(追記) (追記ここまで)

Platon

Das Gastmahl

(Symposion)


Apollodoros und einige seiner Freunde

In der Erz臧lung des Apollodoros treten redend auf:

Glaukon キ Aristodemos キ Sokrates キ Agathon キ Phaidros キ Pausanias キ Eryximachos キ Aristophanes キ Diotima キ Alkibiades


Apollodoros: Ich glaube, auf das, wonach ihr mich fragt, nicht unvorbereitet zu sein. Ich befand mich n舂lich j?ngst gerade auf dem Wege von Phaleron, meiner Heimat, nach der Stadt. Da rief einer meiner Bekannten, der mich von hinten gewahr wurde, mich scherzend aus der Ferne folgenderma?en an: He, du da, Apollodoros aus Phaleron, warte doch!

Und ich blieb stehen und erwartete ihn.

Er aber versicherte hierauf: Wahrhaftig, Apollodoros, auch schon vor kurzem suchte ich dich auf, um von dir etwas N臧eres ?ber die gesellige Zusammenkunft des Agathon, Sokrates, Alkibiades und der ?brigen zu erfahren, welche damals beim Gastmahle zugegen waren, n舂lich dar?ber, wie die von ihnen gehaltenen Liebesreden lauteten. Denn ein anderer erz臧lte mir davon, der es von Phoinix, dem Sohne des Philippos, geh?rt hatte; er sagte aber, du wissest es auch, und konnte mir ?berdies selber nichts Gen?gendes mitteilen. Darum lege nun du es mir dar: denn dir steht es auch am ersten zu, die Reden deines Freundes zu berichten. Vorerst aber sage mir, fuhr er fort, warst du selbst mit in dieser Gesellschaft oder nicht?

Und ich erwiderte: In der Tat, dein Berichterstatter scheint dir durchaus nichts Gen?gendes mitgeteilt zu haben, wenn du glaubst, da? diese Gesellschaft, nach welcher du fragst, erst neuerdings stattgefunden habe, so da? auch ich h舩te zugegen sein k?nnen.

Das glaubte ich freilich.

Aber wie sollte sie doch, entgegnete ich, lieber Glaukon! Wei?t du denn nicht, da? Agathon schon seit einer Reihe von Jahren sich nicht mehr hier aufh舁t? Seitdem ich dagegen mit[659] Sokrates zusammenlebe und es mir zur Aufgabe gemacht habe, an jedem Tage zu erfahren, was er sagt oder tut, – das sind noch keine drei Jahre her. Vorher aber trieb ich mich mit dem herum, was mir gerade in den Wurf kam, und vermeinte recht etwas zu beschaffen, war aber in Wahrheit ungl?cklicher als irgend einer, ebenso wie du nun, der du glaubst, man m?sse eher alles andere tun als philosophieren.

Spotte nicht, antwortete er, sondern sage mir, wann denn diese Gesellschaft stattfand?

Und ich erwiderte: Noch w臧rend unserer Kinderzeit, als Agathon mit seiner ersten Trag?die siegte, und zwar tags darauf, nachdem er mit den Genossen seines Chores schon das eigentliche Siegesopferfest gefeiert hatte.

Also schon vor gar langer Zeit, wie es scheint, meinte er. Wer hat es dir denn erz臧lt? Ohne Zweifel Sokrates selbst?

Keineswegs, entgegnete ich, sondern ebenderselbe, von welchem es Phoinix erfahren hat. Es war das ein gewisser Aristodemos aus Kydathenai, ein kleiner Mann, der stets barfu? ging; der war mit in der Gesellschaft gewesen und war ?berdies, wie ich glaube, unter seinen Zeitgenossen einer der eifrigsten Verehrer des Sokrates. Indessen habe ich aber schon ?ber einige Punkte von dem, was ich von jenem h?rte, auch bei Sokrates nachgefragt, und dieser best舩igte sie mir so, wie jener berichtet hatte.

So erz臧le es mir denn schnell wieder, versetzte er. Ist ja doch der Weg nach der Stadt so recht geeignet dazu, um w臧rend des Wanderns zu erz臧len und zuzuh?ren.

So unterhielten wir uns denn im Gehen hier?ber, und ich bin daher, wie ich schon im Anfang bemerkte, hierauf nicht unvorbereitet. Soll ich es also auch euch berichten, so mu? ich es wohl tun. Denn auch ohnehin schon bereiten mir Reden ?ber philosophische Gegenst舅de, mag ich sie nun selbst vor tragen oder von anderen vortragen h?ren, – abgesehen von dem Nutzen, den sie mir, wie ich glaube, gew臧ren, – die gr??te Freude; alle anderen aber, zumal wie ihr Reichen und Geldm舅ner sie zu f?hren pflegt, erregen mir f?r meine Person ワberdru? und gegen euch, ihr Freunde, Mitleiden, weil ihr etwas Rechtes zu schaffen glaubt und doch nur etwas ganz Nichtiges treibt. Vielleicht nun haltet ihr hinwiederum daf?r, da? ich zu beklagen sei, und ich glaube, da? ihr den rechten Glauben habt; von[660] euch jedoch glaube ich dies meinerseits nicht, sondern wei? es gewi?.

Ein Freund: Du bleibst doch immer der Alte, Apollodoros; denn immer klagst du dich selbst und andere an und scheinst mir geradezu alle Menschen, von dir selber angefangen, f?r bejammernswert zu halten, mit Ausnahme des Sokrates. Und woher du deinen Beinamen サder Schw舐merォ erhieltest, wei? ich zwar nicht; in deinen Reden aber zeigst du dich wenigstens stets als einen solchen, da? du mit dir und allen Menschen haderst, den Sokrates ausgenommen.

Apollodoros (ironisch): Ja, da freilich, bester Freund, bedarf es keines Beweises mehr, wenn ich so ?ber mich selbst und ?ber euch denke, da? ich schw舐me und von Sinnen bin.

Der Freund: Es verlohnt nicht, Apollodoros, dar?ber jetzt zu streiten. Gew臧re uns vielmehr unsere Bitte und erz臧le uns, wie die Reden lauteten!

Apollodoros: Wohlan, sie lauteten ungef臧r folgenderma?en... Doch ich will lieber das Ganze von vorne an, so wie jener es mir mitteilte, auch meinerseits euch wiederzugeben versuchen.

Er erz臧lte n舂lich, da? ihm Sokrates begegnet sei, gebadet und mit untergebundenen Sohlen, was er selten zu tun pflegte, und da habe er ihn also gefragt, wohin er denn gehen wolle, da er sich so sch?n geschm?ckt habe.

Und Sokrates habe erwidert: Zum Gastmahle bei Agathon. Denn gestern bei seinem Siegesfeste entschl?pfte ich ihm aus Furcht vor dem Gew?hle, habe ihm aber daf?r zugesagt, heute zu kommen. Darum nun habe ich mich so sch?n herausgeputzt, um als Sch?ner vor einem Sch?nen zu erscheinen. Doch du, fuhr er fort, was meinst du dazu, willst du ungeladen mit zum Gastmahle kommen?

Und ich, sagte Aristodemos, erwiderte: Ganz wie es dir gut d?nkt.

Komm denn mit mir, entgegnete er, damit wir das Sprichwort zuschanden machen, indem wir ihm die Wendung geben, da? auch zu wackerer M舅ner Gastm臧lern wackere M舅ner ungeladen gehen. Denn Homeros scheint dies Sprichwort nicht blo? zuschanden gemacht, sondern auch verspottet zu haben. W臧rend er n舂lich den Agamemnon als einen vorz?glich[661] wackeren Kriegsmann darstellt, den Menelaos aber als einen weichlichen K舂pfer, so l葹t er doch den Menelaos ungeladen beim festlichen Opferschmause des Agamemnon sich einstellen, den Schlechteren bei dem des Besseren.

Nachdem er dies vernommen, so erz臧lte Aristodemos weiter, habe er eingeworfen: Vielleicht jedoch wird es mit mir nicht so herauskommen, wie du meinst, lieber Sokrates; sondern ganz nach des Homeros Worten werde auch ich als ein schlechter Mann ungeladen zu dem Gastmahle eines weisen Mannes gehen. Wie willst du es also rechtfertigen, wenn du mich einf?hrst; Denn ich werde es nicht zugestehen, da? ich ungeladen komme, sondern sagen, du habest mich eingeladen.

Nun, erwiderte Sokrates, wenn zwei wandern selband, da berate der eine von uns den andern, was wir sagen wollen. Und so la? uns gehen!

Nachdem sie so ungef臧r mit einander verhandelt h舩ten, fuhr Aristodemos fort, seien sie weitergegangen. Da sei nun aber Sokrates unterwegs ?ber irgend einen Gegenstand nachdenkend in sich selbst versunken zur?ckgeblieben, und da er auf ihn wartete, habe er ihn aufgefordert, nur vorw舐ts zu gehen. Als er nun aber beim Hause des Agathon angekommen sei, habe er die T?re ge?ffnet gefunden, und da, erz臧lte er, sei ihm etwas L臘herliches begegnet. Es sei ihm n舂lich sofort ein Sklave von innen entgegengekommen und habe ihn dahin gef?hrt, wo die ?brigen G舖te sich zu Tische niedergelassen hatten, und er habe sie bereits im Begriffe gefunden, das Mahl zu beginnen. Sobald ihn nun Agathon bemerkt, habe dieser sofort zu ihm gesagt: Sieh da, lieber Aristodemos, du kommst recht zur gelegenen Zeit, um an unserem Mahle teilzunehmen. Solltest du aber zu irgend einem anderen Zwecke gekommen sein, so verschiebe das auf ein andermal; denn auch gestern schon suchte ich dich, um dich einzuladen, konnte dich aber nicht finden. Doch warum bringst du uns denn den Sokrates nicht mit?

Und ich, so erz臧lte Aristodemos weiter, drehe mich um und sehe nirgends den Sokrates mir folgen. Ich sagte daher, da? ich in der Tat mit Sokrates gekommen w舐e, indem gerade er mich zu diesem Gastmahle eingeladen habe.

Nun, das hast du recht gemacht, versetzte Agathon. Aber wo ist denn er selbst?[662]

Eben trat er hinter mir herein. Darum wundere ich mich selber, wo er sein mag.

Sieh doch nach, Sklave, habe hierauf Agathon befohlen, und fahre den Sokrates zu uns herein! – Du aber, sagte er, Aristodemos, nimm dort neben Eryximachos Platz.

Ihm selbst, erz臧lte dieser, habe darauf ein Sklave die F??e gewaschen, damit er sich niederlassen k?nnte; ein anderer von den Sklaven aber sei mit der Nachricht zur?ckgekehrt: Sokrates ist wieder zur?ckgegangen und steht in der Vordert?re eines Nachbarhauses und will trotz meiner Einladung nicht hereinkommen.

Seltsamer Bericht! sprach Agathon. So lade ihn von neuem ein und la? nicht nach!

Darauf aber habe Aristodemos, wie er berichtete, gesagt: Keineswegs, sondern la?t ihn gew臧ren! Denn das ist so eine Sitte, welche er an sich hat: zuweilen geht er abseits, wo es sich gerade trifft, und bleibt stehen. Er wird aber, wie ich denke, auch gleich kommen. St?rt ihn also nicht, sondern la?t ihn gew臧ren!

Nun, wenn du meinst, m?ssen wir es wohl so machen, habe Agathon erwidert. Aber auf! Uns andere bewirtet, ihr Sklaven; setzt uns vor, ganz was euch gut d?nkt, da ich euch ja keinen Aufseher bestellt habe, was ich ?berhaupt nie zu tun pflege. Bildet euch nur ein, da? ich und alle diese andern von euch zu Gaste geladen seien, und bedient uns so, da? wir euch loben k?nnen!

Hierauf, so fuhr Aristodemos fort zu berichten, h舩ten sie gespeist, Sokrates aber sei nicht erschienen. Agathon nun habe wiederholt geboten, nach Sokrates zu schicken, er aber habe es nicht zugelassen. So sei er denn von selbst gekommen, ohne lange gez?gert zu haben, wie er sonst wohl zu tun pflegte, sondern h?chstens seien sie halb mit der Mahlzeit fertig gewesen. Agathon nun – denn es habe sich gerade so getroffen, da? er am untern Ende allein lag. – habe, wie Aristodemos erz臧lte, ihm zugerufen: Hierher, o Sokrates, nimm hier neben mir Platz, damit auch ich von dem weisen Gedanken einen Teil bekomme, welcher sich in der Haust?re bei dir eingestellt hat! Denn offenbar fandest du ihn und h舁tst ihn nun fest; denn eher w?rdest du gewi? nicht abgelassen haben.[663]

Sokrates habe neben ihm sich gelagert und ihm erwidert: Das w舐e eine sch?ne Sache, lieber Agathon, wenn es mit der Weisheit eine solche Bewandtnis h舩te, da? sie aus dem Volleren von uns in den Leereren hin?berfl?sse, wenn wir mit einander in Ber?hrung kommen, gleichwie das Wasser durch einen Wollenstreifen aus dem volleren Becher in den leereren hin?berflie?t. Denn wenn es sich so auch mit der Weisheit verh舁t, so kann ich es gar nicht hoch genug anschlagen, neben dir zu liegen; denn ich glaube, da? ich dann von dir mit viel herrlicher Weisheit erf?llt werde. Die meinige n舂lich m?chte wohl nur gering und manchem Zweifel unterworfen sein, wie ein Traumbild; die deine aber ist gl舅zend und noch stark im Wachsen, da sie ja von dir, der du noch so jung bist, schon so herrlich hervorstrahlte und j?ngst offenbar ward unter den Hellenen vor mehr als drei?igtausend Zeugen.

Du bist ein Sp?tter, Sokrates, antwortete Agathon. Doch wir wollen diesen unsern Streit ?ber die Weisheit gleich nachher ausmachen, und Dionysos soll unser Schiedsrichter sein; jetzt aber sprich vorher der Tafel zu!

Nachdem hierauf, so fuhr Aristodemos in seiner Darstellung fort, Sokrates sich zum Essen gelagert und dann mit den ?brigen gespeist hatte, h舩ten sie Trankopfer dargebracht, einen Lobgesang auf den Gott angestimmt und die ?brigen religi?sen Br舫che vollzogen; sodann aber h舩ten sie sich zum Trinkgelage angeschickt. Da, erz臧lte er, habe nun Pausanias zuerst ungef臧r in folgender Weise das Wort ergriffen: Wohlan, ihr Leute, in welcher Weise m?gen wir wohl am behaglichsten trinken? Ich f?r meine Person kann euch gestehen, da? ich in der Tat noch sehr angegriffen bin von dem gestrigen Zechgelage und einiger Erholung bedarf; ich glaube aber, da? es auch den meisten von euch ebenso gehen wird, denn ihr wart ja gestern auch dabei. ワberlegt also, auf welche Weise wir am behaglichsten trinken m?gen.

Und Aristophanes habe erwidert: Dein Vorschlag ist gut, Pausanias, da? wir es uns auf alle Weise bequem machen m?ssen beim Trinken; denn auch ich bin einer von denen, die sich gestern geh?rig angefeuchtet haben.

Als nun Eryximachos, der Sohn des Akumenos, so erz臧lte Aristodemos weiter, sie so habe reden h?ren, da habe er gesagt:[664] Vortrefflich gesprochen! Und ich m?chte nur noch von einem unter euch h?ren, n舂lich von Agathon, wie es mit seiner F臧igkeit zum Trinken bestellt ist.

Auch ich, habe dieser entgegnet, f?hle mich gar nicht sonderlich dazu aufgelegt.

Das w舐e ja, wie es scheint, ein rechter Fund f?r uns, habe der andere erwidert, ich meine n舂lich f?r mich und den Aristodemos und Phaidros und die ?brigen da, wenn ihr, die st舐ksten Trinker, es jetzt aufgebt: denn unsere starke Seite ist das ?berhaupt nicht. Den Sokrates nehme ich aus, denn der ist auf beides eingerichtet, so da? es ihm gleichg?ltig sein wird, was von beidem wir tun. Da nun keiner von den Anwesenden Lust zu haben scheint, vielen Wein zu trinken, so werde ich hoffentlich auch mehr Anklang bei euch finden, wenn ich euch ?ber die wahre Beschaffenheit des Rausches belehre. Mir ist n舂lich dies aus meiner Arzneikunst klar geworden, da? die Trunkenheit ein sch臈liches Ding f?r die Menschheit ist, und ich m?chte daher mit meinem Willen weder selber zu viel trinken, noch auch es einem anderen raten, zumal wenn er noch angegriffen ist vom Rausche des vorigen Tages.

Gewi?lich, so berichtete Aristodemos weiter, sei darauf Phaidros aus Myrrhinus eingefallen: ich f?r meinen Teil bin dir immer zu folgen geneigt, zumal wenn du etwas sagst, was in die Heilkunde einschl臠t; jetzt aber werden es auch die ?brigen tun, wenn sie gescheit sind.

Als sie nun dies vernommen, h舩ten auch alle andern beigestimmt, man m?sse das gegenw舐tige Gelage nicht bis zur Trunkenheit steigern, sondern nur so nach Behagen trinken.

Da nun also, habe Eryximachos fortgefahren, dies beschlossen ist, da? ein jeder trinke, soviel ihm beliebt, und da? kein Zwang stattfinden soll, so schlage ich fernerhin vor, die eben eingetretene Fl?tenspielerin zu entlassen, um f?r sich allein zu spielen, oder, wenn sie will, vor den Weibern drinnen, uns aber f?r heute einander mit Reden zu unterhalten. Auch den Gegenstand dieser Reden will ich euch vorschlagen, wenn es euch recht ist.

Da h舩ten alle erkl舐t, es sei ihnen recht, und sie forderten ihn auf, seinen Vorschlag zu machen. Eryximachos habe daher[665] fortgefahren: Ich beginne meine Rede wie Melanippe bei Euripides: denn nicht von mir selber kommt das Wort, sondern von unserm Phaidros da, welches ich vortragen will. Denn Phaidros hat mir schon wiederholt sein Leid geklagt. Ist es nicht schrecklich, sagt er oft zu mir, lieber Eryximachos, da? auf alle andern G?tter Hymnen und Ges舅ge von den Dichtern verfa?t sind, w臧rend auf den Eros, der doch ein so wohlt舩iger und gro?er Gott ist, kein einziger von so vielen Dichtern ein Loblied gedichtet hat? Wenn du aber jene sch舩zbaren M舅ner, die Sophisten, in Betracht ziehen willst, da? diese zwar Lobreden auf den Herakles und andere in Prosa schreiben, wie zum Beispiel der vortreffliche Prodikos – doch das ist freilich noch weniger zu verwundern, aber ich stie? neulich auf ein Buch, in welchem der Nutzen des Salzes wunder wie hoch gepriesen wurde, und noch viel anderes dergleichen kannst du hinl舅glich verherrlicht finden, – auf solche Dinge also verwendet man gro?en Eifer, w臧rend den Eros noch bis auf diesen Tag kein einziger Mensch seiner w?rdig zu preisen unternommen hat! So also wird ein so erhabener Gott vernachl舖sigt! Darin scheint mir nun Phaidros ganz recht zu haben, und ich m?chte daher nicht blo? mich ihm gef舁lig erzeigen, indem ich ihm eine Beisteuer hierzu liefere, sondern ich glaube, da? es auch gegenw舐tig f?r uns, die wir hier zugegen sind, ganz angemessen sein w?rde, den Gott zu verherrlichen. Wenn dies nun auch eure Ansicht ist, so werden wir hinl舅glichen Stoff f?r unsere Unterhaltung durch Reden haben. Ich denke n舂lich, es mu? nach der rechten Hand in der Reihe herum ein jeder von uns eine Lobrede auf den Eros halten, so sch?n er nur kann. Phaidros aber mu? den Anfang machen, weil er obenan liegt und ?berdies der Urheber dieses ganzen Vorschlages ist.

Niemand, lieber Eryximachos, habe darauf Sokrates bemerkt, wird dir entgegenstimmen. Denn weder ich d?rfte mich weigern, der ich zugebe, auf nichts anderes als auf die Liebesangelegenheiten mich zu verstehen, noch auch Agathon und Pausanias, noch Aristophanes, dessen ganzes Treiben sich um den Dionysos und die Aphrodite dreht, noch ?berhaupt irgend einer von denen, die ich hier vor mir sehe. Freilich kommen wir, die wir zu unterst liegen, am schlechtesten dabei weg; indessen, wenn nur unsere Vorg舅ger recht befriedigend und sch?n gesprochen[666] haben, so soll uns das gen?gen. So fange denn Phaidros in Gottes Namen an und preise den Eros!

Damit waren denn auch alle anderen einverstanden und verlangten dasselbe wie Sokrates. An alles nun, was ein jeder redete, erinnerte sich schon Aristodemos nicht mehr genau, und ich wiederum nicht mehr an alles, was er mir erz臧lte; was aber und wessen Rede mir am meisten bemerkenswert erschien, diese Reden will ich euch einzeln berichten.

Zuerst also, wie gesagt, erz臧lte er, habe Phaidros gesprochen und habe seine Rede ungef臧r damit begonnen, da? Eros ein gro?er Gott sei und bewundernswert unter Menschen und G?ttern sowohl aus vielen andern Gr?nden, als auch namentlich wegen seiner Herkunft. Denn da? er zu den 舁testen G?ttern geh?rt, sprach Phaidros, gereicht ihm zu einer besondern Ehre. Hierf?r dient aber dies zum Beweise: Eltern des Eros gibt es weder, noch werden dergleichen bei irgend einem Schriftsteller in gebundener oder ungebundener Rede erw臧nt; sondern Hesiodos sagt, zuerst sei das Chaos gewesen,


... aber nach diesem

Ward die gebreitete Erd', ein dauernder Sitz den gesamten

Ewigen...

Eros zugleich...


