Newsinternational Dienstag, 03.02.2026 | Drucken

Öffentliche Hassrede in Indien nimmt weiter zu

Häufigsten dokumentierten Vorfälle gegen Muslime mit zwölf Prozent Zunahme - Einen besonders starken Zuwachs verzeichnete der Bericht bei Angriffen auf Christen: Hier stieg die Zahl der Vorfälle um 41 Prozent, der höchste jemals gemessene Jahreswert überhaupt

Neu-Delhi, 14. Januar 2026 – Die Zahl öffentlicher Hassreden gegen religiöse Minderheiten in Indien ist im Jahr 2025 deutlich gestiegen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des India Hate Lab hervor. Demnach wurden landesweit 1.318 Veranstaltungen registriert, bei denen in Redebeiträgen religiöse Gruppen gezielt angegriffen wurden. Das entspricht einem Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am häufigsten richteten sich die dokumentierten Vorfälle gegen Muslime. Die Zahl entsprechender Ereignisse nahm im Vergleich zu 2024 um rund zwölf Prozent zu.Einen besonders starken Zuwachs verzeichnete der Bericht bei Angriffen auf Christen: Hier stieg die Zahl der Vorfälle um 41 Prozent, der höchste jemals gemessene Jahreswert für diese Gemeinschaft.

Als Hassrede-Ereignisse wertet das India Hate Lab öffentliche Versammlungen wie politische Kundgebungen, religiöse Prozessionen, Protestmärsche oder nationalistische Treffen, bei denen Redner religiöse Minderheiten herabsetzen oder bedrohen. Rund zwei Drittel aller Vorfälle entfielen auf die Bundesstaaten Uttar Pradesh, Maharashtra, Madhya Pradesh, Uttarakhand sowie das Hauptstadtterritorium Delhi. Laut Bericht ereigneten sich 88 Prozent der dokumentierten Veranstaltungen in Bundesstaaten, die von der Bharatiya Janata Party (BJP) entweder allein oder in Koalition regiert werden.


Der Anteil sei damit im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen. Die Forscher stellen zudem fest, dass Hassrede nicht mehr ausschließlich im Umfeld von Wahlen auftrete. „Wir beobachten 2025 eine dauerhaft erhöhte Zahl entsprechender Veranstaltungen, unabhängig vom Wahlkalender", erklärte Eviane Leidig vom Center for the Study of Organised Hate (CSOH). In etwa der Hälfte der Reden wurden laut Bericht bekannte Verschwörungsnarrative verwendet, darunter Begriffe wie „Love Jihad" oder „Bevölkerungsdschihad". Zudem enthielt rund ein Viertel der Veranstaltungen Aussagen, die zu Gewalt aufriefen oder wirtschaftliche und soziale Boykotte religiöser Gruppen forderten. Auch Forderungen nach dem Abriss von Moscheen oder Kirchen wurden dokumentiert. Viele der Veranstaltungen wurden dem Bericht zufolge von hindunationalistischen Organisationen wie dem Vishwa Hindu Parishad (VHP) oder dem Bajrang Dal organisiert. Zunehmend seien auch religiöse Würdenträger unter den Rednern vertreten.

Fast alle Ereignisse fanden zudem eine große Reichweite in sozialen Medien: Von 1.318 Veranstaltungen wurden 1.278 online verbreitet oder live gestreamt, vor allem über Facebook, aber auch über YouTube, Instagram und X. Die Plattformen setzten ihre Richtlinien gegen Hassrede nur unzureichend um, so die Kritik der Autoren. Der Bericht warnt, dass die anhaltende Zunahme öffentlicher Hassrede das Risiko von Diskriminierung und Gewalt gegen religiöse Minderheiten weiter erhöhe. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen von Politik, Zivilgesellschaft und Technologieunternehmen könne sich diese Entwicklung fortsetzen.





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