Newsnational Mittwoch, 25.03.2026 | Drucken

Zentralrat der Muslime setzt ATIB-Mitgliedschaft aus und strebt Ausschluss an

"Ideologische Konzepte, die auf ethnischer Überlegenheit oder gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit beruhen, stehen in einem fundamentalen Widerspruch sowohl zu diesem satzungsmäßigen Selbstverständnis als auch zu den Grundprinzipien des Islams"

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat die Mitgliedschaft der Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa mit sofortiger Wirkung ausgesetzt und zugleich den Ausschluss des Verbandes beantragt. Dies beschloss der Bundesvorstand in einer außerordentlichen Sitzung am 21. März 2026 einstimmig, siehe auch Pressemitteilung von heutigen Tag.

Die Maßnahme gilt bis zur nächsten Vertreterversammlung, die auch über den endgültigen Ausschluss entscheiden wird. Betroffen ist nicht nur der Bundesverband, sondern auch sämtliche angeschlossenen Gemeinden und Untergliederungen. Damit zieht der ZMD Konsequenzen aus einer Entwicklung, die aus Sicht des Verbandes nicht mehr mit seinen Grundprinzipien vereinbar ist.

Bereits im Januar hatte der Generalsekretär Beiersdorf-El Schallah öffentlich klargestellt, dass Menschenrechte, Grundgesetz und islamische Werte die Grundlage der Arbeit des ZMD bilden. Ideologien, die Menschen abwerten oder die demokratische Ordnung infrage stellen, hätten keinen Platz innerhalb des Verbandes.

Zugleich hatte der ZMD eine transparente und unabhängige Prüfung der gegen ATIB erhobenen Vorwürfe angekündigt. Voraussetzung dafür sei jedoch eine erkennbare ideologische Distanzierung sowie die Bereitschaft zur Mitwirkung an einem strukturellen Klärungsprozess gewesen. Nach der Neuwahl des ATIB-Bundesvorstandes Ende Januar blieb eine solche Entwicklung jedoch aus. Auch eine eingeräumte Frist zur Stellungnahme wurde nicht genutzt.

Nach Einschätzung des ZMD bestätigt sich damit eine bereits gerichtlich festgestellte Problemlage. Diese stehe im Widerspruch zu den satzungsmäßigen Grundsätzen des Verbandes. Die Aussetzung diene daher dem Schutz der institutionellen Integrität und Handlungsfähigkeit.

Der ZMD betont seine Rolle als multiethnische Religionsgemeinschaft, die sich klar zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennt und sich gegen rassistische sowie extremistische Ideologien positioniert. Ein Islamverständnis, das die gleiche Würde aller Menschen betont, sei dabei zentral.

Auch innerverbandlich zeigt sich die Tragweite der Entscheidung: So trat die stellvertretende Vorsitzende Özlem Başöz aus der ATIB aus und begründete dies öffentlich (wir berichteten) .Der Bundesvorstand unterstreicht, dass die Entscheidung ausschließlich vereinsrechtlich motiviert sei. Die abschließende Entscheidung über den Ausschluss trifft die Vertreterversammlung, bei der ATIB Gelegenheit zur Anhörung erhalten wird.





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