Er sagt also, diese beiden seien zuerst nach dem Chaos entstanden, die Erde und Eros: Parmenides aber schreibt von der zeugenden Urkraft:


Unter allen den G?ttern zuerst ersann sie den Eros


Dem Hesiodos stimmt aber auch Akusilaos bei. Von so vielen Seiten her stimmt man darin ?berein, da? Eros einer der 舁testen G?tter sei. Als einer der 舁testen ist er uns aber zugleich Urheber der h?chsten G?ter. Denn ich w??te kein gr??eres Gut f?r den Menschen gleich in seiner Jugend zu nennen, als einen edelgesinnten Liebhaber, und wiederum f?r den Liebhaber seinen Geliebten. Denn was den Menschen, welcher sein Leben sch?n und w?rdig zubringen will, durch sein ganzes Leben leiten mu?, das verm?gen ihm weder Verwandtschaft, noch Ehrenstellen, noch Reichtum, noch irgend etwas anderes in dem Ma?e zu gew臧ren wie die Liebe. Was meine ich aber damit? Die Scham vor dem Schimpflichen und das[667] wetteifernde Streben nach dem W?rdigen und Sch?nen; denn ohne diese vermag weder ein Staat noch ein Einzelner Gro?es und Sch?nes zu vollbringen. Ich behaupte nun n舂lich, da? ein Mann, welcher liebt, wenn er dabei betroffen w?rde, da? er etwas Schimpfliches t舩e oder von jemandem erlitte, indem er sich aus Feigheit nicht dagegen verteidigte, keinen so gro?en Schmerz dar?ber empfinden w?rde, von seinem Vater oder seinen Freunden oder von sonst jemandem dabei erblickt zu werden, als von seinem Geliebten. Eben dasselbe sehen wir aber auch bei dem Geliebten, da? er vor allem sich vor seinen Liebhabern sch舂t, wenn er bei etwas Schimpflichem erblickt wird. Lie?e es sich daher ins Werk setzen, einen Staat oder ein Heer aus lauter Liebhabern und Geliebten zu bilden, so ist gar nicht zu denken, wie ein Staat im Innern besser verwaltet werden k?nnte, als wenn alle seine B?rger sich alles Schimpflichen enthalten und im Wetteifer zum Guten einander ?berbieten; aber auch im gemeinsamen Kampfe w?rden die so Verbundenen, selbst in geringer Zahl, ich m?chte sagen, alle Menschen besiegen. Denn ein liebender Mann w?rde es gewi?lich h?her aufnehmen, von seinem Geliebten erblickt zu werden, wie er aus den Reihen wiche oder die Waffen wegw?rfe, als von allen ?brigen Menschen, und w?rde einen vielfachen Tod dieser Schande vorziehen. Oder gar den Liebling zu verlassen und ihm nicht beizustehen in der Gefahr, – so feige ist kein Mensch, den Eros selbst nicht begeistern sollte zur Tapferkeit, so da? er dem gleichkommt, der der Mutigste von Natur ist; kurz, was Homeros sagt, da? ein Gott diesem oder jenem Helden Mut eingehaucht habe, das gew臧rt Eros den Liebenden allen.

Ja, sogar f?r einander zu sterben sind die Liebenden, und nur sie, bereit, und zwar nicht blo? M舅ner, sondern auch Frauen. Hiervon gibt auch die Tochter des Pelias, Alkestis, ein hinreichendes Zeugnis vor allen Hellenen zugunsten meiner Behauptung, indem sie allein f?r ihren Mann sterben wollte, da er doch Vater und Mutter hatte, welche sie verm?ge ihrer Liebe so sehr an Z舐tlichkeit ?berbot, da? sie dadurch jene ihrem Sohne fremd und nur dem Namen nach angeh?rig erschienen lie?. Und in der Tat schien sie denn auch hiermit nicht blo? den Menschen, sondern auch den G?ttern ein so sch?nes Werk vollbracht zu haben, da? diese, obwohl sie unter den vielen,[668] welche viele r?hmliche Taten ausf?hrten, doch nur einer geringen Anzahl die Ehre gew臧rten, ihre Seele wieder aus dem Hades zu entlassen, trotzdem die ihrige entlie?en aus Bewunderung ihrer Tat. So ehren auch die G?tter den Eifer und die T?chtigkeit im Dienste der Liebe vor allem. Den Orpheus aber, den Sohn des Oiagros, schickten sie unverrichteter Sachen aus dem Hades zur?ck, indem sie ihm ein Trugbild seines Weibes zeigten, um deretwillen er kam, sie selbst ihm aber nicht gaben, weil es schien, als habe er sich weichlich gezeigt – denn er war ja ein Zitherspieler – und nicht den Mut gehabt, f?r seine Liebe zu sterben wie Alkestis, sondern es nur zu veranstalten gesucht, lebend in den Hades zu kommen. Daf?r bestraften sie ihn denn auch und lie?en ihn den Tod durch Weiberhand finden; wogegen sie wiederum den Achilleus, den Sohn der Thetis, hoch ehrten und ihn auf die Inseln der Seligen versetzten, weil er trotz der Belehrung seiner Mutter, da? er sterben m?sse, wenn er den Hektor t?tete, w臧rend er nach der Heimat zur?ckkehren und ein hohes Alter erreichen w?rde, wenn er ihn nicht t?tete, dennoch es k?hnlich vorzog, als Helfer und R臘her seines Liebhabers Patroklos nicht etwa blo? f?r ihn zu sterben, sondern sogar dem Toten in den Tod zu folgen. Deshalb bewunderten die G?tter ihn ganz besonders und ehrten ihn vor allen, weil er seinen Liebhaber so hoch achtete. Aischylos aber faselt, wenn er den Achilleus zum Liebhaber des Patroklos macht, da doch der erstere viel sch?ner war nicht allein als Patroklos, sondern auch als alle anderen Helden, auch noch bartlos, dazu auch viel j?nger, wie Homeros bezeugt. In der Tat n舂lich ehren die G?tter zwar ?berhaupt eine solche Tugend im Dienste der Liebe aufs h?chste; noch h?her jedoch bewundern und erheben und belohnen sie es, wenn der Geliebte dem Liebenden, als wenn der Liebende dem Geliebten sich anh舅glich erweist. Denn der Liebhaber ist g?ttlicherer Art als der Liebling, denn er ist der Gottbegeisterte. Darum ehrten sie auch den Achilleus h?her als die Alkestis, indem sie ihn auf die Inseln der Seligen versetzten. So behaupte ich denn also, da? Eros unter den G?ttern der 舁teste und ehrw?rdigste und am meisten imstande sei, den Menschen zur Erwerbung der Tugend und Gl?ckseligkeit zu verhelfen im Leben und im Tode.[669]

So ungef臧r, erz臧lte Aristodemos, habe die Rede des Phaidros gelautet; nach Phaidros aber seien einige andere Reden gefolgt, deren er sich nicht mehr genau erinnerte; mit ワbergehung von ihnen teilte er mir daher die des Pausanias mit. Dieser habe n舂lich folgenderma?en gesprochen:

Nicht richtig ist uns, wie mich d?nkt, lieber Phaidros, so schlechthin die Aufgabe gestellt worden, den Eros zu preisen. Denn wenn es nur einen Eros g臙e, dann w舐e dies freilich ganz in der Ordnung; nun aber gibt es doch nicht blo? einen. Wenn dies aber der Fall ist, dann ist es richtiger, zuvor zu bestimmen, welchen man loben soll. Diesem Mangel werde ich daher abzuhelfen suchen; ich werde zuerst sagen, welchen man loben mu?, und ihn sodann auf eine Weise loben, wie sie des Gottes w?rdig ist. Wir alle n舂lich wissen, da? es ohne Eros keine Aphrodite gibt. G臙e es daher nur eine Aphrodite, so w?rde auch Eros nur einer sein; nun gibt es aber deren ja zwei: folglich mu? es notwendig auch zwei Eros geben. Wie sollte es n舂lich nicht zwei solcher G?ttinnen geben? Die eine ist ja die 舁tere und mutterlose, die Tochter des Uranos, welche wir deshalb bekanntlich auch die サhimmlischeォ nennen; die j?ngere aber ist die Tochter des Zeus und der Dione, welche wir ja als die サirdischeォ bezeichnen. Notwendigerweise mu? nun danach der Eros, welcher der Gehilfe der letzteren ist, auch der サirdischeォ hei?en, der andere aber der サhimmlischeォ. Freilich sind nun wohl alle G?tter zu preisen. Welche Aufgabe aber jedem von beiden zuteil geworden ist, will ich auszusprechen versuchen.

Mit jeder Handlung verh舁t es sich folgenderma?en: keine ist an sich selbst sch?n oder verwerflich. So zum Beispiel was wir jetzt tun, trinken oder singen oder uns unterhalten, – nichts von dem allen ist, an sich betrachtet, etwas Gutes und Sch?nes, sondern es wird dazu erst durch die Art der Ausf?hrung; auf sch?ne und richtige Weise ausgef?hrt, wird es zu etwas Sch?nem, im Gegenteil aber zu etwas Verwerflichem. So ist es denn auch mit dem Lieben, und nicht jeder Eros ist edel und einer Lobrede w?rdig, sondern nur der, welcher uns antreibt, auf eine sch?ne Weise zu lieben.

Der Sohn der irdischen Aphrodite nun ist auch in Wahrheit irdisch, und es kommt ihm nicht darauf an, was er wirkt, und[670] er ist es, in dessen Sinne die niedrigdenkenden Menschen lieben. Es lieben n舂lich solche zun臘hst ebenso gut Weiber als Knaben; sodann aber an denen, welche sie gerade lieben, mehr den K?rper als die Seele; ferner lieben sie die m?glichst Unverst舅digen, indem sie nur darauf sehen, zu ihrem Ziele zu gelangen, unbek?mmert darum, ob auf eine edle Weise oder nicht. Daher begegnet es ihnen denn auch, hierin zu handeln, wie es sich gerade trifft, bald gut und bald umgekehrt. Es stammt ja dieser Eros auch von der G?ttin her, welche viel j?nger ist als die andere und in ihrer Abkunft sowohl am Weiblichen als am M舅nlichen teilhat. Der andere aber stammt von der himmlischen, die erstens nicht teil hat am Weiblichen, sondern nur am M舅nlichen ( – und von ihm stammt daher auch die Knabenliebe – ), sodann auch die 舁tere und jeder Ausgelassenheit fremde ist. Deshalb wenden sich denn auch die von diesem Eros Beseelten dem m舅nlichen Geschlechte zu, indem sie das von Natur Kr臟tigere und Verst舅digere lieben. Und man kann auch bei der Knabenliebe selbst leicht die rein von diesem Eros Getriebenen unterscheiden; denn sie lieben nicht Kinder, sondern erst die, welche schon zu Verstande kommen; dies f舁lt aber ungef臧r mit der Zeit des ersten Bartwuchses zusammen. Es sind n舂lich diejenigen, welche von diesem Zeitpunkte ab zu lieben beginnen, wie ich meine, dazu entschlossen, mit ihrem Geliebten f?r das ganze Leben vereinigt zu bleiben und dasselbe gemeinsam mit ihm zu verbringen und nicht tr?gerisch seine unverst舅dige Jugend zu ?berrumpeln und ihn dann hinterher zu verlachen und in die Arme eines andern zu entfliehen. Es m??te daher auch Gesetz sein, keine unreifen Knaben zu lieben, damit nicht so viel M?he aufs Ungewisse hin vergeudet w?rde; denn bei den Kindern ist es noch ungewi?, wohin ihre weitere Entwicklung an Seele und K?rper im Guten oder Schlimmen zuletzt ausschlagen wird. Die Edelgearteten nun legen sich zwar selber freiwillig dieses Gesetz auf; man m??te aber auch den sinnlichen Liebhabern dasselbe aufzwingen, so wie wir sie ja auch nach Kr臟ten zwingen, sich mit ihrer Liebe von freigeborenen Frauen ferne zu halten. Denn diese sind es auch, welche jene Schande ?ber die Knabenliebe gebracht haben, da? man es hat wagen k?nnen, zu behaupten, es sei schimpflich, seinen Liebhabern[671] zu Willen zu sein. Man behauptet dies n舂lich nur im Hinblick auf diese und ihr ungeh?riges und unredliches Verfahren, da doch wohl keine Handlung, wenn sie auf eine anst舅dige und rechtliche Weise ausgef?hrt wird, mit Recht einen Tadel verdienen d?rfte.

So ist auch die in bezug auf die Liebe herrschende Sitte in andern Staaten leicht zu begreifen; denn ihre Bestimmungen sind nur einfach; hier aber und in Lakedaimon sind sie verwickelt. In Elis n舂lich und bei den Boiotern und ?berhaupt da, wo die Leute nicht gewandt im Reden sind, da hat es die Sitte einfach festgestellt, es sei sch?n, seinen Liebhabern zu Willen zu sein, und keiner, weder jung noch alt, d?rfte es dort f?r schimpflich erkl舐en, damit sie, denke ich, bei ihrem Unverm?gen zum Reden sich nicht erst die M?he zu machen brauchen, die J?nglinge zu ?berreden. In Ionien dagegen und an vielen anderen Orten, soweit die Herrschaft der Barbaren reicht, gilt es f?r schimpflich. Denn die Barbaren halten dies infolge der unumschr舅kten Gewalt, mit der sie beherrscht werden, f?r schimpflich, und ebenso das Streben nach Ausbildung des Geistes und K?rpers. Denn den Herrschern, sollte ich denken, gereicht es nicht zum Nutzen, wenn h?here Einsicht und feste Freundschaften und Verbindungen unter den Beherrschten entstehen, was vor allen andern Dingen die Liebe hervorzurufen pflegt. Das haben durch die Tat auch unsere einheimischen Gewaltherrscher erfahren; denn die Liebe des Aristogeiton und die zur festen Freundschaft gewordene Gegenliebe des Harmodios st?rzten ihre Herrschaft. Wo es daher die Satzung als schimpflich festgestellt hat, dem Liebhaber zu Willen zu sein, da liegt dies an der niedrigen Gesinnung derer, bei denen sie es festgestellt hat, n舂lich an dem Eigennutz der Herrscher und der Feigheit der Beherrschten: wo es aber ganz einfach f?r l?blich erkl舐t wird, da liegt es an ihrer Geistestr臠heit. Unsere hiesige Sitte ist dagegen viel sch?ner, nur, wie gesagt, nicht leicht zu verstehen.

Denn man erw臠e nur, da? es f?r sch?ner gehalten wird, ?ffentlich zu lieben als heimlich, und zwar vorz?glich die Edelsten und Besten, wenn sie auch viel h葹licher sind als die anderen, und da? ferner dem Liebhaber eine ganz ungemeine Aufmunterung von allen zuteil wird, gar nicht als ob er etwas[672] Sch舅dliches tue, und da? es f?r sch?n gilt, den Geliebten f?r sich zu gewinnen, und f?r schimpflich, ihn nicht zu gewinnen, und da? die Sitte dem Liebhaber verstattet hat, zur Erreichung dieses Zweckes unter allgemeiner Billigung wunderliche Dinge zu begehen, die, wenn jemand sie bei der Verfolgung und Ausf?hrung irgend eines anderen Zweckes in Anwendung bringen wollte, die gr??ten Vorw?rfe einernten w?rden; denn wenn er, um Geld von jemandem zu erlangen oder Ehrenstellen oder sonstigen Einflu?, dergleichen tun wollte wie die Liebhaber gegen ihre Geliebten, dem?tige und flehentliche Bitten an sie zu richten, ihnen Eide zu schw?ren, des Nachts vor ihren T?ren zu liegen und zu jedem sklavischen Dienste, wie kein wirklicher Sklave, bereit zu sein: so w?rde er von Freunden und Feinden hiervon zur?ckgehalten werden, indem diese ihm Kriecherei und knechtische Gesinnung vorwerfen, jene aber ihn zurechtweisen und sich in seine Seele hinein sch舂en w?rden; dem Liebenden aber steht dies alles wohl an, und es wird ihm von der Sitte zugestanden, dies ohne Schande zu tun, wegen der Herrlichkeit des Zieles, welches er dadurch zu erreichen sucht; was aber das St舐kste ist, so sind, wie man wenigstens insgemein behauptet, seine Eidschw?re die einzigen, deren ワbertretung sogar von den G?ttern verziehen wird: denn ein Liebesschwur, sagt man, sei gar keiner; so haben die G?tter und Menschen dem Liebenden alle m?gliche Freiheit gestattet, wie unsere hiesige Sitte besagt. Nach dieser Seite hin m?chte man demnach glauben, da? es f?r sch?n in unserer Stadt gelte, zu lieben und den Liebhabern sich zu befreunden. Sofern aber die V舩er durch die Erzieher, welche sie Ihren Knaben geben, es verhindern, da? ihre Liebhaber mit ihnen ein Gespr臘h ankn?pfen, indem es dem Erzieher zur Pflicht gemacht ist, hierauf zu sehen, sofern ?berdies ihre Altersgenossen und Freunde sie schm臧en, wenn sie sehen, da? dennoch so etwas vorkommt, und die トlteren diese hieran nicht hindern noch ihnen vorhalten, da? sie mit Unrecht tadelten, – wenn jemand dies andererseits ins Auge fa?t, dann m?chte er wiederum glauben, da? dergleichen hier f?r das Allersch舅dlichste g舁te.

Es verh舁t sich nun aber, denke ich, hiermit so: Auch dies ist, wie ich schon anf舅glich bemerkte, einfach, an sich betrachtet,[673] durchaus weder sch?n noch sch舅dlich, sondern auf eine sch?ne Weise ausgef?hrt, ist es sch?n, im Gegenteil aber sch舅dlich. Auf eine schimpfliche Weise geschieht dies nun aber, wenn man einem Schlechten und auf eine schlechte Art zu Willen ist, auf eine sch?ne Weise dagegen, wenn einem Edelgesinnten und auf sch?ne Art. Schlecht aber ist jener sinnliche Liebhaber, welcher den K?rper mehr als die Seele liebt. Denn ein solcher ist auch nicht best舅dig, da er ja auch nicht etwas Best舅diges liebt; denn zugleich mit dem Hinschwinden der Bl?te des Leibes, welche er liebte, eilt auch er von dannen und macht alle seine Reden und Verhei?ungen zuschanden. Der Liebhaber eines edelgearteten Gem?tes aber verharrt zeitlebens, da er sich ja mit dem Bleibenden verschmolzen hat. Unsere Sitte nun will, da? man hiernach die Liebhaber wohl und reiflich pr?fe und nur denen der ersteren Art zu Willen ist, die der letzteren aber meide. Darum ermuntert sie die Liebhaber zum Verfolgen, die Geliebten aber zum Fliehen, indem sie so im Kampfe richtet und erprobt, zu welcher von beiden Gattungen der Liebende sowie der Geliebte geh?ren. So wird es denn aus diesem Grund zuv?rderst f?r schimpflich gehalten, sich schnell zu ergeben, damit es nicht an Zeit fehle, welche ja am besten das meiste erproben soll. Ferner gilt es f?r schimpflich, sich f?r Geld oder aus R?cksicht auf den Einflu? im Staate zu ergeben, gleichviel ob man nun dabei aus Furcht vor Gewaltt舩igkeiten sich beugen und mutigen Widerstand aufgeben oder aber im Hinblick auf Wohltaten an Geld oder in der Unterst?tzung seiner politischen Absichten nicht widerstreben m?ge. Denn nichts von diesem allem kann als sicher und bleibend angesehen werden, abgesehen davon, da? hieraus nicht einmal eine hochherzige Freundschaft entstehen kann. So bleibt denn nach unserer Sitte nur ein Weg, wenn der Liebling auf eine sch?ne Weise dem Liebhaber zu Willen zu sein gedenkt. Wie es n舂lich bei den Liebhabern nicht f?r Kriecherei und Schmach galt, den Lieblingen jeglichen Sklavendienst freiwillig zu erweisen, so bleibt nach unserer Sitte nur noch eine einzige andere Sklaverei ?brig, welche keine Schande bringt, und dies ist die um der Tugend willen.

Es herrscht n舂lich bei uns die Ansicht, wenn jemand einem andern dienen will, weil er durch ihn in der Weisheit oder irgend[674] einem andern St?cke der Tugend fortschreiten zu k?nnen glaubt, da? diese freiwillige Dienstbarkeit nicht schimpflich und keine Kriecherei ist. Diese beiden in der Sitte begr?ndeten Ansichten, die ?ber die Knabenliebe und die ?ber die Philosophie und sonstige T?chtigkeit, mu? man daher in eins zusammenbringen, wenn die Willf臧rigkeit des Geliebten gegen seinen Liebhaber als etwas L?bliches erscheinen soll. Wenn n舂lich Liebhaber und Liebling beide einander mit der gleichen Ansicht entgegenkommen: jener, man leiste den Lieblingen, die einem zu Willen sind, jeglichen Dienst, den man ihnen gew臧re, mit Recht, und dieser, da? man dem, welcher uns weise und tugendhaft macht, zu jeder m?glichen Willf臧rigkeit verpflichtet sei, und zwar so, da? dabei jener wirklich vermag, zur Weisheit und sonstigen Tugend beizutragen, dieser aber auch wirklich in Beziehung auf Bildung und Weisheit zu gewinnen begehrt; wenn also dergestalt diese beiden Seiten der Sitte in eins zusammentreffen. – dann allein tritt der Fall ein, in welchem es l?blich f?r den Geliebten ist, seinem Liebhaber zu Willen zu sein, sonst aber nimmer. Bei einer solchen Absicht ist es auch nicht einmal etwas Schimpfliches, get舫scht zu werden; bei jeder andern aber hat man Schande davon, mag man nun get舫scht werden oder nicht. Wenn zum Beispiel jemand seinem Liebhaber, weil er ihn f?r reich h舁t, des Reichtums wegen zu Willen ist und sich dann hinterher get舫scht sieht und kein Geld bekommt, weil der Liebhaber sich als arm erweist, so mindert diese T舫schung die Schande nicht; denn ein solcher scheint, soviel an ihm selbst liegt, zu erkennen zu geben, da? er f?r Geld dem ersten besten sich zu jedem beliebigen Dienste hergeben w?rde; dies aber ist nicht sch?n. Aus demselben Grunde ist dagegen, wenn jemand seinem Liebhaber zu Willen ist, weil er ihn f?r gut h舁t und selber durch die Freundschaft mit ihm besser zu werden hofft, und sich dann dabei get舫scht sieht, indem sich zeigt, da? jener schlecht ist und keine Tugend besitzt, dennoch diese T舫schung ehrenvoll; denn es scheint wiederum auch dieser f?r seinen Teil offenbart zu haben, da? er der Tugend wegen und um besser zu werden einem jeden zu jedem bereit w舐e; dies ist aber wiederum das Sch?nste von allem. So ist es denn in jedem Falle sch?n, der Tugend wegen sich zu ergeben. Dies ist die Liebe,[675] welche von der himmlischen G?ttin stammt und selbst himmlisch und von hohem Werte f?r den Staat wie f?r den Einzelnen ist, indem sie den Liebenden zwingt, viel Sorgfalt auf seine eigene Tugend zu verwenden, und ebenso den Geliebten; alle andern Arten der Liebe aber entspringen von der anderen G?ttin, der irdischen. Dies, lieber Phaidros, ist es, was ich dir aus dem Stegreife ?ber den Eros zu bieten habe.

