Lemniskatische Konstante
Die lemniskatische Konstante ist eine 1798 von Carl Friedrich Gauß eingeführte mathematische Konstante. Sie ist definiert als der Wert des elliptischen Integrals
- {\displaystyle \varpi =2\int _{0}^{1}{\frac {\mathrm {d} t}{\sqrt {1-t^{4}}}}} = 2,62205 75542 92119 81046 48395 89891 11941 36827 54951 43162 ... (Folge A062539 in OEIS)
und tritt bei der Berechnung der Bogenlänge der gesamten Lemniskate von Bernoulli auf. Derzeit (Stand: 18. Juli 2022) sind 1.200.000.000.100 Nachkommastellen der lemniskatischen Konstante bekannt. Sie wurden von Seungmin Kim berechnet.[1]
Bezeichnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Gauß wählte für die lemniskatische Konstante bewusst die griechische Minuskel {\displaystyle \varpi } (gesprochen: Skript-Pi oder Varpi), eine alternative Schreibweise von {\displaystyle \pi }, um an die Analogie zum Kreis mit seinem halben Umfang
- {\displaystyle \pi =2\int _{0}^{1}{\frac {\mathrm {d} t}{\sqrt {1-t^{2}}}}}
zu erinnern. Den Ursprung dieser Bezeichnung bei Gauß klärte vermutlich zuerst Ludwig Schlesinger auf: Zunächst verwendete Gauß zur Bezeichnung der lemniskatischen Periode das Zeichen {\displaystyle \Pi }, und ab Juli 1798 verwendete er für diese Größe konsequent {\displaystyle {\tfrac {\varpi }{2}}}.
Im Englischen findet sich für die Minuskel {\displaystyle \varpi } auch die (irreführende) Bezeichnung pomega, ein Kofferwort aus den Buchstabennamen für π und ω.
Im englischen Sprachraum wird
- {\displaystyle G=\varpi /\pi } = 0,83462 68416 74073 18628 14297 32799 04680 89939 93013 49034 ... (Folge A014549 in OEIS)
als Gaußkonstante bezeichnet.
Herleitung der Integraldefinition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Folgende kartesische Koordinatengleichung ist für die Lemniskate von Bernoulli mit der Brennweite f gültig:
- {\displaystyle (x^{2}+y^{2})^{2}=2f^{2}(x^{2}-y^{2})}
Daraus resultiert nachfolgende Parametergleichung für die Lemniskate mit dieser Brennweite:
- {\displaystyle x(t)={\frac {{\sqrt {2}}f\sin(t)}{\cos(t)^{2}+1}}\quad \cap \quad y(t)={\frac {{\sqrt {2}}f\sin(t)\cos(t)}{\cos(t)^{2}+1}}\quad {\text{ mit }}\ 0\leq t<2\pi }
Für das gegebene Intervall von t wird die gesamte Kurve der Lemniskate genau einmal parametrisiert. Der Umfang wird durch Integration von denselben Grenzen für t von der Pythagoräischen Summe der ersten Ableitungen bezüglich t berechnet:
- {\displaystyle {\begin{aligned}U&=\int _{0}^{2\pi }{\sqrt {{\biggl (}{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} t}}x(t){\biggr )}^{2}+{\biggl (}{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} t}}y(t){\biggr )}^{2}}}\ \mathrm {d} t\\&=\int _{0}^{2\pi }{\sqrt {{\biggl (}{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} t}}\cdot {\frac {{\sqrt {2}}f\sin(t)}{\cos(t)^{2}+1}}{\biggr )}^{2}+{\biggl (}{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} t}}\cdot {\frac {{\sqrt {2}}f\sin(t)\cos(t)}{\cos(t)^{2}+1}}{\biggr )}^{2}}}\ \mathrm {d} t\\&=\int _{0}^{2\pi }{\sqrt {{\biggl (}{\frac {{\sqrt {2}}f\cos(t)[3-\cos(t)^{2}]}{[\cos(t)^{2}+1]^{2}}}{\biggr )}^{2}+{\biggl (}{\frac {{\sqrt {2}}f[3\cos(t)^{2}-1]}{[\cos(t)^{2}+1]^{2}}}{\biggr )}^{2}}}\ \mathrm {d} t\\&=\int _{0}^{2\pi }{\frac {{\sqrt {2}}f}{\sqrt {\cos(t)^{2}+1}}}\ \mathrm {d} t=4\int _{0}^{\pi /2}{\frac {{\sqrt {2}}f}{\sqrt {\cos(t)^{2}+1}}}\ \mathrm {d} t=4\int _{0}^{\pi /2}{\frac {{\sqrt {2}}f}{\sqrt {\sin(t)^{2}+1}}}\ \mathrm {d} t\\&=4\int _{0}^{1}{\biggl [}{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}\arcsin(x){\biggr ]}{\frac {{\sqrt {2}}f}{\sqrt {1+x^{2}}}}\ \mathrm {d} x=4\int _{0}^{1}{\frac {{\sqrt {2}}f}{\sqrt {1-x^{4}}}}\ \mathrm {d} x\end{aligned}}}
Der maximale Durchmesser der Lemniskate von Bernoulli beträgt {\displaystyle 2{\sqrt {2}}f} und die lemniskatische Konstante ist als Quotient des Vollumfangs dividiert durch den maximalen Durchmesser definiert:
- {\displaystyle \varpi ={\frac {U}{2{\sqrt {2}}f}}=2\int _{0}^{1}{\frac {1}{\sqrt {1-x^{4}}}},円\mathrm {d} x}
Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Eulersche Betafunktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Mit der Eulerschen Betafunktion {\displaystyle \mathrm {B} } und der Gammafunktion {\displaystyle \Gamma } gilt
- {\displaystyle \varpi ={\tfrac {1}{4}}{\sqrt {2}},円\mathrm {B} ({\tfrac {1}{4}},{\tfrac {1}{4}})={\tfrac {1}{2}},円\mathrm {B} ({\tfrac {1}{4}},{\tfrac {1}{2}})=\Gamma ({\tfrac {1}{4}})^{2}/{\bigl (}2{\sqrt {2\pi }}{\bigr )}.}
Deswegen gilt auch das Folgende:
- {\displaystyle \int _{0}^{\infty }e^{-x^{4}}\mathrm {d} x={\frac {{\sqrt[{4}]{\pi }}\cdot {\sqrt {\varpi }}}{2\cdot {\sqrt[{4}]{2}}}}}
Dirichletsche Betafunktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Ebenso kann die lemniskatische Konstante mit der Ableitung der Dirichletschen Betafunktion auf folgende zwei Weisen dargestellt werden:
- {\displaystyle \varpi =\pi ^{1/2}\exp {\bigl [}\beta '(0){\bigr ]}}
- {\displaystyle \varpi =2^{-1/2}\pi \exp \left[{\frac {1}{2}},円\gamma -{\frac {2}{\pi }}\beta '(1)\right]}
Das Kürzel {\displaystyle \gamma } drückt hierbei die Euler-Mascheroni-Konstante aus.
Dabei gilt nach der Abel-Plana-Formeldefinition für die Dirichletsche Betafunktion:
- {\displaystyle \beta (x)={\frac {1}{2}}+\int _{0}^{\infty }{\frac {\sin[x\arctan(y)]}{2,円(y^{2}+1)^{x/2}}}\operatorname {csch} {\bigl (}{\frac {\pi }{2}},円y{\bigr )},円\mathrm {d} y}
Und somit gilt für die Ableitung der Dirichletschen Betafunktion:
- {\displaystyle \beta '(x)=\int _{0}^{\infty }{\frac {2\arctan(y)\cos[x\arctan(y)]-\ln(y^{2}+1)\sin[x\arctan(y)]}{4,円(y^{2}+1)^{x/2}}}\operatorname {csch} {\bigl (}{\frac {\pi }{2}},円y{\bigr )},円\mathrm {d} y}
Unendliche Summen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Gauß fand die Beziehung
- {\displaystyle \varpi =\pi /\operatorname {agm} (1;{\sqrt {2}})}
mit dem arithmetisch-geometrischen Mittel agm und gab auch eine schnell konvergierende Reihe
- {\displaystyle \varpi ={\frac {\pi }{\sqrt {2}}}\sum _{k=0}^{\infty }{\binom {2k}{k}}^{\!2}{\frac {1}{2^{5k}}}}
mit Summanden der Größenordnung {\displaystyle {\frac {1}{k2^{k}}}} an.
