Provinz Oberschlesien

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 17. Juni 2007 um 11:30 Uhr durch Exot (Diskussion | Beiträge) (Siehe auch ). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der preußischen Provinz. Für die historische Region siehe Oberschlesien.
Preußische Provinz
Oberschlesien
Flagge Wappen
Flagge der Provinz Oberschlesien Wappen der Provinz Oberschlesien
Lage in Preußen
Ocker:Lage der Provinz Oberschlesien
Bestehen 1919-1938, 1941-1945
Provinzhauptstadt Oppeln, ab 1941 Kattowitz
Fläche 9.702 km2
Einwohner 1.482.765 (1933)
Bevölkerungsdichte 152,8 Ew./km2
Entstanden aus Provinz Schlesien
Heute Teil von Woiwodschaft Oppeln, Woiwodschaft Schlesien (PL)
Moravskoslezský kraj - Region Mährisch-Schlesien (Hultschiner Ländchen) (CZ)
Karte
Karte fehlt

Die Provinz Oberschlesien wurde nach dem Ersten Weltkrieg von der Provinz Schlesien abgetrennt. Der verbleibende Teil der Provinz Schlesien hieß danach Provinz Niederschlesien. Das 1922 polnisch gewordene Ostoberschlesien bildete fortan die Autonome Woiwodschaft Schlesien. Vorher waren beide Teile Oberschlesiens im Regierungsbezirk Oppeln zusammengefasst.

Geschichte

Hauptartikel: Oberschlesien

Nach der Völkerwanderungszeit kamen die slawischen Opolanen (nach ihnen ist die Hauptstadt Oppeln benannt) ins Land und vermischten sich vereinzelt mit zurückgebliebenen Germanen. Im Laufe des Mittelalters kamen deutsche Siedler auch nach Oberschlesien.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Verstädterung stark zu. Es kamen zu den Oberschlesisch sprechenden Schlesiern auch viele Deutsche aus Niederschlesien oder den benachbarten sudetendeutschen Gebieten und außerdem eine große Zahl von Polen aus der Provinz Posen oder dem angrenzenden russischenKongresspolen" nach Oberschlesien.

Briefmarke von Oberschlesien zur Volksabstimmung am 20. März 1921, abgestempelt am 19. März

Nach dem Ersten Weltkrieg sollten nach dem Versailler Vertrag Teile des Grenzverlaufs zwischen Polen und Deutschland per Volksabstimmungen geregelt werden. Zwischen Kriegsende und Abstimmung kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen polnischen Einwohnern, die den Anschluss an Polen forderten, und deutschen Polizeieinheiten sowie Freikorps. Am Abstimmungstag 20. März 1921 stimmte bei einer Wahlbeteiligung von 97,8 Prozent 707.554 (59,6 Prozent) Oberschlesier, also auch viele, die in Volkszählungen Oberschlesisch bzw. Polnisch als Muttersprache angegeben hatten, für Deutschland und 478.820 (40,4 Prozent) für Polen.

Postkarte zur Volksabstimmung in Oberschlesien

Im Mai kam es zu einem weiteren Aufstand mit dem Ziel der kompletten Angliederung an Polen, der aber erfolglos blieb. Danach wurde der kleinere (29%) Teil Oberschlesiens („Ostoberschlesien"), mit ihm aber der Großteil des Oberschlesischen Industriegebiets mit der Hälfte aller Hüttenwerke, einem Großteil der Kohle- und Eisenerzvorkommen und den wirtschaftlich bedeutenden Bergbauregionen, auf Beschluss des Völkerbundes am 10. Oktober 1921 Polen zugeschlagen. Die Städte und Industrieorte Königshütte, Kattowitz, Myslowitz, Laurahütte, Bismarckhütte, Schwientochlowitz, Lipine, Godullahütte, Morgenroth und Ruda wurden polnisch. Der Rest blieb bei Deutschland („Westoberschlesien"); ein Teil des Kreises Ratibor, das so genannte Hultschiner Ländchen, war bereits mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 an die Tschechoslowakei abgetreten worden. Am 3. September 1922 wurde im deutsch gebliebenen Teil Oberschlesiens eine Volksabstimmung durchgeführt, bei der über die Bildung eines eigenen Landes Oberschlesien im Deutschen Reich entschieden werden sollte. Jedoch sprachen sich über 90% für den bisherigen status quo, also den Verbleib Oberschlesiens im Freistaat Preußen der Weimarer Republik aus.[1]