Als nun Pausanias Pause machte – denn so lehren mich die hochweisen Leute die Gleichkl舅ge aufzusuchen –, fuhr Aristodemos fort, h舩te eigentlich Aristophanes sprechen m?ssen; er sei aber gerade von einem Schlucken befallen gewesen, sei es weil er sich ?berladen oder aus irgend einer andern Ursache, und habe daher nicht reden k?nnen, sondern h舩te sich mit diesen Worten zu dem Arzte Eryximachos gewandt – dieser h舩te n舂lich unmittelbar neben ihm gelegen –: サLieber Eryximachos, du bist dazu verpflichtet, entweder mir den Schlucken zu vertreiben oder f?r mich zu reden, bis er weggegangen ist.ォ Und Eryximachos habe erwidert; Nein, ich will vielmehr beides tun. Ich will n舂lich an deiner Stelle reden und du hernach, wenn er vor?bergegangen ist, an der meinigen; w臧rend ich aber rede, siehe du zu, ob der Schlucken aufh?ren will, wenn du l舅gere Zeit den Atem anh舁tst; wenn aber nicht, so schlucke Wasser hinunter! Wenn er jedoch ganz hartn臘kig ist, dann nimm etwas, womit du die Nase zum Niesen reizest, und wenn du ein – bis zweimal geniest hast, dann wird er aufh?ren, wenn er auch noch so hartn臘kig ist.

Nun, so beginne nur deine Rede, antwortete Aristophanes; ich aber will deinen Rat befolgen.

Eryximachos nun habe folgenderma?en gesprochen: Demnach scheint es mir n?tig zu sein, da Pausanias zwar einen vortrefflichen Anlauf in seiner Rede genommen, aber sie nicht befriedigend zu Ende gef?hrt hat, da? ich derselben den fehlenden Schlu? hinzuf?ge. Denn da? es einen zweifachen Eros gebe, scheint er mir mit richtiger Unterscheidung hingestellt zu haben; da? derselbe aber nicht blo? in den Seelen der Menschen die Liebe zu sch?nen Menschen bewirkt, sondern auch die zu vielem andern in vielem andern, in den K?rpern aller Tiere und in den Gew臘hsen der Erde, ja mit einem Worte in allen Dingen, – das glaube ich aus unserer Kunst, der Arzneikunde,[676] ersehen zu haben und aus ihr gelernt, wie gro? und bewundernsw?rdig der Gott ist und ?ber alles seine Wirkungen ausdehnt in den Angelegenheiten menschlicher sowie g?ttlicher Alt. Ich mache meiner eignen Kunst zu Ehren mit ihr den Anfang. Denn die Natur der Leiber zun臘hst hat diesen doppelten Eros an sich. Denn das Kranke und das Gesunde am K?rper ist zugestandenerma?en verschieden und un臧nlich. Das Un臧nliche aber begehrt nach Un臧nlichem und liebt Un臧nliches. Ein anderer ist daher der Eros, der in dem Gesunden, ein anderer der, welcher in dem Kranken sich regt. Und da ist es nun, wie eben Pausanias sagte, da? es sch?n und recht sei, den guten, verwerflich aber, den z?gellosen Menschen zu willfahren, ebenso auch innerhalb der K?rper selber Recht und Pflicht, den guten und gesunden Teilen jedes Leibes zu willfahren – und hierin eben besteht das, was man Heilkunde nennt –; denn schlimmen und kranken Teilen aber zu willfahren, w舐e verderblich, und man mu? ihnen vielmehr entgegenarbeiten, wenn man ein rechter Heilk?nstler sein will. Denn die Arzneikunst ist, um es mit einem Worte zu sagen, die Kenntnis der Liebesregungen des K?rpers in bezug auf Anf?llung und Ausleerung, und wer in diesen Dingen die rechte und die falsche Liebe zu unterschieden wei?, das ist der beste Arzneikundige; und der, welcher eine Ver舅derung darin hervorzubringen wei?, so da? statt der einen Liebe die andere erworben wird, und welcher versteht, da, wo keine Liebe vorhanden ist, aber vorhanden sein m??te, sie hervorzurufen, und ebenso im entgegengesetzten Falle die vorhandene zu vertreiben, das d?rfte der rechte Heilk?nstler sein. Er mu? n舂lich imstande sein, das, was Im K?rper das Feindseligste ist, einander befreundet zu machen und in gegenseitige Liebe zu versetzen. Das Feindseligste aber ist das Entgegengesetzte: das Kalte dem Warmen, das Bittere dem S??en, das Trockene dem Feuchten, und alles ?brige von dieser Art. Indem diesem allen unser Ahnherr Asklepios, wie unsere Dichter da sagen und ich es glaube, Liebe und Eintracht einzufl??en wu?te, gr?ndete er unsere Kunst. So wird denn also, wie gesagt, die gesamte Heilkunde von diesem Gotte gelenkt; ebenso aber auch die Gymnastik und der Landbau. Von der Musik aber ist es sogar jedem klar, der auch nur im geringsten[677] darauf merkt, da? es sich ebenso mit ihr verh舁t, wie vielleicht auch Herakleitos sagen will, denn den Worten nach dr?ckt er es nicht richtig aus. Das Eine (das Grundwesen) n舂lich, sagt er, gehe, eben indem es auseinandergehe, mit sich selber zusammen, wie die F?gung eines Bogens und einer Leier. Es ist aber sehr unsinnig zu sagen, da? die harmonische F?gung selbst auseinandergehe und schon im Widerstreite vorhanden sei oder aus noch Auseinandergehendem und noch Widerstreitendem bestehe. Vielleicht jedoch wollte er dies sagen, da? sie durch die Tonkunst aus dem Hohen und Tiefen, welches zu vor widerstreitend auseinanderging, nunmehr aber in ワbereinstimmung gebracht wurde, entstehe. Denn nimmer kann doch wohl aus dem Hohen und Tiefen, solange es sich noch widerstreitet, eine Harmonie hervorgehen. Denn Harmonie ist Einklang, Einklang aber eine Art der Eintracht; Eintracht aber kann unter Widerstreitendem, solange es sich noch widerstreitet, unm?glich stattfinden; wiederum aber, was sich widerstreitet und nicht in Eintracht ist, kann sich demnach auch nicht harmonisch f?gen. Ebenso wie auch der Takt (Rhythmus) aus dem vorher sich widerstreitenden, nachher aber in ワbereinstimmung gebrachten Schnellen und Langsamen entsteht. Jene ワbereinstimmung aber ruft, wie dort die Arzneikunde, so hier die Tonkunst hervor, indem sie gegenseitige Liebe und Eintracht einfl??t, und es ist so die Tonkunst wiederum die Kenntnis der Liebesregungen in bezug auf Takt und Harmonie. Und zwar ist es in der Anordnung der Harmonie und des Zeitma?es an sich nicht schwer, die Liebesregungen zu erkennen, und hierin waltet der zwiefache Eros nicht. Aber wenn es gilt, durch Harmonie und Zeitma? auf die Menschen einzuwirken, sei es da? man selber schafft, was man das Tonsetzen nennt, oder da? man die bereits geschaffenen Tonst?cke richtig vortr臠t, was man Spielen hei?t, dann ist es schwer und bedarf eines t?chtigen K?nstlers. Denn dann kommt wieder derselbe Satz in Anwendung, da? man den wohlgesitteten Menschen, und zwar so, da? die, welche noch nicht wohlgesittet sind, es eben hierdurch werden, willfahren und ihre Liebesneigungen wohl in acht nehmen mu?, und dies ist die edle, himmlische Liebe, welche von der (himmlischen) Muse Urania stammt, die andere aber, die der Buntt?nerin Polyhymnia, ist die irdische;[678] und diese mu? man da, wo man sie anwendet, mit Vorsicht anwenden, damit der H?rer die Lust von ihr genie?e, ohne da? sie Z?gellosigkeit in ihm hervorbringt; ebenso wie es in unserer Kunst schwierig ist, den Begierden, welche sich auf die Kochkunst beziehen, die rechte Lenkung zu geben, so da? man die Lust ohne Krankheit einernte. Und so mu? man in der Musik und in der Heilkunst und in allen andern K?nsten, die sich auf menschliche und auf g?ttliche Dinge beziehen, soweit es angeht, den zwiefachen Eros ins Auge fassen; denn sie sind beide in ihnen vorhanden.

Ist doch auch die Einrichtung der Jahreszeiten voll von ihnen beiden, und wenn das, was ich schon vorhin erw臧nte, das Warme und das Kalte und Trockene und Feuchte, der sittigen Liebe zueinander teilhaftig wird und dadurch Einklang und richtige Mischung gewinnt, dann bringt es ein gesegnetes Jahr zuwege und Gesundheit f?r die Menschen und die ?brigen Gesch?pfe, f?r Tiere und Pflanzen, und richtet nirgends Schaden an. Wenn aber der frevelhafte Eros in den Jahreszeiten die Oberhand gewinnt, dann verdirbt er vieles und richtet gro?en Schaden an. Denn Hungersnot pflegt hieraus zu entstehen und wiederum andere viele dem 臧nliche Gebrechen bei Tieren und Pflanzen; denn auch Reif und Hagel und Meltau entsteht aus der Ma?losigkeit und Unordnung, welche in solchen gegenseitigen Neigungen liegt, deren Kenntnis in bezug auf den Lauf der Gestirne und die Jahreszeiten Sternkunde genannt wird. Ferner drehen sich nach dem Obigen auch alle Opfer und alles, was unter der Obhut der Seherkunst steht – dies aber ist alles dasjenige, was sich auf die gegenseitige Gemeinschaft der G?tter und Menschen bezieht - , um nichts anderes als um die Pflege und Heilung der Liebe. Denn jede Art von Frevelhaftigkeit pflegt zu entstehen, wenn man nicht dem sittigen Eros willf臧rt und ihn ehrt und ihm den Vorrang einr舫mt in allem Tun, sondern dem anderen, sowohl gegen die Eltern, im Leben wie nach ihrem Tode, als gegen die G?tter. ワber dies alles ist der Seherkunst die Hut und die Heilung davon anvertraut, und so ist denn die Seherkunst wieder die Vermittlerin zwischen Menschen und G?ttern, weil sie sich auf die Liebesregungen versteht, welche auf die Bewahrung wie auf die Verletzung des g?ttlichen Rechtes gerichtet[679] sind. So vielfache und gro?e – oder richtiger, alle und jegliche Macht besitzen, mit einem Worte gesagt, beiderlei Eros; derjenige aber von beiden, der sie zum Guten mit Weisheit und Gerechtigkeit an uns wie an den G?ttern aus?bt, dieser besitzt die gr??te Macht und verschafft uns jegliche Gl?ckseligkeit, indem wir durch ihn sowohl mit einander zu verkehren und uns zu befreunden verm?gen, als auch mit denen, welche gr??er sind als wir, mit den G?ttern.

Vielleicht nun ?bergehe auch ich bei meinem Lobe des Eros noch vieles; doch geschieht es wenigstens nicht mit Absicht. Drum, wenn ich etwas ?bergangen habe, so ist es deine Aufgabe, lieber Aristophanes, dies zu erg舅zen. Oder, wenn du etwa in anderer Weise den Gott zu preisen im Sinne hast, so tue auch dies, da du ja nun von deinem Schlucken auch befreit bist!

Darauf nahm, so erz臧lte Aristodemos, Aristophanes das Wort und erwiderte: Ja freilich, aufgeh?rt hat er, aber nicht eher, als bis ich das Niesen gegen ihn anwandte, so da? ich mich wundere, wie doch das Wohlgeordnete des K?rpers einen solchen L舐m und Kitzel verlangt, wie ja das Niesen ist; denn da h?rte er gleich auf, als ich das Niesen gegen ihn anwandte.

Und Eryximachos habe erwidert: Mein guter Aristophanes, siehe dich vor, was du tust! Du suchst mich l臘herlich zu machen, w臧rend du gerade im Begriffe bist zu reden, und zwingst mich dadurch, bei deiner eigenen Rede den Aufpasser zu spielen, ob du nicht auch etwas L臘herliches in ihr sagst, w臧rend du sonst h舩test in Frieden sprechen k?nnen.

Du hast recht, Eryximachos, erwiderte Aristophanes lachend, und ich nehme mein Wort zur?ck. Darum passe mir nun auch nicht auf; denn ich f?rchte f?r meine kommende Rede, nicht etwa da? sie L臘herliches enthalten m?ge – denn das w舐e mir ein Gewinn und meiner Muse eigen –, sondern vielmehr Verlachenswertes.

Nachdem du mir eins versetzt hast, Freund Aristophanes, denkst du mir nun zu entwischen. Nein, sei auf deiner Hut und rede so, da? du Rechenschaft geben kannst: vielleicht werde ich dann, wenn es mir ansteht, dich durchschl?pfen lassen.

Allerdings, lieber Eryximachos, habe nun Aristophanes beg?nnen,[680] gedenke ich auf eine andere Weise als du und Pausanias zu reden. Mir n舂lich scheinen die Menschen die Macht des Eros durchaus nicht erkannt zu haben; denn h舩ten sie das, so w?rden sie ihm wohl die gr??ten Tempel und Alt舐e errichten und ihm die reichlichsten Opfer darbringen, w臧rend jetzt nichts von dem allen ihm widerf臧rt, was doch vor allem andern geschehen sollte. Denn er ist der menschenfreundlichste von den G?ttern, indem er den Menschen ein Helfer und ein Arzt f?r diejenigen ワbel ist, deren Heilung dem Menschengeschlechte die gr??te Gl?ckseligkeit gew臧ren d?rfte. Ich will daher euch seine Macht zu enth?llen versuchen, und ihr m?gt wiederum andere hier?ber belehren. Zuv?rderst nun mu? ich euch ?ber die menschliche Natur und die Schicksale unterrichten, die sie erlitt.

Unsere ehemalige Naturbeschaffenheit n舂lich war nicht dieselbe wie jetzt, sondern von ganz anderer Art. Denn zun臘hst gab es damals drei Geschlechter unter den Menschen, w臧rend jetzt nur zwei, das m舅nliche und das weibliche; damals kam n舂lich als ein drittes noch ein aus diesen beiden zusammengesetztes hinzu, von welchem jetzt nur noch der Name ?brig ist, w臧rend es selber verschwunden ist. Denn Mannweib war damals nicht blo? ein Name, aus beidem, Mann und Weib, zusammengesetzt, sondern auch ein wirkliches ebenso gestaltetes Geschlecht; jetzt aber ist es nur noch ein Schimpfname geblieben. Ferner war damals die ganze Gestalt jedes Menschen rund, indem R?cken und Seiten im Kreise herumliefen, und ein jeder hatte vier H舅de und ebenso viele F??e und zwei einander durchaus 臧nliche Gesichter auf einem rings herumgehenden Nacken, zu den beiden nach der entgegengesetzten Seite von einan der stehenden Gesichtern aber einen gemeinschaftlichen Kopf, ferner vier Ohren und zwei Schamteile, und so alles ?brige, wie man es sich hiernach wohl vorstellen kann. Man ging aber nicht nur aufrecht wie jetzt, nach welcher Seite man wollte: sondern, wenn man recht schnell fortzukommen beabsichtigte, dann bewegte man sich, wie die Radschlagenden die Beine aufw舐tsgestreckt sich ?berschlagen, so, auf seine damaligen acht Glieder gest?tzt, schnell im Kreise fort. Es waren aber deshalb der Geschlechter drei und von solcher Beschaffenheit, weil das m舅nliche urspr?nglich von der Sonne[681] stammte, das weibliche von der Erde, das aus beiden gemischte vom Monde, da ja auch der Mond an der Beschaffenheit der beiden anderen Weltk?rper teil hat; eben deshalb waren sie selber und ihr Gang kreisf?rmig, um so ihren Erzeugern zu gleichen. Sie waren daher auch von gewaltiger Kraft und St舐ke und gingen mit hohen Gedanken um, so da? sie selbst an die G?tter sich wagten; denn was Homeros von Ephialtes und Otos erz臧lt, das gilt von ihnen, da? sie sich einen Zugang zum Himmel bahnen wollten, um die G?tter anzugreifen.

Zeus nun und die ?brigen G?tter hielten Rat, was sie mit ihnen anfangen sollten, und sie wu?ten sich nicht zu helfen; denn sie w?nschten nicht, sie zu t?ten und ihre ganze Gattung zugrunde zu richten, gleichwie sie einst die Giganten mit dem Blitze zerschmettert halten – denn damit w舐en ihnen auch die Ehrenbezeugungen und Opfer von den Menschen gleichzeitig zugrunde gegangen –, noch auch durften sie sie ungestraft weiter freveln lassen. Endlich nach langer ワberlegung sprach Zeus: サIch glaube ein Mittel gefunden zu haben, wie die Menschen erhalten bleiben k?nnen und doch ihrem ワbermut Einhalt geschieht, indem sie schw臘her geworden. Ich will n舂lich jetzt jeden von ihnen in zwei H舁ften zerschneiden, und so werden sie zugleich schw臘her und uns n?tzlicher werden, weil dadurch ihre Zahl vergr??ert wird, und sie sollen nunmehr aufrecht auf zwei Beinen gehen. Wenn sie uns aber dann auch noch fernerhin fortzufreveln scheinen und keine Ruhe halten wollen, dann werde ich sie von neuem in zwei H舁ften zerschneiden, so da? sie auf einem Beine h?pfen m?ssen wie die Schlaucht舅zer.ォ Nachdem er das gesagt, schnitt er die Menschen entzwei, wie wenn man Beeren zerschneidet, um sie einzumachen, oder Eier mit Pferdehaaren. Wen er aber jedesmal zerschnitten hatte, dem lie? er durch Apollon das Gesicht und die H舁fte des Nackens umkehren nach der Seite des Schnittes zu, damit der Mensch durch den Anblick seiner Zerschnittenheit gesitteter w?rde, und befahl ihm dann, das ?brige zu heilen. Apollon kehrte also das Gesicht um, zog die Haut von allen Seiten nach dem, was jetzt Bauch hei?t, hin und band sie dann, indem er eine ヨffnung lie?, welche man jetzt bekanntlich Nabel nennt, wie einen Schn?rbeutel mitten[682] auf demselben zusammen. Und die meisten ?brigen Runzeln gl舩tete er und f?gte so die Brust zusammen, indem er sich dabei eines 臧nlichen Werkzeuges bediente, wie der Holzfu? der Schuhmacher, auf welchem sie die falten des Leders ausgl舩ten: einige wenige aber lie? er zur?ck, n舂lich eben die um den Bauch und den Nabel, zum Denkzeichen der einst erlittenen Strafe.

Als nun so ihr K?rper in zwei Teile zerschnitten war, da trat jede H舁fte mit sehns?chtigem Verlangen an ihre andere H舁fte heran, und sie schlangen die Arme um einander und hielten sich umfa?t, voller Begierde, wieder zusammenzuwachsen, und so starben sie vor Hunger und Vernachl舖sigung ihrer sonstigen Bed?rfnisse, da sie nichts getrennt von einander tun mochten. Und wenn etwa die eine von beiden H舁ften starb und die andere noch ?brig blieb, dann suchte diese sich eine andere und umfa?te sie, mochte sie dabei nun auf die H舁fte eines ganzen Weibes, also das, was wir jetzt Weib nennen, oder eines ganzen Mannes treffen, und so gingen sie zugrunde.

Da erbarmte sich Zeus und erfand einen andern Ausweg, indem er ihnen die Geschlechtsglieder nach vorne versetzte; denn bisher trugen sie auch diese nach au?en und erzeugten und gebaren nicht in einander, sondern in die Erde wie die Zikaden. So verlegte er sie also nach vorne und bewirkte dadurch die Erzeugung in einander, n舂lich in dem Weiblichen durch das M舅nliche, zu dem Zwecke, da?, wenn dabei ein Mann auf ein Weib tr臟e, sie in der Umarmung zugleich erzeugten und so die Gattung fortgepflanzt w?rde; wenn dagegen ein Mann auf einen Mann tr臟e, sie wenigstens von ihrem Zusammensein eine Befriedigung h舩ten und so, von dieser ges舩tigt, inzwischen ihren Gesch臟ten nachgingen und f?r ihre ?brigen Lebensverh舁tnisse Sorge tr?gen. Seit so langer Zeit ist demnach die Liebe zu einander den Menschen eingeboren und sucht die alte Natur zur?ckzuf?hren und aus zweien eins zu machen und die menschliche Schw臘he zu heilen.

Jeder von uns ist demnach nur eine Halbmarke von einem Menschen, weil wir zerschnitten, wie die Schollen, zwei aus einem geworden sind. Daher sucht denn jeder best舅dig seine andere H舁fte. Soviele nun unter den M舅nern ein Schnittst?ck[683] von jener gemischten Gattung sind, welche damals mannweiblich hie?, die richten ihre Liebe auf die Weiber, und die meisten Ehebrecher sind von dieser Art, und ebenso wiederum die Weiber, welche manns?chtig und zum Ehebruch geneigt sind. Soviele aber von den Weibern ein Schnittst?ck von einem Weibe sind, die richten ihren Sinn nur wenig auf die M舅ner, sondern wenden sich weit mehr den Frauen zu, und die mit Weibern buhlenden Weiber stammen von dieser Art. Die M舅ner endlich, welche ein St?ck von einem Mann sind, die gehen dem M舅nlichen nach, und solange sie noch Knaben sind, lieben sie, als Schnittlinge der m舅nlichen Gattung, die M舅ner und haben ihre Freude daran, neben den M舅nern zu ruhen und von M舅nern umschlungen zu werden, und es sind dies gerade die trefflichsten von den Knaben und J?nglingen, weil sie die mannhaftesten von Natur sind. Manche nennen sie freilich schamlos, aber mit Unrecht: denn nicht aus Schamlosigkeit tun sie dies, sondern aus mutigem, k?hnem und mannhaftem Geistestriebe, mit welchem sie dem ihnen トhnlichen in Liebe entgegenkommen. Ein Hauptbeweis hierf?r ist der, da? solche allein, wenn sie herangewachsen sind, M舅ner werden, die sich den Staatsgesch臟ten widmen. Sind sie aber M舅ner geworden, dann pflegen sie die Knaben zu lieben; auf Ehe und Kindererzeugung dagegen ist ihr Sinn von Natur nicht gerichtet, sondern sie werden nur vom Gesetze dazu gezwungen; vielmehr w?rde es ihnen gen?gen, ehelos mit einander das Leben zuzubringen. Kurz, ein solcher wird jedenfalls ein Knabenliebhaber, sowie ein Freund seines Liebhabers, indem er immer dem ihm Verwandten anh舅gt.