Außerdem erkannte Carl Friedrich Gauß folgenden Zusammenhang:
- {\displaystyle \varpi =4\operatorname {arcsl} ({\tfrac {1}{2}})+2\operatorname {arcsl} ({\tfrac {7}{23}})}
- {\displaystyle \varpi =\sum _{k=0}^{\infty }{\binom {2k}{k}}{\frac {1}{4^{k}(4k+1)}}{\biggl [}4\left({\frac {1}{2}}\right)^{4k+1}+2\left({\frac {7}{23}}\right)^{4k+1}{\biggr ]}}
Dabei wird mit {\displaystyle \operatorname {arcsl} } der Lemniskatische Arkussinus ausgedrückt.
Weitere Arcussinus-Lemniscatus-Summen von diesem Schema können so erzeugt werden:
- {\displaystyle \varpi =4\operatorname {arcsl} (a)+2\operatorname {arcsl} \{\tan[{\tfrac {1}{4}}\pi -2\arctan(a^{2})]\}} mit {\displaystyle 0\leq a\leq 1}
Die Auswertung
- {\displaystyle \varpi =2\sum _{k=0}^{\infty }{\binom {2k}{k}}{\frac {1}{(4k+1)2^{2k}}}}
des elliptischen Integrals ergibt eine ähnliche Reihe, die jedoch sehr viel langsamer konvergiert, da die Glieder von der Größenordnung {\displaystyle {\frac {1}{k^{3/2}}}} sind. Sehr schnell konvergiert die Reihe in
- {\displaystyle \varpi =\pi {\biggl [}\sum _{k=-\infty }^{\infty }(-1)^{k},円e^{-\pi k^{2}}{\biggr ]}^{2}={\frac {\pi }{\sqrt {2}}}{\biggl [}\sum _{k=-\infty }^{\infty },円e^{-\pi k^{2}}{\biggr ]}^{2}}
mit Summanden der Größenordnung {\displaystyle e^{-\pi k^{2}}}.
Auch sehr schnell konvergiert folgende Reihe:
- {\displaystyle \varpi ={\frac {\pi }{\sqrt {2}}}\sum _{k=-\infty }^{\infty }\operatorname {sech} (\pi k)}
Niels Nielsen stellte 1906 mit Hilfe der Kummerschen Reihe der Gammafunktion einen Zusammenhang mit der Eulerschen Konstante {\displaystyle \gamma } her:[2]
- {\displaystyle \log \varpi ={\tfrac {1}{2}}\gamma -{\tfrac {1}{2}}\log 2+\log \pi +{\frac {2}{\pi }}\sum _{k=1}^{\infty }(-1)^{k}{\frac {\log(2k+1)}{2k+1}}}
Theodor Schneider bewies 1937 die Transzendenz von {\displaystyle \varpi }.[3] Gregory Chudnovsky zeigte 1975, dass {\displaystyle \Gamma (1/4)} und somit auch {\displaystyle \varpi } algebraisch unabhängig von {\displaystyle \pi } ist.[4] [5]
Unendliche Produkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Analog zum Wallisschen Produkt lassen sich für die lemniskatische Konstante folgende Produktreihen entwickeln:
- {\displaystyle \varpi =2\prod _{k=0}^{\infty }{\frac {(4k+3)(4k+4)}{(4k+2)(4k+5)}}={\sqrt {2}}\prod _{k=0}^{\infty }{\frac {(4k+2)(4k+4)}{(4k+1)(4k+5)}}}
Folgende Produktreihen konvergieren sehr schnell:
- {\displaystyle \varpi =\pi \prod _{k=1}^{\infty }\tanh(\pi k/2)^{2}={\frac {\pi }{\sqrt[{4}]{2}}}\prod _{k=1}^{\infty }\tanh(\pi k)^{2}}
Elliptische Integrale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Vollständige elliptische Integrale K und E
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Mit dem vollständigen elliptischen Integral erster Art lässt sich die lemniskatische Konstante auf verschiedene Weise darstellen:
- {\displaystyle \varpi ={\sqrt {2}}K\left({\frac {1}{\sqrt {2}}}\right)=4({\sqrt {2}}-1)K[({\sqrt {2}}-1)^{2}]={\sqrt[{4}]{27}}({\sqrt {3}}-1)K\left[{\frac {1}{2}}({\sqrt {3}}-1)({\sqrt {2}}-{\sqrt[{4}]{3}})\right]=}
