Vergessene Autoren: Letzter Aufruf: Hans Imhoff
Als Peter Hein, Sänger der Punk- und Wave-Band Fehlfarben von der Bildfläche verschwand, stand die Band im Zenit ihres Erfolges. Jahre später titelte die Musikzeitung Spex flehend: "Letzter Aufruf Peter Hein". Der Fall ist bezeichnend für den oftmals schwierigen Spagat der linken Boheme, zwischen Kommerz und Bedeutungslosigkeit dauerhaft subversive Kräfte zu entfalten.
Als frühes Beispiel für dieses Dilemma kann man den Frankfurter Autor und Aktionisten Hans Imhoff verstehen. Wie Hein und andere Nonkonformisten der Achtziger, war Imhoff während der Studentenbewegung um linke gesellschaftliche Alternativen zum Glasperlenspiel des Akademie-Kommunismus bedacht.
Doch die 68er Bewegung forderte ähnlich schwierige Lebensentscheidungen wie die spätere Pop-Avantgarde. Den Protagonisten blieb, wie so oft, nur, das Spiel der Anderen mitzugehen oder sich abzuwenden.
Imhoff war in den späten Sechzigern selbst Teil der Posse um die "Mandarine" des linken Establishments der BRD – einem schon beinahe vergessenen Land, in dem sich "Grauschleier" wie sinnzehrende Nebelbänke über zerstörte, und – im Aufbau der Fünfziger – wiederzerstörte Städte gelegt hatte.
Bekanntheit erlangte Imhoff eher mit seiner Aktionskunst als mit seinen Texten. Über sich selbst weiß er zu sagen: "Matador der Frankfurter Schule, Schlächter ihrer Kühe, Erneuerer der Spekulation, gibt sich den Titel des Einzigen." Imhoff überraschte mit kalkulierten Störmanövern bei Vorlesungen, Theaterstücken und Empfängen der linken Aristokratie.
Der Professor und Künstler Bazon Brock schrieb dazu in der Frankfurter Rundschau über diese Aktionen: "Imhoff platzte in [die] Selbstbeweihräucherung der avancierten Geister, die sich als Herren der Geschichte etablieren wollten und kultisch überhöht deren Opfer gedachten". Über Imhoffs Geschichtsbegriff schrieb Brock weiter: "Die Vergangenheit ist jetzt. Die Zukunft ist unsere heutige."
Diesem radikalen Programm versuchte Imhoff schließlich, mit seinen entschieden unentscheidbaren Aktionen Form und Sinn zu geben. War das jetzt eine politische Aktion oder künstlerisch subversiv? Ein Spiel mit den Erwartungen, deren Ziel eine selbstbewusste Infragestellung des linken Selbstverständnisses war.
In seinen Büchern, verlegt im eigenen Euphorion Verlag, dokumentierte der verlorene Sohn seine Übungen im Ungehorsam. Übrigens ein Verlag, den Imhoff programmatisch so ausgerichtet hat, den Verkauf der eigenen Bücher möglichst zu verhindern.