Wenn nun dabei einmal der liebende Teil, der Knabenliebhaber sowie alle andern, auf seine wirkliche andere H舁fte trifft, dann werden sie von wunderbarer Freundschaft, Vertraulichkeit und Liebe ergriffen und wollen, um es kurz zu sagen, auch keinen Augenblick von einander lassen. Und diese, welche ihr ganzes Leben mit einander zubringen, sind es, welche doch auch nicht einmal zu sagen w??ten, was sie von einander wollen. Denn dies kann doch wohl nicht die Gemeinschaft des Liebesgenusses sein, um dessen willen der eine mit dem andern so eifrig zusammenzusein w?nscht: sondern nach etwas anderem[684] trachtet offenbar die Seele von beiden, was sie nicht zu sagen vermag, sondern nur ahnend zu empfinden und in R舩seln anzudeuten. Und – wenn zu ihnen, – w臧rend sie dasselbe Lager teilten, Hephaistos mit seinen Werkzeugen hinantr舩e und sie fragte: サWas wollt ihr Leute denn eigentlich von einander?ォ und, wenn sie es ihm dann nicht zu sagen verm?chten, sie von neuem fragte: サIst es das etwa, was ihr w?nscht, m?glichst an demselben Orte mit einander zu sein und euch Tag und Nacht nicht von einander zu trennen? Denn wenn es euch hiernach verlangt, so will ich euch in eins verschmelzen und zusammenschwei?en, so da? ihr aus zweien einer werdet und euer ganzes Leben als wie ein Einziger gemeinsam verlebt, und, wenn ihr sterbt, auch euer Tod ein gemeinschaftlicher sei, und ihr dann wiederum auch dort im Hades einer statt zweier seid. Darum seht zu, ob dies euer Begehr ist, und ob dies euch befriedigen w?rde, wenn ihr es erlangtetォ; – wenn sie, sage ich, dies h?rten, dann w?rde gewi?lich kein Einziger es ablehnen oder zu erkennen geben, es sei etwas anderes, was er w?nschte; sondern jeder w?rde gerade das geh?rt zu haben glauben, wonach er schon lange Begehr trug: vereinigt und verschmolzen mit seinem Geliebten aus zweien eins zu werden.

Der Grund hiervon n舂lich liegt darin, da? dies unsere urspr?ngliche Naturbeschaffenheit ist, und da? wir einst ungeteilte Ganze waren. Und so f?hrt die Begierde und das Streben nach dem Ganzen den Namen Liebe. Und vor Zeiten, wie gesagt, waren wir eins; nun aber sind wir um unserer Ungerechtigkeit willen getrennt worden von dem Gott, wie die Arkader von den Lakedaimoniern. Und es steht daher zu f?rchten, wenn wir uns nicht gesittet betragen gegen die G?tter, da? wir dann von neuem zerspaltet werden und so von Ansehen herumlaufen m?ssen wie die auf den Grabsteinen ausgehauenen Reliefs: mitten durch die Nase durchges臠t wie halbierte Marken.

Deswegen mu? man jedermann antreiben, ehrf?rchtig gegen die G?tter zu sein, damit wir diesem Geschicke entgehen und dagegen dasjenige erlangen, zu welchem uns Eros F?hrer und Hort ist. Dem handle niemand entgegen; es handelt dem aber entgegen, wer sich den G?ttern verha?t macht. Denn[685] wenn wir mit der Gottheit uns befreunden und vers?hnen, so werden wir den uns eigentlich angeh?rigen Liebling finden und erlangen, was jetzt nur von wenigen erreicht wird. Und Eryximachos m?ge mir dies nicht, um meine Rede ins L臘herliche zu ziehen, so aufnehmen, als ob ich damit auf den Pausanias und Agathon anspiele – denn vielleicht geh?ren auch diese in der Tat zu den wenigen und sind ihrem Ursprunge nach die H舁ften eines Mannes –; ich habe vielmehr alle, M舅ner und Frauen, im Sinn, wenn ich sage, da? so unser Geschlecht gl?ckselig sein w?rde, wenn wir das Ziel der Liebe erreichten und jeder den ihm eigent?mlichen Liebling erlangte und mit ihm in die alte Natur zur?ckkehrte. Wenn aber dies das H?chste ist, so mu? notwendig in unsern jetzigen Zust舅den das diesem Zun臘hstliegende das Beste sein; dies aber ist, einen Liebling zu finden, der nach unserem Sinne geartet ist; und dem Gott, der uns dies gew臧rt, m?ssen wir mit Fug und Recht lobsingen, dem Eros, welcher uns f?r die Gegenwart die gr??te Hilfe bereitet, indem er uns zu dem uns Verwandten hinleitet, f?r die Zukunft aber die gr??ten Hoffnungen in uns erregt, er werde, wenn wir die Ehrfurcht gegen die G?tter bewahren, zu dieser urspr?nglichen Natur uns zur?ckf?hren und durch Heilung unserer Schw臘he uns gl?cklich und selig machen.

Dies, sprach er, lieber Eryximachos, ist meine Rede ?ber den Eros, sehr verschieden von der deinigen. Wie ich dich nun schon bat, so ziehe sie nicht ins L臘herliche, damit wir auch von den ?brigen h?ren, was ein jeder sagen wird, n舂lich jeder von beiden, denn nur Agathon und Sokrates sind noch ?brig.

Wohl, ich will dir Geh?r geben – so, erz臧lte Aristodemos, habe Eryximachos geantwortet –; denn auch mir ist deine Rede zu Dank gesprochen. Und wenn ich nicht w??te, da? Sokrates und Agathon stark sind in Sachen der Liebe, so w?rde ich gar sehr f?rchten, da? es ihnen an Stoffgebrechen m?ge, da schon so viel und mancherlei vorgetragen worden ist; nun aber bin ich trotzdem guten Mutes. Sokrates aber habe ihm eingeworfen: Du hast eben deine Sache gut gemacht, mein Eryximachos; wenn du aber da st舅dest, wo ich jetzt, oder vielmehr wohl, wohin ich werde[686] zu stehen kommen, wenn auch Agathon erst gesprochen hat, dann w?rdest du gar sehr f?rchten und in der gr??ten Not sein, ebensogut wie jetzt ich selber.

Du willst es mir antun, lieber Sokrates, habe Agathon erwidert, und mich durch den Gedanken in Verwirrung bringen, als ob die Zuh?rerschaft gro?e Erwartungen von der Vortrefflichkeit meiner Rede hegte.

Ich m??te sehr verge?lich sein, Freund Agathon, nachdem ich deinen Mut und deine Zuversicht gesehen habe, womit du die B?hne mit deinen Schauspielern betratest und einer so gro?en Zuschauer – und Zuh?rerschar ins Auge blicktest, um ihr deine Reden zur Schau zu stellen, und nicht im mindesten au?er Fassung warst, – wenn ich nun dennoch hinterher glauben sollte, du werdest in Verwirrung geraten vor uns wenigen Leuten.

Aber wie, lieber Sokrates? habe Agathon entgegnet, h舁tst du mich f?r so erf?llt von meinem Theatersiege, da? ich nicht wissen sollte, da? f?r einen Verst舅digen wenige Einsichtige mehr zu f?rchten sind als viele Einsichtslose?

Ich w?rde nicht recht daran tun, habe Sokrates erwidert, lieber Agathon, wenn ich von dir etwas so Ungeschicktes glaubte; vielmehr wei? ich recht wohl, da?, wenn du auf einige tr臟est, die du f?r Kundige hieltest, du diesen gr??ere Beachtung schenken w?rdest als der gro?en Menge. Ich wei? nur nicht, ob wir solche sind; denn auch wir waren ja damals zugegen und geh?rten mit zur gro?en Menge; wenn du aber auf andere, wirkliche Kundige tr臟est, dann w?rdest du dich gewi? vor ihnen sch舂en, wenn du etwa glaubtest, etwas Tadelnswertes zu tun. Oder meinst du nicht?

Du hast ganz recht, erwiderte Agathon.

Aber vor der gro?en Menge w?rdest du dich etwa nicht scheuen, wenn du glaubtest, etwas Tadelnswertes zu tun?

Da sei aber Phaidros eingefallen und habe gesagt: Mein lieber Agathon, wenn du dem Sokrates Rede stehst, so wird ihm nichts mehr daran liegen, ob etwas von dem, was wir uns jetzt hier vorgenommen haben, wirklich zur Ausf?hrung kommt, wenn er nur einen hat, mit dem er ein Gespr臘h f?hren kann, zumal wenn es ein so sch?ner Mann ist. Ich h?re nun zwar den Sokrates auch gern sich unterreden: jetzt aber habe ich die[687] Verpflichtung, f?r die Lobreden auf den Eros Sorge zu tragen und von einem jeden unter euch eine solche entgegenzunehmen; wenn ihr so eurer Pflicht gegen den Gott gen?gt habt, dann m?get ihr beide immerhin Gespr臘he mit einander f?hren! Gut gesagt, Phaidros, habe Agathon erwidert, und mich soll nichts mehr abhalten zu reden; denn zu einem Wechselgespr臘he mit Sokrates wird auch sp舩erhin ?fter noch Zeit sein.

Ich will nun zuerst bemerken, wie ich glaube reden zu m?ssen, und dann erst wirklich reden. Es scheinen mir n舂lich alle voraufgehenden Redner nicht sowohl den Gott verherrlicht, als die Menschen um der G?ter willen gl?cklich gepriesen zu haben, von denen ihnen der Gott der Urheber ist; wie aber seine eigene Beschaffenheit ist, kraft der er ihnen diese Geschenke gew臧rte, hat keiner gesagt. Es gibt aber nur ein einziges richtiges Verfahren bei jeglicher Lobrede, wovon immer sie handeln mag, da? man n舂lich darlegt, wie der in Rede stehende Gegenstand, und sodann, wie seine Wirkungen beschaffen sind. So geb?hrt es denn auch uns, zuerst den Eros, wie er an sich beschaffen ist, und sodann seine Gaben zu preisen.

So behaupte ich denn, da? zwar alle G?tter gl?ckselig sind, aber doch Eros, wenn es ohne Frevel und ungestraft zu sagen verg?nnt ist, der gl?ckseligste von allen, weil er der sch?nste und beste ist.

Der sch?nste ist er aber aus folgenden Gr?nden: Zuerst ist er der j?ngste von den G?ttern, o Phaidros. Den besten Beweis hierf?r liefert er selbst, indem er in fl?chtiger Eile das Alter flieht, welches doch offenbar schnell ist; wenigstens ereilt es uns schneller, als es sollte. Das ha?t nun Eros seiner Natur nach und n臧ert sich ihm auch nicht einmal von weitem. Mit der Jugend aber ist er immer verbunden und geh?rt selber zu ihr; denn der alte Spruch hat recht, da? gleich und gleich sich gern gesellt. Wenn ich nun dem Phaidros auch viel anderes zugestehe, so doch dies nicht, da? Eros 舁ter als Kronos und Iapetos sei; sondern ich sage, da? er der j?ngste von den G?ttern ist und ewig jung, und da? jene alten Begebnisse unter den G?ttern, von denen Hesiodos und Parmenides erz臧len, unter der Herrschaft der Notwendigkeit geschehen sind und[688] nicht unter der des Eros, wenn anders sie ?berhaupt die Wahrheit erz臧len. Denn Verst?mmelungen und Fesselungen und so viele andere Gewalttaten w舐en nicht unter ihnen vorgekommen, w舐e Eros schon unter ihnen gewesen; sondern Freundschaft und Frieden h舩ten geherrscht, so wie nun, seitdem Eros unter den G?ttern das Szepter f?hrt.

Jung ist er also, neben seiner Jugend aber auch zart. Ja, es bedarf eines Dichters wie Homer, um seine Zartheit zu zeichnen. Denn Homer sagt, da? die Ate eine G?ttin sei und zart, wenigstens ihre F??e seien zart, indem er singt:


Leicht schweben die F??' ihr; nimmer dem Grund auch

Nahet sie: nein, hoch wandelt sie her auf den H舫ptern der M舅ner.


So scheint er mir ihre Zartheit an einem herrlichen Belege klarzumachen, n舂lich, da? sie nicht auf dem Harten wandelt, sondern auf dem Weichen. Eben desselben Beleges wollen auch wir uns nun beim Eros bedienen f?r seine Zartheit. Denn nicht auf der Erde wandelt er, noch auf den Sch臈eln, die auch nicht so weich sind, sondern in dem Weichsten von allem wandelt und wohnt er. Denn in den Gem?tern und Seelen der G?tter und der Menschen hat er seine Wohnung gegr?ndet, und ferner auch wiederum nicht in allen Seelen der Reihe nach; sondern wo er eine trifft, die ein hartes Gem?t hat, die flieht er, wo er aber eine trifft, die ein weiches hat, die bewohnt er. Da er nun aber mit seinen F??en wie mit seinem ganzen Sein nur das Weichste von dem Weichsten ber?hrt, so mu? er notwendig zart sein.

So ist er denn der J?ngste und der Zarteste, dazu aber auch geschmeidig in seinem トu?ern. Denn er w?rde nicht imstande sein, sich so, wie er tut, ?ber all anzuschmiegen und sich heimlich in jede Seele hineinzuschleichen und wieder herauszuschleichen, wenn er ungelenk w舐e. Ein gewichtiges Zeugnis f?r seine ebenm葹ige und geschmeidige K?rperbildung legt aber auch sein edler Anstand ab, der eingestandenerma?en dem Eros vorzugsweise vor allen zukommt; denn nur mit der Anmut vertr臠t sich die Liebe.

Die Sch?nheit seiner Farbe ferner erhellt aus dem Verweilen des Gottes unter Bl?ten; denn in einem bl?tenarmen oder verbl?hten Leibe oder Geiste, oder was es sonst sein mag, da verweilt[689] Eros nicht; wo aber ein bl?tenreicher und duftiger Ort ist, da weilt er und ruht er.

F?r die Sch?nheit des Gottes zeugt nun dies alles schon hinl舅glich, und noch vieles andere lie?e sich sagen; ?ber die Tugend des Eros aber haben wir nunmehr zu reden. Das Gr??te ist, da? Eros weder Unrecht tut noch Unrecht erleidet, weder an einem Gott, noch von einem Gott, weder an einem Menschen, noch von einem Menschen. Denn gewaltsam leidet er weder selbst, wenn er etwas leidet – denn Gewalt ber?hrt den Eros nicht –, noch tut er anderen, was er tut; denn freiwillig dient jeder in jedem dem Eros. Was man aber freiwillig dem zugesteht, dem Annehmen und Ablehnen freisteht, das erkl舐en die K?nige der Staaten, die Gesetze, f?r gerecht.

Neben seiner Gerechtigkeit ist er aber auch der h?chsten Besonnenheit voll. Denn darin stimmen alle ?berein, Besonnenheit hei?e: die L?ste und Begierden beherrschen; und ?ber den Eros siege keine andere Lust; unterliegen sie ihm aber, so sind sie ja die Beherrschten, und er ist ihr Herrscher; wenn er aber ?ber die L?ste und Begierden herrscht, dann sollte er danach doch wohl ganz vorwiegend besonnen sein.

Doch auch an Tapferkeit kann sich mit dem Eros Ares selber nicht messen. Denn nicht der Kriegsgott h舁t den Liebesgott gefangen, sondern der Gott der Liebe den Gott des Krieges, n舂lich der Liebe zu Aphrodite, wie erz臧lt wird. Wer aber gefangen h舁t, ist ?berlegen dem, der gefangen gehalten wird. Wer aber dem Tapfersten unter allen ?brigen ?berlegen ist, der mu? doch wohl der Allertapferste sein.

ワber die Gerechtigkeit und Besonnenheit und Tapferkeit des Gottes haben wir nun also gesprochen; dagegen fehlt noch die Weisheit; soweit es m?glich ist, m?ssen wir daher auch hier nicht zur?ckzubleiben versuchen. Und zuv?rderst nun, damit auch ich meine Kunst zu Ehren bringe, wie Eryximachos die seinige, ist der Gott ein so fertiger Dichter, da? er auch andere dazu macht; denn wohl jeder wird zum Dichter, den die Liebe ber?hrt, wenn er auch zuvor den Musen fremd war. Dies k?nnen wir wohl zum Beweise daf?r gebrauchen, da? Eros selber ein schaffender Geist ist ?berhaupt in allen K?nsten der Musen. Denn was einer selber nicht hat, das kann er auch keinem andern geben, und was einer selber nicht wei?, das kann er[690] auch keinen anderen lehren. Aber auch die sch?pferische Zeugung aller lebendigen Wesen, – wer wollte leugnen, da? sie der Weisheit des Eros entspringt, da? diese es ist, durch welche dies Lebende erzeugt und geboren wird? Ferner in der Aus?bung aller anderen K?nste, wissen wir da nicht, da?, wer den Gott zum Lehrmeister hatte, zu Ruhm und Glanz gelangte, w臧rend der, den Eros nicht ber?hrte, im Dunkel blieb? So erfand ja Apollon die Kunst des Bogenschie?ens und des Heilens und des Weissagens, aus Eifer und Liebe zur Sache getrieben, so da? also auch er hierin ein Sch?ler des Eros war, und die Musen die der Musik, und Hephaistos die des Schmiedens, und Athene die des Webens, und Zeus die der Leitung der G?tter und Menschen. Deshalb wurden auch die Angelegenheiten der G?tter geordnet, seitdem die Liebe unter ihnen erwuchs, n舂lich die Liebe zum Sch?nen; denn im H葹lichen waltet Eros nicht; zuvor aber geschahen, wie ich schon im Anfang bemerkte, viele Gewalttaten unter den G?ttern, wie man sagt, weil die Gewalt der Notwendigkeit unter ihnen herrschte; seitdem dagegen dieser Gott geboren war, da erwuchs aus der Liebe zum Sch?nen alles Gute f?r G?tter und Menschen.

So scheint mir denn Eros erstlich selbst der sch?nste und Beste zu sein, sodann auch allen anderen 臧nliche Vorz?ge zu verleihen, mein Phaidros. Und ich f?hle mich getrieben, auch in Versen dies auszusprechen, da? er der ist, welcher gew臧rt


S??en Frieden den Menschen und spiegelnde Gl舩te der Meerflut,

Ruhe von brausenden St?rmen, und friedlichen Schlummer dem Lager.


Er befreit uns von der Entfremdung und erf?llt uns mit Vertraulichkeit; denn er ist es, welcher alle Zusammenk?nfte solcher Natur unter uns veranstaltet, indem er bei den Festen, Reigent舅zen und Opfern unser F?hrer ist, Mildheit uns gew臧rend, von der Wildheit uns entleerend, freigebig mit Wohlwollen, unergiebig an ワbelwollen, huldvoll den Guten, gern gesehen den Weisen, bewundernsw?rdig den G?ttern, erstrebenswert den Nichtbesitzenden, behaltenswert den Besitzern, des Wohllebens, der Pracht, der Kostbarkeit, der Anmut, des Reizes, des Verlangens Vater, achtsam f?r Gute, achtlos f?r Schlechte, im Wanken, im Bangen, im Verlangen, in Gedanken[691] der beste Vorstand, Beistand, Helfer und Retter, aller G?tter und Menschen Zier, der sch?nste und beste F?hrer, dem jedermann folgen mu?, sch?n lobsingend und einstimmend in den sch?nen Gesang, mit welchem er aller G?tter und Menschen Sinne bezaubert.

Dies ist meine Rede, lieber Phaidros, die ich dem Gotte weihe, in welcher sich der Scherz mit dem n?tigen Ernste, soweit meine Kr臟te reichen, vereinigt.

Als Agathon geendet, sagte Aristodemos, sei ein allgemeiner Beifallsjubel unter den Anwesenden dar?ber ausgebrochen, wie w?rdig der junge Mann seiner selbst und des Gottes gesprochen. Da habe denn Sokrates den Eryximachos angesehen und ihn gefragt: Scheint dir nun, Sohn des Akumenos, meine vorher gehegte Furcht grundlos gewesen zu sein? Oder habe ich nicht vielmehr soeben ganz recht prophezeit, da? Agathon wundervoll sprechen, ich aber in Verlegenheit kommen w?rde?

Das eine, habe Eryximachos erwidert, scheinst du richtig vorausgesagt zu haben, da? Agathon gut reden werde; das andere aber, da? du in Verlegenheit geraten werdest, glaube ich noch nicht.

Und Sokrates habe ihm eingeworfen: Du Gl?cklicher, wie sollte ich denn wohl nicht in Verlegenheit sein und jeder andere an meiner Stelle, wenn ich nach einem so sch?nen und so reichhaltigen Vortrage noch einen neuen halten soll? Das ?brige ist freilich nicht alles gleich sehr bewundernswert – aber am Schl?sse die Sch?nheit der Ausdr?cke und Wendungen, welchen Zuh?rer h舩te die wohl nicht in Staunen versetzt? Ich wenigstens, wenn ich bedachte, da? ich selber auch nichts ann臧ernd so Sch?nes zu bieten imstande sein werde, w舐e vor Scham beinahe weggelaufen, wenn ich nur gekonnt h舩te. Denn an den Gorgias erinnerte mich die Rede, und so ging es mir ganz nach den Worten des Homeros: ich f?rchtete, es m?ge Agathon am Schlu? das Haupt des gewaltigen Redners Gorgias (wie ein Gorgonenhaupt) gegen meine Rede wenden und mich stumm wie einen Stein machen. Und da bemerkte ich erst, wie l臘herlich mein Versprechen gewesen war, auch meinerseits in eurer Reihe dem Eros eine Lobrede zu halten, und meine Behauptung, in Sachen der Liebe stark zu sein, da[692] ich doch nichts davon wu?te, wie man es bei einer Lobrede auf jeden lebendigen Gegenstand anzufangen hat. Denn ich glaubte in meiner Einfalt, man brauche nur die Wahrheit zu sagen, ?ber dasjenige, was man gerade loben will, und dies m?sse die Grundlage bilden; hieraus aber m?sse man das Sch?nste ausw臧len und es m?glichst angemessen ordnen. Und ich dachte mir wunder was Gro?es damit, wie sch?n ich sprechen w?rde, da ich ja die wahre Aufgabe jeder Lobrede zu kennen meinte. Nun aber ist nicht dies, wie es scheint, die richtige Weise; sondern man mu? vielmehr dem Gegenstande das Gr??te und Sch?nste zuschreiben, mag es sich nun damit wirklich so verhalten oder nicht. Geschieht es auch mit Unrecht, so kommt doch darauf gar nichts an. Wir sind n舂lich, wie es scheint, vorher dahin ?bereingekommen, da? jeder von uns sich nur den Anschein geben soll, den Eros zu preisen, nicht aber ihn wirklich zu preisen. Deshalb, denke ich, sucht ihr daher alle m?gliche Beredsamkeit hervor und h舫ft sie auf den Eros und behauptet, er sei so oder so beschaffen und so gro?er G?ter Urheber, um ihn als den Sch?nsten und Besten erscheinen zu lassen, n舂lich den Unkundigen, denn den Kundigen doch wohl schwerlich. Und so klingt denn euer Lob recht sch?n und erhaben! Ich dagegen kannte hiernach die Art, wie man loben mu?, nicht, und ohne sie zu kennen, versprach ich euch, selber gleichfalls den Eros zu loben, wenn die Reihe an mir w舐e. So gab euch also nur die Zunge das Versprechen und nicht der Geist. So fahre es denn hin! Denn nicht werde ich in dieser Weise weiter loben, denn ich verm?chte es nicht, gewi? nicht. Aber die Wahrheit will ich euch vortragen, wenn ihr wollt, in meiner Weise, und nicht in der eurer Reden, damit ich nicht Lachen errege. Siehe nun zu, lieber Phaidros, ob dir auch mit einer solchen Rede gedient ist, die dir ?ber den Eros die Wahrheit anzuh?ren gibt, aber in einer solchen Wahl der Ausdr?cke und Stellung der Redewendungen, wie sie sich ihr gerade darbieten wollen!