- {\displaystyle =8({\sqrt {2}}+1)^{2}({\sqrt[{4}]{2}}-1)^{2}K[({\sqrt {2}}+1)^{2}({\sqrt[{4}]{2}}-1)^{4}]=5{\sqrt {2}}({\sqrt {5}}-2)K\left[{\frac {1}{\sqrt {2}}}({\sqrt {5}}-2)(3-2{\sqrt[{4}]{5}})\right]}
Die lemniskatische Konstante kann auch ausschließlich mit Ellipsenumfängen und somit mit elliptischen Integralen zweiter Art dargestellt werden:
- {\displaystyle \varpi =(2+{\sqrt {2}})E[({\sqrt {2}}-1)^{2}]-2E\left({\frac {1}{\sqrt {2}}}\right)=}
- {\displaystyle ={\frac {3}{2}}(2{\sqrt {2}}+{\sqrt {6}}-{\sqrt[{4}]{27}}-{\sqrt[{4}]{3}})E\left[{\frac {1}{2}}({\sqrt {3}}-1)({\sqrt {2}}-{\sqrt[{4}]{3}})\right]-{\frac {1}{2}}(3{\sqrt[{4}]{3}}+{\sqrt[{4}]{27}}-3{\sqrt {2}})E\left({\frac {1}{\sqrt {2}}}\right)}
Dabei ist E(k) das Verhältnis des Viertelumfangs zur längeren Halbachse bei derjenigen Ellipse, bei welcher die numerische Exzentrizität den Wert k annimmt.
Liste bestimmter elliptischer Integrale erster Art
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Folgende weitere Integrale involvieren die lemniskatische Konstante:
- {\displaystyle \int _{0}^{1}{\frac {1}{\sqrt {x^{4}+1}}},円\mathrm {d} x={\frac {\varpi }{2{\sqrt {2}}}}}
- {\displaystyle \int _{0}^{1}{\frac {1}{(1-x^{4})^{3/4}}},円\mathrm {d} x={\frac {\varpi }{\sqrt {2}}}}
- {\displaystyle \int _{0}^{1}{\frac {1}{(1-x^{2})^{3/4}}},円\mathrm {d} x=\varpi }
- {\displaystyle \int _{0}^{\infty }{\sqrt {\operatorname {sech} (x)}},円\mathrm {d} x=\varpi }
- {\displaystyle \int _{0}^{\pi /2}{\sqrt {\operatorname {sec} (x)}},円\mathrm {d} x=\varpi }
Herleitung der elliptischen Integrale zweiter Art
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Nach der Kettenregel gelten folgende vier Ableitungen:
- {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\biggl (}\int _{0}^{1}{\frac {x}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}},円\mathrm {d} y{\biggr )}={\frac {1}{\sqrt {1-x^{4}}}}}
- {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\biggl (}\int _{0}^{1}{\frac {x^{3}y^{2}}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}\mathrm {d} y{\biggr )}={\frac {x^{2}}{\sqrt {1-x^{4}}}}}
- {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\biggl \{}{\frac {y^{2}+1}{2y^{2}}}{\biggl [}{\text{artanh}}{\bigl (}y^{2}{\bigr )}-{\text{artanh}}{\biggl (}{\frac {{\sqrt {1-x^{4}}},円y^{2}}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}{\biggr )}{\biggr ]}{\biggr \}}={\frac {x^{3}(y^{2}+1)}{\sqrt {(1-x^{4})(1-x^{4}y^{4})}}}}
- {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} y}}{\biggl [}\arctan(y)-{\frac {1-y^{2}}{2y}}{\text{artanh}}(y^{2}){\biggr ]}={\frac {y^{2}+1}{2y^{2}}}\operatorname {artanh} (y^{2})}
Im Folgenden werden zwei Gleichungsketten synthetisiert und danach gleichgesetzt:
Der Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung wird auf folgende Weise angewendet:
- {\displaystyle \int _{0}^{1}{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\biggl (}\int _{0}^{1}{\frac {x}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}\mathrm {d} y\int _{0}^{1}{\frac {x^{3}y^{2}}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}\mathrm {d} y{\biggr )}\mathrm {d} x=}
