Newsnational Montag, 13.07.2026 | Drucken

Unsere Nationalmannschaft als Sehnsuchtsort für junge Top-Talente mit Migrationsgeschichte verliert immer mehr an Strahlkraft - Das hat einen Grund

Der ewige Sündenbock-Reflex: Wenn Gewinnen deutsch macht und Verlieren zum Migranten- Die DFB-Pleite hallt nach

Es ist das älteste, dreckigste und ermüdendste Gesetz des deutschen Sport-Boulevards und der asozialen Kommentarspalten: Gewinnst du für uns, bist du ein „deutscher Held". Verlierst du, bist du eben doch nur der Migrant. Die Europameisterschaft 2024 hallte in dieser Hinsicht schon nach, aber das Drama der WM 2026 setzt dem Ganzen die Krone auf.

Blicken wir auf das bittere Ausscheiden gegen Paraguay im Elfmeterschießen. Bei fünf Schützen war Schluss, es ging in die Verlängerung des Nervenkriegs. Und was passiert? Die etablierten Hierarchen, die Führungsspieler mit der großen Klappe, ducken sich weg. Leon Goretzka – einer, der sonst keine Gelegenheit auslässt, über Verantwortung, Haltung und Leader-Qualitäten zu dozieren – wird von Joshua Kimmich zweimal angebettelt, den Ball zu nehmen. Goretzka winkt ab. Er kneift. Lieber schützt man die eigene Marke vor dem Makel des Scheiterns, als in der Stunde null den Kopf hinzuhalten. Das ist die DNA, die Oliver Kahn völlig zu Recht anprangert: Eine Wohlfühlelite, die den Preis für absolute Spitzenleistung nicht mehr zahlen will.Und dann kommt Jonathan Tah. Ein Innenverteidiger. Jemand, der in seiner gesamten Profikarriere noch nie einen Elfmeter in einem Pflichtspiel geschossen hat. Tah sieht das kollektive Fracksausen auf der Mittellinie, übernimmt den Ball und scheitert. Er übernimmt die Verantwortung, die andere verweigern.Die Quittung? Ein rassistischer Gülle-Eimer, der sich sofort über ihn ergießt. Kaum trudelt der Ball am Pfosten vorbei, ist der „Hamburger Jung" in den Augen der Internet-Trolle kein deutscher Nationalspieler mehr, sondern das willkommene Ventil für stumpfen, moralisch bankrotten Fremdenhass. Wer sich wegduckt, bleibt ungeschoren; wer Mut beweist, wird wegen seiner Hautfarbe durchs Dorf getrieben. Was für eine verkehrte, ekelhafte Welt.


Der Deutsche Fussballbund (DFB) muss aufpassen

Aber dieses Drama wirft ein Schlaglicht auf ein viel tieferes, strukturelles Problem des DFB. angefangen - bzw. besoonders deutlich wurde das, die DFB damals mehr als schnelch mit den FAll Özil umgegangen ist. Einer der Weltmeister, einer wie kein anderen deutscher Nationalspileer viele Mal zum Soileer den jahres gekürt wurde. Dies hallt nacht, besonders imk Vereinsport bei der Jugend. Wir müssen uns dringend fragen, warum die Nationalmannschaft als Sehnsuchtsort für junge Top-Talente mit Migrationsgeschichte immer mehr an Strahlkraft verliert. Wenn Teenager mit doppelter Staatsbürgerschaft sehen, wie gnadenlos das Umfeld mit Spielern umspringt, die nicht dem biodeutschen Standard-Bild entsprechen, warum sollten sie sich diesen Mist antun? Warum sollten sie ihr Herz für einen Verband und ein Fanklima anstrengen, das sie beim ersten Fehlschuss sofort wieder ausbürgert?

Wenn der DFB nicht aufpasst, entscheiden sich die absoluten Ausnahmetalente der Zukunft reihenweise für die Herkunftsländer ihrer Eltern. Nicht, weil sie Deutschland nicht lieben, sondern weil sie sich selbst schützen wollen. Solange Identität im deutschen Fußball eine rein erfolgsabhängige Variable bleibt, wird das Trikot mit dem Adler kein Sehnsuchtsort mehr, sondern ein unkalkulierbares Risiko. Respekt an Jonathan Tah. Und schämen sollten sich jene, die geschwiegen haben – auf dem Platz und am Smartphone.(AM)





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