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Oberschlesien 1945 von der Roten Armee erobert und fiel bis auf das Hultschiner Ländchen, welches wieder zur Tschechoslowakei kam, an Polen. Anders als in Niederschlesien gab es im oberschlesischen Industriegebiet aus ethnischen und ökonomischen Gründen keine flächendeckende Zwangsaussiedlung, da viele Einwohner zweisprachig waren, weil sie entweder den schlesischen Dialekt gebrauchten oder in der Zeit zwischen den Weltkriegen in der Woiwodschaft Schlesien (zwangsweise) polnisch erlernen mussten. Darüber hinaus verfügten viele Oberschlesier über berufliche Qualifikationen, die in der Kohle- und Stahlindustrie nicht kurzfristig ersetzt werden konnten. Wer einen, mehr oder weniger streng gehandhabten, polnischen Sprachtest bestand und als „autochthon" eingestuft wurde, erhielt ein Bleiberecht. Auch Oberschlesier, die als (allein) deutschsprachig eingestuft wurden, erhielten ein Bleiberecht, wenn sie in wichtigen Industrien arbeiteten. Schließlich wurden von der oberschlesischen Bevölkerung "nur" etwa 40 % und nicht, wie in Niederschlesien, mehr als 90 %, zwangsausgesiedelt. Insbesondere um Oppeln und Kattowitz blieb daher bis heute eine deutsche und oberschlesische Minderheit zurück, die nicht vertrieben wurde oder spätaussiedelte.

Heute gehört der größte Teil Oberschlesiens zu Polen, das Hultschiner Ländchen zu Tschechien. Die Region ist auch die Heimat der nach den ethnischen Oberschlesiern (Volkszählung 2002) größten ethnischen Minderheit Polens, der Polendeutschen. Etwa 250.000 Bewohner Oberschlesiens sind Doppelstaatler und verfügen neben der polnischen zugleich über die deutsche Staatsbürgerschaft.

Zur allgemeinen Geschichte Schlesiens siehe Schlesien (Geschichte)

Gebiet und Bevölkerung

Provinz Schlesien: 37.013 km2; 4.846.333 Einwohner (Mai 1939), von denen der Großteil römisch-katholischen Glaubens war, was eine (weitere) Besonderheit darstellte, da die Mehrheit im östlichen Deutschland protestantisch war.

Politik

Verwaltungsgliederung Oberschlesiens

Ursprünglich bestand die Provinz Oberschlesien nur aus dem Regierungsbezirk Oppeln, aus dem dann 1921 Ostoberschlesien als Woiwodschaft Schlesien ausschied und zu Polen kam. Diese Gebiete wurden schließlich im Zweiten Weltkrieg mit einigen anderen Kreisen und Teilkreisen, die bis 1918 österreichisch oder russisch waren zum zusätzlichen Regierungsbezirk Kattowitz zusammengefasst.

Verwaltungsgliederung Stand 1. Januar 1945

Regierungsbezirk Kattowitz

Regierungsbezirk Oppeln

Verwaltungsgliederung heute

Die Provinz wurde 1945 aufgelöst und in die Woiwodschaft Oppeln und in die wiederhergestellte Woiwodschaft Kattowitz (Schlesien) unterteilt.

Oberpräsidenten

Provinziallandtag

1925: Zentrum 48,2% - 26 Sitze | DNVP 20,9% - 12 Sitze | SPD 8,5% - 5 Sitze | KPD 8,4% - 5 Sitze | Polen 7,2% - 4 Sitze | DDP 2,2% - 2 Sitze
1929: Zentrum 42,2% - 24 Sitze | DNVP 17,3% - 10 Sitze | SPD 12,2% - 7 Sitze | KPD 8,9% - 5 Sitze | Polen 5,7% - 3 Sitze | Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei 4,7% - 3 Sitze | OBB 4,4% - 3 Sitze
1933: NSDAP 43,1% - 24 Sitze | Zentrum 33,3% - 18 Sitze | DNVP 8,3% - 5 Sitze | SPD 6,6% - 4 Sitze | KPD 6,4% - 4 Sitze
An 100% fehlende Stimmen = Nicht im Provinziallandtag vertretene Wahlvorschläge.

Anmerkungen

  1. Vgl. http://www.gonschior.de/weimar/Preussen/Oberschlesien/Volksentscheide.html

Siehe auch

Im 19. Jahrhundert aufgelöst: Netzedistrikt | Provinz Südpreußen | Provinz Neuostpreußen | Neuschlesien | Provinz Jülich-Kleve-Berg | Großherzogtum Niederrhein | Großherzogtum Posen | Provinz Ostpreußen | Provinz Westpreußen | Provinz Preußen. 1822/1848/1850/1868/1878/1881 bis ins 20. Jahrhundert: Provinz Brandenburg | Provinz Pommern | Provinz Sachsen | Provinz Schlesien | Provinz Westfalen | Rheinprovinz | Provinz Posen | Hohenzollernsche Lande | Provinz Ostpreußen (wiederhergestellt) | Provinz Westpreußen (wiederhergestellt) | Provinz Schleswig-Holstein | Provinz Hannover | Provinz Hessen-Nassau. Im 20. Jahrhundert gebildet: Provinz Niederschlesien | Provinz Oberschlesien | Groß-Berlin | Grenzmark Posen-Westpreußen | Provinz Halle-Merseburg | Provinz Kurhessen | Provinz Magdeburg | Provinz Nassau.

Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Provinz_Oberschlesien&oldid=33261474"