Newsnational Mittwoch, 05.08.2026 | Drucken

"Citizen Vigilante": Umstrittener von einem deutschen Regisseur inszinierter Film sorgt für Debatte über Hetze gegen Muslime

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Streifen, nachdem er in Deutschland verboten und auf anderen Plattformen von Streamingdiensten ausgeschlossen wurde, gleichzeitig aber von Elon Musk und mehreren rechtspopulistischen Akteuren kostenlos verbreitet wurde

Ein neuer Actionfilm mit dem Titel „Citizen Vigilante" hat in den vergangenen Wochen für erhebliche Kontroversen gesorgt. Der von dem deutschen Regisseur Uwe Boll inszenierte und mit Armie Hammer besetzte Film erzählt die Geschichte eines wohlhabenden Amerikaners in einer namenlosen europäischen Stadt, der sich selbst zu Richter und Henker ernennt und Migranten sowie Beamte jagt, die aus seiner Sicht Straftäter nicht ausreichend bestrafen.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Streifen, nachdem er in Deutschland verboten und auf anderen Plattformen von Streamingdiensten ausgeschlossen wurde, gleichzeitig aber von Elon Musk und mehreren rechtspopulistischen Akteuren kostenlos verbreitet wurde. In einem Kommentar auf der britischen muslimischen Nachrichtenseite 5Pillars bezeichnete Autor Roshan Muhammed Salih den Film als politisches Manifest, das als Actionthriller getarnt sei und suggerieren solle, die westliche Zivilisation werde von Migranten, Muslimen und einem schwachen liberalen Establishment bedroht – und nur ein starker Staat oder Gewalt könne die Ordnung wiederherstellen. Der Kommentar warnt eindringlich davor, dass die Grenze zwischen politischer Fantasie und politischer Gewalt dünner sei, als viele glauben möchten – die im Film abgefeuerten Kugeln seien fiktiv, die dahinterstehenden Ideen jedoch keineswegs. Auch andere Medien griffen das Thema auf. Die Autorin Amina Shareef zog in einem Beitrag für The New Arab eine Verbindung zur Ideologie des Attentäters von Christchurch, dessen 2019 verfasstes Manifest ebenfalls sexualisierte Gewaltvorwürfe gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe instrumentalisiert habe, um Massengewalt zu rechtfertigen. Sie verweist zudem auf historische Parallelen, etwa Lynchjustiz im Süden der USA nach der Reconstruction-Ära, bei der Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen Schwarze regelmäßig als Vorwand für Gewalt gegen ganze Gemeinschaften dienten.


Die Handlung des Films soll sich lose an einen realen Fall aus Hamburg anlehnen: 2016 erhielten dort Angeklagte mit Migrationshintergrund in einem Vergewaltigungsfall Bewährungsstrafen – ein Ereignis, das in rechten Kreisen seither immer wieder politisch aufgeladen wird. Die Kontroverse um den Film hat auch praktische Folgen: In einem Podcast wurde im Zusammenhang mit dem Film über eine wachsende Zahl islamfeindlicher Übergriffe in Großbritannien berichtet und für verstärkte Selbstverteidigungstrainings innerhalb der muslimischen Gemeinschaft geworben. Kritiker des Films sehen darin ein Beispiel dafür, wie fiktionale Gewaltdarstellungen genutzt werden können, um reale politische Ressentiments zu schüren. Befürworter und der Regisseur selbst haben sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert, der Film wird in einschlägigen rechten Online-Milieus dagegen breit als Ausdruck berechtigter gesellschaftlicher Ängste beworben. Die Debatte um „Citizen Vigilante" dürfte angesichts der anhaltenden Verbreitung über soziale Netzwerke auch in den kommenden Wochen weitergehen.




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