert ist. 2014 wurde der Berufsverband der Präventologen e. V. gegründet.[4]
Maßnahmen zur Prävention wird eine große ökonomische Effizienz zugeschrieben. Entsprechend groß ist das Interesse seitens Politik und Wirtschaft, vielfach und weitreichend Programme zur Prävention einzuleiten und teilweise auch verpflichtend zu gestalten. Eine besondere Schwierigkeit entsteht, wenn die anfallenden Kosten, der zu erwartende Nutzen und der dafür notwendige Eingriff in die Persönlichkeitsrechte gegeneinander abgewogen werden müssen.
Das Präventionsparadoxon wurde erstmals 1981 vom Epidemiologen Geoffrey Rose beschrieben.[5] Es beschreibt einen Grundsatz der Prävention, dass der individuelle Gesundheitsgewinn durch präventive Interventionen für Menschen mit hohem Gesundheitsrisiko groß ist, jedoch dadurch nur ein geringer Effekt für die Gesamtpopulation entsteht und – umgekehrt – der individuelle Gewinn für Menschen mit geringem Risiko klein ist trotz eines erheblichen Gesamteffekts durch präventive Maßnahmen für große Teile der Allgemeinbevölkerung.[6] Es besteht eine Analogie zum Amdahlschen Gesetz.
Beispielsweise kann bei der Durchführung einer Präventionsmaßnahme für viele Personen mit leicht erhöhtem Blutdruck – was ein geringes Krankheitsrisiko darstellt – die Sterblichkeit durch kardiovaskuläre Erkrankungen der Gesamtbevölkerung gesenkt werden, auch wenn Einzelpersonen nur geringfügige Verbesserungen ihrer Gesundheit erfahren (Bevölkerungsstrategie). Umgekehrt bringt die Präventionsmaßnahme bei einer kleinen Hochrisikogruppe mit stark erhöhtem Blutdruck, die durch die Intervention stark profitiert, keinen vergleichbar großen Effekt für die Gesamtbevölkerung (Hochrisikostrategie).[6] [7] Strategien, deren Maßnahmen auf die gesamte Bevölkerung zielen, führen zu hoher Interferenz mit Nicht-Betroffenen, während Hochrisikostrategien zumeist starke Einschränkungen für besonders betroffene Gruppen bedeuten, aber eine höhere Akzeptanz erzielen.[8] Frohlich und Potvin kritisieren in diesem Zusammenhang, dass bevölkerungsbasierte Strategien zu einem "inequality paradox" führen können, da sie für benachteiligte Gruppen soziale und gesundheitliche Ungleichheiten verstärken und verschlimmern können, anstatt positiv zu wirken.[9]
Als Lösung des Präventionsparadoxons wird in der Sozialmedizin die Austarierung der Prävention zwischen Bevölkerungsstrategie und Hochrisikostrategie angesehen.[6] Auch die World Health Organization weist auf eine notwendige Balance zwischen Bevölkerungs- und Teilpopulationsstrategie (BS) und Hoch-Risiko-Strategie (HRS) hin.[8] [7]
Ein anderes Verständnis des Präventionsparadoxons ist die sinkende Akzeptanz von Impfungen, bis hin zur offenen Feindschaft gegenüber Impfungen, bei gleichzeitig geringen bis gar keinen Ausbrüchen der Krankheit, gegen die vorsorglich geimpft werden soll. Das Gesundheitsrisiko der Erkrankung ist dabei, durch seine fehlende klinische Erscheinung, nicht im Bewusstsein der Bevölkerung. Dadurch kann es paradoxerweise, trotz Erfolg der Präventionsmaßnahme, zu fehlender Akzeptanz derselben kommen.[8]
Während der COVID-19-Pandemie wurde der Begriff „Präventions-Paradox" von Christian Drosten und anderen verwendet, um die Situation zu beschreiben, dass ein Teil der Bevölkerung den Nutzen von Maßnahmen anzweifelt, die von Regierungen zur Verhinderung der Ausbreitung der Pandemie getroffen wurden, mit der Begründung, eine prophezeite Ausbreitung des Virus habe nicht stattgefunden (siehe auch selbstzerstörende Prophezeiung). Das Paradox bestehe in der unzutreffenden Auffassung, dass die ergriffenen Präventionsmaßnahmen keine wesentliche Ursache für die Nicht-Ausbreitung jenes Virus seien, obwohl „nur so ein zu steiler Anstieg in Deutschland" verhindert werden konnte.[10] [11] Da es keine Vergleichsgruppe mit einem „natürlichen Verlauf" der Epidemie ohne Präventionsmaßnahmen gäbe, bliebe deren Bewertung teilweise spekulativ und ermögliche keinen direkten Nachweis der Kausalität zwischen Prävention und Ausbleiben eines prophezeiten Geschehens.[12]
- Lotte Habermann-Horstmeier: Gesundheitsförderung und Prävention. Hogrefe Verlag, Bern 2017, ISBN 978-3-456-85707-7.
