Newsinternational Mittwoch, 04.03.2026 | Drucken

"Die Wiederkehr der alten Geister" – Koloniales Denken und Handeln in der heutigen Weltpolitik

Rubio: Wiederbelebung des "westlichen Dominanzzeitalters"

In einem vielbeachteten Kommentar für das Onlineportal "The New Arab" analysiert der Autor die Rückkehr kolonialer Denkmuster in der internationalen Politik. Unter dem Titel "Greenland Gaza: The white man's burden makes a comeback" zeichnet er ein düsteres Bild einer Gegenwart, in der die alten Rechtfertigungen für imperiales Machtstreben wieder salonfähig werden.

Ausgangspunkt des Kommentars ist ein Zitat des britischen Imperialisten Cecil Rhodes, der sein Volk einst als "erste Rasse der Welt" pries und die Ausdehnung des Empires als Fortschritt für die Menschheit darstellte. Diese Haltung, so der Autor, finde heute eine Neuauflage – wenn auch in modernisiertem Gewand. Am Beispiel Grönlands und des Gazastreifens zeigt er auf, wie geopolitische Interessen zunehmend wieder mit der Rhetorik einer "zivilisatorischen Mission" verbrämt würden.

Besonders deutlich werde dies im Diskurs um Grönland. Während westliche Liberale vor allem die Souveränität Dänemarks betonten, blieben die Stimmen der indigenen grönländischen Inuit weitgehend ungehört. Die Debatte reduziere sich auf strategische Notwendigkeiten und Ressourceninteressen – Grönlands Bodenschätze wie Seltene Erden, Öl und Uran stünden im Fokus, nicht das Selbstbestimmungsrecht seiner Bevölkerung. Diese Haltung erinnere fatal an die Zeiten, in denen internationale Abkommen vor allem zwischen Imperien ausgehandelt wurden.

Noch drastischer zeige sich das Muster im Fall Palästina. Während in internationalen Foren über den Wiederaufbau des Gazastreifens diskutiert werde, blieben die Palästinenser selbst außen vor. Israelische Annexionsbestrebungen im Westjordanland würden oft als Sicherheitsfragen verharmlost, nicht als das, was sie seien: eine fortgesetzte Landnahme. Der Autor sieht hier eine erschreckende Kontinuität: "Entscheidungen über Land, Souveränität und Ressourcen werden in fernen Hauptstädten getroffen, während die Betroffenen zu Nebendarstellern der eigenen Geschichte werden."

Der Kommentar verweist auch auf aktuelle Aussagen von US-Außenminister Marco Rubio, der auf der Münchner Sicherheitskonferenz die europäischen Verbündeten aufforderte, sich nicht länger von "Schuld und Scham" über das eigene Erbe lähmen zu lassen und zur Wiederbelebung des "westlichen Dominanzzeitalters" beizutragen. Solche Worte, so der Autor, seien kein Ausrutscher, sondern Ausdruck eines tiefsitzenden, wiedererstarkten Sendungsbewusstseins.


Die Analyse weitet den Blick auf weitere Beispiele: den Iran, wo regimekritische Stimmen im Exland oft überhöht würden, während die komplexe innenpolitische Vielfalt ignoriert werde; auf Venezuela, das primär durch die Brille von Ölinteressen betrachtet werde; und auf Kuba, wo Sanktionen und Eindämmung die Berichterstattung dominierten. Überall zeige sich ein Muster: Die betroffenen Menschen verschwänden hinter geopolitischen Schachzügen.

Der Kommentar schließt mit einem eindringlichen Appell an die Medien, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. Sie dürften nicht zu Verstärkern imperialer Narrative werden, sondern müssten indigene und lokale Stimmen in den Vordergrund stellen. Wenn Werte wie Demokratie und Selbstbestimmung universell gelten sollten, dann müssten sie auch für Grönländer, Palästinenser, Iraner und Venezolaner gelten. Sonst, so die bittere Schlussfolgerung, sehe man nicht die Verteidigung der Zivilisation, sondern die "Rehabilitation des Empires – neu verpackt, medial verstärkt und wieder einmal als Geschenk an die Menschheit gerechtfertigt."






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