Aristodemos erz臧lte nun, da? Phaidros und die ?brigen ihn hierauf aufgefordert h舩ten, so zu reden, wie er selber es f?r gut f舅de.

So erlaube denn, habe er fortgefahren, lieber Phaidros, da? ich erst den Agathon nach einer Kleinigkeit frage, um in ワbereinstimmung[693] mit ihm sodann meine Rede beginnen zu k?nnen!

Wohl, ich erlaube es dir, habe Phaidros erwidert: frage ihn nur!

Hierauf habe denn Sokrates ungef臧r folgenderma?en begonnen:

Allerdings, mein lieber Agathon, scheinst du mir deine Rede vortrefflich angelegt zu haben mit deiner Bemerkung, da? man zuerst von dem Eros an sich zeigen m?sse, wie er beschaffen ist, und dann erst von seinen Werken. Diesem Eingang stimme ich mit Freuden bei. Wohlan denn, sage mir von Eros, da du seine ?brigen Eigenschaften gar sch?n und herrlich entwickelt hast, auch noch dieses: Ist die Liebe in dieser ihrer Beschaffenheit Liebe von etwas oder von nichts; Ich meine damit nicht die Abstammung, als ob ich dich fragen wollte, ob Eros von einer Mutter oder von einem Vater her ist – denn das w舐e eine l臘herliche Frage, ob Eros von m?tterlicher oder von v舩erlicher Seite her die Liebe ist –, sondern wie wenn ich dir ?ber サVaterォ dieselbe Frage vorlegte: Ist der Vater Vater von etwas oder nicht? Du w?rdest mir n舂lich dann doch wohl sagen, wenn du richtig antworten wolltest, da? er als Vater dies von einem Sohne oder einer Tochter ist, oder nicht?

Gewi?, habe Agathon erwidert.

Ist es nun nicht mit der Mutter ebenso?

Auch das habe er zugestanden.

Beantworte mir demnach noch einige Fragen, habe Sokrates fortgefahren, damit du noch besser begreifst, was ich will: Wenn ich dich n舂lich fragte: Wie weiter? Wie steht es mit dem Bruder? Ist er das, was er ist, nicht eben dadurch, da? er Bruder von etwas ist? Oder nicht?

Er sei es, habe jener erwidert.

Und zwar von einem Bruder oder einer Schwester, nicht wahr?

Auch das habe er zugegeben.

Versuche nun danach, h舩te Sokrates weiter gesprochen, mir auch ?ber die Liebe zu antworten: Ist sie die Liebe von nichts oder von etwas?

Freilich ist sie die Liebe zu dem...

Das behalte jetzt noch bei dir im Ged臘htnis, sei ihm Sokrates ins Wort gefallen, welches ihr Gegenstand ist! Jetzt dagegen[694] sage mir nur so viel: Begehrt die Liebe eben diesen Gegenstand, auf welchen sie gerichtet ist, oder nicht?

Freilich, habe er entgegnet.

Diesen Gegenstand nun, welchen sie begehrt und liebt, begehrt und liebt sie den, indem sie ihn besitzt, oder indem sie ihn nicht besitzt?

Indem sie ihn nicht besitzt, wie es scheint, sei die Antwort gewesen.

Siehe doch zu, habe ihn Sokrates berichtigt, ob es nicht statt des blo?en Scheines wirklich notwendig so ist, da? das Begehrende das begehrt, wessen es ermangelt, oder, wenn es ihm nicht mangelt, dann es auch gar nicht begehrt. Mir n舂lich scheint dies ganz wunderbar notwendig zu sein, lieber Agathon; wie aber dir?

Auch mir scheint es so, habe dieser geantwortet.

Wohl gesprochen. W?nscht nun wohl jemand, wenn er schon gro? ist, noch gro?, oder, wenn er stark ist, noch stark zu sein?

Das ist nach dem Zugestandenen unm?glich.

N舂lich wer dies schon ist, der d?rfte dessen wohl nicht mehr ermangeln.

Du hast recht. –

Zwar k?nnte wohl gewisserma?en, habe Sokrates sich selber eingewandt, der Starke stark und der Schnelle schnell und der Gesunde gesund zu sein w?nschen. Wenigstens k?nnte wohl jemand von diesen und allen entsprechenden F舁len solches glauben, da? die so Beschaffenen und im Besitz dieser Dinge Befindlichen dennoch das, was sie besitzen, auch zugleich begehren. Damit wir uns also nicht t舫schen lassen, f?hre ich dies noch weiter aus: Es besitzen n舂lich diese, wenn du darauf achtest, Agathon, das von ihnen Besessene zur Zeit ganz notwendigerweise wirklich, gleichviel, ob sie es w?nschen oder nicht, und wer k?nnte dann noch danach begehren? Wenn nun aber doch jemand sagte: サIch, der ich gesund bin, w?nsche auch gesund zu sein, und ich, der ich reich bin, w?nsche auch reich zu sein und trage Begehr nach eben dem, was ich besitzeォ, so w?rden wir ihm entgegnen: サN舂lich du, guter Mann, der du Reichtum besitzest und Gesundheit und St舐ke, w?nschest diese auch f?r die Zukunft zu besitzen;[695] denn gegenw舐tig hast du sie, du magst wollen oder nicht. Pr?fe also, wenn du dies sagst: ›Ich begehre das Vorhandenene‹, – ob du damit wohl etwas anderes sagen willst als dies: ›Ich w?nsche, da? das jetzt Vorhandene es mir auch in Zukunft sei‹.ォ M??te er das nicht zugeben?

Agathon h舩te dies einger舫mt, erz臧lte Aristodemos.

Sokrates aber habe fortgefahren: Dieser Wunsch nun aber, da? ihm dies auch f?r die Zukunft erhalten bleibe, besagt der wohl etwas anderes, als dasjenige lieben, was ihm noch nicht in seiner Gewalt steht und was er noch nicht besitzt?

Gewi? nicht, habe jener geantwortet.

Also auch dieser so gut wie jeder andere Begehrende begehrt nach dem, was noch nicht in seiner Gewalt steht und f?r ihn noch nicht vorhanden ist und was er nicht besitzt und was er nicht ist und wessen er ermangelt, und von dieser Art ist alles das, worauf Begierde und Liebe gerichtet sind?

Jawohl, habe die Antwort gelautet.

Wohlan, habe Sokrates gesagt, verst舅digen wir uns noch einmal ?ber das Bisherige: Erstens ist also die Liebe Liebe zu etwas, und zweitens zu dem, woran sie Mangel leidet.

Ja, war die Antwort.

Jetzt erinnere dich ferner, welches nach deiner Rede der Gegenstand der Liebe war, oder, wenn du willst, will ich dich daran erinnern. Ich glaube n舂lich, du sagtest ungef臧r so, da? die Verh舁tnisse unter den G?ttern geordnet worden w舐en durch die Liebe zum Sch?nen, denn zum H葹lichen g臙e es keine Liebe. Sagtest du nicht so ungef臧r?

Ich tat es, versetzte Agathon.

Und ganz recht tatest du daran, mein Freund, erwiderte Sokrates. Wenn sich dies nun so verh舁t, so w舐e die Liebe Liebe zur Sch?nheit, nicht aber zur H葹lichkeit?

Das gestand er zu.

R舫mten wir nun nicht soeben ein, da? sie dasjenige liebe, was sie entbehrt und nicht besitzt?

Ja, sprach Agathon.

Folglich entbehrt Eros der Sch?nheit und besitzt sie nicht.

Notwendigerweise, entgegnete er.

Wie nun, was der Sch?nheit entbehrt und sie keineswegs besitzt, das nennst du trotzdem sch?n?[696]

Gewi? nicht.

Willst du also auch nun noch behaupten, da? Eros sch?n sei, wenn dem also ist?

Und Agathon habe gesagt: Fast scheine ich, lieber Sokrates, von dem, was ich vorher sagte, selber nichts verstanden zu haben.

Und doch sprachst du sch?n, mein Agathon, erwiderte Sokrates. Aber eine Kleinigkeit beantworte mir noch: Scheint dir das Gute nicht auch sch?n zu sein?

Allerdings.

Wenn also Eros des Sch?nen ermangelt, das Gute aber sch?n ist, so d?rfte er auch des Guten ermangeln?

Ich kann dir, lieber Sokrates, nicht widersprechen, habe Agathon erwidert; sondern m?ge es sich so verhalten, wie du sagst!

Nicht doch, warf ihm Sokrates ein, sondern der Wahrheit vermagst du nicht zu widersprechen, mein teurer Agathon; mit dem Sokrates w?rde dir dies dagegen ein Leichtes sein. Und so will ich denn auch dich von nun ab unangefochten lassen und will vielmehr die Ansichten ?ber den Eros, welche ich von einer Mantineierin, der Diotima, h?rte, die in diesen sowie in vielen anderen Dingen weise war und den Athenern einst bei Gelegenheit eines Opfers vor dem Ausbruche der Pest einen zehnj臧rigen Aufschub dieser Krankheit erwirkte, und die auch mich in betreff der Liebe belehrte, – also ihre トu?erungen will ich jetzt meinesteils, so gut ich vermag, mit Ankn?pfung an das, wor?ber ich mit Agathon ?bereingekommen bin, euch wiederzugeben versuchen. Man mu? n舂lich in der Tat, wie du auseinandersetztest, mein Agathon, zuerst, was Eros an sich und wie er beschaffen ist, und sodann seine Wirkungen er?rtern. Es scheint mir nun am leichtesten, dies so zu tun, wie es einst die Fremde durch vorgelegte Fragen mit mir durch ging. Denn auch ich 舫?erte mich gegen sie ungef臧r auf 臧nliche Weise, wie eben Agathon gegen mich, da? Eros ein gro?er Gott w舐e und zu den Sch?nen geh?re, und sie widerlegte mich wiederum mit eben denselben Gr?nden, wie ich ihn, dahin, da? er meinen eigenen Worten zufolge weder sch?n noch gut sei. Ich aber hielt ihr entgegen: Was soll das hei?en, Diotima? Ist also Eros h葹lich und schlecht?[697]

Sie aber sprach: Frevle nicht! Oder glaubst du, was nicht sch?n ist, das sei deshalb auch notwendigerweise schon h葹lich?

Freilich glaube ich das.

Auch was nicht weise ist, sei deshalb schon unwissend? Oder wei?t du nicht, da? es ein Mittleres zwischen Weisheit und Unverstand gibt?

Und was w舐e dies?

Wenn man sich das Richtige vorstellt, ohne da? man Gr?nde f?r seine Richtigkeit anzugeben vermag, wei?t du nicht, da? dies einerseits noch kein Wissen ist – denn wie k?nnte etwas der Gr?nde Entbehrendes ein Wissen sein? –, andererseits aber auch keine Unwissenheit – denn wie sollte es wohl Unwissenheit sein, wenn man doch im Besitze des Richtigen ist? So ist also doch wohl die richtige Vorstellung ein solches Mittelding zwischen Einsicht und Unwissenheit.

Du hast recht, erwiderte ich.

Halte es also nicht f?r notwendig, da? das Nichtsch?ne h葹lich und das Nichtgute schlecht und b?se sein m?sse! So nimm denn auch vom Eros, wenn du selber zugestehst, da? er nicht gut und nicht sch?n sei, deshalb um nichts mehr an, da? er h葹lich und schlecht sein m?sse, sondern nur, da? er ein Mittleres zwischen beiden sei, sprach sie.

Und doch, warf ich ein, stimmen alle darin ?berein, da? er ein gro?er Gott sei.

Meinst du alle Unwissenden, fragte sie, oder auch alle Wissenden?

Alle ohne Ausnahme.

Aber wie sollte doch, erwiderte sie lachend, Freund Sokrates, von denen geurteilt werden k?nnen, da? er ein gro?er Gott sei, die ihn nicht einmal f?r einen Gott halten!

Wer sind die? fragte ich.

Einer bist du, war ihre Antwort, und eine andere ich.

Wie meinst du das? erwiderte ich.

Und sie sprach: Ganz einfach. Sage mir n舂lich nur: H舁tst du nicht alle G?tter f?r gl?ckselig und sch?n? Oder w?rdest du wagen zu behaupten, da? irgend einer von ihnen dies nicht sei?

Beim Zeus, nein, entgegnete ich.[698]

Nennst du aber nicht gl?ckselig diejenigen, welche das Gute und Sch?ne besitzen?

Allerdings.

Nun hast du aber doch zugestanden, da? Eros aus Mangel am Guten und Sch?nen nach eben diesem strebt, dessen er ermangelt.

Das habe ich.

Wie sollte er also wohl ein Gott sein, da er des Guten und Sch?nen unteilhaftig ist?

Freilich kann er dies dann nicht sein, wie es scheint.

Siehst du nun, sagte sie, da? auch du den Eros nicht f?r einen Gott h舁tst?

Was w舐e denn also Eros? wandte ich ein: etwa ein Sterblicher?

Keineswegs.

Aber was denn?

Ganz nach dem Vorigen, ein Mittelwesen zwischen Sterblichem und Unsterblichem.

Was hei?t das, Diotima?

Ein gro?er D舂on, lieber Sokrates; denn alles D舂onische ist eben das Mittelglied zwischen Gott und Mensch.

Welche Aufgabe hat es denn?

Dolmetsch und Bote zu sein von den Menschen bei den G?ttern und von den G?ttern bei den Menschen, von den einen f?r ihre Gebete und Opfer, von den andern f?r ihre Befehle und ihre Vergeltungen der Opfer, und so die Kluft zwischen beiden auszuf?llen, so da? durch seine Vermittlung das All sich mit sich selber zusammenbindet. Und dadurch hat auch die gesamte Weissagekunst ihren Fortgang und die Kunst der Priester in bezug auf Opfer und Weihungen und Besprechungen, und die gesamte Wahrsagerei und Zauberei. N舂lich nicht unmittelbar tritt die Gottheit mit dem Menschen in Ber?hrung, sondern durch seine Vermittlung geht aller Verkehr und alle Zwiesprache der G?tter mit den Menschen im Wachen wie im Schlafe. Und wer dieser Dinge kundig ist, der ist ein d舂onenbeseelter (und daher dem H?heren zustrebender), wer aber irgend eines anderen in K?nsten oder Gewerben kundig ist, der ist blo? ein handwerksm葹iger Mann. Solcher D舂onen gibt es nun viele und von mannigfacher Art; einer von Ihnen ist aber auch Eros.[699]

Von welchem Vater und welcher Mutter stammt er denn her? fuhr ich fort.

Das ist weitl舫figer auseinanderzusetzen; indessen will ich es dir trotzdem mitteilen. Als n舂lich Aphrodite geboren war, hielten die G?tter einen Schmaus, und mit den anderen auch Poros (Erwerb, Betrieb), der Sohn der Metis (Weisheit). Als sie aber gespeist hatten, da kam Penia (Armut), um sich etwas zu erbetteln, da es ja festlich herging, und stand an der T?re. Por?s nun begab sich, trunken vom Nektar – denn Wein gab es damals noch nicht –, in den Garten des Zeus und schlief in schwerem Rausche ein. Da macht Penia ihrer Bed?rftigkeit wegen den Anschlag, ein Kind vom Por?s zu bekommen: sie legt sich also zu ihm hin und empfing den Eros. Deshalb ist Eros der Begleiter und Diener der Aphrodite, weil er an ihrem Geburtsfeste erzeugt ward und zugleich von Natur ein Liebhaber des Sch?nen ist, da ja auch Aphrodite sch?n ist. Als Sohn des Por?s und der Penia nun ist dem Eros folgendes Los zuteil geworden: Erstens ist er best舅dig arm, und viel fehlt daran, da? er zart und sch?n w舐e, wie die meisten glauben, sondern er ist rauh und nachl舖sig im トu?ern, barfu? und obdachlos, und ohne Decken schl臟t er auf der blo?en Erde, indem er vor den T?ren und auf den Stra?en unter freiem Himmel ?bernachtet, gem葹 der Natur seiner Mutter stets der D?rftigkeit Gen?sse. Von seinem Vater her aber stellt er wiederum dem Sch?nen und Guten nach, ist mannhaft, verwegen und beharrlich, ein gewaltiger J臠er und unaufh?rlicher R舅keschmied, der stets nach der Wahrheit trachtet und sie sich auch zu erwerben versteht, ein Philosoph sein ganzes Leben hindurch, ein gewaltiger Zauberer, Giftmischer und Sophist; und weder wie ein Unsterblicher ist er geartet noch wie ein Sterblicher, sondern an demselben Tage bald bl?ht er und gedeiht, wenn er die F?lle des Erstrebten erlangt hat, bald stirbt er dahin; immer aber erwacht er wieder zum Leben verm?ge der Natur seines Vaters; das Gewonnene jedoch rinnt ihm immer wieder von dannen, so da? Eros weder Mangel leidet noch auch Reichtum besitzt und also vielmehr zwischen Weisheit und Unwissenheit in der Mitte steht. Es verh舁t sich n舂lich damit folgenderma?en: Keiner der G?tter philosophiert oder begehrt weise zu werden, denn sie sind es bereits; auch wenn sonst jemand[700] weise ist, philosophiert er nicht. Ebensowenig philosophieren wiederum die Unverst舅digen, noch begehren sie weise zu werden. Denn das eben ist das Verderbliche am Unverstand, da? man, ohne sch?n, gut und verst舅dig zu sein, dennoch sich selber genug d?nkt. Wer nun nicht glaubt, bed?rftig zu sein, der begehrt auch dessen nicht, wessen er nicht zu bed?rfen glaubt.

Wer sind denn also, Diotima, fragte ich, die Philosophierenden, wenn es doch weder die Weisen noch die Unwissenden sind?

Das ist doch nun wohl auch einem Kinde klar, erwiderte sie, da? es die zwischen beiden in der Mitte Stehenden sind, und zu ihrer Zahl geh?rt nun wiederum auch Eros. Denn gewi? z臧lt doch die Weisheit zu dem Allersch?nsten; die Liebe aber ist auf alles Sch?ne gerichtet: folglich ist Eros ein Philosoph; als Philosoph aber steht er in der Mitte zwischen einem Weisen und einem Unwissenden. Ursache auch hiervon ist ihm seine Geburt: denn er stammt von einem weisen und erfindungsreichen Vater, aber von einer unweisen und ungeschickten Mutter. So ist die Natur dieses D舂ons beschaffen, mein lieber Sokrates; da? du dir aber den Eros ganz anders vorstellst, ist gar nicht zu verwundern. Du meintest n舂lich, wie ich aus deinen トu?erungen schlie?en zu k?nnen glaube, da? Eros das Geliebte und nicht das Liebende sei. Deswegen, denke ich, erschien dir Eros so ?beraus sch?n. Denn das Liebensw?rdige ist in der Tat das wahrhaft Sch?ne, Zarte, Vollendete und Seligzupreisende; das Liebende aber tr臠t eine ganz andere Gestalt an sich, und zwar die, welche ich soeben mit dir betrachtet habe.

Und ich versetzte: Sei es denn, Freundin, gewi? hast du recht. Aber welchen Nutzen gew臧rt denn Eros in dieser seiner Beschaffenheit den Menschen?

Dar?ber will ich nun zun臘hst, sagte sie, lieber Sokrates, dich zu belehren versuchen. Es ist nun also Eros von solcher Beschaffenheit und Herkunft, und die Liebe ist, wie du sagst, auf das Sch?ne gerichtet. Wenn nun aber jemand uns fragte: サInwiefern ist denn die Liebe auf das Sch?ne gerichtet, o Sokrates und Diotima?ォ – was w?rden wir ihm antworten? Doch ich will es noch deutlicher ausdr?cken: Wer des Sch?nen begehrt, was ist dem dabei der eigentliche Zweck seines Begehrens?[701]

Da? es ihm zuteil werde, war meine Antwort.

Diese Erwiderung, wandte sie ein, bedarf einer neuen Frage: Was wird denn dem damit zuteil, welchem das Sch?ne zuteil wird?

Auf diese Frage, gestand ich, habe ich durchaus nicht mehr sogleich eine rechte Antwort zur Hand.

Nun, erwiderte sie, wie, wenn jemand statt des Sch?nen das Gute setzte und dich dann fragte: Wohlan, Sokrates, wer das Gute liebt, was begehrt der eigentlich damit?

Da? es ihm zuteil werde, war meine Entgegnung.

Und was wird jenem zuteil, dem das Gute zuteil wird?

Das, erwiderte ich, kann ich leichter beantworten: er wird gl?ckselig.

Denn durch den Besitz des Guten, f?gte sie hinzu, sind die Gl?ckseligen gl?ckselig. Und nun bedarf es nicht mehr der weiteren Frage: Was erstrebt derjenige eigentlich damit, welcher gl?ckselig zu sein w?nscht? Sondern hier scheint die Antwort am Ziele angelangt zu sein.

Sehr wahr, bemerkte ich.