- {\displaystyle ={\biggl [}\int _{0}^{1}{\frac {x}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}\mathrm {d} y\int _{0}^{1}{\frac {x^{3}y^{2}}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}\mathrm {d} y{\biggr ]}_{x=0}^{x=1}=}
- {\displaystyle =\int _{0}^{1}{\frac {1}{\sqrt {1-y^{4}}}}\mathrm {d} y\int _{0}^{1}{\frac {y^{2}}{\sqrt {1-y^{4}}}}\mathrm {d} y={\frac {\varpi }{2}}\int _{0}^{1}{\frac {x^{2}}{\sqrt {1-x^{4}}}}\mathrm {d} x}
Das Produkt folgender zwei Integrale lässt sich dann mit der Produktregel und dem Satz von Fubini auf folgende Weise umformen:
- {\displaystyle \int _{0}^{1}{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\biggl (}\int _{0}^{1}{\frac {x}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}\mathrm {d} y\int _{0}^{1}{\frac {x^{3}y^{2}}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}\mathrm {d} y{\biggr )}\mathrm {d} x=}
- {\displaystyle =\int _{0}^{1}{\biggl (}{\frac {1}{\sqrt {1-x^{4}}}}\int _{0}^{1}{\frac {x^{3}y^{2}}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}\mathrm {d} y+{\frac {x^{2}}{\sqrt {1-x^{4}}}}\int _{0}^{1}{\frac {x}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}\mathrm {d} y{\biggr )}\mathrm {d} x=}
- {\displaystyle =\int _{0}^{1}\int _{0}^{1}{\frac {x^{3}(y^{2}+1)}{\sqrt {(1-x^{4})(1-x^{4}y^{4})}}},円\mathrm {d} y,円\mathrm {d} x=\int _{0}^{1}\int _{0}^{1}{\frac {x^{3}(y^{2}+1)}{\sqrt {(1-x^{4})(1-x^{4}y^{4})}}},円\mathrm {d} x,円\mathrm {d} y=}
- {\displaystyle =\int _{0}^{1}\int _{0}^{1}{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\biggl \{}{\frac {y^{2}+1}{2y^{2}}}{\biggl [}{\text{artanh}}{\bigl (}y^{2}{\bigr )}-{\text{artanh}}{\biggl (}{\frac {{\sqrt {1-x^{4}}},円y^{2}}{\sqrt {1-x^{4}y^{4}}}}{\biggr )}{\biggr ]}{\biggr \}},円\mathrm {d} x,円\mathrm {d} y=}
- {\displaystyle =\int _{0}^{1}{\frac {y^{2}+1}{2y^{2}}}\operatorname {artanh} (y^{2}),円\mathrm {d} y=\int _{0}^{1}{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} y}}{\biggl [}\arctan(y)-{\frac {1-y^{2}}{2y}}{\text{artanh}}(y^{2}){\biggr ]}\mathrm {d} y=}
- {\displaystyle ={\biggl [}\arctan(y)-{\frac {1-y^{2}}{2y}}{\text{artanh}}(y^{2}){\biggr ]}_{y=0}^{y=1}=\arctan(1)={\frac {\pi }{4}}}
Denn nach der Regel von de L’Hospital gilt:
- {\displaystyle \lim _{y\rightarrow 0}{\frac {1-y^{2}}{2y}}{\text{artanh}}(y^{2})=0}
- {\displaystyle \lim _{y\rightarrow 1}{\frac {1-y^{2}}{2y}}{\text{artanh}}(y^{2})=0}
Durch Gleichsetzung der beiden aufgestellten Gleichungsketten folgt:
- {\displaystyle {\frac {\varpi }{2}}\int _{0}^{1}{\frac {x^{2}}{\sqrt {1-x^{4}}}}\mathrm {d} x={\frac {\pi }{4}}}
- {\displaystyle \int _{0}^{1}{\frac {x^{2}}{\sqrt {1-x^{4}}}}\mathrm {d} x={\frac {\pi }{2\varpi }}}
Liste bestimmter elliptischer Integrale zweiter Art
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Aus dem soeben gezeigten Endresultat lassen sich folgende Integrale herleiten:
