Newsnational Montag, 12.01.2026 | Drucken

Neu aufgestellt

Zentralrat leitet umfassende Reform ein – Unabhängige Untersuchung von Vorwürfen gegen Mitgliedsverband ATIB

Köln -Nach längerer Zeit meldet sich der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) mit einer bemerkenswert offenen und klaren Presseerklärung zurück. Die Religionsgemeinschaft ZMD hat eine umfassende interne Umstrukturierung eingeleitet, die auf organisatorische Modernisierung, mehr Transparenz und klarere Zuständigkeiten abzielt. Der ZMD folgt dabei einer erkennbaren Strategie im Umgang mit internen Problemen. Im Zuge dieser Neuausrichtung beauftragt der Verband unabhängige Expert:innen, die gegen das Mitglied ATIB erhobenen Vorwürfe "wissenschaftlich aufarbeiten". "Wir erneuern unseren Verband strukturell und inhaltlich", erklärt Generalsekretär Aladdin Beiersdorf-El Schallah. "Die Vorwürfe gegenüber ATIB lassen wir unabhängig und wissenschaftlich prüfen – aus Verantwortung gegenüber unseren Mitgliedern und der Gesellschaft."


Klare Kante gegen Extremismus

Der ZMD bekräftigt in der Erklärung sein "uneingeschränktes Bekenntnis" zu Menschenrechten, Grundgesetz und islamischen Werten. Deutlich grenzt sich der Verband von extremistischen Ideologien ab: "Ideologien, die Menschen abwerten oder unsere demokratische Ordnung infrage stellen, haben im ZMD keinen Platz. Dies gilt insbesondere auch für die Muslimbruderschaft oder die rechtsradikale Ülkücü-Bewegung." Dieses Bekenntnis ist laut ZMD verbindlicher Satzungsbestandteil und Voraussetzung für die Mitgliedschaft.

Kritik an Staat und Medien

Ein besonderer Fokus liegt auf dem letzten Absatz der Erklärung, in dem der ZMD eine deutliche Kritik formuliert: Muslimische Organisationen blieben bei der Aufklärung komplexer Vorwürfe "häufig ohne ausreichende staatliche Unterstützung". Der Verband erwarte, dass staatliche Stellen ihre Verantwortung wahrnehmen und "klare, verlässliche Verfahren zum Schutz und zur Aufklärung schaffen, anstatt diese Aufgabe allein der Zivilgesellschaft zu überlassen".

Diese Passage wird als indirekter Hinweis darauf gewertet, dass der ZMD sich im Umgang mit problematischen Mitgliedern teilweise von Staat und Medien alleingelassen wurde. Die Reform des ZMD zielt dabei auf Transparenz, wissenschaftliche Aufarbeitung und positioniert sich innerhalb demokratische Grundwerte – und übernimmt gleichzeitig selbstkritisch Verantwortung für interne Probleme.





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