Diesen Wunsch und diese Liebe aber – h舁tst du sie nicht f?r etwas allen Menschen Gemeinsames, und glaubst du nicht, da? jedermann das Gute f?r immer zu besitzen w?nscht? Oder wie meinst du?

So wie du sagst, war meine Erwiderung: ich halte sie allen f?r gemeinsam.

Warum sagen wir, fuhr sie fort, lieber Sokrates, denn nicht von allen, da? sie lieben, wenn sie doch alle dasselbe und stets begehren, sondern nur von einigen, von andern aber nicht?

Das nimmt mich selber wunder, sprach ich.

La? es dich nicht wundern, berichtigte sie: wir nehmen n舂lich von der Liebe nur eine besondere Art ab und benennen sie mit dem Namen des Ganzen, Liebe; f?r die ?brigen Arten aber bedienen wir uns anderer Benennungen.

Wie zum Beispiel? fragte ich.

Zum Beispiel im folgenden Falle: Du wei?t doch, da? Dichten eigentlich alles Schaffen bezeichnet, und da? das Schaffen etwas gar Vielf舁tiges ist. Denn allem demjenigen, was die Ursache daf?r ist, da? irgend etwas aus dem Nichtsein in das Sein ?bergeht, legen wir eine schaffende T舩igkeit bei, so da? eigentlich[702] auch die Werke s舂tlicher K?nste Dichtungen und ihre Meister Dichter hei?en m??ten.

Du hast recht.

Nichtsdestoweniger, fuhr sie fort, wei?t du aber doch auch, da? sie nicht Dichter genannt werden, sondern andere Bezeichnungen empfangen, da? vielmehr von der ganzen Gattung ein kleiner Teil, n舂lich der, der auf Tonkunst und Silbenma? sich bezieht, ausgeschieden und mit dem Namen belegt wird, der vielmehr dem Ganzen zukommen sollte. Denn nur dieser hei?t Dichtkunst, und die ihn innehaben, hei?en Dichter.

Du hast recht, sprach ich.

So ist es demnach nun auch mit der Liebe. Im weiteren Sinne umfa?t sie alles, was Streben nach dem Guten und der Gl?ckseligkeit hei?t, diese Liebe, die so stark und listenersinnend ist in einem jeden; aber die, welche sich in vielfacher Art auf anderen Wegen ihr zuwenden, sei es n舂lich der Liebe zum Gelderwerb oder zu Leibes?bungen oder zur Philosophie, von denen gebraucht man weder den Ausdruck ›lieben‹ noch ›Liebhaber‹.

Du scheinst recht zu haben, bemerkte ich.

Nun geht zwar eine Rede, fuhr sie fort, da? diejenigen lieben, welche ihre andere H舁fte suchen; meine eigene Rede aber sagt, da? die Liebe weder auf die H舁fte noch auf das Ganze gerichtet ist, wenn es nicht eben, lieber Freund, etwas Gutes ist. Denn die Menschen sind bereit, sich ihre eigenen H舅de und F??e abschneiden zu lassen, wenn ihnen diese, ob auch immer ihre eigenen, so doch zum ワbel zu sein scheinen. Denn niemand liebt, wie ich denke, das Eigene als solches, es m??te denn jemand das Gute als das Angeh?rige und wahrhafte Eigentum bezeichnen, das Schlechte aber als das Fremdartige. Nichts anderes n舂lich lieben die Menschen als das Gute; oder scheint es dir anders?

Nein, beim Zeus, antwortete ich.

Das darf man also ohne weiteres sagen, fragte sie, da? die Menschen das Gute lieben?

Ja, erwiderte ich.

Wie weiter? M?ssen wir nicht noch hinzusetzen, da? ihre Liebe auf den Besitz des Guten gerichtet ist?

Das m?ssen wir.[703]

Aber auch nicht blo? auf den Besitz, sondern auf den dauernden Besitz?

Auch das m?ssen wir hinzuf?gen.

Die Liebe ist also mit einem Worte auf den dauernden Besitz des Guten gerichtet.

Sehr richtig bemerkt, entgegnete ich.

Wenn nun also, fuhr sie fort, dies best舅dig der Gegenstand der Liebe ist, auf welche Weise mu? man ihn denn verfolgen und welches Verfahren bei seiner M?he und Anstrengung einschlagen, um ihr den Namen der Liebe im eigentlichen Sinne zu erwerben? Was f?r einer T舩igkeit gelingt dies? Vermagst du mir das zu sagen?

Dann w?rde ich, liebe Diotima, warf ich ein, dich doch wohl nicht wegen deiner Weisheit bewundern und zu dir gegangen sein, um eben dies zu lernen.

So will ich es dir denn sagen, sprach sie. Es ist dies die Zeugung im Sch?nen, dem K?rper wie dem Geiste nach.

Sehergabe geh?rt dazu, um zu wissen, was du meinst, versetzte ich: ich fasse es nicht.

So will ich es dir denn deutlicher sagen, erwiderte sie. Alle Menschen n舂lich tragen Zeugungsstoff in sich, k?rperlichen sowie geistigen, und wenn wir zu einem gewissen Alter gelangt sind, so strebt unsere Natur zu erzeugen. Im H葹lichen aber vermag sie nicht zu erzeugen, wohl aber im Sch?nen. Zeugung n舂lich ist die Vereinigung des Mannes und Weibes. Es ist dies aber ein g?ttlicher Akt, und dies beides liegt in den sterblichen Wesen als ein Unsterbliches, Schwangerschaft und Erzeugung. Es kann dieser Akt aber da nicht vor sich gehen, wo es an Einklang fehlt. Im Widerspruch mit allem, was g?ttlich hei?t, steht nun aber das H葹liche, und nur das Sch?ne im Einklang damit! Eine leitende und entbindende G?ttin ist daher die Sch?nheit bei der Geburt. Wenn n舂lich das, was den Zeugungsstoff in sich tr臠t, dem Sch?nen sich n臧ert, dann empfindet es Lust und zerflie?t in Wonne und gebiert und erzeugt; wenn es aber dem H葹lichen sich n臧ert, dann zieht es sich finster und traurig in sich selbst zur?ck und wendet sich ab und rollt sich zusammen und erzeugt nicht, sondern h舁t mit Schmerzen seinen Zeugungsstoff an sich. Darum tr臠t denn auch das Schwangere und schon vom Zeugungstriebe[704] Strotzende eine so heftige Leidenschaft zu dem Sch?nen, weil es durch dieses gro?er Wehen entledigt wird. Es ist n舂lich, mein Sokrates, fuhr sie fort, die Liebe nicht, wie du glaubst, auf das Sch?ne als solches gerichtet.

Auf was denn sonst?

Auf die Erzeugung und Geburt im Sch?nen.

Es mag sein, erwiderte ich.

Es ist so, versicherte sie.

Warum denn aber auf die Erzeugung?

Weil die Zeugung das Ewige und Unsterbliche ist, soweit dies vom Sterblichen erreicht werden kann. Daher mu? denn nach dem Zugestandenen die Liebe in und mit dem Guten auch zugleich auf die Unsterblichkeit gerichtet sein, wenn anders sie doch nach dem dauernden Besitze des Guten strebt. So ist denn nach dieser Darlegung notwendig auch die Unsterblichkeit Gegenstand der Liebe.

Dieses alles nun lehrte sie mich, sooft sie ?ber die Liebe mit mir redete, und einstmals fragte sie mich: Was h舁tst du wohl f?r die Ursache dieser Liebe und dieses Verlangens, mein Sokrates? Oder siehst du nicht, in wie heftiger Aufregung die Tiere sind, wenn der Trieb der Zeugung sie ergreift, die vierf??igen sowohl wie die V?gel, wie sie alle krank sind vor Liebe, und wie dieser ihr Trieb nicht blo? auf die gegenseitige Vermischung gerichtet ist, sondern ebensogut darauf, das Erzeugte aufzuziehen, und wie die schw臘hsten Tiere mit den st舐ksten f?r ihre Jungen zu k舂pfen und f?r sie zu sterben bereit sind, und wie sie sich selbst vom Hunger verzehren lassen, um nur ihnen Nahrung zu bieten, und ?berhaupt alles f?r sie tun? Von den Menschen nun, fuhr sie fort, k?nnte man wohl glauben, da? dies aus ワberlegung geschehe; was aber ist bei den Tieren der Grund, da? die Liebe sie so m臘htig treibt? Kannst du mir das sagen?

Und ich erkl舐te wiederum, da? ich es nicht wisse, und sie erwiderte: Denkst du denn jemals t?chtig in der Liebeskunde zu werden, wenn du das nicht begreifst?

Aber eben deswegen ja, liebe Diotima, wie ich eben schon sagte, komme ich zu dir, weil ich wei?, da? ich der Lehrer bedarf. Darum gib du mir den Grund hiervon und von allem anderen an, was sich auf die Liebe bezieht![705]

Wenn du also glaubst, sprach sie, da? die Liebe ihrer Natur nach sich auf dasjenige bezieht, wor?ber wir wiederholt ?bereingekommen sind, so la? dich dies nicht wundernehmen. Denn auch hier (in den unvern?nftigen Tieren) sucht die sterbliche Natur ganz nach eben dem obigen Grunde nach Verm?gen fortzudauern und unsterblich zu sein. Sie vermag dies aber eben nur auf diese Weise, durch die Zeugung, da? sie immer ein ebensolches Junges an der Stelle des Alten zur?ckl葹t. Denn selbst solange man auch von jedem einzelnen unter den lebenden Wesen sagt, es lebe und sei dasselbe so wie man von Kindesbeinen auf derselbe genannt wird bis zum Alter. – so wird ihm diese Bezeichnung doch nur dem zum Trotze gegeben, da? man niemals dieselben Teile in sich fa?t, sondern sie best舅dig erneuert und wieder abwirft: so Haare, Fleisch, Knochen, Blut und ?berhaupt den gesamten K?rper. Und nicht blo? mit dem K?rper steht es also, sondern auch in der Seele bleiben der Charakter, die Gewohnheiten, Meinungen, Begierden, Freude, Schmerz, Furcht, in einem jeden niemals dieselben, sondern das eine von ihnen ist erst im Entstehen, w臧rend das andere schon wieder im Vergehen begriffen ist. Was aber noch viel merkw?rdiger ist, – auch selbst von den Erkenntnissen sind nicht etwa blo? die einen erst im Entstehen, w臧rend die andern schon wieder verschwinden, und wir sind nicht einmal in bezug auf die Erkenntnisse dieselben, sondern jede einzelne Erkenntnis f?r sich erleidet den gleichen Wechsel. Denn was man nachsinnen nennt, geschieht doch, weil eine Erkenntnis im Entschwinden begriffen ist; Vergessen n舂lich ist das Entschwinden der Erkenntnis, das Nachsinnen aber setzt eine neue Erinnerung an die Stelle der abgegangenen und erh舁t so die Erkenntnis, so da? sie dieselbe zu bleiben scheint. Denn auf diese Weise erh舁t sich alles Sterbliche, nicht dadurch, da? es best舅dig und ?berall dasselbe bleibt, wie das G?ttliche, sondern dadurch, da? das Abgehende und Veraltende stets ein anderes. Neues von derselben Art zur?ckl葹t, wie es selber war. Durch dieses Mittel, mein Sokrates, fuhr sie fort, hat das Sterbliche teil an der Unsterblichkeit, der K?rper sowohl wie alles andere, das Unsterbliche aber auf einem anderen Wege. Wundere dich also nicht, wenn ein jedes von Natur seine Spr??linge werth舁t; denn der Unsterblichkeit[706] wegen haftet dieses eifrige Streben und diese Liebe an einem jeden.

Und ich ward verwundert, als ich diese Lehre vernahm, und sprach: So weit w舐en wir denn; aber, weise Diotima, verh舁t sich dies denn auch in Wirklichkeit so?

Sie aber erwiderte mir in der Weise der rechten Sophisten: Sei ?berzeugt davon, mein Sokrates! Denn auch wenn du auf den Ehrgeiz unter den Menschen hinblicken willst, so m??test du dich ?ber das Vernunftwidrige desselben wundern, wenn du nicht eben das von mir Bemerkte in Betracht ziehst, sobald du erw臠st, wie gewaltig die Liebe zum Ruhme und das Streben sie mitnimmt, sich einen gro?en und unsterblichen Namen f?r ewige Zeiten zu begr?nden, und wie hierf?r alle noch mehr als f?r ihre Kinder bereit sind. Gefahren zu bestehen und ihr Verm?gen zu opfern und jegliche M?hsale zu ertragen, ja sogar daf?r in den Tod zu gehen. Denn glaubst du wohl, da? Alkestis f?r Admetos gestorben oder Achilleus dem Patroklos in den Tod gefolgt oder euer Kodros seinen Kindern in den Tod vorangegangen w舐e, um ihnen die Herrschaft zu erhalten, wenn sie nicht erwartet h舩ten, das Andenken ihres Heldenmutes w?rde ein unsterbliches sein, wie wir es jetzt in der Tat ihnen zollen? Weit gefehlt, fuhr sie fort, sondern f?r den unsterblichen Ruhm ihres Heldenmutes und f?r ein solches ehrenvolles Andenken tun, meine ich, alle alles, um so mehr, je edler geartet sie sind: denn sie lieben das Unsterbliche.

Diejenigen nun also, fuhr sie fort, welche dem Leibe nach zeugungslustig sind, wenden sich mehr zu den Weibern und suchen bei ihnen ihrer Liebe Befriedigung, um sich durch die Zeugung von Kindern Unsterblichkeit, Andenken und Gl?ckseligkeit f?r alle Folgezeit, wie sie meinen, zu erwerben; die aber, die es der Seele nach sind,... – es gibt n舂lich auch solche, deren Seele noch zeugungslustiger ist als ihr K?rper, in dem, was der Seele zukommt, zu erzeugen und fort und fort zu erzeugen. Was aber kommt ihr zu? Weisheit und alle andere Tugend. Deren Erzeuger nun sind gewi? alle Dichter und alle diejenigen K?nstler, welche man als die schaffenden bezeichnet. Der bei weitem h?chste und sch?nste Teil der Weisheit, sprach sie weiter, ist aber der, welcher sich in der Verwaltung der Staaten und des Hauswesens zeigt und dessen Name ma?haltende[707] Besonnenheit und Gerechtigkeit ist. Wenn also hier – mit wiederum jemand von Jugend auf in seinem Geiste schwanger geht, g?ttlicher Begeisterung voll, und wenn dann seine Jahre kommen, in denen er bereits zu gebaren und zu erzeugen begehrt, dann sucht auch dieser, wie ich denke, nach dem Sch?nen, in welchem er fruchtbar werde: denn in dem H葹lichen wird er es niemals werden. Sch?ne K?rper liebt er daher mehr als h葹liche in seiner Zeugungslust, und wenn er eine sch?ne und edle und wohlbegabte Seele trifft, dann umfa?t er beides in seiner Vereinigung mit au?erordentlicher Liebe, und f?r einen solchen Menschen hat er sogleich eine F?lle von Reden bereit, ?ber die Tugend und dar?ber, wie ein wackerer Mann beschaffen sein und was er betreiben m?sse, und er sucht ihn zu bilden. Indem er n舂lich mit dem Sch?nen in Ber?hrung und Gemeinschaft kommt, wie ich denke, gebiert und erzeugt er, womit er schon lange schwanger ging, indem er anwesend und abwesend sich seiner erinnert; und in Gemeinschaft mit ihm zieht er das Erzeugte auf, so da? solche Menschen eine viel engere Gemeinschaft als die auf den Kindern beruhende und eine viel festere Freundschaft mit einander haben, weil sie ja sch?nere und unsterblichere Kinder mit einander gezeugt haben. Und ein jeder m?chte wohl lieber solche Kinder hinterlassen wollen als die leiblichen, wenn er auf Homeros hinblickt und den Hesiodos und die ?brigen vortrefflichen Dichter gl?cklich preist, da? sie solche Spr??linge hinterlie?en, welche, von gleicher Beschaffenheit wie ihre V舩er, ihnen unsterblichen Ruhm und ein ewig dauerndes Andenken erhalten, oder, wenn du lieber willst, sprach sie, solche Kinder, wie sie Lykurgos in Lakedaimon hinterlie?, als die Retter Lakedaimons und fast m?chte ich sagen ganz Griechenlands. Ebenso steht auch bei euch Solon in Ehren wegen der Erzeugung seiner Gesetze, und andere M舅ner an vielen anderen Orten unter Griechen und Nichtgriechen, welche viele sch?ne Geisteswerke ans Licht f?rderten und so Tugenden aller Art erzeugten; ja vielen von ihnen sind um solcher Kinder willen sogar schon Heiligt?mer errichtet worden, wegen seiner leiblichen Kinder aber noch keinem.

Bis so weit nun, mein Sokrates, magst auch du wohl in die Mysterien der Liebe eindringen: ob du aber den h?chsten Grad[708] der Weihe, auf welchen auch das Bisherige bereits hinarbeitet, wenn man nur den rechten Weg dabei einschl臠t, zu erreichen bef臧igt bist, wei? ich nicht. Ich f?r meinen Teil wenigstens, sprach sie, will sie dir mitteilen und will es an Bereitwilligkeit nicht fehlen lassen; versuche du mir zu folgen, so gut du es vermagst! Es mu? n舂lich, fuhr sie fort, der, welcher auf dem richtigen Wege auf dies Ziel hinstrebt, in seiner Jugend sich allerdings den sch?nen K?rpern zuwenden, und zwar zuerst, wenn sein F?hrer ihn richtig leitet, einen solchen sch?nen K?rper lieben und an diesem sich fruchtbar in sch?nen Reden erweisen; dann aber mu? er innewerden, da? die Sch?nheit an jedem einzelnen K?rper der an jedem anderen K?rper verschwistert ist; und wenn er doch ?berhaupt der Sch?nheit der Gestalt nachgehen soll, so w舐e es ja gro?er Unverstand, wenn er nicht endlich die Sch?nheit an allen K?rpern f?r eine und dieselbe erkennen w?rde. Wenn er aber zu dieser Einsicht gelangt ist, dann mu? er sich als Liebhaber aller sch?nen K?rper darstellen und von seiner gewaltigen Glut f?r einen einzigen nachlassen, vielmehr sie gering sch舩zen und verachten. Hiernach aber mu? er die geistige Sch?nheit f?r weit sch舩zbarer achten lernen als die des K?rpers, so da?, wenn jemand nur eine liebensw?rdige Seele besitzt, mag auch dabei sein k?rperlicher Reiz nur gering sein, dies ihm gen?gt und er sie liebt und ihrer pflegt und Reden gebiert und aufzufinden sucht, so wie sie geeignet sind, veredelnd auf J?nglinge zu wirken. Diese Stufe f?hrt ihn aber wiederum nur dazu, da? er gezwungen wird, das Sch?ne in den Bestrebungen, Sitten und Gesetzen zu beachten, und einzusehen, da? dies alles mit einander verwandt ist, und so das k?rperliche Sch?ne f?r ganz geringf?gig achten zu lernen. Von den Bestrebungen aber mu? man ihn zu den Wissenschaften f?hren, damit er wiederum die Sch?nheit der Wissenschaften erkenne und, indem er so bereits auf das Sch?ne in seiner F?lle hinblickt, nicht mehr mit sklavischem Sinne der Sch?nheit im Einzelnen, sei es in Liebe zu einem Kn臙chen oder einer Menschenseele oder einer vereinzelten Bestrebung, diene und sich so als unedel und kleinlich erweise, sondern gleichsam auf die hohe See des Sch?nen hinaussteuernd und es also mit einem Blicke ?berschlagend, viel sch?ne und herrliche Reden und Gedanken in des Weisheitsstrebens[709] F?lle geb舐e, bis er, dadurch gekr臟tigt und bereichert, alles in eine einzige Erkenntnis von folgender Art zusammenfa?t, die auf ein Sch?nes gerichtet ist, wie ich es jetzt dir beschreiben will. Suche du, sprach sie, deine Aufmerksamkeit darauf gespannt zu halten, so sehr du es nur immer vermagst!

Wer n舂lich bis hierher in der Liebe geleitet worden ist, indem er in richtiger Folge und Art das viele Sch?ne betrachtete, der wird endlich, am Ziele dieses Weges angelangt, pl?tzlich ein Sch?nes von wunderbarer Natur erblicken, und dies ist gerade dasjenige, mein Sokrates, zu dessen Erreichung alle fr?heren M?hen verwandt wurden. Zuv?rderst ist es ein best舅dig Seiendes, was weder wird noch vergeht und weder zunimmt noch abnimmt, sodann nicht nach der einen Seite betrachtet sch?n, nach der andern unsch?n, noch auch bald sch?n und bald nicht, noch in Vergleich mit dem einen sch?n, mit dem andern aber h葹lich, oder teilweise sch?n und teilweise h葹lich, oder nach der Meinung einiger sch?n, nach der von anderen aber h葹lich ist. Ferner wird sich ihm dies Sch?ne nicht darstellen als ein Gesicht oder H舅de oder was sonst zum K?rper geh?rt, noch auch als eine Rede oder Erkenntnis, noch ?berhaupt als etwas, was an einem anderen ist, sei es an einem Einzelwesen oder auf der Erde und im ganzen Weltenraume oder wenn es noch anderswo sein k?nnte, sondern als rein in sich und f?r sich und ewig sich selber gleich, alles andere Sch?ne aber als seiner nur dergestalt teilhaftig, wie das Werdende und Vergehende dessen, welches in nichts mehr oder weniger wird oder irgend etwas erleidet. Wenn also jemand von dem ersteren, und zwar zun臘hst von der rechten Knabenliebe, ausgegangen ist und nun das Ursch?ne selbst zu erblicken beginnt, dann d?rfte er seinem Ziele ziemlich nahe gekommen sein. Denn dies eben hei?t ja, den richtigen Weg der Liebe einschlagen oder von einem anderen auf diesem geleitet werden, wenn man um dieses Ursch?nen willen von jenem vielen Sch?nen ausgeht und so stufenweise innerhalb desselben immer weiter vorschreitet, von einem zu zweien und von zweien zu allen sch?nen K?rpern, und von den sch?nen K?rpern zu den sch?nen Bestrebungen, und von den sch?nen Bestrebungen zu den sch?nen Erkenntnissen, – bis man innerhalb der Erkenntnisse bei jener Erkenntnis[710] endigt, die von nichts anderem als von jenem Ursch?nen selber die Erkenntnis ist, und so schlie?lich das allein wesenhafte Sch?ne erkennt.