- {\displaystyle \int _{0}^{1}{\frac {\sqrt {x^{4}+1}}{(x^{2}+1)^{2}}},円\mathrm {d} x={\frac {1}{4{\sqrt {2}}}}\left(\varpi +{\frac {\pi }{\varpi }}\right)}
- {\displaystyle \int _{0}^{1}{\frac {x^{2}}{(x^{4}+1)^{3/2}}},円\mathrm {d} x={\frac {\pi }{4{\sqrt {2}},円\varpi }}}
- {\displaystyle \int _{0}^{1}{\frac {1}{(1-x^{2})^{1/4}}},円\mathrm {d} x={\frac {\pi }{\varpi }}}
- {\displaystyle \int _{0}^{\infty }{\sqrt {\operatorname {sech} (x)^{3}}},円\mathrm {d} x={\frac {\pi }{\varpi }}}
Weitere bestimmte elliptische Integrale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Diese beiden elliptischen Integrale dritter Art sind zueinander identisch:
- {\displaystyle \int _{0}^{\infty }{\frac {x^{2}}{(x^{2}+1){\sqrt {x^{4}+1}}}},円\mathrm {d} x=\int _{0}^{\infty }{\frac {1}{(x^{2}+1){\sqrt {x^{4}+1}}}},円\mathrm {d} x}
In der Stammfunktion von der ersten Funktion bewirkt die Substitution von x durch die Kehrwertfunktion 1/x und die anschließende Negativsetzung die Bildung der Stammfunktion von der zweiten Funktion. Außerdem gilt folgende Aufsummierung:
- {\displaystyle \int _{0}^{\infty }{\frac {x^{2}}{(x^{2}+1){\sqrt {x^{4}+1}}}},円\mathrm {d} x+\int _{0}^{\infty }{\frac {1}{(x^{2}+1){\sqrt {x^{4}+1}}}},円\mathrm {d} x=\int _{0}^{\infty }{\frac {1}{\sqrt {x^{4}+1}}},円\mathrm {d} x={\frac {\varpi }{\sqrt {2}}}}
Daraus folgt:
- {\displaystyle \int _{0}^{\infty }{\frac {x^{2}}{(x^{2}+1){\sqrt {x^{4}+1}}}},円\mathrm {d} x={\frac {\varpi }{2{\sqrt {2}}}}}
- {\displaystyle \int _{0}^{\infty }{\frac {1}{(x^{2}+1){\sqrt {x^{4}+1}}}},円\mathrm {d} x={\frac {\varpi }{2{\sqrt {2}}}}}
Wie bereits oben erwähnt ist diese Integralformel gültig:
- {\displaystyle \Gamma ({\frac {5}{4}})=\int _{0}^{\infty }\exp(-x^{4}),円\mathrm {d} x=2^{-5/4}\pi ^{1/4}\varpi ^{1/2}}
Basierend auf dem Eulerschen Ergänzungssatz über die Gammafunktion hat folgendes Integralprodukt den nachfolgenden Wert:
- {\displaystyle {\biggl [}\int _{0}^{\infty }\exp(-x^{4}),円\mathrm {d} x{\biggr ]}{\biggl [}\int _{0}^{\infty }x^{2}\exp(-x^{4}),円\mathrm {d} x{\biggr ]}={\frac {\pi }{8{\sqrt {2}}}}}
Im Zusammenhang mit der Gammafunktion gilt somit jenes Integral:
- {\displaystyle {\frac {1}{4}}\Gamma ({\frac {3}{4}})=\int _{0}^{\infty }x^{2}\exp(-x^{4}),円\mathrm {d} x=2^{-9/4}\pi ^{3/4}\varpi ^{-1/2}}
Ellipsenumfang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Bei einer Ellipse, in welcher sich die größere Halbachse zur kleineren Halbachse in der Quadratwurzel aus Zwei verhält, nimmt das Verhältnis des Ellipsenumfangs zur kleineren Halbachse den Wert 2π + 2π/π an. Diese Tatsache wird im nun Folgenden bewiesen:
- {\displaystyle U/b=4{\sqrt {2}}E{\bigl (}{\frac {1}{\sqrt {2}}}{\bigr )}=4\int _{0}^{1}{\sqrt {{\bigl (}{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}{\sqrt {2-2x^{2}}}{\bigr )}^{2}+1}},円\mathrm {d} x=4\int _{0}^{1}{\sqrt {{\frac {2x^{2}}{1-x^{2}}}+1}},円\mathrm {d} x=4\int _{0}^{1}{\frac {1+x^{2}}{\sqrt {1-x^{4}}}}\mathrm {d} x=}
- {\displaystyle =4\int _{0}^{1}{\frac {1}{\sqrt {1-x^{4}}}}\mathrm {d} x+4\int _{0}^{1}{\frac {x^{2}}{\sqrt {1-x^{4}}}}\mathrm {d} x=2\varpi +{\frac {2\pi }{\varpi }}}
