Newsinternational Dienstag, 16.06.2026 | Drucken

Krieg im Nahen Osten: Christliche Erbe im "Heiligen Land" geht verloren

Taybeh – Das letzte christliche Dorf im Westjordanland kämpft ums Überleben gegen Israelische Extremisten

Das palästinensische Dorf Taybeh, nordöstlich von Ramallah gelegen, gilt als die letzte vollständig christliche Ortschaft im besetzten Westjordanland. Doch die rund 1.200 Einwohner sehen ihre Zukunft zunehmend bedroht. Bewohner, Kirchenvertreter und Menschenrechtsorganisationen warnen vor einer schleichenden Verdrängung durch die Ausweitung radikale israelischer Landstehle.Taybeh blickt auf eine jahrhundertealte christliche Tradition zurück. Das biblische Ephraim wird als jener Ort angesehen, an den sich Jesus vor seinem letzten Gang nach Jerusalem zurückgezogen haben soll. Heute gehören die Einwohner verschiedenen christlichen Konfessionen an, darunter griechisch-orthodoxe, griechisch-katholische und römisch-katholische Gemeinden.

Seit dem Gaza-Krieg hat sich die Lage nach Angaben der Bewohner deutlich verschlechtert. Rund um Taybeh entstanden mehrere neue Siedleraußenposten. Dorfbewohner berichten von Angriffen auf Olivenernten, Sachbeschädigungen, Brandstiftungen und Einschüchterungen. Besonders betroffen seien landwirtschaftliche Flächen und lokale Betriebe. So musste ein familiengeführter Steinbruch nach wiederholten Angriffen zeitweise den Betrieb einstellen.Pfarrer Bashar Fawadleh spricht von einer systematischen Strategie, die darauf abziele, das Leben der Palästinenser unerträglich zu machen. Immer häufiger würden Hirten mit ihren Herden auf Privatgrundstücke eindringen, Zäune beschädigen und den Zugang zu Feldern blockieren. Beschwerden bei den israelischen Behörden blieben nach Aussage der Betroffenen oft ohne ausreichende Folgen.


Die Folgen zeigen sich bereits deutlich: Zahlreiche Familien haben Taybeh in den vergangenen Jahren verlassen. Fehlende wirtschaftliche Perspektiven, Unsicherheit und die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder treiben viele zur Auswanderung. Damit setzt sich ein langfristiger Trend fort. Während Christen 1948 noch etwa 12,5 Prozent der palästinensischen Bevölkerung ausmachten, liegt ihr Anteil heute bei nur noch rund 1,2 Prozent.Kirchliche Würdenträger und internationale Beobachter warnen deshalb vor einem historischen Verlust. Sollte die Abwanderung anhalten und der Druck auf die Gemeinde weiter zunehmen, könnte Taybeh eines Tages sein Alleinstellungsmerkmal als letzte vollständig christliche Gemeinde des Westjordanlands verlieren. Für die Bewohner steht dabei nicht nur ihre Heimat auf dem Spiel, sondern auch ein Teil des christlichen Erbes des Heiligen Landes.




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