- Klaus Hurrelmann, Theodor Klotz, Jochen Haisch (Hrsg.): Lehrbuch Prävention und Gesundheitsförderung. 4. Auflage. Huber, Bern.
- Peter Fuchs: Prävention – Zur Mythologie und Realität einer paradoxen Zuvorkommenheit. In: I. Saake, W. Vogd (Hrsg.): Mythen der Medizin. ISBN 978-3-531-15425-1. PDF; 147 kB
- Präventionsansätze und -theorien. In: Wiener Zeitschrift für Suchtforschung. Jahrgang 28, 2005, Nr. 3/4, S. 39–45 (PDF; 130 kB)
- Präventionstheorie – Das weite Feld von Prävention und Gesundheitsförderung. In: SuchtMagazin. 1/02, S. 34–42.
- Krim-Lex Artikel zur Prävention
- Thomas Baumann: Quartäre Prävention. PDF; 79 kB. Editorial Pädiatrie up2date 2012
- Matthias Leanza: Die Zeit der Prävention. Eine Genealogie. Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2017, ISBN 978-3-95832-131-1.
- ↑ Artikel 4 Nummer 3 und 4 des Beschlusses Nr. 1313/2013/EU vom 17. Dezember 2013 über ein Katastrophenschutzverfahren der Union
- ↑ Klaus Neumann: Beginnen bevor es beginnt – Primäre Prävention im Kinderschutz. In: familienhandbuch.de. 9. Mai 2014, abgerufen am 5. November 2022.
- ↑ Susanne Johansson: Rechtsextremismusprävention und Demokratieförderung in den Feldern der Pädagogik, der Beratung und Vernetzung: eine kurze Begriffseinordnung und -abgrenzung. (PDF) Kontaktstelle BIKnetz – Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus, gsub-Projektegesellschaft mbH, 2012, S. 2, abgerufen am 30. Oktober 2022.
- ↑ Berufsverband der Präventologen Studium. Abgerufen am 14. Januar 2024.
- ↑ Geoffrey Rose: Strategy of prevention: lessons from cardiovascular disease. Br. Med. J., Band 282 (1981), S. 1847–1851.
- ↑ a b c Silke Kramer: Präventionsparadoxon. In: Pschyrembel online – pschyrembel.de. Walter de Gruyter GmbH, April 2016, abgerufen am 9. Juni 2020.
- ↑ a b WHO: Choosing priority strategies for risk prevention. The world health report. Chapter 6.
- ↑ a b c Peter Franzkowiak: Präventionsparadox. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): bzga.de. 18. April 2018, doi:10.17623/BZGA:224-i094-2.0 (bzga.de [abgerufen am 13. Mai 2020]).
- ↑ K. Frohlich, L. Potivin: The Inequality Paradox The Population Approach and Vulnerable Populations. In: American Journal of Public Health 98(2), 3/2008, S. 216–221.
- ↑ Paula Schneider: „Präventions-Paradox": Drosten schickt Warnung an alle Lockdown-Kritiker. Focus online, 2. Mai 2020.
- ↑ Laura Spinney: Germany’s Covid-19 expert: ‘For many, I’m the evil guy crippling the economy’. In: The Guardian. 26. April 2020, ISSN 0261-3077 (britisches Englisch, theguardian.com [abgerufen am 6. Mai 2020]).
- ↑ Risikokommunikation zu COVID-19 in den Medien. Stellungnahmen des Netzwerk Evidenzbasierte Medizin vom 20. August 2020.