Somit gilt für diese Ellipse:
- {\displaystyle U=({\sqrt {2}}\varpi +{\sqrt {2}}\pi \varpi ^{-1})a=(2\varpi +2\pi \varpi ^{-1})b}
In dieser Tabelle werden mehrere Ellipsen mit ihren Umfangsverhältnissen aufgelistet:
Kleinere Halbachse/Größere Halbachse | Umfang/Größere Halbachse |
---|---|
{\displaystyle {\tfrac {1}{2}}{\sqrt {2}}} | {\displaystyle {\sqrt {2}}\varpi +{\sqrt {2}}\pi \varpi ^{-1}} |
{\displaystyle 2{\sqrt[{4}]{2}}({\sqrt {2}}-1)} | {\displaystyle 2\varpi +2({\sqrt {2}}-1)\pi \varpi ^{-1}} |
{\displaystyle 2^{13/8}({\sqrt {2}}+1)^{5/2}({\sqrt[{4}]{2}}-1)^{2}} | {\displaystyle 2({\sqrt {2}}+1)^{2}({\sqrt[{4}]{2}}-1)\varpi +2({\sqrt {2}}+1)^{2}({\sqrt[{4}]{2}}-1)^{2}\pi \varpi ^{-1}} |
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- Theodor Schneider: Einführung in die transzendenten Zahlen. Springer-Verlag, Berlin 1957, S. 64.
- Carl Ludwig Siegel: Transzendente Zahlen. Bibliographisches Institut, Mannheim 1967, S. 81–84.
- John Todd: The Lemniscate Constants. Institute of Technology, Kalifornien 1975
- A. I. Markuschewitsch: Analytic Functions. Kapitel 2 in: A. N. Kolmogorov, A. P. Juschkewitsch (Hrsg.): Mathematics of the 19th Century. Geometry, analytic function theory. Birkhäuser, Basel 1996, ISBN 3-7643-5048-2, S. 133–136.
- Jörg Arndt, Christoph Haenel: π. Algorithmen, Computer, Arithmetik. 2. Auflage, Springer, 2000, S. 94–96 (hier ist die griechische Minuskel π typographisch korrekt wiedergegeben)
- Steven R. Finch: Gauss’ Lemniscate constant, Kapitel 6.1 in Mathematical constants, Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-81805-2, S. 420–423 (englisch)
- Hans Wußing, Olaf Neumann: Mathematisches Tagebuch 1796–1814 von Carl Friedrich Gauß. Mit einer historischen Einführung von Kurt-R. Biermann. Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schuhmann. Durchgesehen und mit Anmerkungen versehen von Hans Wußing und Olaf Neumann. 5. Auflage, 2005, Eintrag [91a].
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- Eric W. Weisstein: Lemniscate Constant. In: MathWorld (englisch).
- Eric W. Weisstein: Gauss's Constant. In: MathWorld (englisch).
- Folge A062540 in OEIS (Kettenbruchentwicklung von π)
- Folge A053002 in OEIS (Kettenbruchentwicklung von π/π)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]- ↑ Alexander Jih-Hing Yee: Records set by y-cruncher. 17. Juli 2022, abgerufen am 18. Juli 2022 (englisch).
- ↑ Niels Nielsen: Handbuch der Theorie der Gammafunktion. Teubner, Leipzig 1906, S. 201 (der korrekte Faktor vor der Summe ist 2/π statt 2)
- ↑ Theodor Schneider: Arithmetische Untersuchungen elliptischer Integrale (11. März 1936), Mathematische Annalen 113, 1937, S. 1–13
- ↑ G. V. Choodnovsky: Algebraic independence of constants connected with the functions of analysis, Notices of the AMS 22, 1975, S. A-486 (englisch; vorläufiger Bericht)
- ↑ Gregory V. Chudnovsky: Contributions to the theory of transcendental numbers, American Mathematical Society, 1984, ISBN 0-8218-1500-8, S. 8 (englisch)