Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.


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Samstag, 21.03.2026

21.03.2026 Stellvertretende Vorsitzende des ZMD tritt aus der Organisation ATIB (Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.)- Özlem Başöz mit persönlicher Stellungnahme



Die Entscheidung, meine Mitgliedschaft in der ATIB (Union der Türkisch -Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.) mit sofortiger Wirkung zu beenden, ist mir nicht leichtgefallen. Sie ist das Ergebnis einer sorgfältigen persönlichen und inhaltlichen Abwägung.

Über viele Jahre war ich als Mitglied und zuletzt in meiner Funktion als Generalsekretärin in dem Verband engagiert. Ich habe Verantwortung übernommen, nicht aus ideologischer Motivation, sondern aus der Überzeugung heraus, innerhalb der Strukturen konstruktiv mitgestalten und eine klare Orientierung an demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätzen stärken zu können.

Als Diplom-Pädagogin war Bildung stets der Kern meines Handelns. Besonders die Förderung von Kindern, Jugendlichen und Frauen stand im Mittelpunkt meines Engagements. Ich habe mich für gesellschaftliche Teilhabe, Integrationsförderung in Deutschland, interkulturellen Dialog sowie für eine transparente und verantwortungsbewusste Verbandsarbeit eingesetzt. Maßstab meines Wirkens waren dabei immer die freiheitlich-demokratische Grundordnung, Rechtsstaatlichkeit und ein respektvolles, pluralistisches Miteinander.

Im Verfassungsschutzbericht des Bundes für das Jahr 2019 wird die ATIB erstmals im Zusammenhang mit der Ülkücü -Bewegung („Graue Wölfe") erwähnt und dem Bereich des auslandsbezogenen Extremismus zugeordnet. Diese Einordnung ist öffentlich dokumentiert und w urde in den Folgejahren fortgeführt. Ich habe diese Entwicklung stets ernst genommen.

Hierzu stelle ich unmissverständlich klar:

• Ich habe die ideologischen Inhalte oder Zielsetzungen der Ülkücü -Bewegung weder vertreten noch unterstützt, zu keinem Zeitpunkt und in keiner Funktion.

• Zwischen meiner Person und extremistischen oder verfassungsfeindlichen Bestrebungen bestand und besteht keinerlei organisatorische oder inhaltliche Verbindung.

• Nationalistische oder demokratiefeindliche Ideologien widersprechen meinen persönlichen wie beruflichen Grundüberzeugungen fundamental.

Meine Haltung speist sich dabei nicht nur aus meinem demokratischen Selbstverständnis, sondern auch aus meinem Glauben. Mein Islamverständnis kennt keine ethnische Überordnung eines Menschen über einen anderen. Die Würde jedes Menschen ist unantastbar, unabhängig von Herkunft, Abstammung oder Identität. Daraus ergibt sich für mich eine klare Verpflichtung, jeder Form von Rassismus, ethnischer Hierarchisierung oder gruppenbezogener Abwertung entschieden entgegenzutreten.

Während meiner Amtszeit habe ich, gemeinsam mit dem damaligen Vorstand, an einer strukturellen Weiterentwicklung und an einem Prozess der Klärung gearbeitet. Ziel war es, Transparenz zu stärken, Dialogfähigkeit zu sichern und eine eindeutige Ausrichtung an demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien sichtbar zu machen. Innerhalb der Strukturen gab es dabei auch unterschiedliche Auffassungen. Als Frau in einer Führungsposition war es nicht immer selbstverständlich, mit einer klar wertebasierten Haltung auf uneingeschränkte Zustimmung zu stoßen. Dennoch habe ich meine Position konsequent, offen und verantwortungsvoll vertreten.

Die Neuwahlen vom 24. Januar 2026 markieren aus meiner Überzeugung eine inhaltliche Richtungsentscheidung, die ich nicht mittragen kann und nicht mittragen will. Die seither erkennbaren Entwicklungen lassen den zuvor begonnenen Klärungs- und Weiterentwicklungsprozess nicht fortführen. Diese Entwicklung erfüllt mich mit Enttäuschung.

Mein Austritt ist kein formaler Akt, sondern eine Gewissensentscheidung. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die unantastbare Würde jedes Menschen bilden das Fundament meines Handelns. Wo diese Grundwerte relativiert oder ideologisch überlagert werden, ziehe ich eine klare und unmissverständliche Grenze.

Von extremistischen und demokratiefeindlichen Ideologien distanziere ich mich ohne jede Einschränkung. Ich stehe für die Prinzipien unseres Grundgesetzes, aus Verantwortung und aus tiefer Überzeugung.

Als Pädagogin und als gläubige Muslimin stehe ich für die unantastbare Würde jedes Menschen, sie ist Maßstab meines Handelns und zugleich die Grenze jeder Ideologie.

Özlem Başöz




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