Auf diesem H?hepunkte des Lebens, o mein lieber Sokrates, fuhr die Fremde aus Mantineia fort, auf welchem er das Ansichsch?ne betrachtet, hat das Leben des Menschen, wenn irgendwo, einen wahrhaften Wert. Wenn du dies Sch?ne einstmals erblicken solltest, dann wird es dir nicht mit der Sch?nheit des Goldes und der Kleidung und mit sch?nen Knaben und J?nglingen vergleichbar erscheinen, bei deren Anblicke du jetzt au?er dir ger舩st und, wie viele andere, bereit sein w?rdest, f?r den steten Anblick des Lieblings und das stete Zusammenleben mit ihm, wenn es nur m?glich w舐e. Essen und Trinken aufzugeben und ihn nur immerfort anzuschauen und mit ihm zu verkehren. Was sollen wir also wohl gar von dem glauben, dem es zuteil w?rde, das Ansichsch?ne lauter, rein und unvermischt zu erblicken und nicht verunreinigt mit Fleische und Farben und allem ?brigen irdischen Tande, sondern der das G?ttlichsch?ne selbst in seiner ureigenen Gestalt zu erschauen verm?chte? Glaubst du wohl, sprach sie, da? das Leben eines Menschen gering erscheinen k?nnte, der dorthin blickt und es mit den Werkzeugen anblickt und sich mit ihm vereinigt, mit denen es betrachtet sein und mit sich verkehren lassen will? Oder wirst du vielmehr inne, so schlo? sie, da? es ihm hier allein gelingen wird, wenn er das Sch?ne mit dem Auge anschaut, welchem es allein wahrhaft sichtbar ist, nicht blo?e Schattenbilder der Tugend zu geb舐en, da er ja auch nicht an einem Schattenbilde haftet, sondern die wahre Tugend, weil er sich mit der Wahrheit verbunden; wenn er aber die wahre Tugend gebiert und auferzieht, da? es ihm dann gelingt, ein Gottgeliebter zu werden, und, wenn irgend einem andern Menschen, so auch ihm unsterblich zu sein?

Solches, mein Phaidros und ihr ?brigen, sprach Diotima, und mich hat sie davon ?berzeugt; und da dies der Fall ist, so suche ich wiederum andere zu ?berzeugen, das man zur Erreichung dieses Besitzes f?r das menschliche Geschlecht einen besseren Mitarbeiter als den Eros nicht leicht finden kann. Deshalb nun behaupte ich, da? jedermann den Eros zu ehren hat, und ich selber ehre meinerseits seine Kunst und ?be sie vor allen und[711] empfehle sie allen andern und preise jetzt und immerdar, soweit ich es vermag, die Macht und die mannhafte Tugend des Eros.

Diese Rede nun also, mein Phaidros, la?, wenn es dir gef舁lt, als Lobrede auf den Eros gelten; wenn aber nicht, so nenne sie, wie und mit welchem Namen es dich gut d?nkt!

Als nun Sokrates also gesprochen, h舩ten die ?brigen ihn gelobt, Aristophanes aber habe im Begriff gestanden, etwas zu erwidern, weil Sokrates in seinem Vortrage auf ihn mit der Erw臧nung jener umlaufenden Rede gezielt hatte; da sei pl?tzlich an die Vordert?re geklopft und dabei ein gewaltiges Ger舫sch, wie es schien, von Nachtschw舐mern gemacht worden, und man habe die T?ne einer Fl?tenspielerin geh?rt. Da habe nun Agathon befohlen: サSeht doch einmal nach, ihr Sklaven, und wenn es ein Bekannter ist, so ruft ihn herein; wenn aber nicht, so sagt ihm, da? wir nicht mehr trinken, sondern schon aufgeh?rt haben!ォ Und nicht lange nachher habe man in der Vorhalle die Stimme des Alkibiades geh?rt, welcher stark angetrunken war und laut schrie: サWo ist Agathon?ォ und verlangte, man solle ihn zu Agathon f?hren. So w舐e er denn durch die Fl?tenspielerin, indem sie ihn unter dem Arm fa?te, und durch mehrere andere von seinen Begleitern zu ihnen gef?hrt worden, und er sei in der T?re stehengeblieben, mit einem dichten Kranze von Efeu und Veilchen bekr舅zt und mit sehr vielen B舅dern auf dem Kopfe, und habe gerufen: Ihr Leute, seid gegr??t; wollt ihr einen sehr stark angetrunkenen Mann als Mitzecher aufnehmen! Oder sollen wir wieder von dannen gehen, nachdem wir den Agathon bekr舅zt haben, zu welchem Zweck wir gekommen sind? Denn ich, habe er fortgefahren, konnte gestern nicht kommen: nun aber bin ich da mit den B舅dern auf dem Kopfe, damit ich sie von meinem Haupte nehme und das Haupt des weisesten und sch?nsten Mannes, indem ich ihn ?ffentlich als solchen ausrufe, mit ihnen umwinde. Ja, ihr lacht wohl ?ber mich, da? ich wie ein Angetrunkener rede? Wenn ihr aber auch lacht, – ich wei? doch, da? ich die Wahrheit sage. Aber nun sagt mir auf der Stelle: soll ich auf meine Bedingungen eintreten oder nicht? Wollt ihr mit mir zechen oder nicht?

Da h舩ten nun alle aufgejubelt und h舩ten ihn aufgefordert, einzutreten[712] und sich niederzulagern, und Agathon habe ihn dazu eingeladen. Und so sei er, von seinen Begleitern gef?hrt, weiter vorgegangen, und zugleich habe er die B舅der abgenommen, um den Agathon mit ihnen zu bekr舅zen, und habe sie so in die H?he gehalten, da? er vor ihnen den Sokrates nicht sehen konnte, und so habe er sich neben Agathon niedergelassen, mitten zwischen ihm und dem Sokrates; denn der letztere sei zur Seite ger?ckt, um ihm Platz zu machen. Indem er sich nun also neben Agathon niederlie?, habe er ihn umarmt und bekr舅zt. Darauf habe Agathon geboten: L?set dem Alkibiades seine Sohlen ab, ihr Sklaven, damit er sich zu dreien mit uns lagere!

Versteht sich, habe Alkibiades gesagt; aber wen haben wir hier denn als dritten Trinkgesellen? Und zugleich habe er sich umgedreht und den Sokrates erblickt; bei seinem Anblick aber sei er aufgesprungen und habe ausgerufen: Beim Herakles, was ist das? Sokrates schon wieder da? Hast du dich schon wieder hier gegen mich auf die Lauer gelegt, so wie du immer pl?tzlich da zu erscheinen pflegst, wo ich dich am wenigsten vermute? Und wozu bist du jetzt hier? Und wozu nimmst du wiederum gerade hier deinen Platz und nicht bei Aristophanes oder wenn noch ein anderer da ist, der ein Spa?macher ist oder sein will? Sondern warum hast du es wieder so einzurichten gewu?t, da? du neben dem Sch?nsten von allen Anwesenden deinen Platz bekamst?

Sokrates aber habe sich zu Agathon gewandt: Sieh doch zu, lieber Agathon, ob du mir nicht diesen Menschen vom Leibe halten kannst; so viel Not macht mir seine Liebe! Denn von der Zeit ab, seit welcher ich ihn zu lieben begann, darf ich keinen einzigen sch?nen Mann mehr ansehen, geschweige denn mit ihm sprechen, oder aber der da begehrt aus Neid und Eifersucht die wunderlichsten Dinge und schilt mich und h舁t sich kaum von Handgreiflichkeiten zur?ck. Siehe du also zu, da? er nicht auch jetzt wieder so etwas unternimmt, sondern vers?hne uns, oder, wenn er Gewalt gebrauchen will, so halte ihn zur?ck: denn ich habe die gr??te Angst vor der Raserei, in welche ihn seine Anh舅glichkeit zu mir versetzt.

Nein, habe Alkibiades gesagt, zwischen mir und dir gibt es keine Vers?hnung. Doch ich will hierf?r dich sp舩er bestrafen;[713] jetzt aber, Agathon, – mit diesen Worten habe er sich zu dem letzteren gewandt – gib mir einige von deinen B舅dern zur?ck, damit wir auch dieses Mannes wunderbares Haupt bekr舅zen und er nicht mich tadeln k?nne, da? ich dich bekr舅zt, ihn aber, der mit seiner Rede Gewalt allen Menschen, und nicht blo? gestern, wie du, sondern immerdar, obsiegt, hinterher unbekr舅zt gelassen habe!

Und zugleich habe er einige von den B舅dern genommen, mit ihnen den Sokrates bekr舅zt und dann sich wieder niedergelassen.

Nachdem er sich aber niedergelassen, habe er von neuem begonnen: Heda, ihr Leute! Ihr scheint mir n舂lich noch sehr n?chtern zu sein. Das darf man euch nicht zulassen, sondern trinken m??t ihr; denn dahin sind wir ?bereingekommen. Ich w臧le euch daher einen Pr舖es, bis ihr geh?rig getrunken habt, und zwar mich selbst. Wenn also Agathon einen recht gro?en Pokal hat, so lasse er ihn hereinbringen! Doch nein, ist gar nicht n?tig, sondern bringe du da, Bursche, rief er einem der Sklaven zu, einmal die K?hlschale dort her! – Es fiel ihm n舂lich eine solche in die Augen, welche mehr als acht Kotylen fa?te. Diese habe er sich f?llen lassen und zuerst selber leer getrunken, dann aber befohlen, sie f?r den Sokrates voll zu schenken, und dabei bemerkt: Gegen den Sokrates, liebe Leute, hilft mir das Kunstst?ck zu nichts: denn soviel ihm einer auferlegt, so viel trinkt er aus und wird trotzdem doch niemals betrunken.

Sokrates nun habe ausgetrunken, nachdem ihm der Sklave eingeschenkt; Eryximachos aber habe sich mit der Frage an Alkibiades gewandt: Wie wollen wir es aber nun machen? Sollen wir so gar nichts beim Becher reden oder singen, sondern nur so ohne weiteres wie die Durstigen trinken?

Alkibiades aber habe ihm erwidert: Ei, siehe da, Eryximachos! Sei mir willkommen, du bester Sohn des besten und verst舅digsten Vaters!

Ich danke dir, habe Eryximachos erwidert; aber sprich: wie wollen wir es machen?

Ganz wie du es befiehlst, dir mu? man ja gehorchen:


Denn ein bellender Mann ist wert wie viele zu achten.[714]


Schreibe du uns also vor, was du willst!

So h?re denn, habe Eryximachos entgegnet: Wir haben, bevor du kamst, die ワbereinkunft getroffen, es solle ein jeder der Reihe nach rechts herum, sobald diese an ihn k舂e, eine so sch?ne Rede, als er nur immer verm?chte, auf den Eros halten und ihn verherrlichen. Wir andern nun haben alle bereits gesprochen. Du aber, da du noch nicht geredet und doch schon ausgetrunken hast, bist jetzt verpflichtet zu reden und sodann berechtigt, dem Sokrates aufzugeben, was dich gut d?nkt, der aber wieder seinem Nachbar zur Rechten, und so alle ?brigen.

Dein Vorschlag ist ganz sch?n, mein Eryximachos, habe Alkibiades eingewandt, wenn es nur nicht unbillig w舐e, da? ein trunkener Mann mit den Reden N?chterner wetteifern soll. Und ?berdies, du Hochehrenwerter, glaubst du dem Sokrates irgend etwas von dem, was er soeben sagte? Und wei?t du nicht, da? vielmehr das gerade Gegenteil davon wahr ist? Denn er vielmehr, wenn ich in seiner Gegenwart irgend jemanden, sei es einen Gott oder einen anderen Menschen als ihn, loben wollte, w?rde Hand an mich legen.

Frevle nicht! habe Sokrates gesagt.

Nein, beim Poseidon, wende mir nichts dagegen ein, habe Alkibiades erwidert: ich werde doch in deiner Gegenwart nie einen andern preisen.

Nun, dann mache es so, habe Eryximachos vorgeschlagen, wenn es dir recht ist: halte eine Lobrede auf den Sokrates!

Ja, was sagst du dazu? habe Alkibiades versetzt; meinst du, ich soll es tun, Eryximachos? Soll ich mich an den Mann machen und mich hier in eurer Gegenwart an ihm r臘hen?

He, Freund, habe da Sokrates begonnen, was hast du denn eigentlich im Sinn? Willst du mich in deiner Lobrede l臘herlich machen, oder was willst du sonst tun?

Die Wahrheit will ich sagen. ワberlege also, ob du mir das verstattest?

Gewi?, habe Sokrates erwidert: die Wahrheit verstatte ich nicht blo?, ich gebiete sie dir auch zu sagen.

Ich werde nicht zaudern. Und mache du es dabei so: Wenn ich etwas Unwahres sage, dann unterbrich mich, wenn du willst, und strafe mich L?gen dabei! Denn mit Absicht werde ich nichts Falsches berichten. Wenn ich jedoch das eine hier[715] und das andere dort anf?hre, so wundere dich dar?ber nicht, denn in meinem Zustande ist es nicht leicht, deine Seltsamkeiten gel舫fig und in geordneter Reihenfolge aufzuz臧len.

Indem ich den Sokrates zu loben versuche, ihr M舅ner, will ich dies vermittelst eines Gleichnisses tun. Und er freilich wird vielleicht glauben, es geschehe dies, um ihn l臘herlich zu machen; in der Tat aber soll das Gleichnis der Wahrheit und nicht dem Spotte dienen. Ich behaupte n舂lich, da? er ganz 臧nlich jenen Silenen sei, welche man in den Werkst舩ten der Bildhauer findet, so wie diese K?nstler sie mit Hirtenpfeifen oder Fl?ten darzustellen pflegen; wenn man sie aber nach beiden Seiten hin auseinandernimmt, dann zeigt es sich, da? sie G?tterbilder einschlie?en. Und wiederum vergleiche ich ihn mit dem Satyr Marsyas. Da? du zun臘hst in deinem トu?ern diesen allen 臧nlich bist, lieber Sokrates, wirst du selber nicht bestreiten; da? du aber auch in allen andern St?cken ihnen gleichst, das will ich dir sofort beweisen. Du bist ein ?berm?tiger Schalk. Oder bist du es nicht? Wenn du es leugnest, will ich dir Zeugen beibringen. Und ferner: du w舐est kein Fl?tenspieler? Ja, sogar ein noch viel bewundernsw?rdigerer als Marsyas. Denn vermittelst fremder Werkzeuge nur bezauberte er die Menschen durch die Gewalt seines Mundes, und so auch jetzt noch ein jeder, welcher seine Weisen spielt. N舂lich die Tonst?cke des Olympos nenne ich zugleich die des Marsyas, da dieser sein Lehrer war. Mag nun jene ein guter Fl?tenspieler oder eine schlechte Fl?tenspielerin vortragen, immer fesseln sie vor allen und machen, weil sie selber g?ttlich sind, diejenigen kund, welche nach den G?ttern und nach den Weihen Verlangen tragen. Du aber unterscheidest dich von ihm nur darin, da? du ohne Instrumente durch deine blo?en Reden das bewirkst. Von uns wenigstens geht es einem jeden, wenn wir einen andern und auch noch so guten Redner h?ren, fast gar nicht zu Herzen; wenn wir aber dich oder den Vortrag deiner Reden durch einen andern h?ren, mag dann der Vortrag auch noch so schlecht, und m?gen Mann, Weib oder Knabe die Zuh?rer sein, so f?hlen wir uns hingerissen und gefesselt. Ich wenigstens, ihr M舅ner, wenn ich nicht f?rchtete, ganz betrunken zu erscheinen, k?nnte es euch beschw?ren, was ich bei des Sokrates Reden empfunden habe und noch jetzt empfinde.[716] Denn wenn ich ihn h?re, dann pocht mir das Herz weit st舐ker, als wenn ich vom Korybantentaumel ergriffen w舐e, und Tr舅en entstr?men meinen Augen bei seinen Reden. Ich sehe aber, da? auch seht vielen anderen dasselbe widerf臧rt. Wenn ich dagegen den Perikles und andere gute Redner h?rte, so schienen sie mir zwar wohl gesprochen zu haben, – so etwas jedoch habe ich nie dabei empfunden, noch war meine Seele dabei in Aufregung oder klagte mein eigenes Herz mich an, da? ich mich in einem Zustande befinde, wie er eines freien Mannes unw?rdig ist; aber von diesem Marsyas ward ich oftmals in eine solche Stimmung versetzt, so da? mir das Leben unertr臠lich erschien, wenn ich so bliebe, wie ich bin. Und hierin, Sokrates, wirst du mich nicht der Unwahrheit zeihen k?nnen. Und auch jetzt noch bin ich mir dessen bewu?t, da?, wollte ich ihm mein Ohr leihen, ich nicht Kraft genug zum Widerstande haben, sondern da? mir von neuem dasselbe widerfahren w?rde. Denn er w?rde mich zwingen zu gestehen, da? ich, w臧rend mir selber noch so vieles fehlt, doch meine eigenen Angelegenheiten vernachl舖sige und stattdessen die der Athener betreibe. Mit Gewalt verstopfe ich mir daher die Ohren wie vor den Sirenen und fliehe schnell von dannen, damit ich nicht zur Stelle bei ihm sitzenbleibe und so bei ihm zum alten Manne werde. Und was mir niemand zutrauen w?rde, da? ich mich n舂lich vor irgend jemandem sch舂e, – das ist mir auch in der Tat bei ihm allein unter allen Menschen begegnet: denn vor ihm allein sch舂e ich mich wirklich. Denn ich bin mir bewu?t, da? ich ihm nicht darin zu widersprechen vermag, als ob ich das unterlassen d?rfte, wozu er mich ermahnt, sondern da? ich nur, wenn ich ihn verlassen habe, den Ehrenbezeugungen der Menge unterliege. Daher entlaufe ich ihm und fliehe ihn, und wenn ich ihn erblicke, dann sch舂e ich mich meines Abfalls von seinen Vorschriften. Und oft m?chte ich w?nschen, ihn gar nicht mehr unter den Lebenden zu erblicken; wenn aber dies eintr舩e, dann bin ich ?berzeugt, da? ich einen noch viel gr??eren Schmerz dar?ber empfinden w?rde, und so wei? ich nicht, was ich diesem Mann gegen?ber beginnen soll.

Solches nun haben ich und viele andere von dem Fl?tenspiele dieses Satyrs erlitten. Vernehmt aber noch andere Dinge von mir, um zu erfahren, wie 臧nlich er denen ist, mit welchen ich[717] ihn verglichen habe, und welche wunderbare Gewalt er aus?bt. Denn dessen seid gewi?, da? niemand von euch diesen Mann wirklich kennt; ich aber will ihn euch kundmachen, da ich nun einmal dies zu tun begonnen habe. Ihr seht n舂lich, wie sehr Sokrates in sch?ne J?nglinge verliebt ist und sie best舅dig umschw舐mt und au?er sich ist vor Entz?cken ?ber sie, und ferner, da? er sich das 舫?ere Ansehen eines Unwissenden und Unkundigen in allen Dingen gibt. Ist dies nun nicht ganz silenenhaft? Wenigstens ist dies durchaus nur die 舫?ere H?lle an ihm, gerade wie jene geschnitzten Silenen; wenn man ihn aber ?ffnet, so glaubt ihr es gar nicht, meine Tischgenossen, von wie gro?er Besonnenheit sein Inneres voll ist. Denn wi?t, da? er in Wahrheit nicht das geringste Gewicht darauf legt, ob jemand sch?n oder reich ist oder irgend eine andere Auszeichnung von allen denen an sich tr臠t, die von der Menge gepriesen werden, sondern dies alles so sehr verachtet, wie niemand es glauben sollte. Alle diese Besitzt?mer h舁t er f?r wertlos, und uns alle achtet er gering; das h?tet er sich aber freilich zu sagen, vielmehr Ironie und Verstellung ?bt er sein ganzes Leben hindurch gegen alle Menschen aus und treibt mit ihnen sein Spiel. Ob daher irgend ein anderer, wenn er Ernst macht und sein Inneres aufschlie?t, die in ihm verborgenen G?tterbilder erblickt hat, wei? ich nicht; aber ich habe sie gesehen, und sie erschienen mir so g?ttlich und golden, so reizend sch?n und bewundernswert, da? ich ohne Zaudern tun zu m?ssen glaubte, was Sokrates von mir verlangte. Da ich nun w臧nte, da? er ernstlich nach dem Gen?sse meiner Reize strebte, so hielt ich dies f?r einen herrlichen Fund und einen wunderbaren Gl?cksfall f?r mich, da ich glauben durfte, da? mir, wenn ich dem Sokrates zu Willen w舐e, alles zu Gebote stehen w?rde, was er selber w??te; ich bildete mir n舂lich eben auf meine Reize wunder wieviel ein. W臧rend ich daher bisher nicht ohne Gegenwart eines Dieners allein mit ihm zu bleiben pflegte, schickte ich jetzt in dieser Erw臠ung jenen fort und blieb mit ihm ganz allein. Denn ihr sollt jetzt die volle Wahrheit h?ren: drum merkt auf, und wenn ich irgend etwas Unwahres sage, Sokrates, so erhebe du dagegen Einspruch! Ich blieb also ganz allein mit ihm, Freunde, und erwartete nun, da? er sofort zu mir sprechen w?rde, wie wohl ein Liebhaber zu seinem Geliebten,[718] wenn sie ohne Zeugen sind, zu sprechen pflegt, und freute mich schon darauf. Aber es geschah von alledem gar nichts, sondern er sprach mit mir ganz wie sonst gew?hnlich; und nachdem er den Tag mit mir zugebracht hatte, ging er nach Hause. Darauf lud ich ihn ein, meine Leibes?bungen zu teilen, und ich teilte sie auch wirklich mit ihm, um dabei zum Ziele zu kommen. Er ?bte sich also und rang mit mir ohne jemandes Beisein. Und was bedarf es weiterer Worte? Auch hierbei richtete ich ebensowenig etwas aus. Da ich nun auf keinem dieser Wege meinen Zweck erreichte, so glaubte ich dem Manne st舐ker zusetzen zu m?ssen und nicht nachlassen zu d?rfen, da ich einmal angefangen; sondern ich wollte nun erfahren, wie es denn eigentlich mit der Sache st舅de. Ich lade ihn also ein, mit mir zu Abend zu speisen, indem ich ihm gerade wie ein Liebhaber seinem Geliebten nachstellte. Er aber sagte mir dies nicht einmal sogleich zu; mit der Zeit indessen lie? er sich ?berreden. Als er nun das erste Mal zu mir kam, wollte er nach dem Essen wieder weggehen, und ich lie? ihn diesmal aus Scham auch noch wirklich fort. Das zweite Mal aber machte ich so meinen Angriff: nachdem er gegessen hatte, hielt ich ihn mit Gespr臘hen bis in die Nacht hinein auf, und als er endlich gehen wollte, stellte ich ihm vor, da? es schon zu sp舩 w舐e, und n?tigte ihn zu bleiben. So legte er sich denn auf dem Lager zur Ruhe, das an das meine stie?, und auf dem er auch zu Tische gelegen hatte, und kein anderer schlief in dem Zimmer als wir. Bis hierher nun k?nnte ich die Sache wohl noch jedermann erz臧len; was aber nun folgt, w?rdet ihr schwerlich sobald von mir h?ren, wenn nicht erstens der Wein die Wahrheit sagte, selbst um die Gegenwart oder Nichtgegenwart der Sklaven unbek?mmert, und wenn es mir ferner nicht ungerecht erschiene, eine stolze Tat des Sokrates zu verschweigen, nachdem ich es einmal ?bernommen, ihm eine Lobrede zu halten. Endlich geht es mir ?berdies hierbei wie den von einer Natter Gebissenen: Denn man sagt, da? der, welcher einen solchen Bi? erlitt, es keinem andern zu beschreiben geneigt sei, was er infolge desselben empfand, als den selber einmal Gebissenen, weil diese allein imstande sein d?rften, es zu begreifen und verzeihlich zu finden, wenn er vor Schmerz im Reden wie im Tun zum トu?ersten getrieben ward. Ich aber[719] bin von etwas gebissen, was noch weit gr??ere Schmerzen macht, und bin es gerade an dem empfindlichsten Teile. Denn ins Herz oder in die Seele – oder wie soll ich es sonst nennen? – hinein bin ich getroffen und gebissen worden von den Worten der Weisheit, welche, wenn sie ein jugendliches, nicht unbegabtes Gem?t ergreifen, sich grimmiger in ihm festbei?en als die Natter, und es zum トu?ersten forttreiben in Rede und Tat. Indem ich nun also einen Phaidros, Agathon, Eryximachos, Pausanias, Aristophanes vor mir sehe... was bedarf's noch den Sokrates selber zu nennen und alle anderen, die hier zugegen sind? Kurz, ihr alle seid (wie einst ich) von dem Wahnsinn und der Schw舐merei der Liebe ergriffen; darum sollt ihr alle es h?ren, denn ihr werdet mir verzeihen, was ich damals tat, und da? ich jetzt es erz臧le. Die Dienerschaft aber, und wenn sonst ein Ungeweihter und Ungebildeter unter uns ist, die m?gen recht starke Schl?sser vor ihre Ohren legen.

