Newsinternational Montag, 27.04.2026 | Drucken

Fundamentale Frage der Gerechtigkeit und der Internationalen Ordnung

Warum die koloniale Vergangenheit keine Ruhe findet - Kunst und Artefakte im Wert von Milliarden Euro wurden über Jahrhunderte von Besatzungsmächten geraubt – und verbleiben bis heute bei den Nachfahren der Diebe

Viele Menschen seufzen genervt, wenn die Debatte über den Kolonialismus aufflammt. Sie argumentieren, westliche Nationen wie Frankreich und Großbritannien hätten ihre Reiche längst aufgegeben – man solle einfach weitermachen. Doch diese Sichtweise ist trügerisch. Ein Blick auf die endlosen Streitigkeiten um die Rückgabe geplünderter Schätze zeigt das Gegenteil, wie ein Gastbeitrag von Nabila Ramdani für The New Arab beweist.

Kunst und Artefakte im Wert von Milliarden Euro wurden über Jahrhunderte von Besatzungsmächten geraubt – und verbleiben bis heute bei den Nachfahren der Diebe. Dies ist keine linke Beschwerde, sondern eine fundamentale Frage der Gerechtigkeit. Noch mehr ist es ein perfektes Beispiel dafür, dass der Dekolonisierungsprozess längst nicht abgeschlossen ist. Alte Vorurteile wirken fort, und viel zu viele ultranationalistische Fanatiker behandeln ehemalige imperiale Untertanen weiterhin als minderwertige Wesen.Besonders Frankreichs Umgang mit Algerien offenbart diesen alten Hass. Ein aktuelles französisches Parlamentsgesetz zur Rückgabe fehlender Gegenstände wirkt wie ein Hohn. Es befasst sich mit der Zeit von 1815 bis 1972, doch die brutale Realität der Kolonialzeit bleibt ausgeklammert. Über 132 Jahre lang errichteten die Franzosen ihre militärische Macht im heutigen Flächenstaat Afrika. Gaskammern und Napalm kamen zum Einsatz, um die indigene Bevölkerung zu unterwerfen.

Algerische Städte und Dörfer wurden geplündert, archäologische Schätze geraubt. Dennoch weigert sich Frankreich, alles zurückzugeben. Viele Franzosen, besonders in der rechtsextremen Partei Nationale Rallye (RN), betrachten Algerien immer noch als verlorenes „Juwel" des gallischen Reiches. Die RN, gegründet von ehemaligen Kolonialkriegern und Nazi-Kollaborateuren, schlägt vor, die Rückgabe von geraubten Schätzen nur an Länder zu erlauben, zu denen Frankreich „gute Beziehungen" unterhält.

Algerien fordert längst eine vollständige Entschuldigung und Reparationen. Präsident Macron nannte die Kolonialisierung einst ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit" – doch seine Politik widerspricht dem. Frankreich behält Zehntausende Objekte aus ganz Afrika. Die ehemaligen Kolonisatoren sollten endlich die Schätze zurückgeben, sich reichlich entschuldigen und den stolzen Völkern, die sie so lange ausbeuteten, angemessene Reparationen anbieten.





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