Newsnational Donnerstag, 25.06.2026 | Drucken

Islamfeindlichkeit auf Rekordniveau: Alarmierende Bilanz für 2024

214 Körperverletzungen und zwei Tötungsdelikte wurden 2025 erfasst (Vorjahr: 198/2) sowie 64 Angriffe auf Moscheen (2024: 67). Zwei Drittel der insgesamt gut 4.000 Fälle betreffen Frauen, häufig Kopftuchträgerinnen

Selten zuvor war die Situation für Musliminnen und Muslime in Deutschland so bedrohlich wie im vergangenen Jahr. Das geht aus dem aktuellen Lagebild hervor, das das Bündnis CLAIM — ein Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Organisationen gegen antimuslimischen Rassismus — unlängst vorgelegt hat. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Insgesamt wurden 2024 genau 3.080 Übergriffe und Diskriminierungsfälle erfasst — ein Zuwachs von rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als noch knapp 1.926 Vorfälle gezählt worden waren. Das bedeutet im Alltagsdurchschnitt: Mehr als achtmal täglich wurde jemand aufgrund seiner religiösen Zugehörigkeit oder wegen eines entsprechenden Erscheinungsbildes angefeindet, verletzt oder benachteiligt. Die Palette der dokumentierten Fälle reicht von lautstarken verbalen Attacken im öffentlichen Nahverkehr über Diskriminierungen beim Wohnungsmarkt und in Behörden bis hin zu physischen Angriffen und Schändungen von Gotteshäusern. Allein mehr als 70 Moscheen und ähnliche religiöse Einrichtungen waren von Übergriffen betroffen. Besonders ins Auge fällt die geschlechtsspezifische Dimension des Phänomens. In rund 71 Prozent jener Fälle, in denen das Geschlecht der Betroffenen bekannt war, handelte es sich um Frauen. Kopftuchtragende Muslimas sind demnach überproportional häufig Ziel von Anfeindungen — und das nicht nur im Straßenraum, sondern ebenso in Schulen, Arztpraxen oder auf dem Arbeitsmarkt. Verbale Angriffe machten mit über 1.500 dokumentierten Vorfällen den größten Einzelblock aus, gefolgt von Diskriminierungen sowie verletzendem Verhalten.

Besorgniserregend ist zudem die wachsende Brutalität der Taten. Die Jahresbilanz weist eine gestiegene Zahl schwerer körperlicher Übergriffe sowie zwei Tötungsdelikte aus — ein Zeichen zunehmender Enthemmung. Hinzu kommt: Das tatsächliche Ausmaß islamfeindlicher Vorfälle dürfte weit größer sein, da viele Betroffene aus Scham, Angst oder mangelndem Vertrauen in Behörden auf eine Meldung verzichten. CLAIM fordert daher unter anderem eine systematischere Erfassung solcher Vorfälle, einen flächendeckenden Ausbau von Beratungsangeboten sowie eine strukturelle, verlässliche Förderung zivilgesellschaftlicher Schutzarbeit — statt kurzfristiger Projektfinanzierung. Auch ist Rassismus in Behörden ist vielerorts Alltag. Besonders betroffen sind Menschen mit muslimischem Hintergrund und Roma. Doch statt Diskriminierung entschlossen zu bekämpfen, setzt z.B. Innenminister Alexander Dobrindt vor allem auf Abschiebedebatten, was weder das Phänomen bekämpfen hilft und die Spaltung der Gesellschaft weiter vorantreibt.

Zudem muss von einem erheblichen Dunkelfeld ausgegangen werden. Das legten Studien etwa des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) nahe, wonach 70 bis 90 Prozent der Menschen mit muslimischem Hintergrund hierzulande Diskriminierungserfahrungen gemacht haben. Claim prüft und analysiert für sein jährliches Lagebild Daten von bundesweit 38 Melde- und Beratungsstellen sowie der Polizei. Die Daten zeugten von einer gewachsenen Brutalität, sagte Hanano: 214 Körperverletzungen und zwei Tötungsdelikte wurden 2025 erfasst (Vorjahr: 198/2) sowie 64 Angriffe auf Moscheen (2024: 67). Zwei Drittel der insgesamt gut 4.000 Fälle betreffen Frauen, häufig Kopftuchträgerinnen. Ein drastischer Fall von Islamfeindlichkeit beschäftigt aktuell die CDU in NRW: Einem jungen CDU-Mitglied aus Krefeld wird ein Video zugeschrieben, in dem Sympathie für das Vergasen von Muslimen geäußert wird. Die CDU in Krefeld erstattete Strafanzeige gegen den 23-Jährigen.





Diesen Artikel weiterempfehlen:

Anzeige

Hintergrund/Debatte

Zum Tod von Gerhard Abdulqadir Schabel - Ein Nachruf von Aiman A. Mazyek
...mehr

Muhammad Sameer Murtaza: „Palästina, 1896 – Nakba, Gaza und der verdrängte Diskurs in Deutschland - Aiman Mayzek bespricht sein neustes Buch
...mehr

Jung, vielfältig, politisch einflussreich: Wie sich die muslimische Bevölkerung Großbritanniens verändert
...mehr

Deutsche Industrie verliert bei Patenten den Anschluss
...mehr

Krieg als Geschäftsmodell: Warum die Bankierslogik scheitert – Eine ökonomische Analyse
...mehr

Alle Debattenbeiträge...

Die Pilgerfahrt

Die Pilgerfahrt (Hadj) - exklusive Zusammenstellung Dr. Nadeem Elyas

88 Seiten mit Bildern, Hadithen, Quran Zitaten und Erläuterungen

Termine

Islamische Feiertage
Islamische Feiertage 2019 - 2027

Tv-Tipps
aktuelle Tipps zum TV-Programm

Gebetszeiten
Die Gebetszeiten zu Ihrer Stadt im Jahresplan

Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben

Marwa El-Sherbini: 1977 bis 2009

AltStyle によって変換されたページ (->オリジナル) /