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Dienstag, 31.03.2026

Kein Frieden ohne Wiedergutmachungsgerechtigkeit: UN stuft Sklavenhandel als schwerstes Verbrechen ein – Deutschland enthält sich

Sich beider Aufarbeitung eines der größten Menschheitsverbrechen zu enthalten oder gar dagegen zu stimmen, während die Mehrheit der Weltgemeinschaft klare Worte findet, ist mehr als schäbig

Die Vereinten Nationen haben den transatlantischen Sklavenhandel offiziell als „schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit" eingestuft. Während 123 Staaten der von Ghana eingebrachten Resolution zustimmten, offenbarte die Abstimmung am Mittwoch eine tiefe erinnerungspolitische Kluft: Deutschland enthielt sich, ebenso wie die meisten europäischen Staaten. Die USA, Israel und Argentinien stimmten sogar gegen die Resolution.

Für Kritiker ist das Votum ein „schmachvolles" Zeichen. Der Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer sprach von einer „erinnerungspolitischen Kluft zwischen Globalem Norden und Süden". Während afrikanische Staaten die Einstufung als längst überfällige Anerkennung jahrhundertelangen Leids feierten, blockten die westlichen Nationen ab.

Die EU begründete ihre Enthaltung mit juristischen Spitzfindigkeiten: Die Bezeichnung als „schwerstes" Verbrechen schaffe eine „Hierarchie unter Gräueltaten" und sei „rechtlich nicht zutreffend". Das Auswärtige Amt verwies auf bilaterale Dialoge mit Ländern wie Kamerun oder Ghana, lehnte aber eine klare Positionierung in der UN ab. Wissenschaftler wie Aram Ziai von der Universität Kassel werteten dies als „Abwehrstrategie".

Deutschland verweigere sich der Anerkennung historischer Schuld, weil es keine Verpflichtung zu Reparationen eingehen wolle. Die Resolution fordert explizit die „unverzügliche und ungehinderte Rückgabe" von Kulturgütern – ein Punkt, der die ehemaligen Kolonialmächte unter Druck setzt. Während die Bundesregierung von „besonderen Anliegen" spricht, zeigte sich die US-Vertretung unverhohlen ablehnend: Die UN sei nicht da, um „internationale Nischentage zu etablieren". Die Dichterin Esther Phillips aus Barbados hatte die Staatengemeinschaft zuvor mit den Worten gemahnt: „Frieden kann es nicht geben ohne Gerechtigkeit, ohne Reparationen."

Die Abstimmung offenbarte, dass die westlichen Staaten – angeführt von den USA und gefolgt von einem sich enthaltenden Deutschland – dieser Forderung weiterhin ausweichen. Die symbolische Schmach für Berlin besteht darin, sich bei der Aufarbeitung eines der größten Menschheitsverbrechen enthalten zu haben, während die Mehrheit der Weltgemeinschaft klare Worte fand.




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