Als nun n舂lich, ihr Freunde, das Licht ausgel?scht war und die Sklaven das Zimmer verlassen hatten, da glaubte ich ohne weitere Umschweife gegen ihn gerade heraus mit der Sprache ?ber meine Absichten gehen zu m?ssen. Ich stie? ihn daher an und fragte ihn: Sokrates, schl臟st du?

Nein, erwiderte er.

Wei?t du, was ich beabsichtige?

Nun, was denn? fragte er.

Es will mir scheinen, erwiderte ich, als ob du der einzige meiner Liebhaber bist, der es zu sein verdient, und als ob du dich scheust, mir deine W?nsche zu gestehen. Ich aber denke so: Es w舐e, wie ich meine, t?richt, wollte ich dir hierin nicht ebensowohl zu Willen sein, als wenn du sonst irgendwie meiner bedarfst, sei es in bezug auf mein Verm?gen oder auf meine Freunde. Denn mir liegt nichts mehr am Herzen als dies: ein m?glichst t?chtiger Mann zu werden; hierzu aber glaube ich eine geeignetere Beihilfe nicht finden zu k?nnen als die deinige; und ich scheue daher den Tadel, der mich bei allen Verst舅digen treffen m??te, wenn ich einem solchen Manne seine W?nsche versagte, mehr als den, welchen der gro?e Haufe der Unverst舅digen wegen ihrer Gew臧rung erheben wird.

Er aber, als er dies vernommen, antwortete wiederum ganz mit seiner gewohnten Ironie: Mein guter Alkibiades, du scheinst[720] mir wirklich gar nicht dumm zu sein, wenn es in der Tat so mit dir steht, wie du meinst, und ich wirklich eine solche Kraft in mir habe, dich zu veredeln; denn wahrlich, eine wunderbare Sch?nheit w?rdest du dann in mir erblicken, welche die Wohlgestalt an dir weit ?bertrifft. Wenn du also infolge dieses Anblickes an ihr teilzunehmen und den Genu? deiner Sch?nheit gegen den der meinigen auszutauschen w?nschest, so merkst du dabei recht wohl, da? du mich nicht etwa blo? um ein geringes ?bervorteilst, sondern du suchst vielmehr um den Preis eines blo?en Scheines von Sch?nheit dir die wahre Sch?nheit zu erwerben und in der Tat eine goldene R?stung f?r eine eherne einzutauschen. Aber, mein Verehrter, siehe doch erst genauer zu, damit dir meine Wertlosigkeit nicht entgehe! Beginnt doch das Auge des Geistes erst dann scharfblickend zu werden, wenn das des Leibes seine Sch舐fe zu verlieren anf舅gt; davon aber bist du noch weit entfernt.

Wie es meinerseits steht, entgegnete ich, hast du nun geh?rt, und ich habe dabei kein Wort anders gesagt, als ich denke; ?berlege du also nun, was dir f?r mich und dich das Beste zu sein scheint!

Wohlgesprochen, versetzte er. La? uns also in der Folge nach dieser Erw臠ung so handeln, wie es uns beiden in diesem St?cke und in allen andern als das Beste erscheint!

Nachdem ich nun in dieser Wechselrede gleichsam meine Pfeile gegen ihn abgeschossen hatte, glaubte ich ihn getroffen zu haben. Ich stand daher auf und lie? ihn nicht weiter sprechen, sondern warf mein eigenes Oberkleid ?ber ihn – es war n舂lich gerade Winter – und legte mich unter seinen Mantel und schlang meine Arme um diesen wahrhaft d舂onenbeseelten und wunderbaren Mann, und so lag ich die ganze Nacht neben ihm. Und auch hierin, Sokrates, wirst du mich wiederum nicht der Unwahrheit beschuldigen k?nnen. Als ich nun dies alles tat, da zeigte dieser Mann seine ワberlegenheit in einem staunenswerten Grade und verachtete und verspottete, ja verh?hnte meine bl?hende Sch?nheit, auf welche ich mir doch wunder wieviel eingebildet hatte, ihr Richter, – denn Richter sollt ihr mir sein ?ber des Sokrates Hochmut. Denn bei allen G?ttern und G?ttinnen, ihr k?nnt es glauben, nachdem ich mein Lager mit Sokrates geteilt hatte, stand ich wieder auf,[721] ohne da? irgend etwas Weiteres vorgegangen w舐e, ganz so, als ob ich bei meinem Vater oder einem 舁teren Bruder geschlafen h舩te.

Wie glaubt ihr aber wohl, da? jetzt meine Stimmung war, da ich mich f?r verschm臧t hielt, aber zugleich den Charakter dieses Mannes und seine Besonnenheit und Seelenst舐ke bewunderte, so da? ich jetzt zuerst einen solchen Mann gefunden, wie ich ihn an Weisheit und Festigkeit niemals zu finden erwartet hatte? So vermochte ich ihm denn weder zu z?rnen und seinen Umgang zu entbehren, noch bot sich mir andererseits ein Mittel dar, ihn an mich zu fesseln. Denn das wu?te ich wohl, da? er durch Gold noch viel unverwundbarer sei als Aias durch Eisen, und das einzige Mittel, durch das ich ihn in meine Gewalt zu bringen hoffte, hatte er soeben vereitelt. Ratlos also blieb ich und in der Gewalt dieses Mannes, wie wohl niemals sonst ein Mensch in der eines andern. Dies alles hatte sich n舂lich schon unter uns zugetragen, bevor wir gemeinsam den Feldzug nach Poteidaia mitmachten und dort Tischgenossen waren.

Dort nun war er zuv?rderst in der Ertragung aller Strapazen nicht blo? mir, sondern auch allen andern ?berlegen. So, wenn uns irgendwo, wie es im Felde zu geschehen pflegt, die Zufuhr abgeschnitten war, vermochte bei weitem niemand so gut als er, den Mangel an Speise auszuhalten. Wenn dagegen reichliche Lebensmittel vorhanden waren, so verstand er wiederum am besten zu genie?en, wie in allen andern St?cken, so namentlich auch darin, da? er, ohne alle eigentliche Neigung zum Zechen, trotzdem, wenn er dies mitzumachen gen?tigt ward, es allen darin zuvortat, und, was das Wunderbarste ist, kein Mensch hat jemals den Sokrates betrunken gesehen. Und hiervon, glaube ich, werdet ihr auch bald selber eine Probe sehen. Wiederum die Beschwerden des Winters – und es war damals ein sehr rauher Winter – ertrug er nicht blo? im ?brigen mit der wunderbarsten Leichtigkeit: sondern eines Tages, als die K舁te gerade am st舐ksten war, wo sich alle entweder gar nicht hinauswagten oder, wenn dies ja einer tat, so doch in wunder wie dichter Bekleidung und so, da? die F??e nicht blo? mit untergebundenen Sohlen versehen, sondern auch in Filz und Schafpelz eingewickelt waren, – da ging er dagegen mit derselben[722] Bekleidung hinaus, wie er sie auch sonst zu tragen pflegte, und schritt barfu? leichter ?ber den gefrorenen Erdboden hin als die andern mit ihren Sohlen, und die Krieger sahen ihn scheel an, als wollte et sich ?ber sie erheben.

Das w舐e nun eins. Doch Wie er auch jenes vollbracht' und bestand, der gewaltige Krieger, auf jenem Feldzuge, auch das ist der M?he wert zu h?ren. N舂lich in tiefes Nachdenken ?ber irgend einen Gegenstand versenkt, blieb er von fr?hmorgens an auf demselben Flecke stehen und wich, da er das Gesuchte nicht finden konnte, nicht von der Stelle, sondern verharrte in unabl舖sigem Nachsinnen. Inzwischen war es bereits mittags geworden, als die Leute es merkten und staunend einander darauf aufmerksam machten, da? Sokrates nun schon vom fr?hen Morgen her im Nachforschen ?ber irgend einen Gegenstand begriffen dast舅de. Endlich aber, als es schon Abend war, brachten einige Ionier, nachdem sie zu Abend gegessen, ihre Matratzen heraus, teils um im K?hlen zu schlafen, denn es geschah dies im Sommer, teils aber auch um ihn zu beobachten, ob er auch wohl in der Nacht dort stehenbleiben w?rde. Er aber blieb wirklich stehen, bis der Morgen graute und die Sonne aufging; dann aber ging er von dannen, nachdem er zuvor noch sein Morgengebet an den Sonnengott verrichtet hatte.

Wollt ihr ihn aber auch in der Schlacht geschildert h?ren? Denn auch hier ziemt es sich, ihm meine Schuld abzutragen. In jener Schlacht n舂lich, infolge deren die Feldherrn mir sogar den Kampfpreis zuerteilten, hat vielmehr kein anderer mich gerettet als er, indem er den Verwundeten nicht verlassen wollte; sondern er brachte meine Waffen und mich selber in Sicherheit. Und ich f?r mein Teil bat daher damals auch die Feldherren, dir, mein Sokrates, den Preis zuzuerkennen, und du wirst auch hier meine Darstellung nicht tadeln, noch sie der Unwahrheit zeihen k?nnen. Als aber die Feldherrn aus R?cksicht auf meinen h?heren milit舐ischen Rang mir diese Auszeichnung zudachten, da war er noch bereitwilliger als sie, mir sie zuzuwenden, anstatt sich. Der M?he wert war es ferner, meine Freunde, den Sokrates zu sehen, als das Heer sich nach der Schlacht bei Delion auf der Flucht befand. Ich war n舂lich[723] gerade bei derselben als Reiter, er aber als Schwerbewaffneter t舩ig. Wie also sich alle bereits zerstreut hatten, befand er sich noch Seite an Seite mit Laches auf dem R?ckzuge. Ich nun komme dazu, und als ich sie erblicke, rufe ich sofort ihnen zu, guten Mutes zu sein, und versprach ihnen, da? ich sie nicht verlassen w?rde. Bei dieser Gelegenheit nun konnte ich den Sokrates noch besser als bei Poteidaia in seiner ganzen Gr??e beobachten, da ich selbst, als Berittener, weniger in Furcht war, zun臘hst, wie sehr er dem Laches an besonnener Ruhe ?berlegen war; sodann aber schien er mir, um deine allbekannten Worte, Aristophanes, zu gebrauchen, auch dort, so wie hier in der Stadt, einherzustolzieren und die Blicke stier nach allen Seiten zu werfen und so in voller Ruhe Freund und Feind im Auge zu behalten, so da? es einem jeden auch schon aus der Ferne klar werden mu?te, er werde einen hei?en Kampf zu bestehen haben, wenn er diesen Mann angreifen wollte. Deshalb kam er denn auch unversehrt davon samt seinem Gef臧rten; denn in der Regel pflegt man die nicht anzugreifen, welche sich also ger?stet zeigen, sondern die zu verfolgen, die kopflos davonfliehen.

Viel andere wunderbare Eigenschaften und Handlungen k?nnte man noch an Sokrates lobend hervorheben; allein in allen ?brigen Bestrebungen m?chte man auch wohl von andern etwas トhnliches berichten k?nnen: da? er aber keinem von allen Menschen weder aus alter noch aus gegenw舐tiger Zeit vergleichbar ist, das verdient alle m?gliche Bewunderung. Denn so wie Achilleus einst war, 臧nlich, k?nnte man sagen, seien neuerdings Brasidas und viele andere gewesen, und so wie neuerdings Perikles, also einst Nestor und Antenor und manche andere; und auf dieselbe Weise kann man auch alle ?brigen mit einander vergleichen. Sowie aber dieser Mann ist mit seinen Seltsamkeiten, sowohl an sich selbst, als in seinen Reden, m?chte man so leicht keinen 臧nlichen finden, weder unter den Zeitgenossen, noch unter den Altvorderen, – man m??te ihn denn, wie ich es getan habe, mit keinem Menschen, sondern mit Satyrn und Silenen vergleichen, ihn selbst sowie seine Reden.

Denn das habe ich n舂lich zuvor noch zu bemerken vergessen, da? auch seine Reden ganz den auseinandergenommenen[724] Silenen gleichen. Denn h?re jemand nur die Reden des Sokrates an, so werden sie ihm zuerst sehr l臘herlich vorkommen; in solche Ausdr?cke und Bezeichnungen h?llen sie sich 舫?erlich ein, wie in das teil eines neckischen Satyrs. Denn von Lasteseln stricht er und von Schmieden und Schustern und Gerbern, und ?ber denselben Gegenstand scheint er immer dasselbe zu wiederholen, so da? jeder Unkundige und Gedankenlose dar?ber lachen mu?. Wenn man sie aber erschlossen sieht und in ihr Inneres hineindringt, dann wird man zun臘hst finden, da? sie allein unter allen Reden einen wahrhaften Inhalt haben, bald aber auch, da? sie die g?ttlichsten von allen sind und die mannigfaltigsten Gestalten der Tugend gleich G?tterbildern umfassen, und da? sie sich ?ber das reichhaltigste Gebiet ausdehnen, ja alles in sich schlie?en, was dem zu bedenken ziemt, welcher ein geistig und sittlich durchgebildeter Mann werden will.

Solches ist es, ihr Freunde, was ich zum Lobe des Sokrates vorzubringen habe, und ebenso habe ich den Tadel eingemischt, den ich gegen ihn f?hren mu?, und habe euch erz臧lt, wie ?berm?tig er mich behandelt hat. Und doch ist er nicht mit mir allein so umgegangen, sondern auch mit Charmides, dem Sohne des Glaukon, und mit Euthydemos, dem Sohne des Diokles, und mit gar vielen anderen. Diesen allen hat er vorzuspiegeln gewu?t, da? er ihr Liebhaber w舐e, w臧rend er sich vielmehr selbst immer aus dem Liebhaber zum Geliebten zu machen wei?. Das la? nun auch dir gesagt sein, lieber Agathon, damit du dich nicht von ihm t舫schen l葹t, sondern, durch unseren Schaden belehrt, auf deiner Hut bist und nicht erst nach dem Sprichworte, wie die Toren, durch eigenen Schaden klug wirst.

Als nun Alkibiades so gesprochen, sei ein allgemeines Gel臘hter ?ber seine Offenherzigkeit entstanden, zumal daraus hervorzugehen schien, da? er noch immer in den Sokrates verliebt sei. Sokrates aber habe gemeint: Du scheinst mir ganz n?chtern zu sein, Alkibiades. Denn sonst w?rdest du es wohl nicht so geschickt durch allerlei Winkelz?ge zu verbergen versucht haben, zu welchem Zwecke du dies alles gesagt hast, und nur zu Ende sowie im Vorbeigehen darauf gekommen sein, als ob du nicht auch schon alles Vorige blo? deshalb gesagt h舩test, um[725] mich mit Agathon zu entzweien, in dem Wahne, ich d?rfe blo? dich allein lieben und keinen anderen, Agathon aber d?rfe blo? von dir allein geliebt werden und von keinem anderen. Aber du bist nicht damit durchgekommen, sondern dein Satyr- und Silenendrama ist entlarvt worden. Darum, lieber Agathon, la? ihn keinen Gewinn davon haben, sondern sorge, da? niemand uns beide entzweie!

Agathon aber habe ihm erwidert: Ich glaube, du hast ganz recht, mein Sokrates; ich schlie?e dies auch daraus, da? er sich zwischen uns beiden niedergelassen hat, um uns so auch r舫mlich zu trennen. Das soll ihm aber nichts helfen, sondern ich werde zu dir her?berkommen.

Vortrefflich, habe Sokrates gesagt; nimm hier unterhalb von mir dicht an meiner Seite Platz!

O Zeus, habe Alkibiades ausgerufen, was habe ich schon wieder von diesem Menschen auszustehen! ワberall will er mir seine ワberlegenheit zeigen. O nein doch, du Lieber, wenn es nicht anders geht, so la? wenigstens den Agathon in der Mitte zwischen uns Platz nehmen!

Das geht nicht, habe Sokrates versetzt, denn du hast eben eine Lobrede auf mich gehalten; ich mu? also wieder eine solche auf meinen Nachbar zur Rechten halten; wenn nun Agathon unterhalb von dir Platz nimmt, so kann er mich doch wahrlich nicht noch einmal preisen, bevor er vielmehr von mir gepriesen worden ist. Darum la? ihn gew臧ren, du Vortrefflicher, und mi?g?nne dem jungen Manne meine Lobrede nicht, zumal da ich selber h?chst begierig darauf bin, sie ihm zu halten!

Juchhe! habe da Agathon ausgerufen: Alkibiades, nun h舁t mich nichts mehr zur?ck, sondern nichts ist mir jetzt angelegentlicher als meinen Platz zu wechseln, damit ich von Sokrates verherrlicht werde.

Ja, da haben wir wieder das alte Spiel, sei die Antwort des Alkibiades gewesen: wenn Sokrates da ist, dann kann kein anderer zum Mitbesitze eines Sch?nen gelangen. Und wie leicht hat er auch jetzt wieder einen so scheinbaren Vorwand gefunden, weshalb Agathon neben ihm sich niederlassen mu?!

Agathon sei hierauf aufgestanden, um neben Sokrates Platz zu nehmen: da sei pl?tzlich eine Menge von Nachtschw舐mern[726] vor der T?r erschienen, und da sie diese ge?ffnet fanden, weil gerade jemand hinausging, so seien sie zu ihnen eingedrungen und h舩ten sich bei ihnen niedergelassen. So h舩te sich alles mit L舐m erf?llt, alle Ordnung habe sich aufgel?st, und man sei gen?tigt worden, sehr vielen Wein zu trinken. Eryximachos, Phaidros und mehrere andere h舩ten sich deshalb, wie Aristodemos erz臧lte, davongemacht; ihn selbst aber habe der Schlummer ?berw舁tigt, und er habe recht lange geschlafen, indem ja damals die N臘hte lang waren, und er sei erst mit Tagesanbruch erwacht, als schon die H臧ne kr臧ten. Da habe er denn nun bemerkt, da? alle anderen teils schliefen, teils fortgegangen waren, und da? nur Agathon, Aristophanes und Sokrates noch wach waren und aus einer gro?en Schale nach rechts herum einen Umtrunk hielten. Sokrates aber habe mit den beiden andern ein Gespr臘h gef?hrt. Der ?brige Inhalt desselben, sagte Aristodemos, sei ihm nicht mehr gegenw舐tig, denn er habe den Anfang noch nicht geh?rt und sei auch zwischendurch wieder eingenickt. In der Hauptsache aber, erz臧lte er, sei es darauf hinausgelaufen, da? Sokrates sie einzur舫men gezwungen habe, es sei Sache eines und desselben, des Kom?dien – und Trag?dienschreibens kundig zu sein, und der kunstgerechte Trag?diendichter m?sse auch zugleich Kom?diendichter sein. W臧rend er sie nun dies einzur舫men n?tigte, und da sie ihm dabei nicht ganz zu folgen vermochten, seien sie eingenickt. Und zwar zuerst sei Aristophanes eingeschlafen, dann aber, als es schon heller Tag war, auch Agathon. Sokrates aber sei, nachdem er sie so in den Schlaf geredet, aufgestanden und fortgegangen, und er selber sei, wie er zu tun pflegte, ihm gefolgt. Dann habe jener sich in das Lykeion begeben und, nachdem er ein Bad genommen, ganz wie sonst dort den ganzen Tag verweilt und sei erst nach so verbrachtem Tage nach Hause und zur Ruhe gegangen.[727]

Quelle:
Platon: S舂tliche Werke. Band 1, Berlin [1940], S. 657-728.
Entstanden etwa um 380 v. Chr. Erstdruck (in lateinischer ワbersetzung durch Marsilio Ficino) in: Opera, Florenz o. J. (ca. 1482/84). Erstdruck des griechischen Originals in: Ha panta ta tu Plat?nos, herausgegeben von M. Musoros, Venedig 1513. Erste deutsche ワbersetzung durch J. G. Schulthe? unter dem Titel サGastmahl oder Gespr臘h von der Liebeォ, Z?rich 1782. Der Text folgt der ワbersetzung durch Franz Susemihl von 1855.
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